Dax, Dow und Nasdaq tauchen ab Fed-Chef Powell sorgt für Kurssturz an der Börse

Die Börsen reagieren mit deutlichen Kursverlusten auf die Aussagen von Fed-Chef Jerome Powell in Jackson Hole. Dax und Dow tauchen ab.
Händlerin in New York: Zinssorgen schicken Dax, Dow Jones und Nasdaq in die Tiefe

Händlerin in New York: Zinssorgen schicken Dax, Dow Jones und Nasdaq in die Tiefe

Foto: Brendan McDermid / REUTERS

Deutliche Worte von Fed-Chef Jerome Powell zur Geldpolitik in den USA und Nervosität über einen womöglich größer als bislang erwarteten Zinsschritt der EZB haben am Freitag die Aktienmärkte weltweit auf Talfahrt geschickt. Der deutsche Leitindex Dax sackte unter die Marke von 13.000 Punkten auf den tiefsten Stand seit Mitte Juli. Europaweit und in den USA trübte sich die Stimmung ebenfalls kräftig ein.

Der Dax schloss letztlich auf Xetra (17.30 Uhr) 2,3 Prozent tiefer auf 12.971 Punkte. Im Wochenverlauf büßte er somit 4,2 Prozent ein. Der MDax der mittelgroßen Unternehmen sank am Freitag um 2,1 Prozent auf 25.523,7 Zähler. Nach Handelsschluss auf Xetra baute der Dax seine Verluste weiter aus und fiel unter die Marke von 12.900 Punkten. Die Verluste am Freitag addierten sich somit auf mehr als 3 Prozent.

US-Notenbankchef Powell habe in seiner Rede den Ton in Richtung Inflationsbekämpfung verschärft, schrieb Konstantin Oldenburger, Marktanalyst bei CMC Markets. "Die Fed wird die Geldpolitik auch in Zukunft weiter restriktiv gestalten, ungeachtet der damit verbundenen 'unglücklichen Kosten' für die Wirtschaft und damit wohl auch den Aktienmarkt." Als besonders belastend für die Börsen kam noch hinzu, dass Händlern zufolge einige Ratsmitglieder der Europäischen Zentralbank (EZB) im September einen Zinsschritt um 0,75 Prozentpunkte befürworten. Bislang war man von einer Anhebung um 0,5 Prozentpunkte ausgegangen.

Gerüchte um Porsche-IPO stützen Porsche SE

Unter den Einzelwerten stützten Gerüchte zur Bewertung des geplanten Börsengangs der VW-Sportwagentochter Porsche AG die Vorzugsaktien von Volkswagen und die Papiere von Porsche SE. Die Anteile der Konzernholding beendeten den Tag mit einem Aufschlag von 0,4 Prozent als einzige im Dax im Plus. VW gaben um 0,7 Prozent nach. Die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtete unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen, dass die Porsche AG bei Interessenten mit 60 bis zu 85 Milliarden Euro bewertet werde. Die Summe könnte am oberen Ende etwas höher sein als von Analysten zuletzt taxiert.

Die Aktien von Continental gaben dagegen unter den schwächsten Werten im Leitindex um 5,6 Prozent nach. Eine skeptische Studie des Bankhauses Metzler belastete. Die Jahresziele des Autozulieferers könnten gefährdet sein, warnte Analyst Jürgen Pieper. Dabei verwies er unter anderem auf die Gefahr, dass sich die Nachfrage im Reifengeschäft abkühlen könnte.

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Auch die Aktien anderer Autozulieferer standen unter Druck. So büßten die Papiere der früheren Conti-Tochter Vitesco 4,8 Prozent und die Anteilscheine von Hella 2,7 Prozent ein. Jefferies-Analyst Himanshu Agarwal äußerte sich pessimistisch zur gesamten Branche. Der Experte blickt inzwischen etwas konservativer auf die Automobilproduktion im Jahr 2023 sowie auf das Verhältnis von Marktpreisen und Kosten.

US-Börsen mit deutlichen Verlusten

Die von der US-Notenbank Fed angekündigten weiteren Leitzinsanhebungen haben auch die US-Börsen am Freitag sichtbar unter Druck gesetzt. Bis zum Handelsschluss in den USA büßte der Leitindex Dow Jones Industrial rund 3 Prozent ein und fiel auf 32.283 Zähler zurück. Damit pulverisierte er die Erholung der letzten zwei Handelstage. Der marktbreite S&P 500 sank ebenfalls um rund 3 Prozent und der technologielastige Nasdaq 100 gab um 4,1 Prozent nach.

Viele Technologieformen sind zur Finanzierung ihrer Wachstums stärker von Krediten abhängig als Unternehmen aus traditionelleren Branchen und entsprechend verwundbar bei steigenden Zinsen.

"Die Wiederherstellung der Preisstabilität wird wahrscheinlich die Fortsetzung einer restriktiven Geldpolitik für einige Zeit notwendig machen", sagte Fed-Chef Jerome Powell im Rahmen der Notenbankkonferenz von Jackson Hole. Zudem spreche die historische Erfahrung dagegen, die Geldpolitik zu früh zu lockern.

Powell gab jedoch noch keine klaren Signale für die nächste Zusammenkunft. "Unsere Entscheidung auf der September-Sitzung wird von der Gesamtheit der eingehenden Daten und den sich entwickelnden Aussichten abhängen", sagte der Notenbanker. Es könnte jedoch ein erneut "außergewöhnlich großer" Zinsschritt notwendig werden.

Moderna will Pfizer und Biontech verklagen

Die US-Biotechfirma Moderna will den deutschen Rivalen Biontech und dessen Partner Pfizer wegen angeblicher Patentrechtsverletzungen bei der Entwicklung von Corona-Impfstoffen zur Rechenschaft ziehen. Moderna habe deshalb Klagen bei Gerichten in den USA und in Deutschland eingereicht, teilte das Unternehmen am Freitag mit. Die Moderna-Aktien sanken vorbörslich um 0,4 Prozent, jene von Biontech verbilligten sich um 2,0 Prozent und Pfizer-Papiere büßten 0,6 Prozent ein.

Ansonsten legten die an den US-Börsen gelisteten Anteilscheine (ADRs) chinesischer Unternehmen am Freitag vorbörslich weiter zu. So erzielten die USA und China laut der US-Börsenaufsicht SEC eine vorläufige Einigung, dass US-Vertreter Rechnungslegungsdokumente von in den USA notierten chinesischen Firmen prüfen können. Das ist ein erster Schritt auf dem Weg zu verhindern, dass um die 200 ins New York gelistete chinesische Firmen ihre dortige Börsennotierung aufgeben müssen.

Bitcoin knickt erneut ein

Die weltweit bekannteste Digitalwährung Bitcoin notierte am Freitag Abend ebenfalls klar im Minus und fiel wieder unter die Marke von 21.000 US-Dollar. Die Kryptowährung ist seit Jahresbeginn unter Druck. Im November vergangenen Jahres erreichte der Bitcoin noch ein Rekordhoch von 69.000 US-Dollar.

Bitcoin

Ölpreise kaum verändert

Die Ölpreise haben sich am Freitag ebenfalls kaum verändert gezeigt. Zuletzt kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent  rund 100 US-Dollar. Das waren 0,6 Prozent mehr als am Vortag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate  (WTI) notierte ebenfalls kaum verändert.

Die Ölpreise waren Anfang der Woche unter Druck geraten, legten in Folge der leichten Erholung an den Aktienmärkten aber wieder zu.

Mit Nachrichtenagenturen
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