Börsenfieber Dax knackt 12.000 Punkte - und stürmt weiter

Von mm-newsdesk
Börsenfieber: Vor sechs Jahren, im März 2009, fiel der Dax kurzfristig unter die Marke von 4000 Punkten. Seitdem hat sich der Wert des Index mehr als verdreifacht.

Börsenfieber: Vor sechs Jahren, im März 2009, fiel der Dax kurzfristig unter die Marke von 4000 Punkten. Seitdem hat sich der Wert des Index mehr als verdreifacht.

Dax -Anleger im Kaufrausch: Erstmals in seiner Geschichte hat der deutsche Leitindex am Montag die Marke von 12.000 Punkten durchbrochen. Die runde Marke war für Investoren jedoch kein Grund zum Ausstieg: Am Nachmittag baute der deutsche Leitindex seine Gewinne weiter aus und kletterte bis zum Handelsschluss auf Xetra um 2,2 Prozent auf 12.167 Zähler.

Investoren greifen angesichts der ultralockeren Geldpolitik im Euroraum immer häufiger bei Aktien zu. Wer auf der Suche nach Rendite sei, habe keine Alternative mehr, sagte ein Börsianer. Zugleich steige das Risiko einer heftigen Korrektur. "Groß ist die Verführung, die seit Jahresbeginn aufgelaufenen Gewinne mitzunehmen", warnte Andreas Paciorek, Analyst bei CMC Markts.

Dax plus 23 Prozent seit Jahresbeginn - Dow Jones leicht im Plus

Der Dax  kommt seit Jahresbeginn auf ein Plus von rund 23 Prozent. Erst Mitte Februar hatte der Leitindex, der die Aktien der 30 wichtigsten deutschen börsennotierten Unternehmen enthält, die 11.000-Punkte-Marke geknackt.

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Dax über 12.000 Punkten: Die größten Gewinner der Geldflut

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An der Wall Street legte der Dow Jones  am Montag bis 17.30 MEZ um 1,1 Prozent zu und näherte sich wieder der Marke von 18.000 Zählern. Im Gegensatz zum Dax hat der US-Leitindex zuletzt Schwäche gezeigt, da viele Investoren auf Grund der erwarteten Zinserhöhung in den USA Geld in den Euro-Raum umschichten. Seit Jahresbeginn hat der Dow Jones lediglich 0,5 Prozent zugelegt - der Dax hat sich in den vergangenen Wochen von der Kursentwicklung der US-Börsen entkoppelt.

Euro auf dem Weg zur Dollar-Parität

Am Rentenmarkt markierten die Renditen vieler Staatsanleihen in den vergangenen Tagen ein Rekordtief nach dem nächsten. Die Rendite der zehnjährigen spanischen Papiere war mit 0,993 Prozent zuletzt unter die Marke von einem Prozent gefallen. Zehnjährige portugiesische Papiere warfen zeitweise nur noch 1,523 Prozent ab, zehnjährige Bundesanleihen gerade einmal 0,193 Prozent.

Deutlich bergab ging es erneut für den Euro, der angesichts der EZB-Geldschwemme mit 1,0456 Dollar zeitweise ein frisches Zwölf-Jahres-Tief markierte. Aus Sicht vieler Analysten dürfte es bis zu Parität, bei der Anleger für einen Euro einen Dollar bekommen, nicht mehr lange dauern. Vor allem die sich verstärkenden Spekulationen auf eine baldige Zinswende in den USA sollten den Dollar für Anleger zunehmend attraktiver machen.

In der vergangenen Woche hat der Dax 3 Prozent zugelegt. Unterstützung für den Dax könnte in der neuen Woche auch vom großen Verfallstermin am Freitag ausgehen. Bei der Fälligkeit von Aktien- und Index-Optionen sowie Futures hätten viele Anleger auf hohe Kurse gewettet.

"Was hoch fliegt, kann tief fallen"

Die 12.000er-Hürde ist genommen. Wie es jetzt weitergehe, sei fraglich, sagt FXCM-Analyst Jens Klatt: "Erinnern sollte man sich bereits jetzt an den Klassiker 'Was hoch fliegt, kann umso tiefer fallen'."

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Auch andere Strategen zeigen sich besorgt: "Die Kursrally am Aktienmarkt ist nicht mehr gesund", warnen die Analysten der DZ Bank, die dennoch mit einer Fortsetzung der Rally rechnen. Die Kurse spiegelten nicht die Fundamentaldaten wider. "Der Dax ist reif für eine Korrektur", stimmt Analyst Christian Henke von IG Markets zu.

NordLB-Experte Basse schließt nicht aus, dass die US-Notenbank Fed den Anlegern die Kauflaune verderben könnte. Die Zentralbanker beraten am Dienstag und Mittwoch die Geldpolitik, und viele Experten rechnen damit, dass sie dann ein erstes klares Signal für eine Zinserhöhung im Sommer geben wird. Auf Dauer werde sich der europäische Markt laut Basse nicht von der Wall Street abkoppeln können.

Die US-Börsen befinden sich Analysten zufolge bis zur Bekanntgabe der Fed in Panik um das Signalwort "geduldig". Fed-Chefin Janet Yellen hatte angekündigt, das Wort im Vorfeld der ersten Zinserhöhung seit Juni 2006 zu streichen. Sollte Yellen ihre Wortwahl am Mittwoch ändern, dürfte dies die US-Kurse weiter nach unten treiben. Eine ganze Reihe von Experten sieht aber gerade darin einen möglichen Treiber für weitere Kurszuwächse in Europa. Eben weil die Fed die Zinsen bald erhöhen werde, schichteten Anleger von US-amerikanischen in europäische, sprich deutsche Aktien um.

An deutschen Privatanlegern geht der Börsenboom weitgehend vorbei

Deutsche Privatanleger selbst profitieren kaum von dem Börsenboom. Allein 2014 kehrten nach früheren Angaben des Deutschen Aktieninstituts (DAI) rund eine halbe Millionen Deutsche dem Aktienmarkt den Rücken. Demnach waren 2014 lediglich 8,4 Millionen Deutsche - rund 13 Prozent der Bevölkerung - noch in diesen Papieren engagiert.

Auch deshalb wollen die Deutsche Börse und mehrere Direktbanken die Aktie bei Privatanlegern populärer machen - just zum Rekordstand des Dax warben sie am Montag mit einem "Tag der Aktie" für diese Form der Geldanlage. "Eine Aktie bietet auf Dauer eine sehr vernünftige Rendite bei überschaubarem Risiko und hat als unternehmerische Beteiligung Sachwertcharakter", sagte der stellvertretende DAI-Geschäftsführer Franz-Josef Leven. Wichtig seien eine breite Streuung und ein langfristiger Anlagehorizont.

Wohin sich die Kurse weiter bewegen, wird wohl auch davon abhängen, wie sich die wirtschaftlichen und politischen Krisen in Griechenland und der Ukraine entwickeln. Diese hatten die Anleger in der Vergangenheit immer wieder verschreckt.

Linde und Siemens gefragt

Beim deutschen Industriegase-Spezialisten Linde  lief es im Schlussquartal 2014 dank höherer Umsätze indes operativ besser als ein Jahr zuvor, wogegen Umbaukosten den Gewinn sinken ließen. Die Analysten der Baader Bank lobten den positiven Ausblick auf das laufende Jahr und die überraschend hohe Dividende. Die Aktien gewannen 2,28 Prozent.

Für Siemens  ging es um 1,98 Prozent nach oben. Sie profitierten laut Händlern von einem 10 Milliarden Euro schweren Paket aus Aufträgen und Absichtserklärungen aus Ägypten, unter anderem für den Bau eines großen Gas- und Dampfturbinenkraftwerks sowie Windkraftanlagen. Zudem legte der Elektrotechnikkonzern seinen jahrelangen Rechtsstreit mit dem staatlichen mexikanischen Energiekonzern Pemex bei. Es ging um den Vorwurf der Korruption. Die französische Großbank Societe Generale blieb bei ihrer Kaufempfehlung für die Aktie.

Die Wirtschaftsglosse: Unglaublich, was den Dax noch alles weiter antreiben wird!

rei/ts mit Nachrichenagenturen
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