Montag, 23. September 2019

Börsenprofi Thomas Grüner zeigt Dax im Aufschwung - warum das Rekordhoch kaum wichtig ist

Bullenstimmung an der Börse: Der Dax wird nach Ansicht unseres Autors weiter steigen

2. Teil: Was ist hoch, was ist tief?

Der Börsenkurs der Woche - vom Profi
Kurse, Indexstände, Aufs und Abs - an der Börse passiert täglich Neues, Besonderes und Überraschendes. An dieser Stelle präsentiert und erklärt jeden Montag ein Finanzmarktprofi sein Börsen-Highlight der Woche.

Mit diesem Zahlenwerk im Rücken ist die Dax-Historie gekennzeichnet von scharfen Korrekturen, empfindlichen Bärenmärkten, zahlreichen Phasen der Übertreibung - und trotz allem der Gewissheit, dass die dynamischen Aufwärtsbewegungen im langfristigen Bild eindeutig dominieren. Tiefe Täler wurden in den letzten 30 Jahren durchschritten, und unzählige neue Höchststände erreicht. Wie die Extrempunkte in der jeweiligen Phase wahrgenommen werden, ist stark abhängig von der Marktstimmung. Kurz vor dem Platzen der Technologieblase wurden die 8000 Punkte im Dax wenig skeptisch gesehen. Wichtiger schien es, investiert zu sein und den Technologie-Boom nicht zu verpassen.

Im Gegensatz dazu wurden die 8000 Punkte im Jahr 2013 mit sehr viel Argwohn aufgenommen, wie eine Art "virtuelle Obergrenze", an der man zuvor schon zweimal abgeprallt war. Im weiteren Verlauf des Bullenmarkts verschob sich diese "Obergrenze" zu 10.000 Punkten, seit 2015 sind es 12.000 Punkte. Im Jahr 1993 wurden 2000 Punkte mit Sicherheit auch schon als hoch angesehen. Die Definition von "hoch" ist also flexibel.

Ebenso ändert sich die Definition von "tief". Im März 2003 stürzt der Dax unter 2500 Punkte, im März 2009 deutlich unter 4000 Punkte, im August 2011 unter 5000 Punkte, im Februar 2016 auf 8600 Punkte. Was haben die Definitionen von "hoch" und "tief" gemeinsam? Die Zahlen sind ansteigend!

Fun Fact: Würde man heute die Prognose äußern, dass der Dax um 4000 Punkte fällt, geht man sicherlich als veritabler Crash-Prophet durch. Nüchtern betrachtet würde man allerdings nur prognostizieren, dass die Zugewinne der letzten 14 Monate wieder abgegeben werden müssten. Man sollte die Volatilität des Dax einfach nicht unterschätzen, weder nach unten und schon gar nicht nach oben.

In diesem Kontext relativiert sich auch der heutige Höchststand von knapp 12.500 Punkten. Ist der übergeordnete Aufwärtstrend intakt, stellt ein neuer Rekord keinen Wendepunkt, sondern nur eine Zwischenetappe dar. Der globale Bullenmarkt ist weiter robust, die Weltwirtschaft wächst, die deutschen Vorzeigeunternehmen ziehen mit. Das neue Hoch wird sich irgendwann deutlich oberhalb der heutigen Stände befinden.

Fazit

Vor allem im übergeordneten Bild offenbaren sich die Vorteile einer langfristigen Aktienanlage. Der Dax liefert ähnlich gute Langzeitrenditen wie andere Indizes einzelner Länder - geht im Vergleich zum breiten Gesamtmarkt allerdings einen volatileren Weg.

Diese Volatilität ist einer der Basisgründe, warum Anleger emotional reagieren und insbesondere in kritischen Abwärtsphasen die eigentlich langfristige Auslegung ihrer Investments aus den Augen verlieren. Ob der Index "hoch" oder "tief" steht, hängt von der subjektiven Einschätzung der Anleger ab.

Dementsprechend datiert die höchste Anzahl deutscher Aktionäre immer noch aus dem Jahr 2000, obwohl das dramatische Niedrigzinsumfeld für eine relative Attraktivität von nie gesehenem Ausmaß sorgt.

Bedenklich ist hierbei vor allem, dass der Anteil deutscher Aktionäre beständig zurückgeht: Der deutsche Vorzeigeindex befindet sich mehr und mehr in ausländischer Hand. Um diesen Trend zu brechen, ist sicherlich mehr Optimismus vonnöten. Die deutsche Wirtschaft trägt einen wichtigen Teil zu einer wachsenden Weltwirtschaft bei, deutsche Vorzeigeunternehmen waren, sind und werden immer ein geeignetes Instrument sein, um von diesem grundlegenden Aufwärtstrend langfristig zu profitieren. Anleger machen es sich allerdings einfacher, wenn sie sich nicht auf 4 Prozent des globalen Angebots konzentrieren, sondern über weltweite Diversifikation ähnliche Langzeitrenditen bei geringerer Volatilität erzielen.

Seite 2 von 2

© manager magazin 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung