Börsenkurse der Woche Überraschen Sie uns, Herr Halver!

Ein möglicher Abwertungskrieg der Weltwährungen, Ein Horrorszenario für die britische Börse und ein heißer Zweikampf am deutschen Aktienmarkt. Die Börsenkurse, auf die Anleger jetzt achten sollten - heute von Börsenprofi Robert Halver.

Währungen - Länder im Abwertungswettstreit

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Der wirtschaftlichen Not gehorchend, macht sich die Bank of Japan zum Erfüllungsgehilfen ihrer Exportindustrie und betreibt über Staatsanleihenaufkäufe die Abwertung des Yen . Angesichts von Rezessionsängsten in der Eurozone scheint ebenso die EZB diesen Pfad der geldpolitischen Untugend zu betreten. Verbal hat EZB-Präsident Draghi einen breiten Anleihenaufkauf längst eingeleitet, um über sich so noch weiter verringernde Staatsanleiherenditen den Geldzufluss ausländischer Anleger in die Eurozone umzukehren.

Die Bank of Japan wird nicht zuschauen, wenn ein gegenüber dem Euro  aufwertender Yen der japanischen Exportwirtschaft Terrain im Welthandel abnimmt. Noch üppigere Liquiditätsinjektionen werden ihre Antwort sein. Zum Schluss werden sich beide Notenbanken gegenseitig mit Anleihenaufkäufen hochschaukeln. Sollten dann Yen und Euro gemeinsam gegenüber anderen Exportkonkurrenzwährungen abwerten, werden ebenso Chinesen, Schweden, Südkoreaner, Schweizer und Amerikaner in den Währungsabwertungswettlauf eintreten, der dann zum Abwertungsweltkrieg wird.

Die Aktienmärkte sind die Nutznießer dieser anhaltenden Liquiditätshausse. Oder anders ausgedrückt: Mit der Geldpolitik ist das ganze Jahr Weihnachten!

Japanische Aktien - Geldflut treibt Kurse

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Da die japanische Notenbank die Neuverschuldung Japans komplett aufkauft, sind üppige schuldenfinanzierte Konjunkturpakete ohne Zinsirritationen problemlos möglich. Neben dem Argument der Liquiditätshausse kommen japanische Aktien somit auch immer mehr in den Genuss von harten positiven Fundamentaldaten.

Nicht zuletzt wird durch die geldpolitische Übernahme des Finanzierungsrisikos von Staatspapieren der japanische Pensionsfonds von dieser Last befreit und kann stattdessen umfangreiche Finanzmittel - er ist der größte staatliche Pensionsfonds der Welt - in japanische Aktien umlenken.

Um einen weiteren Schock an den japanischen Finanzmärkten zu verhindern, wird die Notenbank aus dieser geldpolitischen Rettungsnummer nicht mehr entkommen können. Von Amerika lernen, heißt auch in Japan siegen lernen: Ähnlich wie die Anleihenaufkaufprogramme der Fed dürfte sich auch die Liquiditätsausstattung in Japan in einer fortgesetzten Liquiditätshausse japanischer Aktien zeigen.

Der japanische Aktienmarkt wird diesen geldpolitischen Blankoscheck mit Indexständen des Nikkei 225  auch jenseits der Marke von 19.000 bis Ende 2015 honorieren.

US-Aktien - Zinswende dürfte Kurse drücken

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Die Zinswende in den USA ist kein Grund zur Sorge für US-Aktien. Zunächst sind Leitzinserhöhungen Ausdruck einer robusten US-Konjunktur, die im nächsten Jahr mit 2,9 Prozent zum Vorjahr wachsen dürfte. Ohnehin wird es ähnlich deutliche Zinssteigerungen wie zwischen 2004 und 2006, die schließlich zum Platzen der Immobilienblase führten, nicht geben. Ansonsten riskierte die Fed ein Platzen der weltweiten Anleihenblase und eine weltwirtschaftsschädliche Kapitalflucht aus den Emerging Markets.

Unter den amerikanischen Aktienmärkten wird die softe Zinswende dennoch dem US-Technologieindex Nasdaq 100  zusetzen. Denn die in ihm enthaltenen Aktien sind im Laufe der US-Niedrigzinsperiode seit 2009 bereits stark vorgelaufen, sind grundsätzlich höher bewertet und verfügen oft genug über weniger finanzielle Substanz und Ertragsstärke. Bei Zinserhöhungen werden sie naturgemäß stärker abgestraft, sozusagen "abgezinst".

Dem gegenüber besitzen substanz- und gewinnstarke Industrie-, Konsum- und Pharmawerte aus den Aktienindices Dow Jones  oder S&P 500  Steherqualitäten. Die relative Stärke von Nasdaq 100 gegenüber Dow Jones und S&P 500 wird sich umkehren.

Spanien - weitere Reformen erforderlich

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Die spanische Wirtschaft ist angeschlagen. Aber es gibt Licht am Ende des Tunnels. Im Vergleich zu Italien oder Frankreich gehen die Iberer bei der Flexibilisierung des Arbeitsmarktes mit gutem Beispiel voran. Sicherlich sind weiter Standortverbesserungen dringend erforderlich, um die Wettbewerbsfähigkeit Spaniens dauerhaft zu stärken. Damit wird wohl erst nach den Parlamentswahlen im Herbst 2015 zu rechnen sein, da Premierminister Rajoy seine Wiederwahl nicht gefährden will.

Die Erwartungen auf eine dann stattfindende Reformdauerschleife sind jedoch groß. Entgegen dem allgemeinen Trend in der Eurozone zeigt der spanische Einkaufsmanagerindex eine anhaltende Erholung der Industrie. Das hilft nicht zuletzt dem spanischen Aktienmarkt, der seine Outperformance gegenüber seinem Pendant im reformrenitenten Italien klar fortsetzt.

Britische Aktien - Horrorszenario EU-Austritt

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Mit zuletzt 3 Prozent Wachstum ist das Vereinigte Königreich Spitzenreiter unter den G7-Staaten. Der britische Aktienleitindex FTSE 100  lockt mit einer Dividendenrendite von tatsächlich 4,6 Prozent. Nicht zuletzt verspricht der Aufwertungstrend des britischen Pfunds Währungsgewinne für Euro-Anleger. Dennoch, 2014 gehört der FTSE 100 zu den weltweit schwächsten Aktienmärkten.

2015 verspricht keine Verbesserung. Die Konjunkturstärke macht Zinserhöhungen zu einer permanenten Gefahr. Diese sind vor dem Hintergrund der Abhängigkeit der britischen Wirtschaft vom Finanz- und Immobiliensektor sehr problematisch.

Ein Horrorszenario für britische Aktie ist vor allem der mögliche EU-Austritt (Brexit), über den Premierminister Cameron 2017 abstimmen lassen will. Ein Brexit träfe britische Exportunternehmen hart, da sich unter den zehn größten britischen Exportmärkten sieben EU-Länder finden. Einzelne britische Banken drohen bereits mit dem Umzug nach Irland. Bis zur EU-Abstimmung bleibt der Brexit ein Damoklesschwert für britische Aktien.

Deutsche Aktien - MDax schlägt Dax

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Das deutsche verarbeitende Gewerbe blickt gemäß den letzten Daten zu den Ifo-Geschäftserwartungen erstmals wieder etwas positiver in die Zukunft. Zwar ist es noch zu früh von einer Trendwende zu sprechen, aber die Voraussetzungen hierfür haben sich dank einer Beibehaltung des ultralockeren geldpolitischen Umfelds in der Eurozone, niedriger Energiepreise, der Euro-Abwertung und einer stabilen weltwirtschaftlichen Perspektive - die Eurozone wird mit schuldenfinanzierten Konjunkturprogrammen gestützt - verbessert. Immerhin schätzt der IWF das Weltwirtschaftswachstum für 2015 höher als in diesem Jahr ein.

Niederschlag findet die sich bessernde konjunkturelle Stimmung in einer relativen Stärke des MDax  - der deutsche Aktienindex mit schwerpunktmäßig konjunktursensitiven Mittelstandswerten - gegenüber dem Leitindex Dax .

2015 ist von einer Fortsetzung der Outperformance zyklischer Aktien und damit auch des kleinen gegenüber dem großen Aktien-Bruder auszugehen.

Langfristige Anlage - den Dividendendividendeneffekt nutzen

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Der Zinseszinseffekt kann nur dann eine positive Anlagewirkung entfalten, wenn der zugrunde gelegte Anlagezins eine entsprechende Höhe hat. Zur Verhinderung einer Euro-Sklerose sind wirklich ansteigende Zinsen aber utopisch.

Dagegen wartet aktuell der Dax mit etwa 3, der Euro Stoxx 50  mit knapp 4 und einige Branchen sowie ein reiner Euro-Dividendenindex mit bis über 5 Prozent Dividendenrendite auf. Daher ist es lohnenswert, den Zinseszinseffekt durch den Dividendendividendeneffekt zu ersetzen.

Die Attraktivität dieser Anlagestrategie kann man am Beispiel der Deutschen Telekom seit Börseneinführung, gerechnet mit und ohne Wiederanlage der Dividende in die T-Aktie, verdeutlichen. Ohne reinvestierte Ausschüttungen hätte im gesamten Anlagezeitraum ein Kursverlust von ungefähr 30 Prozent, per anno also 2,2 Prozent hingenommen werden müssen.

Bei regelmäßiger Wiederanlage der Ausschüttungen in neuen Telekom-Aktien jedoch hätte sich bis heute insgesamt ein Wertzuwachs von rund 42 Prozent, pro Jahr 2,1 Prozent, ergeben. Mit dieser Anlagestrategie erwirtschaftet man sich auch ein ordentliches Risikopolster gegen Kursschwankungen.

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