Erholung an der Börse Dax und Dow drehen ins Minus, Porsche und VW haussieren

Nach einem tagelangen Ausverkauf hat sich der deutsche Aktienmarkt am Dienstag etwas gefangen, schloss aber im Minus. Die Aktien von Volkswagen und der Porsche SE Holding legen zweistellig zu.
Bange Blicke: Russlands Präsident Putin hat die Panzer in Marsch geschickt. Zugleich stützen die Börsenpläne von Porsche den Dax

Bange Blicke: Russlands Präsident Putin hat die Panzer in Marsch geschickt. Zugleich stützen die Börsenpläne von Porsche den Dax

Foto: Frank Rumpenhorst / picture-alliance/ dpa

Wilder Ritt an den Börsen: Nach einem tagelangen Ausverkauf hat sich der deutsche Aktienmarkt am Dienstag etwas gefangen. Zwar schloss der Dax  mit 0,26 Prozent erneut im Minus und endete damit bei 14.693 Punkten. Damit bremste er aber die jüngste Talfahrt als Folge des Konflikts um die Ukraine deutlich ab. Der MDax  gab um 0,43 Prozent auf 32.192 Punkte ebenfalls nur noch moderat nach. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 trat am Dienstag mit 3985,47 Zählern quasi auf der Stelle.

Der Dax hatte im Tagestief unmittelbar nach Handelsbeginn nochmals 2,5 Prozent eingebüßt. Das war der niedrigste Stand seit fast einem Jahr. Zu diesem Zeitpunkt stand für den Index ein Minus von mehr als 1000 Punkten oder fast sieben Prozent in nur fünf Börsentagen zu Buche. Im weiteren Verlauf des Handels machte der Leitindex dann aber wieder Boden gut.

Dax

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Aktuell werde an den Kapitalmärkten eine weitere Eskalation in der Ukraine-Krise eingepreist, "aber sicher noch nicht eine das ganze Land umfassende Invasion", sagte Portfoliomanager Christoph Schmidt von der DWS. In den vergangenen Tagen hatte die Furcht vor einer russischen Invasion die Märkte erfasst. Nun sieht es so aus, dass der russische Präsident Wladimir Putin nur nach den von russischen Separatisten besetzten Regionen in der Ostukraine greift.

Volkswagen bereitet Börsengang von Porsche vor – VW Vorzugsaktie und Holding Porsche SE haussieren

Die wichtigste Unterstützung für den Dax kam jedoch von Dax-Unternehmen selbst: Volkswagen will den zum Konzern gehörenden Sportwagenhersteller Porsche an die Börse bringen. VW und die bereits börsennotierte Porsche Automobil Holding SE befänden sich in "fortgeschrittenen Gesprächen über einen möglichen Börsengang" von Porsche, hieß es am Dienstag in einer Pflichtmitteilung des Unternehmens. Demnach wird über eine entsprechende Eckpunktevereinbarung verhandelt. manager magazin hatte bereits vor einem Jahr exklusiv über den geplanten Porsche-Börsengang berichtet .

Die Volkswagen-Vorzugsaktien sprangen nach der VW-Pflichtmitteilung um mehr als 10 Prozent nach oben. Ebenso zogen die Anteile der Porsche SE um rund 12 Prozent an. Die Holding ist nicht zu verwechseln mit dem Sportwagenbauer selbst, der unter dem VW-Konzerndach angesiedelt ist. Die Holding Porsche SE hält gut 53 Prozent der Stimmrechte am Volkswagen-Konzern.

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Hellofresh und Continental starten Erholungsversuch

Porsche SE und VW waren am Dienstag nicht die einzigen klaren Gewinner im Dax. So zogen die Aktien von Hellofresh und von Siemens Energy jeweils um rund 6 Prozent an. Die Aktie von Continental, die in den vergangenen Tagen um knapp 8 Prozent abgesackt waren, legte zuletzt um 5 Prozent zu.

Warten auf Sanktionen gegen Russland

Die Anleger hätten den ersten Schrecken wohl verdaut und warteten nun ab, wie Russland weiter vorgehe und welche Sanktionen der Westen beschließen werde, sagten Marktbeobachter. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur sieht ein den Mitgliedstaaten präsentierter Entwurf vor, den Handel mit russischen Staatsanleihen zu verbieten, um eine Refinanzierung des russischen Staats zu erschweren. Zudem sollen mehrere Hundert Personen und Unternehmen auf die EU-Sanktionsliste kommen. Hier dürften einige Investoren wohl Schlimmeres befürchtet haben. Zudem soll russisches Erdgas weiter fließen. "Russland beabsichtigt, die ununterbrochenen Lieferungen dieses Rohstoffs, einschließlich des Flüssiggases, an die Weltmärkte fortzusetzen", sagte Russlands Präsident Wladimir Putin dem Kreml zufolge.

Fresenius unter Druck, FMC mit Kurssprung

FMC legten im Dax an dritter Stelle um 3,6 Prozent zu. Die US-Bank JPMorgan sah den eigentlichen Grund dafür allerdings weniger in den etwas besser als erwartet ausgefallenen Geschäftszahlen, die der Dialysespezialist am Morgen vorlegte. Sie verwies eher auf ein Ausgleichen von Leerverkäufen in der Aktie durch Käufe. Dem Blutwäschespezialisten hatte 2021 die hohe Sterblichkeit seiner Patienten in der Corona-Pandemie zu schaffen gemacht und auch steigende Kosten. Dennoch strebt FMC 2022 die Rückkehr zum Gewinnwachstum an. Die Anteile der FMC-Mutter Fresenius büßten als schwächster Dax-Wert hingegen 7,6 Prozent ein. Ein Händler nannte die Zahlen des Krankenhausbetreibers und Medizinkonzerns dennoch "besser als gedacht".

Nach einem weiteren Rekordtief im frühen Handel stiegen die Anteile von Auto1 im MDax mit plus 3,5 Prozent an die Spitze. Der unter einem zunehmend ausgedünntem Angebot an Gebrauchtwagen leidende Online-Händler hat nach eigener Aussage eine Kooperation mit der Allane Mobility Group (vormals Sixt Leasing) zur Vermarktung von mehr als 10 000 Fahrzeugen pro Jahr geschlossen.

Dow Jones dreht ins Minus

Der eskalierende Konflikt zwischen Russland und der Ukraine hat die US-Börsen am Dienstag weiter belastet. Der Dow Jones notierte zuletzt 0,9 im Minus bei 33.800 Punkten. Der technologielastigen Nasdaq 100 notierte lediglich 1 Prozent tiefer bei 13.900. Schwergewichte wie Tesla und Amazon setzten zu einer Erholung an. Am Montag war in den USA nicht gehandelt worden.

Nasdaq

Nasdaq

"Im kurzfristigen Zeithorizont stellt dieser Konflikt für die Aktienmärkte einen signifikanten Belastungsfaktor dar", konstatierte Analyst Frank Wohlgemuth von der National-Bank. In der Vergangenheit hätten sich politische Börsen zwar oft als kurzlebig erwiesen. Ob dies erneut der Fall sein wird, sei aber seriös nicht zu beantworten. Eine zeitnahe Lösung des Konflikts sei nicht in Sicht, vielmehr erschienen die Differenzen grundsätzlicher Natur. Insofern sei zu erwarten, dass die Unsicherheiten an den Aktienmärkten kurzfristig hoch bleiben werden, glaubt der Marktexperte.

Unternehmensseitig steht die Geschäftsentwicklung von Home Depot im Anlegerfokus stehen. Der Heimwerker-Boom bescherte dem Baumarktkonzern erneut ein Rekordjahr. Die Aktionäre sollen eine um 15 Prozent höhere Quartalsdividende von 1,90 Dollar je Aktie erhalten. Die Anleger hatten offenbar mit besseren Nachrichten gerechnet, denn die Aktien sackten um 3,5 Prozent ab.

Ölpreis nahe 100 Dollar, Aluminium auf 13-Jahres-Hoch – Inflationssorgen nehmen zu

Am Rohölmarkt zogen die Preise für den wichtigen Rohstoff weiter an. Brent-Öl aus der Nordsee verteuerte sich um bis zu 4,2 Prozent auf 99,38 Dollar pro Barrel. Der Ölpreis liegt damit nur noch wenige Cent von der psychologisch wichtigen Marke von 100 Dollar entfernt, die zuletzt vor siebeneinhalb Jahren erreicht worden war. "Das Potenzial für eine Rally über 100 Dollar pro Barrel hat einen enormen Auftrieb erhalten", sagte Tamas Varga vom Ölmakler PVM. "Diejenigen, die auf eine solche Entwicklung gewettet haben, haben die Eskalation des Konflikts vorweggenommen."

Brent

Die Befürchtung von Lieferunterbrechungen durch Russland ließ den in London gehandelten Aluminiumpreis auf ein 13-Jahres-Hoch von 3350 Dollar je Tonne steigen; der Nickelpreis kletterte auf den höchsten Stand seit August 2011.

Der Anstieg der Rohstoffpreise befeuerte weiter die Inflationssorgen der Anleger. Unter die Räder kamen vor allem Automobilhersteller, Banken und Finanzdienstleister. Die entsprechenden Branchenindizes gaben rund drei Prozent nach. Dagegen legten Öl- und Gasaktien rund 1,5 Prozent zu.

Auch beim Gold griffen Anleger zunächst zu. Der Preis für das Edelmetall zog um bis zu 0,4 Prozent auf 1913,89 Dollar pro Feinunze und damit auf den höchsten Stand seit fast neun Monaten an, bevor Gewinnmitnahmen einsetzen.

Aktienindizes in Asien tauchen ab

Auch in Asien zogen sich Aktienanleger zurück: Der japanische Nikkei tauchte mit rund 1,7 Prozent ab, der breiter angelegte Topix verlor 1,6 Prozent. An der Aktienbörse in Shanghai betrug das Minus 1,5 Prozent. Der Hang Seng, führender Aktienindex in Hongkong rutschte gar um 3,2 Prozent ab.

Der Aktienmarkt in New York konnte am Montag noch nicht reagieren, denn der Taktgeber Wall Street hatte wegen eines Feiertages geschlossen. Die Futures der wichtigsten Aktienindizes in den USA notierten am Dienstagmorgen (MEZ) allerdings im roten Bereich.

Börse in Moskau bricht ein

Der Einbruch der russischen Börse wegen der Eskalation im Konflikt mit der Ukraine setzt sich am Dienstag nahtlos fort: Der RTS-Index sackte zuletzt um fast neun Prozent auf 1101 Punkte ab. Am Vortag war der Index bereits zweistellig eingebrochen. Damit steuert der Moskauer Leitindex auf den vierten Verlusttag in Folge und einen Gesamtverlust in diesem Zeitraum von mehr als einem Viertel zu.

Bitcoin knapp unter Marke von 38.000

Andere riskante Anlagen wie Kryptowährungen notierten ebenfalls im Minus. Der Bitcoin notierte auf der Handelsplattform Bitstamp  zuletzt bei 37.800 US-Dollar

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Mit Nachrichtenagenturen