Börsen-Kursrallye in USA, Dax gewinnt nur leicht Dax mit Gewinnen, Wall Street auf Rekordjagd

Die Euphorie deutscher Anleger über Studienergebnisse des Impfstoffherstellers Moderna verblasste schnell. Dank guter China-Nachrichten schließt der Dax leicht im Plus. In den USA dagegen steigen die Kurse kräftig.
Börsen im Vorwärtsgang: Der Dow Jones Industrial nimmt die Marke von 30.000 Punkten in den Blick. Sogar der Dax ist nicht mehr weit von seinem Rekordhoch entfernt

Börsen im Vorwärtsgang: Der Dow Jones Industrial nimmt die Marke von 30.000 Punkten in den Blick. Sogar der Dax ist nicht mehr weit von seinem Rekordhoch entfernt

Foto: JOHANNES EISELE/ AFP

Der Abschluss eines Freihandelsabkommens zwischen China und 14 asiatisch-pazifischen Staaten sowie erfreuliche Wirtschaftsdaten aus dem Reich der Mitte haben am Montag die Zuversicht unter den Anlegern nochmals gestärkt. Zudem angetrieben von einem erneuten Erfolg bei der Entwicklung eines Corona-Impfstoffes legte der Dax  in der Spitze sogar bis auf 13 277 Punkte zu. Diese Euphorie verblasste aber zusehends, sodass der Index am Ende nur noch 0,47 Prozent auf 13 138,61 Punkte gewann.

Mit dem US-Pharmakonzern Moderna legte nun ein weiterer Hersteller positive Daten für einen Corona-Impfstoff vor. Dieser habe eine Wirksamkeit von 94,5 Prozent, teilte das Unternehmen mit. Die Moderna-Aktien kletterten an der US-Börse Nasdaq teils im zweistelligen Prozentbereich nach oben. Die Aktie von BioNTech verstärkte ihre Talfahrt und gab im Tagesverlauf um bis zu 9,1 Prozent nach - hier setzen nun nach der Rallye der Vorwoche Gewinnmitnahmen ein.

In den USA könnte der US-Leitindex Dow Jones Industrial   erstmals in seiner Geschichte die Marke von 30.000 Zählern überwinden (s. unten).

Mit der Nachricht über einen möglicherweise weiteren effektiven Impfstoff sind am Montag die Kurse der bisherigen Profiteure und Verlierer der Corona-Krise getrennte Wege gegangen: Der europäische Reisesektor zog kräftig an und verpasste einen Höchststand seit Anfang März nur knapp. Lufthansa  gewannen im MDax siebeneinhalb Prozent und die Papiere des Flughafenbetreibers Fraport sechseinhalb Prozent. Im Dax waren die Anteile des Triebwerkherstellers MTU mit plus fünfeinhalb Prozent vorne.

Federn lassen mussten dagegen die Papiere der bisherigen Krisengewinner wie der Kochboxversender Hellofresh oder der Online-Modehändler Zalando mit Verlusten von bis zu 4,57 Prozent. Im Dax zeigten sich die Aktien des Essenauslieferers Delivery Hero mit minus 2,77 Prozent schwach. Die genannten Unternehmen profitieren seit Monaten von Restriktionen und Lockdowns im Zuge der Pandemie. Mit einem wirksamen Impfstoff könnte dieser Rückenwind nachlassen.

Die Aktien von Va-Q-Tec schnellten zuerst um über 40 Prozent hoch, beendeten den Tag aber mit minus 2,41 Prozent. Das Unternehmen produziert Thermoboxen und Container zum Transport temperatursensibler Güter und wird als Profiteur der Erfolge des Mainzer Unternehmens BioNTech gesehen, dessen Impfstoff wegen der Kühlung hohe logistische Ansprüche mit sich bringt. Der Impfstoff von Moderna soll dagegen bei normaler Kühlschranktemperatur lagerbar sein, was Marktteilnehmer als belastend werteten für die Kursentwicklung von Va-Q-Tec.

Bereits in der Vorwoche hatte der Dax rund 4 Prozent zugelegt, in den USA notiert der marktbreite S&P 500 Index seit Freitag auf einem Rekordniveau. Auch der EuroStoxx 50 notierte am Montag deutlich fester.

Wall Street auf Rekordjagd: Dow Jones nahe 30.000 Punkten

Dank der Nachricht über einen möglicherweise weiteren effektiven Impfstoff gegen die Lungenkrankheit Covid-19 könnte der Dow Jones Industrial im Verlauf des Montags erstmals in seiner 124-jährigen Geschichte die runde Marke von 30 000 Punkten knacken. Der US-Leitindex Dow Jones  startete am Montag 1,2 Prozent höher auf 29 820 Punkte in den Handel - bis zur runden Rekordmarke fehlen ihm nur noch knapp 200 Punkte.

Nasdaq 100

Mit dem Pharmakonzern Moderna legte ein weiterer Hersteller vielversprechende Daten für seinen Corona-Impfstoff vor. Der Impfstoff habe eine Wirksamkeit von 94,5 Prozent, hieß es in einer Mitteilung von Moderna. Zudem wurde bekannt, dass die Europäische Arzneimittel-Agentur Ema ein sogenanntes Rolling-Review-Verfahren zu dem Moderna-Impfstoff beginnt, das eine vergleichsweise rasche Zulassung zum Ziel hat. Die Aktien von Moderna schnellten im vorbörslichen US-Handel um gut zwölf Prozent in die Höhe.

Der offenbar gut wirksame Impfstoff von Moderna ist vergleichsweise lange bei normaler Kühlschranktemperatur lagerbar. Der Impfstoff des Hersteller Pfizer und seines deutschen Partners Biontech hingegen muss gefroren bei rund minus 70 Grad bis zum Ort des Impfens transportiert werden. Die beiden Unternehmen hatten bereits vergangene Woche positive Daten vorgelegt und so die Börsen weltweit beflügelt. Für die Papiere von Pfizer ging es nun vorbörslich um 1,9 Prozent nach unten und die von Biontech sackten um 7,5 Prozent ab.

Die Baumarktkette Home Depot will den Großhändler HD Supply schlucken. Dessen Anteilsscheine schnellten vorbörslich um rund 24 Prozent in die Höhe, während die von Home Depot um 0,6 Prozent zulegten.

Asiens Börsen auf Rekordhoch - größter Freihandelspakt der Welt

Starke Wirtschaftsdaten aus China und Japan und der anhaltende Impfstoff-Optimismus der Anleger haben die asiatischen Aktien am Montag zu einem Rekordhoch verholfen. Das japanische Wirtschaftswachstum und die Industrieproduktion in China übertrafen beide die Erwartungen der Analysten. Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index lag im Verlauf 1,9 Prozent höher bei 25.866 Punkten. und notierte auf einem 29-Jahres Hoch. Der breiter gefasste Topix-Index stieg um 1,8 Prozent und lag bei 1734 Punkten. Am Sonntag hatten China und 15 weitere Staaten den größten Freihandelspakt der Welt besiegelt - dies dürfte das Wachstum insbesondere Chinas künftig beschleunigen.

In Asien sorgte das größte Freihandelsabkommen der Welt für Begeisterung bei den Investoren. Dieses hat China mit 14 asiatisch-pazifischen Staaten geschlossen. An der Börse von Schanghai stiegen die Kurse daraufhin. Daten aus dem Einzelhandel und der Industrie Chinas deuten zudem auf eine Erholung der Wirtschaft vom Corona-Schock zum Jahresanfang hin. "Es gibt so viel Bargeld, das darauf warten, investiert zu werden, und da wir positive Impfstoffnachrichten sowie ein geringeres Risiko im Zusammenhang mit den US-Wahlen haben, fließt all dies in Aktien", sagte Kyle Rodda Analyst bei IG Markets. Die Börse in Shanghai lag 1 Prozent im Plus. Der Index der wichtigsten Unternehmen in Shanghai und Shenzen gewann 0,8 Prozent. Der MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans stieg um 0,5 Prozent und erreichte den höchsten Stand seit seiner Einführung im Jahr 1987.

Bilanzsasion geht zu Ende

Mit Blick auf deutsche Einzelwerte herrscht zum Wochenbeginn Ruhe, und auch die Saison der Quartalsberichte nähert sich ihrem Ende. Auf Tradegate gaben die Aktien von Dermapharm um gut ein Prozent nach, der Arzneimittelhersteller hatte Zahlen für die ersten neun Monate veröffentlicht. Papiere des Portalbetreibers Scout24 verloren 1,4 Prozent, nachdem Goldman Sachs die Kaufempfehlung gestrichen hat.

Von der Bilanzsaison bekommen die Börsen in den nächsten Tagen wenige Impulse. Sie neigt sich allmählich ihrem Ende zu. Aus dem Dax haben inzwischen alle Konzerne Quartalszahlen vorgelegt, so dass nur noch einige Vertreter aus MDax und SDax auf der Agenda stehen. Gleich am Montag ist das etwa der Immobilienkonzern Grand City Properties sowie am Dienstag der Internethändler für Haustierbedarf Zooplus und am Mittwoch der Lkw-Zulieferer SAF-Holland.

Krisenkonzern Thyssenkrupp im Blick

Die Zahlen des kriselnden Traditionskonzerns Thyssenkrupp stehen am Donnerstag auf der Agenda. Auch der von der Corona-Pandemie stark belastete Ticketvermarkter und Eventveranstalter CTS Eventim berichtet.

Komplettiert wird die Reihe vom Solar- und Windparkbetreiber Encavis und vom Arzneihersteller Dermapharm (beide am Montag) sowie vom Bremsspezialisten Knorr-Bremse (am Donnerstag).

Wichtige Konjunkturdaten der neuen Woche kommen am Dienstag aus den USA mit den Einzelhandelsumsätzen und der Industrieproduktion. "Es sind die zwei Gesichter der US-Wirtschaft in der Corona-Erholung: Während die Einzelhandelsumsätze bereits im Juni das Vorkrisenniveau überschreiten konnten, hinkt die Industrieproduktion auffallend deutlich hinterher", analysieren die Volkswirte der DekaBank. "An diesem grundsätzlichen Bild dürfte sich auch mit den Oktoberzahlen nichts Wesentliches ändern."

Brexit: Anleger hoffen auf Einlenken Londons in letzter Minute

Im Blick behielten die Anleger auch die in einer heißen Phase befindlichen Brexit-Gespräche. Das Pfund legte 0,5 Prozent auf 1,3175 Dollar zu, nachdem der engste Berater des britischen Premierministers Boris Johnson, Dominic Cummings, sich aus Downing Street 10 weggeschlichen hat "Mit Cummings Weggang, der als einer der Schlüsselpersonen hinter Brexit angesehen wird, deutet dies darauf hin, dass Johnson weitere Kompromisse in Betracht ziehen könnte, was positiv zu werten sein wird. So nimmt der Markt diese Nachricht wahrscheinlich auf", sagte Lee Hardman, Währungsanalyst beim Broker MUFG. Nach dem offiziellen EU-Austritt ist Großbritannien bis Ende 2020 in einer Übergangsphase, in der noch EU-Regeln gelten. Über die künftigen Beziehungen samt Freihandelsabkommen wird seit Monaten gerungen - bislang ohne Ergebnis, weshalb die Wirtschaft ab Anfang 2021 Chaos und steigende Zölle befürchtet.

Euro kaum verändert

Der Euro kostete nach Börsenschluss 1,1842 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Nachmittag auf 1,1830 (Freitag: 1,1815) US-Dollar festgesetzt und der Dollar damit 0,8453 (0,8464) Euro gekostet.

EUR/USD

Ölpreise vor OPEC Treffen leicht erholt

Die Ölpreise sind am Montag vor einem wichtigen Treffen des Ölverbunds Opec+ gestiegen. Am Morgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 43,27 US-Dollar. Das waren 49 Cent mehr als am Freitag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um 57 Cent auf 40,70 Dollar. Am Dienstag trifft sich ein hochrangiges Gremium des Ölverbunds Opec+, um über die Einhaltung verabredeter Förderkürzungen zu wachen. Es wird erwartet, dass sich die Experten auch mit der Förderpolitik im kommenden Jahr beschäftigen.

Ölpreis

Brent

Auftrieb erhalten haben die Ölpreise zuletzt von der Hoffnung auf einen Impfstoff gegen das Coronavirus. Eine relativ zeitnahe Versorgung der Bevölkerung würde der schwächelnden Rohölnachfrage zugutekommen. Fachleute dämpfen jedoch den Optimismus, da eine flächendeckende Impfung einige Zeit benötigt.

mit Nachrichtenagenturen