Leitindex Was Sie über die zehn neuen Mitglieder im Dax 40 wissen sollten

Das Rennen ist gelaufen, die zehn Unternehmen, die in den Dax aufsteigen, stehen fest. Wir stellen Ihnen die Newcomer vor.
Dax-Schriftzug in der Frankfurter Börse: Der Leitindex wächst von 30 auf 40 Mitglieder

Dax-Schriftzug in der Frankfurter Börse: Der Leitindex wächst von 30 auf 40 Mitglieder

Foto: DANIEL ROLAND / AFP

Es ist die bislang bedeutendste Reform des Dax: Vom 20. September an spielen 40 Konzerne in der ersten deutschen Börsenliga. Wochenlang wurde gerechnet, nun stehen die zehn neuen Dax-Mitglieder fest: Der Flugzeugbauer Airbus, die Medizintechnik-Firmen Siemens Healthineers und Sartorius, der Online-Modehändler Zalando, der Aromenhersteller Symrise, der Volkswagen-Großaktionär Porsche, der Lebensmittel-Lieferdienst Hellofresh, der Chemikalienhändler Brenntag sowie der Sportausrüster Puma und die Biotechfirma Qiagen.

Die historische Reform der Dax-Familie gut 33 Jahre nach dem Start des Dax am 1. Juli 1988 hatte die Deutsche Börse im vergangenen Jahr im Lichte des Wirecard-Desasters beschlossen. Wer im Deutschen Aktienindex bleiben will, muss künftig noch strengere Regeln erfüllen. Ziel ist auch, die deutsche Wirtschaft repräsentativer abzubilden.

Ein Großteil der Aufsteiger gilt bereits seit einiger Zeit als gesetzt. Bis zuletzt gab es jedoch ein Rennen um die letzten beiden Plätze. Viele Experten hatten damit gerechnet, dass der Kosmetikartikelkonzern Beiersdorf in den Dax zurückkehrt und entweder Puma oder Qiagen in den Dax aufsteigen. Nun hat Beiersdorf sein Comeback aber verpasst.

Die zehn Dax-Neulinge sind weithin etabliert und seit Jahren an der Börse notiert. Doch wie stehen sie aktuell da? Wie sind ihre Aussichten? Und wie steht es um die Entwicklung ihrer Aktienkurse? Hier der Überblick über die zehn neuen Unternehmen im Dax:

Airbus

Der Aufstieg des deutsch-französischen Flugzeugbauers Airbus in den Dax stand bereits mit dem Beschluss zur Dax-Erweiterung auf 40 Werte praktisch fest. Denn Airbus liegt beim ausschlaggebenden Kriterium – der Marktkapitalisierung – unter allen deutschen Aktiengesellschaften auf Platz 5, noch vor Dax-Konzernen wie BASF, Daimler oder der Deutschen Telekom. Allein die Tatsache, dass die Airbus-Aktie vor allem in Paris gehandelt wird, stand einem Dax-Beitritt des Konzerns bislang im Wege.

Neue Regeln für Dax und Co

Neben der Dax-Erweiterung auf 40 Unternehmen wurden von der Deutschen Börse auch weitere Aufnahmekriterien und Standards eingeführt. So wurde beschlossen, dass die Zusammensetzung des Dax künftig häufiger überprüft wird. Unternehmen müssen in Zukunft zudem vor der Aufnahme in den Leitindex zwei Jahre lang profitabel gewesen sein. Ebenso müssen Dax-Mitglieder Jahresabschlüsse und Quartalsberichte fortan fristgerecht einreichen und bestimmte, ausgewählte Corporate-Governance-Regeln einhalten.

Während die meisten Änderungen bereits seit dem ersten Quartal in Kraft sind, gibt es noch ein paar wenige, die nun zusätzlich gelten werden. Die wichtigste davon ist, dass erstmals zur anstehenden regulären Index-Überprüfung der Blick auf den Börsenumsatz wegfällt. Bislang ein zentrales Kriterium für eine Aufnahme in einen Index der Dax-Familie (Dax, MDax, SDax und TecDax ), wird der Börsenumsatz nun ersetzt werden durch eine Mindestliquiditätsanforderung. Die ist nach Einschätzung des Index-Experten Uwe Streich aber ein "zahnloser Tiger", da sie problemlos erfüllbar ist.

Für die Auswahl der Unternehmen, die in den Index aufgenommen werden, wird künftig als entscheidendes Kriterium nur noch die Marktkapitalisierung an der Börse herangezogen.

Dass der Dax-Aufstieg gerade jetzt erfolgt, passt bestens in Bild. Denn auch wirtschaftlich befindet sich Airbus nach der schweren Zeit der Corona-Pandemie wieder auf dem Erfolgsweg. Die kürzlich veröffentlichten Halbjahresergebnisse machen das deutlich: Airbus steigerte seinen Umsatz in den ersten sechs Monaten dieses Jahres im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 30 Prozent auf 24,6 Milliarden Euro. Der Konzern erzielte dabei einen beachtlichen Gewinn von 2,7 Milliarden Euro – im Corona-belasteten ersten Halbjahr 2020 stand noch ein Verlust von beinahe einer Milliarde Euro zu Buche. Kein Wunder also, dass das Management um CEO Guillaume Faury (53) bei der Gelegenheit auch die Zielsetzung für das Gesamtjahr noch einmal in die Höhe schraubte. Gegenüber dem Erzrivalen Boeing aus den USA jedenfalls hat Airbus inzwischen deutlich die Nase vorn.

Einziger Wermutstropfen: Der geplante Umbau der deutschen Airbus-Tochter Premium Aerotec sorgt zurzeit für Unmut im Konzern. Konzernchef Faury will die Produktionsmöglichkeiten des Unternehmens an neue Anforderungen anpassen, bei denen auch alternative Antriebe eine Rolle spielen. Premium Aerotec soll daher aufgespalten und zum Teil an Investoren veräußert werden. Die Belegschaft sowie die Gewerkschaft IG Metall sind mit den Plänen jedoch nicht einverstanden, es gab bereits Proteste, weitere sind angekündigt.

Für die Aktionäre war die Beteiligung an Airbus zuletzt eine große Freude. Die Aktie hat in den vergangenen zwölf Monaten um beinahe 70 Prozent auf zurzeit rund 114 Euro zugelegt. Geht es nach Analysten, so wird sich daran in nächster Zeit nicht viel ändern. Die Mehrzahl von ihnen empfiehlt das Papier zum Kauf, bei einem Kursziel von durchschnittlich rund 130 Euro. Der Dax-Aufstieg dürfte den Aufwärtstrend des Aktienkurses kaum bremsen.

Zalando

Auch Zalando wurde stark von der Corona-Krise getroffen – allerdings im positiven Sinne. Die Lockdowns und anderen Einschränkungen während der Pandemiezeit ließen das Geschäft des Online-Händlers boomen. Folge: Ein Umsatzanstieg allein im Corona-Jahr 2020 um beinahe ein Viertel auf acht Milliarden Euro und ein Gewinn, der sich auf rund 421 Millionen Euro fast verdoppelte.

Aus Sicht des Unternehmens kommt es noch besser: Wie Zalando inzwischen feststellen konnte, wurden zwar die Einschränkungen für den stationären Einzelhandel weitgehend gelockert – die durch Corona neu gewonnenen Kunden blieben dem Internethändler aber offenbar treu. So legte der Umsatz im zweiten Quartal 2021 erneut um 34 Prozent auf 2,7 Milliarden Euro zu. Der operative Gewinn sank zwar, das lag aber vor allem an hohen Ausgaben für die Gewinnung neuer Kunden und für Marketing.

In den kommenden Monaten will Zalando eigenen Angaben zufolge in ähnlichem Tempo weiterwachsen, wobei zugleich umfangreiche Investitionen in Logistik und Technologie angekündigt wurden. Ob die Aktie sich ebenfalls so gut weiterentwickelt wie zuletzt, erscheint allerdings fraglich: Das Papier hat seinen Wert während der Corona-Pandemie mehr als verdoppelt, musste allerdings in den vergangenen Monaten bereits einige Rückschläge hinnehmen. Immerhin, Analysten bleiben – zum Teil mit Verweis auf die starke Marktstellung Zalandos – optimistisch und empfehlen die Aktie zum Großteil zum Kauf oder wenigstens zum Halten.

Siemens Healthineers

Siemens Healthineers kam als Abspaltung des Siemens-Konzerns erst 2018 an die Börse – ein Durchmarsch in den Dax binnen gut zwei Jahren also. Das Medizintechnik-Unternehmen hat allerdings vor allem in den vergangenen Monaten deutlich gemacht, wohin die Reise gehen soll.

Zum einen wirkte sich die Corona-Krise nur vorübergehend dämpfend auf die Geschäfte von Siemens Healthineers aus – inzwischen gab es einen regelrechten Schub durch die Pandemie, ausgelöst durch die große Nachfrage nach Corona-Schnelltests des Unternehmens. Zum anderen laufen auch andere Geschäftsbereiche von Siemens Healthineers – insbesondere etwa die Diagnostiksparte – rund. Folge: Konzernchef Bernd Montag (52) konnte vor einigen Wochen einmal mehr starke Quartalszahlen vorlegen und die Prognose für die kommenden Monate anheben.

Große Hoffnungen ruhen dabei vor allem auf dem Rekordzukauf in der Siemens-Geschichte, der Übernahme der US-Firma Varian, die Siemens Heathineers im Frühjahr 2021 über die Bühne brachte. Im Interview mit dem manager magazin bezeichnete CEO Montag den Erwerb des Weltmarktführers für die Strahlenbehandlung von Krebs für rund 14 Milliarden Euro als "Ritterschlag für unser Unternehmen" .

Die Aktionäre – allen voran mit einer 75-Prozent-Beteiligung noch immer der Siemens-Konzern – dürften inzwischen ebenfalls sehr zufrieden sein mit ihrem Investment. Nach dem Börsengang trat der Aktienkurs lange mehr oder weniger auf der Stelle, seit Anfang 2021 hat er aber bis heute um rund 50 Prozent zugelegt. Auf dem aktuellen Rekordniveau sind Analysten allerdings eher skeptisch: Zwar raten sie zum Großteil zum Kauf, ihr Kursziel liegt jedoch im Schnitt unter dem momentanen Niveau.

Brenntag

"Wir haben im zweiten Quartal ausgezeichnete Ergebnisse erzielt und sind mit der Leistung unserer beiden globalen Geschäftsbereiche (…) sehr zufrieden." Es kommt nicht oft vor, dass sich ein Unternehmenschef so uneingeschränkt positiv zum Geschäft äußert, aber Christian Kohlpaintner, CEO beim Chemikalienhändler Brenntag, hat momentan tatsächlich allen Grund zur Freude: Es läuft einfach rund bei dem Unternehmen.

Im kürzlich abgelaufenen zweiten Quartal 2021 etwa, von dem Kohlpaintner sprach, stiegen die Umsätze um 23 Prozent auf etwa 3,5 Milliarden Euro. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen kletterte um knapp 29 Prozent auf etwa 355 Millionen Euro.

Neben dem gut laufenden operativen Geschäft – dem Handel mit mehr als 10.000 verschiedenen Chemieprodukten als Mittler zwischen den herstellenden Konzernen und den Unternehmen, die diese Chemikalien und Inhaltsstoffe verarbeiten – sind es vor allem zwei Dinge, die die Aktionäre von Brenntag seit Monaten erfreuen. Erstens: Das Unternehmen wächst weiterhin auch durch Übernahmen. So wurde etwa im zweiten Quartal 2021 die US-Firma JM Swank erworben, wodurch laut Brenntag der größte Vermarkter von Lebensmittelinhaltsstoffen und -prozesschemikalien in Nordamerika entstand. Und zweitens: Firmenchef Kohlpaintner startete Ende 2020 eine grundlegende Umstrukturierung des Unternehmens, Standortschließungen und Stellenabbau inklusive.

Dem Aktienkurs tat offenbar beides gut: Mit dem Brenntag-Papier geht es nach einem Rücksetzer zu Beginn der Corona-Krise steil nach oben. Auf dem aktuellen Rekordniveau deutlich jenseits der 80 Euro sehen Analysten das Papier aber vorerst zum Großteil ausgereizt.

Porsche Automobil Holding

Das muss zunächst klargestellt werden: Hier handelt es sich nicht um den Autohersteller Porsche. Der ist im Volkswagen-Konzern integriert und kein Kandidat für den Leitindex Dax. Die Porsche Automobil Holding SE - kurz Porsche SE - ist vielmehr die Beteiligungsgesellschaft, die entstand, als Porsche vor einigen Jahren den vergeblichen Versuch unternahm, den Volkswagen-Konzern zu übernehmen. Seither sind in der Porsche SE rund 53 Prozent der VW-Stammaktien gebündelt - das Schicksal des Unternehmens steht und fällt daher zum Großteil mit dem Schicksal von Volkswagen.

Das zeigte sich auch bei der Präsentation der jüngsten Geschäftszahlen. Nachdem Volkswagen bereits einen Milliardengewinn für das erste Halbjahr 2021 gemeldet hatte, überraschte es nicht mehr allzu sehr, dass auch Porsche im gleichen Zeitraum gut abgeschnitten hat: Die Beteiligungsgesellschaft verbuchte in den ersten sechs Monaten des Jahres einen Nachsteuergewinn von rund 2,5 Milliarden Euro – nach einem Corona-bedingten Minus im Vorjahr in Höhe von knapp 330 Millionen Euro. Den Ausblick für das Gesamtjahr schraubte das Porsche-Management vor dem Hintergrund ebenfalls nach oben.

Zwar ist die Porsche SE keineswegs gleichzusetzen mit der Beteiligung an Volkswagen. Das Unternehmen hält vielmehr auch Anteile an weiteren Firmen, wie zum Beispiel seit Kurzem am bayerischen Raketen-Start-up Isar Aerospace oder an Aeva Technologies, das Autos künftig beim autonomen Fahren helfen will. Diese Investments machen aber lediglich einen geringen Teil des Porsche-Engagements aus. Kein Wunder also, dass sich auch die Aktie in der Vergangenheit meist mehr oder wenig im Gleichschritt mit dem Volkswagen-Papier entwickelte. Erst in den vergangenen Monaten zog das Porsche-Papier der Aktie aus Wolfsburg davon, sodass auf Zwölf-Monats-Sicht derzeit ein Plus von knapp 70 Prozent zu Buche steht (Volkswagens Vorzugsaktien: Plus 40 Prozent). Analysten zufolge ist der Kurs bei den aktuell rund 87 Euro noch nicht ausgereizt – sie sehen im Schnitt Potenzial für einen weiteren Anstieg um rund 20 Prozent.

Hellofresh

"Der Dax macht einen kleinen Schritt vom Dividendenindex zum Wachstumsindex", kommentiert Silke Schlünsen, Indexexpertin der US-Investmentbank Stifel, die Dax-Erweiterung. "Unter den Neumitgliedern sind einige wachstumsstarke Zukunftsunternehmen, die den Index bereichern werden." Die Expertin ist sich sicher: Der Dax wird dadurch auch für ausländische Investoren attraktiver und könnte einen Schub durch Mittelzuflüsse globaler Investoren bekommen.

Die Aussage Stifels dürfte insbesondere auf Hellofresh abzielen. Der Kochboxenversender befindet sich beinahe noch im Status eines Start-ups, 2011 gegründet, seit 2017 an der Börse notiert – und jetzt bereits im Leitindex der 40 größten Unternehmen des Landes. Die Unternehmensgründer Dominik Richter, Jessica Nilsson und Thomas Griesel trafen mit ihrer Geschäftsidee also offenbar voll ins Schwarze: Weg vom Tiefkühl- oder Fastfood-Essen, zurück an den eigenen Herd – aber mit freundlicher Unterstützung des Unternehmens, das dem Freizeitkoch nicht nur die Wahl des Gerichts abnimmt, das zubereitet werden soll, sondern auch die nötigen Zutaten frei Haus liefert.

Erfolgreich war Hellofresh mit diesem Konzept bereits vor der Corona-Pandemie, wenngleich das Unternehmen lange Zeit Verluste schrieb und die Aktie an der Börse eher vor sich hindümpelte. Durch die Krise, in der Millionen Menschen mehr Zeit daheim verbringen mussten, erhielt Hellofresh dann erst den richtigen Schub. Der Umsatz schoss 2020 um 111 Prozent auf 3,75 Milliarden Euro in die Höhe, der Vorsteuergewinn legte von allerdings niedrigem Niveau im beinahe vierstelligen Prozentbereich zu.

Und das Gute: Die neugewonnenen Kunden bleiben Hellofresh offenbar über die Lockdown-Zwänge hinaus treu. So konnte CEO Dominik Richter die Prognosen seines Unternehmens für das laufende Jahr Anfang August erhöhen.

An der Börse ist die Aktie bereits Mitte 2019 aus dem Schlaf erwacht. Seither hat der Kurs um rund 700 Prozent zugelegt. Kein Wunder, dass nach einem solchen Anstieg die meisten Analysten inzwischen skeptisch sind in Bezug auf mögliche weitere Kurssteigerungen.

Puma

Auch Puma feiert gegenwärtig ein Comeback aus der Corona-Krise. Für das zweite Quartal meldete der Sportartikelhersteller kürzlich einen operativen Gewinn von 109 Millionen Euro – nach einem Verlust von 115 Millionen Euro im Corona-gebeutelten Vorjahreszeitraum. Auch die Jahresprognose hat Konzernchef Björn Gulden (56) kürzlich angehoben – betont aber, dass es gewisse Unsicherheiten gibt, ob die Zielmarke tatsächlich erreicht werden kann.

Damit meint Gulden nicht nur die Corona-Krise, die beispielsweise erst kürzlich wieder wegen eines neuen Lockdowns in Fernost zu Produktionsausfällen für Puma geführt hat. Auch der weltweite Logistikstau bereitet dem Puma-Chef Kopfzerbrechen.

Das heißt: Puma hat kein Nachfrage-, sondern ein Angebotsproblem. Die Geschäfte laufen blendend – doch die Lieferung kann stocken. Möglich, dass das auch die Aktionäre beirrt. Das Puma-Papier hat seit Beginn der Corona-Krise – nach kurzem Rücksetzer – einen rasanten Aufschwung erlebt. Zuletzt allerdings kam die Aktie unter Druck, was allerdings auf dem inzwischen erreichten Rekordniveau auch durch Gewinnmitnahmen zu erklären sein kann.

Symrise

Der Aromen- und Dufthersteller Symrise mischt mit seinen mehr als 30.000 Produkten fast überall mit: Ob Fertiggerichte, Tiernahrung, Getränke, Süßwaren, Kosmetik oder Reinigungsmittel – viele davon peppt Symrise mit seinen Duft- und Geschmacksstoffen auf. 14 Jahre nach dem Börsengang steigt das Unternehmen aus Holzminden nun in den Dax auf.

Das Unternehmen ist in frühen Zeiten selbst durch viele Hände gegangen – und setzt bei seinem Wachstumskurs nun konsequent auf Übernahmen. 1874 entwickelten zwei Chemiker aus Holzminden das künstliche Vanillearoma Vanillin, gründeten das Unternehmen Haarmann & Reimer – und wurden 1953 von Bayer geschluckt. Bayer verkaufte den Aromenhersteller später an den Finanzinvestor EQT weiter, der das Unternehmen mit Dragoco fusionierte und 2006 unter dem Namen Symrise an die Börse brachte.

Konzernchef Heinz-Jürgen Bertram setzt seitdem auch selbst auf Übernahmen: 2013 wurde der US-Dufthersteller Belmay gekauft, 2014 der schwedische Hersteller Probi sowie der französische Hersteller von Nahrungsmittelinhaltsstoffen, Diana. 2019 ließ sich Symrise den US-Hersteller für Tierfutterzusätze ADF rund eine Milliarde Dollar kosten. Inzwischen hat Symrise am weltweiten Markt von Duft- und Aromastoffen einen Anteil von rund 10 Prozent erreicht.

Seit dem Kauf von ADF steht Symrise auf drei Säulen: Die "Flavor" Sparte produziert Geschmacksstoffe für Lebensmittel und Getränke, der Bereich "Nutrition" bietet Inhaltsstoffe für Lebensmittel und Tierfutter, und "Scent & Care" mischt bei Kosmetik, Körperpflege und Reinigungsmitteln mit.

Die breite Aufstellung zahlt sich aus. Nach einem Dämpfer 2020 durch die Corona-Pandemie hat Symrise im ersten Halbjahr 2021 Umsatz und Gewinn wieder kräftig gesteigert. Der Umsatz ist um knapp 5 Prozent auf 1,9 Milliarden Euro gewachsen. Der Gewinn vor Steuern und Abschreibungen hat sich um knapp 7 Prozent auf 420 Millionen Euro erhöht. Das Unternehmen hat daraufhin seine Ziele für 2021 angehoben und strebt nun ein organisches Umsatzwachstum von mehr als 7 Prozent an.

Trotz kleinerer Rücksetzer im Aktienkurs wegen hoher Übernahmekosten hat die Aktie seit 2019 um fast 50 Prozent zugelegt und bringt es inzwischen auf ein Börsengewicht von etwa 15 Milliarden Euro. Da die Aktie nach steiler Kursrallye inzwischen nahe Rekordhoch notiert, sind Analysten derzeit zurückhaltend: Nur wenige raten auf aktuellem Niveau noch zum Kauf.

Qiagen

Qiagen gehört eigentlich zu den großen Gewinnern der Corona-Krise – die große Nachfrage nach Tests zur Diagnose von Covid-19-Infektionen verhalf dem Diagnostikunternehmen zu einer regelrechten Sonderkonjunktur. Kein Wunder also, dass die Qiagen-Aktie zwischen April 2020 und Mitte dieses Jahres zeitweise um bis zu 40 Prozent im Plus lag.

Umso enttäuschter dürften Qiagen-Aktionäre jedoch gewesen sein, als der Vorstand Anfang Juli die Umsatzprognose für das laufende Jahr gesenkt hat. Der Grund dafür: In der Corona-Krise sind die Impfkampagnen in vielen Ländern inzwischen so weit fortgeschritten, dass die Nachfrage nach Corona-Tests bereits nachlässt. Mit 12 Prozent visiert Qiagen nun zwar nach wie vor ein ordentliches Umsatzwachstum an – bisher standen aber bis zu 20 Prozent in Aussicht.

Es gibt aber auch eine gute Nachricht: Qiagen verfügt auch abseits der Corona-Pandemie über Geschäftsaktivitäten – und die entwickeln sich gegenwärtig sehr gut. Den Zahlen zum zweiten Quartal zufolge etwa wuchs der Umsatz in der Produktgruppe, die nichts mit Covid-19 zu tun hat, um beachtliche 52 Prozent.

Zuletzt machte die Qiagen-Aktie nach einigem Auf und Ab in den vergangenen Monaten wieder einen Satz nach oben. Jenseits von 46 Euro notiert sie damit weiter auf Rekordniveau, und Analysten zufolge ist das Papier damit fair bewertet.

Sartorius

Der Pharmazulieferer und Laborausrüster Sartorius aus Göttingen ist seit Jahren ein Liebling der Anleger – und die Corona-Pandemie hat das Geschäft noch einmal kräftig angefacht. Die Vorzugsaktie hat in den vergangenen fünf Jahren um rund 700 Prozent zugelegt. Der Konzern mit rund 1200 Mitarbeitern ist an der Börse bereits rund 44 Milliarden Euro wert und bringt es hinter Airbus und Siemens Healthineers auf die dritthöchste Marktkapitalisierung im MDax. Die Stammaktien sind jedoch nicht frei handelbar, da rund die Hälfte der Erbengemeinschaft des Firmengründers Horst Sartorius gehört. Dies schützt die Wachstumsperle aus Niedersachsen vor Übernahmen. Weitere 34 Prozent hält Bio Rad Lab aus den USA. Als Aufstiegskriterium zählt nur das Börsengewicht der frei handelbaren Sartorius-Vorzugsaktien.

Nicht nur für Hersteller von Corona-Tests, sondern für die gesamte Pharmaindustrie liefern die Niedersachsen wichtiges Zubehör. Der Bestellboom hat dafür gesorgt, dass Firmenchef Joachim Kreuzberg nach einem Gewinnsprung im zweiten Quartal die Jahresziele erneut erhöht hat: Der Umsatz soll 2021 um etwa 45 Prozent steigen, der bereinigte operative Gewinn um 34 Prozent. Bis 2025 strebt Sartorius einen Umsatz von fünf Milliarden Euro und einen operativen Gewinn von 1,6 Milliarden Euro an: Im Jahr 2020 waren es noch 700 Millionen Euro Gewinn.

Das starke Wachstum des 1870 als feinmechanische Werkstatt für Analysewaagen gegründeten Unternehmens wird auch durch Übernahmen angetrieben. Dabei liegt der Fokus auf Asien und Amerika. Wichtigste Beteiligung ist der 70-Prozent-Anteil an der französischen Sartorius Stedim Biotech, unter deren Dach das Biotech-Geschäft läuft. Die Sparte verkauft in der Pandemie stark gefragte Materialien wie Bioreaktoren, Membranbeutel, Filtersysteme sowie Nährlösungen für Zellkulturen. Zu den Konkurrenten von Sartorius zählen die deutsche Merck KgaA sowie der US-Konzern Danaher, von dem die Göttinger bereits einige Teilbereiche übernommen haben.

Obwohl der Börsenwert der Sartorius-Vorzugsaktien derzeit nur bei rund 13,5 Milliarden Euro liegt, gehen die meisten Analysten angesichts des rasanten Wachstums des Konzerns von einem Dax-Aufstieg aus. Sieben von zwölf von dpa-afx befragten Analysten empfehlen das Papier trotz der jüngsten Kursrallye zum Kauf – das Geschäft von Sartorius entwickle sich weiterhin sehr dynamisch, so Warburg-Analyst Michael Heider. Nur die UBS rät angesichts des Rekordhochs der Aktie dazu, Gewinne mitzunehmen. Der jüngste Boom sei durch Corona angetrieben und dürfte sich nicht ewig fortsetzen.

cr, la/dpa-afx
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