Dax stürzt unter 15.000 Punkte Inflationsangst sorgt für Kursrutsch an der Börse

Gewinnmitnahmen drücken den Dax unter die Marke von 15.000 Punkten, vor allem Technologietitel verlieren. An der Wall Street brechen die Aktien von Biontech nach einer Rallye in der Spitze um 15 Prozent ein.
Abwärts: Der Dax gibt am Dienstag deutlich nach

Abwärts: Der Dax gibt am Dienstag deutlich nach

Foto: AFP

Erneut angefachte Inflationsängste haben am Dienstag einen Kursrutsch am deutschen Aktienmarkt ausgelöst. Die Anleger machten deshalb verstärkt Kasse, nachdem die beiden wichtigsten Indizes Mitte April noch Rekordniveaus erreicht hatten. Vor allem die stark gelaufenen Aktien von Pandemie-Gewinnern gerieten teils deutlich unter Druck. Als ein Auslöser der heftigen Verluste nannten Börsianer jüngste Aussagen der US-Finanzministerin und früheren Notenbankchefin Janet Yellen, wonach es sein könnte, dass die Zinsen etwas steigen müssten, um eine Überhitzung der Wirtschaft zu verhindern.

Dax

Der hiesige Leitindex Dax  fiel erstmals seit Ende März unter die Marke von 15.000 Punkten. Zum Xetra-Schluss stand ein Minus von 2,49 Prozent auf 14.856 Punkte zu Buche. Der MDax  sackte um 2,65 Prozent auf 32.042 Punkte ab. Seit Jahresbeginn hat der Dax rund elf Prozent gewonnen. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50  büßte 1,89 Prozent auf 3924 Punkte ein.

Mit dem Start in den Monat Mai breche eine saisonal schwächere Jahreszeit für die Börsen an, fasste Jochen Stanzl, Chef-Marktanalyst vom Handelshaus CMC Markets, zusammen. "Viele der positiven Erwartungen, auf denen die Rally der vergangenen Monate fußte, sind tatsächlich eingetreten. Jetzt fangen Anleger an, Gewinne mitzunehmen."

Wall Street - Techwerte geben wieder nach

An den US-Börsen gerieten erneut vor allem Technologiewerte unter Druck: Der Auswahlindex Nasdaq 100 büßte zum Handelsschluss in Deutschland mehr als 2 Prozent ein und baute die Verluste bis 19.30 Uhr MEZ auf 2,9 Prozent aus. Der Index beschleunigte damit den jüngsten Abwärtstrend. Anders als zum durchwachsenen Wochenstart traf es auch die Standardwerte: Der Leitindex Dow Jones rutschte zwischenzeitlich deutlich unter die Marke von 34.000 Punkten. Für den marktbreiten S&P 500 ging es um 1,10 Prozent auf 4146 Zähler bergab.

Nasdaq

Die Debatte um eine mögliche Trendwende an den Zinsmärkten drücke insbesondere auf die Technologietitel, sagte Marktexperte Andreas Lipkow von Comdirect. Nach der exzessiven Liquiditätsflut durch die Notenbanken würden jetzt Forderungen nach einem Ende dieser Flutung laut. Zudem notierten die US-Indizes weiter nahe ihrer noch jungen Rekordstände.

Flucht in Anleihen, Ölpreis steigt

Angesichts der fallenden Aktienkurse suchten Investoren Deckung in sicheren Anlagehäfen und griffen zu Staatsanleihen. Die Renditen der zehnjährigen Bundespapiere fielen im Gegenzug um vier Basispunkte auf minus 0,24 Prozent, nachdem sie sie am Montag bei minus 0,16 Prozent noch ein 14-Monats-Hoch markiert hatten.

Dax, Dow und Aktien auf einen Blick: Hier geht es zur Börsenseite 

Am Rohölmarkt setzten Investoren auf eine anziehende Reisetätigkeit in den westlichen Industrienationen, sagte Analyst Ash Glover vom Brokerhaus CMC. Die Ölsorte Brent aus der Nordsee verteuerte sich um 1,7 Prozent auf 68,73 Dollar je Barrel (159 Liter).

Brent

Biontech-Aktie knickt nach Rekordhoch wieder ein

Starke Schwankungen gab es bei der Aktie des deutschen Impfstoffherstellers Biontech: Ein Medienbericht über die bevorstehende Freigabe des Coronavirus-Impfstoffs von Biontech  in den USA für Kinder ab zwölf Jahren sorgte dafür, dass die Aktien der Mainzer Biotechfirma am Vormittag zeitweise bis auf ein Rekordhoch von 185 Euro stieg. Seit Anfang April hat sich der Kurs der Biontech-Aktie beinahe verdoppelt.

Biontech

Nach Handelsbeginn in den USA setzten jedoch erhebliche Gewinnmitnahmen ein: Die Aktien sackten nach Handelsbeginn in den USA in der Spitze um 15 Prozent ab. Nicht ganz so schwach sah die Kursentwicklung bei den Konkurrenten Moderna und Curevac aus, die am Vortag von Biontech mit nach oben gezogen worden waren.

Infineon-Aktien fallen ans Dax-Ende

Die Quartalsberichte zahlreicher Unternehmen gingen nachrichtlich meist unter. Die Aktien von Infineon etwa sackten als Dax-Schlusslicht um knapp 6 Prozent ab und konnten so nicht von leicht angehobenen Jahresprognosen profitieren. Dies und die Zahlen des Chipkonzerns seien "vermutlich nicht gut genug, um in dem aktuellen Umfeld noch zu begeistern", hieß es von Börsianern.

Infineon zählt zu einem Gewinner der noch schnelleren Digitalisierung in der Corona-Krise. Solche Aktien kamen am Dienstag besonders schwer unter Druck. Am Markt hieß es, hier machten sich die Aussicht auf steigende Finanzierungskosten und die vermehrte Hoffnung auf baldige Lockerungen der Pandemie-Maßnahmen bemerkbar. Unter diesen Umständen litten auch andere mit Infineon vergleichbare Aktien unter den Gewinnmitnahmen. Im Dax galt dies für den Essenslieferdienst Delivery Hero mit einem Minus von rund drei Prozent. Auch alle anderen Index-Werte schlossen in der Verlustzone.

Bitcoin und Ethereum mit Verlusten

Nach den Gewinnen vom Vortag ging es bei der Kryptowährung Bitcoin am Dienstag wieder abwärts. Zum Handelsschluss in Deutschland fiel der Bitcoin auf Bitstamp bei unter die Marke von 54.000 US-Dollar. Ethereum-Anleger nutzen die jüngsten Kursrekorde ebenfalls für Gewinnmitnahmen. Die zweitwichtigste Cyberdevise verliert gut 5 Prozent.

Bitcoin

Unternehmensseitig standen einmal mehr Geschäftszahlen im Fokus. Pfizer hob nach einem überraschend starken ersten Quartal seine Jahresziele deutlich an. Der Pharmakonzern hatte deutlich vom gemeinsam mit der deutschen Biontech entwickelten Corona-Impfstoff profitiert, aber auch mit anderen Produkten zugelegt, etwa gegen Krebs. Die Pfizer-Aktien zogen gegen den Markt um 0,6 Prozent an.

Auch der Sportartikelhersteller Under Armour erhöhte seine Jahresprognose nach einem unerwartet guten Start in das neue Jahr. Die Aktien stiegen vorbörslich um 3,6 Prozent. Erleichtert reagierten die Anleger auch, weil eine Strafzahlung der Börsenaufsicht SEC relativ gering ausfiel. Die SEC hatte Under Armour wegen Verstößen gegen Wertpapiergesetze und Irreführung von Investoren eine Zahlung von neun Millionen Dollar aufgebrummt.

mit Nachrichtenagenturen
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