Montag, 14. Oktober 2019

Börse Dax rutscht ab - aber Wall Street im Aufwind

Aktienhändler in New York: Hoffnungen auf Entspannung im Handelsstreit lassen einmal mehr die Kurse steigen.
Richard Drew/ AP
Aktienhändler in New York: Hoffnungen auf Entspannung im Handelsstreit lassen einmal mehr die Kurse steigen.

Spekulationen auf eine baldige Einigung im chinesisch-amerikanischen Handelsstreit haben die New Yorker Börsen am Mittwoch beflügelt. Einen Tag nach seiner heftigen Kritik an der chinesischen Handelspolitik schürte US-Präsident Donald Trump Hoffnungen auf eine baldige Vereinbarung mit der Pekinger Führung. "Sie wollen unbedingt einen Deal machen", sagte Trump. "Das könnte schneller passieren, als man denkt."

Die USA und China streiten seit Monaten über ihre Handelsbeziehungen und überziehen sich gegenseitig mit Zöllen. Das belastet weltweit die Wirtschaft und hält die Börsen in Atem. Noch am Dienstag hatte Trump in seiner Rede vor den Vereinten Nationen nicht nur die Handelspraktiken Chinas gerügt. Er betonte zudem, dass er in den Verhandlungen mit der Volksrepublik kein "schlechtes Geschäft" akzeptieren werde.

Der Dow Jones Börsen-Chart zeigen legte bis zum frühen Nachmittag in New York 0,5 Prozent auf 26.947 Punkte zu. Der breiter gefasste S&P 500 rückte um 0,3 Prozent auf 2974 Zähler vor. Der Index der Technologiebörse Nasdaq erhöhte sich um 0,4 Prozent auf 8021 Stellen.

Im Rampenlicht standen Aktien von Philip Morris. Der US-Tabakkonzern hat Verhandlungen über ein Bündnis mit seinem Rivalen Altria abgebrochen. Bei einem Zusammenschluss wäre ein neuer Tabak-Riese mit einem Marktwert von über 200 Milliarden Dollar entstanden. Die Aktien von Philip Morris schossen fast sechs Prozent in die Höhe, die von Altria ließen dagegen 2,6 Prozent Federn.

Anleger griffen bei Nike zu, nachdem der weltgrößte Sportartikelhersteller im abgelaufenen Quartal die Erwartungen übertroffen hatte. Der Nike-Kurs zog 4,6 Prozent an. Im Sog von Nike verteuerten sich die Aktien der Handelskette von Ladengeschäften im Sportbereich Foot Locker um 2,6 Prozent.

Der Abwärtstrend des Dax Börsen-Chart zeigen dagegen hält an. Der deutsche Leitindex verzeichnete am Mittwoch den dritten Verlusttag in Folge nach der vorangegangenen Erholungsrally. Er konnte aber immerhin bei 12.234,2 Punkten sein Minus auf 0,6 Prozent eindämmen. Zuvor war der Leitindex zeitweise unter die Marke von 12.000 Punkten gerutscht.

Ähnlich sah es beim MDax Börsen-Chart zeigen der mittelgroßen Unternehmen aus, der letztlich nur um 0,3 Prozent auf 25.565,3 Punkte nachgab.

Auslöser der Entspannung im späten Handel waren Aussagen von US-Präsident Donald Trump, der wieder einmal Hoffnungen auf ein Ende des amerikanisch-chinesischen Handelsstreits schürte. Er bestritt zudem den Vorwurf, er habe seinen ukrainischen Amtskollegen Wolodymyr Selenskyj in einem Telefongespräch aufgefordert, Ermittlungen zum Schaden von Joe Biden einzuleiten. Biden ist nach jetzigem Stand der aussichtsreichste Präsidentschaftsbewerber der Demokraten für die Wahl 2020. Diese bereiten sich nun auf ein Amtsenthebungsverfahren gegen Trump vor.

"Am Aktienmarkt wird es zusehends ungemütlicher", kommentierten die Autoren des täglichen Bernecker-Börsenbriefes. Nach dem "Freudentaumel" der vergangenen Wochen hätten die schwachen europäischen Einkaufsmanagerindizes am Montag die aktuell schlechte Stimmung ausgelöst. Zwar stemmten sich die wichtigen Notenbanken mit einer lockereren Geldpolitik gegen die wenig erfreulichen Konjunkturaussichten. Die Währungshüter müssten allerdings "immer mehr aufpassen, nicht zu Getriebenen der Märkte zu werden".

Ein weiterer politischer Unsicherheitsfaktor: In London werden die Rufe nach einem Rücktritt von Premier Boris Johnson lauter. Das britische Parlament tritt heute wieder zusammen. Am Dienstag hatte das Oberste Gericht Großbritanniens die Zwangspause des Parlaments für ungültig erklärt.

UBS streicht Kaufempfehlung für Wirecard

Einer der größten Verlierer im Dax war im frühen Handel die Aktie von Wirecard Börsen-Chart zeigen . Nachdem die UBS ihre Kaufempfehlung für die Aktien des Zahlungsdienstleisters aufgab, sackten sie um etwa 1,5 Prozent ab. Die Experten der Schweizer Großbank sehen eine Verschlechterung bei wichtigen Wachstumskennziffern.

Analystenstimmen hatten vorbörslich auch anderswo Bewegung zur Folge. Die Aktien von 1&1 Drillisch büßten wegen einer Verkaufsempfehlung durch die Citigroup etwa 2 Prozent ein. Rocket Internet toppte dies noch leicht mit einem Abschlag von 2,5 Prozent, nachdem das Bankhaus Lampe auf "Halten" abstufte.

Aufsichtsratsgremium: Thyssenkrupp-Chef Kerkhoff soll gehen

Auch beim Dax-Absteiger ThyssenKrupp gibt es neue Nachrichten. Thyssenkrupp-Chef Kerkhoff könnte seinen Posten bald verlieren: Der Personalausschuss des Thyssenkrupp-Aufsichtsrats sprach sich dafür aus, Kerkhoff an der Spitze des Industriekonzerns abzulösen, wie der Konzern gestern mitteilte. Das Gremium empfahl dem Aufsichtsrat, mit Kerkhoff "Verhandlungen über eine zeitnahe Beendigung seines Vorstandsmandates aufzunehmen". Übergangsweise solle die bisherige Aufsichtsratsvorsitzende Merz den Vorstandsvorsitz übernehmen. Die Aktie von Thyssenkrupp Börsen-Chart zeigen notierte zuletzt 1 Prozent im Minus.

Kerkhoff steht erst seit dem Sommer 2018 an der Spitze von Thyssenkrupp. Der Traditionskonzern steckt schon seit geraumer Zeit in der Krise und verlor kürzlich seinen seit Jahrzehnten angestammten Platz im wichtigsten deutschen Aktienindex Dax Börsen-Chart zeigen .


Dax Realtime: Hier sehen Sie Dax und Dow Jones in Echtzeit auf einen Blick


Pfeiffer brechen ein, TeamViewer Aktie mit schwachem Börsengang

Eine Prognosesenkung verschreckte die Anleger von Pfeiffer Vacuum Börsen-Chart zeigen. Papiere des im TecDax notierten Pumpenherstellers verloren rund dreizehn Prozent.

Die Aktien von Teamviewer sind am Mittwoch mit 26,25 Euro in Höhe des Ausgabepreises in den Börsenhandel gestartet. In den Minuten danach legten die Papiere des Herstellers von Software zur Computer-Fernwartung und Videokonferenzen zunächst bis auf 26,71 Euro zu, gerieten dann allerdings schnell unter Druck. Zuletzt fielen sie unter die Marke von 25 Euro und notierten damit deutlich unter dem Ausgabepreis. Besitzer Permira erlöst durch den TeamViewer Börsengang rund 2,2 Milliarden Euro.

mit reuters und dpa

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