Börse Feste Wall Street schiebt Dax über 14.000-Punkte-Marke

Zum Handelsschluss schafft es der Dax doch noch ins Plus - "bestenfalls eine Bärenmarktrally", unkt ein Beobachter. Anleger erwarten nun mit Spannung die Zinsentscheidung der US-Notenbank. Die Aktie der Adler Group gewinnt 33 Prozent.
Börsenhändler in Frankfurt: Aktienanleger nicht nur in den USA müssen sich auf Zinserhöhungen einstellen

Börsenhändler in Frankfurt: Aktienanleger nicht nur in den USA müssen sich auf Zinserhöhungen einstellen

Foto: Arne Dedert / dpa

Dank freundlicher US-Börsen hat der Dax einen Teil seiner Verluste vom Wochenauftakt wettgemacht und über der Marke von 14 000 Punkten geschlossen. Der deutsche Leitindex beendete den Handel am Dienstag mit plus 0,72 Prozent auf 14.039 Punkten. Das Tagestief hatte bei 13.920 Punkten und das Tageshoch bei 14.081 Zählern gelegen. Der MDax der mittelgroßen Börsenwerte legte um 1,39 Prozent auf 29.932 Zähler zu. Europaweit wurden ebenfalls Gewinne verbucht.

Laut den Charttechnik-Experten von Index-Radar erlebt der Dax aktuell "bestenfalls eine Bärenmarktrally", also einen kurzfristigen Anstieg innerhalb einer längeren, abwärts gerichteten Periode. Versuche einer Trendwende seien in den vergangenen Tagen gescheitert. "Kurz vor der wichtigen Sitzung der US-Notenbank (Fed) an diesem Mittwoch will sich niemand voreilig positionieren", erläuterte Marktexperte Andreas Lipkow von Comdirect die Vorsicht der Anleger.

Dax

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Zum Handelsschluss in Europa notierte die wichtigsten Aktienindizes an der Wall Street weitgehend im Plus. Anleger warteten mit Spannung auf den Zinsentscheid der Notenbank Fed am Mittwoch, hieß es. Die Fed steht vor der größten Zinserhöhung seit 2000. Die Pläne der US-Notenbank, die Zinsen zu erhöhen und ihre Bilanz zu reduzieren, beenden Marktbeobachtern zufolge eine Ära des billigen Geldes. Angesichts der hohen Inflation wird damit gerechnet, dass der Leitzins um 0,5 Prozentpunkte angehoben wird.

Nasdaq

Nasdaq

Der Leitindex Dow Jones Industrial gewann gegen 18 Uhr (MEZ) 0,3 Prozent auf 33.155 Punkte. Der marktbreite S&P 500 baute seine Zugewinne auf 0,46 Prozent bei 4174 Zähler aus. Der technologielastige Nasdaq 100 schwankte um seinen Vortagesschluss bei etwa 13.050 Punkten.

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Covestro-Aktie taucht ab, Deutsche Bank gefragt

Mit Blick auf die Einzelwerte prägen Quartalsberichte weiter das Bild. Am Vorabend enttäuschte der Chemiekonzern Covestro mit einer niedrigeren Gewinnerwartung für 2022. Die Aktien verloren als Dax-Schlusslicht 5 Prozent. Die Aktien der Deutschen Post ging mit einem Verlust von 0,3 Porzent aus dem Handel. Die Quartalszahlen des Logistikers und die Bekräftigung der Konzernziele kamen zwar gut an, doch wie Per-Ola Hellgren von LBBW schrieb, bleibt die Unsicherheit vorerst weiter hoch. Daher bezog er einen zusätzlichen Bewertungsabschlag in sein Modell ein, der erst im Fall einer Beruhigung der geopolitischen Lage wieder entfalle.

Papiere von Banken legten nach positiven Nachrichten von BNP Paribas europaweit zu. Die französische Großbank überraschte mit einem Gewinnsprung und zog im Dax die Aktien der Deutschen Bank mit, die um gut vier Prozent stiegen.

Adler Group gewinnt 33 Prozent

Die Aktie von Adler Group machte ihren Kurssturz vom Vortag größtenteils wieder wett und stieg um rund 33 Prozent. Nachdem die Wirtschaftsprüfgesellschaft KPMG dem Immobilienkonzern das Testat für die Geschäftszahlen 2021 verweigert hatte, war das Papier zu Wochenbeginn eingebrochen. Nun war im Handel von spekulativen Käufen die Rede.

Bitcoin kaum verändert

Die weltweit bekannteste Digitalwährung Bitcoin notierte zuletzt 38.420 Dollar. Die Kryptowährung ist seit Jahresbeginn unter Druck. Im November vergangenen Jahres erreichte der Bitcoin noch ein Rekordhoch von 69.000 US-Dollar.

Bitcoin

Ölpreise geraten unter Verkaufsdruck

Die Ölpreise sind am Dienstag bis zum Mittag spürbar unter Druck geraten. Zuletzt kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent  106,22 US-Dollar. Das waren 1,36 Dollar weniger als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-amerikanischen Sorte West Texas Intermediate  (WTI) fiel um 1,33 Dollar auf 103,84 Dollar.

Brent

Seit einigen Tagen schwanken die Rohölpreise teils deutlich und tun sich schwer, eine klare Richtung einzuschlagen. Marktbeobachter verweisen als Begründung auf gegenläufige Kräfte, die die Preise in Schach halten. So herrscht auf der Angebotsseite Knappheit vor, da Russland seit seinem Angriff auf die Ukraine scharfen Sanktionen unterliegt und deshalb Probleme hat, Abnehmer für sein Erdöl zu finden. Das spricht für hohe und eher steigende Ölpreise.

Auf der Nachfrageseite bestehen jedoch Sorgen, dass die rigorose Corona-Politik Chinas die dortige Rohöl- und Benzinnachfrage abwürgen könnte. Dies stellt eine herbe Belastung für den Ölmarkt dar. China ist als zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt auch eines der größten Ölverbrauchsländer. Die Volksrepublik verfolgt eine scharfe Corona-Bekämpfung mit strikten Ausgangssperren. Auch Wirtschaftsmetropolen mit vielen Millionen Einwohnern sind betroffen.

In der Europäischen Union (EU) zeichnet sich unterdessen immer deutlicher ein Ölembargo gegen Russland ab. Unklarheit herrscht allerdings über die genauen Konditionen, wann ein Embargo also in Kraft treten könnte und ob es Ausnahmen für einzelne EU-Länder geben soll. Ungarn droht weiterhin mit einem Veto, was eine Einigung zusätzlich erschwert.

Mit Nachrichtenagenturen