Börse Dax schließt im Minus - Ölpreise legen kräftig zu

Der Dax beendet den Handel mit Verlusten. Sinkende Anleiherenditen treiben dagegen den Dow Jones an. Und die Blockade im Suez-Kanal wirkt sich inzwischen auch auf die Ölpreise aus.
Dax-Kurve der Deutschen Börse: Pandemiesorgen haben Anleger fest im Griff

Dax-Kurve der Deutschen Börse: Pandemiesorgen haben Anleger fest im Griff

Foto: Frank Rumpenhorst/ dpa

Die Pandemiesorgen lasten wieder etwas stärker auf dem deutschen Aktienmarkt. Nachdem der Dax  tags zuvor noch minimal im Plus geschlossen hatte, gab der hiesige Leitindex am Mittwoch nun um 0,35 Prozent auf 14.610,39 Punkte nach. Börsianer sehen das Börsenbarometer derzeit auf Konsolidierungskurs, nachdem es in der Vorwoche mit 14.804 Punkten einen Rekord aufgestellt hatte. Der MDax  der mittelgroßen Werte verlor zur Wochenmitte 0,75 Prozent auf 31.511,15 Punkte. Der EuroStoxx 50  schloss 0,14 Prozent höher bei 3832,55 Punkten.

Dax

Am Markt gelten die wirtschaftlichen Sorgen wegen der anhaltenden Lockdown-Maßnahmen in vielen Ländern als Belastung. Laut dem Marktbeobachter Timo Emden deckelt die Erkenntnis, dass die erhoffte konjunkturelle Erholung schleppender verlaufen könnte als gedacht, wohl vorerst größere Aufwärtsambitionen. "Mit neuen Restriktionen hierzulande wächst die Sorge, dass nach dem Lockdown vor dem Lockdown bedeuten könnte", sagte er auch mit Blick auf die schleppenden Impffortschritte. Immerhin hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (66, CDU) nach massiver Kritik und Verwirrung um die geplante Corona-Osterruhe diese Regelung aus den jüngsten Bund-Länder-Beschlüssen wieder gekippt.

Dax, Dow und Aktien auf einen Blick: Hier geht es zur Börsenseite 

Selbst positive Konjunkturdaten konnten gegen die trübe Stimmung wenig ausrichten. Die Wirtschaft in der Eurozone kehrte einer Umfrage zufolge erstmals seit einem halben Jahr wieder auf die Wachstumsspur zurück. Der Einkaufsmanagerindex - der Industrie und Dienstleister zusammenfasst - stieg im März auf 52,5 Zähler von 48,8 im Februar, wie das Institut IHS Markit mitteilte. "Die Stimmungswerte überraschen deutlich positiv", sagte Helaba-Experte Ralf Umlauf. Die Pandemiebeschränkungen lasteten aber weiterhin auf den Servicesektoren, während die Erholung der Industrie die wirtschaftliche Entwicklung stütze.

Autoaktien unter Druck - Reisewerte gefragt

Dem Dax keinen Rückenwind mehr liefert in diesen Tagen der stark exportorientierte Autosektor, der besonders unter den Konjunktursorgen leidet. Die Aktien von Daimler  und Volkswagen  (VW) büßten unter den größten Verlierern im Dax mehr als ein beziehungsweise am Index-Ende gut 3 Prozent ein.

Nach einer mehrtägigen Talfahrt wegen der wieder in den Vordergrund gerückten Pandemiesorgen begannen die Anleger aber, erneut im Reisesektor zuzugreifen. Die Papiere von Fraport  und Lufthansa  endeten nach schwachem Start mit bis zu 2,8 Prozent im Plus. Die Lufthansa steht aktuell bereit, die von Bund und Ländern eingeforderten zusätzlichen Corona-Tests für Passagiere umzusetzen.

Der Energiekonzern Eon  hatte derweil das Corona-Jahr 2020 ohne größere Schrammen überstanden. In die Zukunft blickt der Vorstand nun optimistisch. Ausgehend von den Fortschritten bei der Integration von Innogy und den positiven Entwicklungen in der Kernenergie sowie im Großbritannien-Geschäft erwartet der Konzern ein steigendes Ergebnis für 2021. Und auch in den Folgejahren soll es aufwärtsgehen. Damit legten die Eon-Aktien um 0,7 Prozent zu.

Mehr Bewegung gab es vereinzelt nach Zahlenvorlagen aus der zweiten Börsenreihe. Die Papiere des Solarpark- und Windkraftanlagenbetreibers Encavis  rutschten nach recht solidem Start um 6,8 Prozent ab und fanden sich damit am MDax-Ende wieder. Abgesehen von den Geschäftszahlen belastete hier auch eine Abstufung durch Warburg Research. Der Analyst hatte seine Kaufempfehlung aufgegeben.

Die Anteilsscheine von LKPF  büßten im Nebenwerteindex SDax 4,7 Prozent ein. Börsianer monierten das Fehlen eines klaren Ausblicks für 2021 des Laserspezialisten.

Anleiherenditen treiben Dow an - Nasdaq schwächelt

Die weiter sinkenden Anleiherenditen haben am Mittwoch den US-Standardwerten Auftrieb gegeben. Dagegen zollte die Technologiebörse Nasdaq trotz Milliarden-Investitionen des Chipriesen Intel ihrer zuletzt überdurchschnittlichen Entwicklung Tribut. Schwache heimische Konjunkturdaten ließen die Anleger indes kalt.

Anderthalb Stunden nach dem Handelsstart stieg der Leitindex Dow Jones  um 1,04 Prozent auf 32.760,20 Punkte. Der marktbreite S&P 500 rückte um 0,70 Prozent auf 3937,78 Zähler vor. Dagegen gab der technologielastige Auswahlindex Nasdaq 100  trotz starker Halbleitertitel seine Anfangsgewinne schnell ab und notierte zuletzt 0,01 Prozent fester bei 13.019,36 Punkten. Er hatte sich jüngst deutlich besser als die beiden Standardwerte-Indizes entwickelt und damit etwas von seinem Rückstand seit Jahresbeginn aufgeholt.

Nach einem freundlichen Wochenauftakt waren die New Yorker Aktienbörsen am Dienstag erst spät unter Druck geraten und mit Verlusten aus dem Handel gegangen.

Gold und Bitcoin gefagt

Die gedämpfte Risikolust an den Börsen ließ Anleger vermehrt zu Staatsanleihen greifen. Im Gegenzug fiel die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen auf minus 0,375 Prozent. Das ist der niedrigste Stand seit fünf Wochen. Auch Gold war gefragt. Eine Feinunze (31 Gramm) verteuerte sich um 0,3 Prozent auf 1733 Dollar. Der Grund für die Erholung des Goldpreises von den erreichten Tiefständen liege im Nachgeben der Renditen der US-Staatsanleihen, sagte Michael Hewson, Marktanalyst beim Handelshaus CMC Markets. "Wenn sich die Renditen weiter abschwächen, kann der Goldpreis weiter steigen und sich wieder der Marke von 1760 Dollar nähern."

Auch bei Bitcoin griffen Anleger zu. Die älteste und wichtigste Cyberdevise gewann mehr als 4 Prozent auf 56.850 Dollar. "Dass Tesla nun sein Versprechen einhält und die Kryptowährung offiziell als Bezahlmittel in den eigenen Reihen eingeführt hat, dürfte weiteres Wasser auf die Mühlen der Anleger sein", sagte Analyst Timo Emden von Emden Research. Tesla-Chef Elon Musk twitterte, Kunden könnten ab sofort Elektroautos von Tesla mit Bitcoin bezahlen.

Bitcoin

Euro verliert leicht

Der Kurs des Euro ist am Mittwoch leicht gesunken. Die unerwartet starken Stimmungsdaten aus den Unternehmen der Eurozone konnten die Gemeinschaftswährung zwar stützen, sorgten aber nicht für einen stärkeren Auftrieb. Der Euro wurde am Nachmittag bei 1,1830 US-Dollar gehandelt und damit etwas niedriger als am Morgen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1825 (Dienstag: 1,1883) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,8456 (0,8415) Euro.

USD/EUR

Nach Einschätzung von Marktbeobachtern werden die Konjunkturdaten von der jüngsten Entwicklung der Corona-Krise überlagert. "Solange die Impfkampagnen in Europa im Schneckentempo vorankommen und sich die Länder von Lockdown zu Lockdown hangeln, ist dem Euro kaum Aufwärtspotential zuzutrauen", kommentierte Devisenexpertin Antje Praefcke von der Commerzbank die jüngste Kursentwicklung.

Eine ähnliche Kursentwicklung zeigte sich beim britischen Pfund. Auch in Großbritannien hellte sich die Stimmung in den Unternehmen im März auf, vor allem im Bereich Dienstleistungen. Das britische Pfund wurde ebenfalls von den Konjunkturdaten gestützt, konnte aber die Kursverluste vom Vortag nicht wettmachen.

Ölpreise steigen wegen Suez-Blockade

Die Ölpreise sind am Mittwoch stark gestiegen und haben damit den Einbruch vom Vortag wettgemacht. Bis zuletzt konnten die Notierungen die Gewinne aus dem frühen Handel kräftig ausbauen. Ein Barrel (159 Liter) Nordseeöl der Sorte Brent kostete 63,67 US-Dollar. Das waren 2,88 Dollar mehr als am Vortag. Der Preis für ein Fass amerikanisches Rohöl der Marke West Texas Intermediate (WTI) stieg um 2,80 Dollar auf 60,56 Dollar.

Brent

Am Dienstag waren die Erdölpreise eingebrochen und hatten den tiefsten Stand seit Anfang Februar erreicht. Ausschlaggebend waren Sorgen um die Rohölnachfrage aufgrund steigender Corona-Infektionen und neuer Beschränkungen vor allem in Europa. Beides lastet auf den konjunkturellen Aussichten.

Am Mittwoch überwogen am Ölmarkt hingegen wieder Angebotssorgen. Auslöser ist die vorübergehende Unterbrechung einer wichtigen Transportroute für den Ölhandel, nachdem ein Frachtschiff im Suezkanal auf Grund gelaufen und die wichtige Schifffahrtsstraße zwischen Asien und Europa blockiert war. Durch den Kanal läuft ein erheblicher Teil der Energietransporte vom Mittleren Osten in Richtung Europa und USA. Betroffen sind in der Gegenrichtung auch Lieferungen aus der Nordsee nach Asien.

Ein erneuter Anstieg der Ölreserven in den USA konnte die Ölpreise vor diesem Hintergrund nicht bremsen. Die Vorräte waren in der vergangenen Woche nach Angaben der US-Regierung um 1,9 Millionen Barrel auf 502,7 Millionen Barrel gestiegen. Analysten hatten mit einem etwas geringeren Zuwachs gerechnet.

mit Nachrichtenagenturen
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