Montag, 30. März 2020

Crash setzt sich fort "Aktienmärkte befinden sich im Crash-Modus"

Dax-Absturz wegen Coronavirus

Der Dax stürzt trotz der erneuten Zinssenkung der US-Notenbank Fed weit unter die Marke von 9000 Punkten und schließt so tief wie seit 2013 nicht mehr. 13 Aktien im Dax 30 schließen zwischen 10 und 16 Prozent leichter. An der Wall Street stehen die Indizes erneut im tiefroten Bereich.

Trotz der Zinssenkungen und Geldspritzen großer Notenbanken ergreifen Börsenanleger weltweit panikartig die Flucht. Der Ausverkauf an den Aktienmärkten nahm am Montag weiter Fahrt auf. Der Dax Börsen-Chart zeigen hat am Montag 5,3 Prozent schwächer geschlossen bei 8742,25 Punkten und damit auf dem niedrigsten Stand seit 2013. In einem erneut extrem nervösen Handel bei hoher Schwankungsbreite hatte das Tagestief des deutschen Leitindex bei 8255 Punkten und das Tageshoch bei 8967 Zählern gelegen.

Der MDax Börsen-Chart zeigen notierte bei 19.230 Punkten, ein Minus von 5,1 Prozent. Der europäische Leitindex EuroStoxx 50 Börsen-Chart zeigen gab weitere 5,5 Prozent auf 2442 Zähler nach. An der New Yorker Börse notierten die wichtigsten Indizes zum Handelsschluss in Europa ebenfalls im tiefroten Bereich: Der Leitindex Dow Jones Börsen-Chart zeigen gab 8,2 Prozent auf 21.265 Punkte nach. An der Technologiebörse notierte der Nasdaq 100 Börsen-Chart zeigen rund 7,5 Prozent leichter bei 7283 Punkte. Der marktbreite S&P 500 gab 7,6 Prozent auf 2503 Zähler nach.

Dow Jones bricht zweitweise um mehr als 10 Prozent ein

In New York verzeichneten die Statistiker für den Dow zwischenzeitlich den stärksten Einbruch seit dem 19. Oktober 1987. "Die Aktienmärkte befinden sich mittlerweile im Crash-Modus", sagte Michael Winkler, Chefstratege bei der St. Galler Kantonalbank. "Dagegen helfen auch die am Wochenende verkündeten weiteren Notfallzinssenkungen der US-Notenbank Fed nicht." Vor diesem Hintergrund kletterten die "Angstbarometer" VDax und VStoxx auf neue Rekordhochs.


Unsere Börsenseite: Hier sehen Sie Dax und Dow Jones in Echtzeit


Angeführt von der US-Notenbank (Fed) senkten zahlreiche Zentralbanken Zinsen und kündigten milliardenschwere Geldspritzen an. Außerdem will die Fed mit günstigen Dollar-Kreditgeschäften die Versorgung mit der Weltleitwährung sicherstellen. "Die Anleger-Stimmung hat aber einen Punkt erreicht, an dem positive Maßnahmen Ängste verschlimmern und als Katastrophe angesehen werden", sagte Ayush Ansal, Chef-Anleger des Vermögensverwalters Crimson Black. In der aktuellen Gesundheitskrise sei Geldpolitik allein nicht ausreichend. "Sie muss mit radikalen fiskalpolitischen Maßnahmen Hand in Hand gehen, um die wirtschaftlichen Folgen zu minimieren."

Dollar auf Talfahrt - Gold profitiert nur kurz

Die drastische US-Zinssenkung vom Wochenende setzte der Währung des Landes zu. Der Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währungen widerspiegelt, büßte bis zu 1,3 Prozent ein. Der Euro Börsen-Chart zeigen verteuerte sich im Gegenzug um bis zu 1,2 Prozent auf 1,1236 Dollar. Starke Nerven brauchten Gold-Anleger: Die "Antikrisen-Währung" Gold Börsen-Chart zeigen konnte ihre Anfangsgewinne dagegen nicht halten und verbilligte sich um bis zu 5,1 Prozent auf 1452,01 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm), bevor sie mit 1508 Dollar 1,4 Prozent im Minus lag. Offenbar mussten weitere Anleger das Edelmetall verkaufen, um Verluste in anderen Bereichen auszugleichen, sagten Börsianer. (Lesen Sie dazu auch unseren Hintergrundbericht.)

Ölpreis unter 30 Dollar, Rettungsprogramm für US-Ölbranche erwartet

Am Rohölmarkt drückte neben der Rezessionsangst auch der Preiskrieg zwischen Saudi-Arabien und Russland auf die Kurse. Dies ließ den Preis der Sorte Brent Börsen-Chart zeigen aus der Nordsee zeitweise fast 13 Prozent ins Minus rutschen auf ein Vier-Jahres-Tief von 29,52 Dollar je Barrel (159 Liter). Dadurch werde die Lage vor allem für US-Schieferölförderer kritisch, warnte Analyst Jeffrey Halley vom Brokerhaus Oanda. Die Regierung in Washington werde wohl eher früher als später ein Rettungsprogramm für die hoch verschuldete Branche auflegen müssen.

Wegen des technisch aufwendigen Fracking-Verfahrens arbeiten diese Firmen Experten zufolge erst ab einem Ölpreis von 45 bis 50 Dollar profitabel. Eine Reihe von Firmen der Branche schraubten ihre Investitionen herunter. Aktien von US-Schieferölförderern wie Occidental oder Apache verloren bis zu knapp einem Fünftel. Auch die Titel von größeren Firmen der Branche brachen ein: Die Papiere von Chevron Börsen-Chart zeigen und Exxon Mobil Börsen-Chart zeigen verloren bis zu 10 Prozent, in Europa sackten die -Aktien von Total Börsen-Chart zeigen-, BP und Shell Börsen-Chart zeigen bis zu 7,6 Prozent ab.


Crash an den Märkten: Wir sind erst in Phase 2


Auch Bankenaktien stürzen ab

Auch Bankaktien kamen in den USA unter die Räder. Die Absenkung des Schlüsselsatzes auf praktisch null Prozent binnen zwei Wochen werde die Gewinne der Institute schmälern, prognostizierten die Experten des Vermögensberaters Raymond James. Die Papiere von Citigroup Börsen-Chart zeigen, JPMorgan Chase Börsen-Chart zeigen und Bank of America Börsen-Chart zeigenbrachen bis zu 17 Prozent ein.

Tui-Aktie verliert 40 Prozent, Lufthansa stark unter Druck

Zudem litten die Touristikwerte erneut wegen der internationalen Reisebeschränkungen. Der europäische Branchenindex brach zeitweise um mehr als 16 Prozent ein, so stark wie nie zuvor. Tui Börsen-Chart zeigen stürzten sogar um 40 Prozent auf ein Rekordtief von 2,42 Euro ab. Der Reisekonzern beantragte wegen wegbrechender Buchungen Staatshilfe. Zum Corona-Krisentreffen der Bundesregierung mit Vertretern der Luftfahrtbranche fielen die Aktien von Lufthansa Börsen-Chart zeigen (minus13 Prozent) Air France-KLM Börsen-Chart zeigen und der British Airways-Mutter IAG Börsen-Chart zeigen sowie der Billig-Flieger Ryanair Börsen-Chart zeigen und EasyJet um bis einem Drittel.

Drägerwerk-Aktien schießen in der Krise hoch

Gefragt waren dagegen die Titel von Drägerwerk Börsen-Chart zeigen, die mit einem Plus von zeitweise knapp 68 Prozent den größten Kurssprung der Firmengeschichte verbuchten und noch ein Fünftel fester schlossen. Am Freitag hatte die Bundesregierung 10.000 Beatmungsgeräte bei der Medizintechnik-Firma bestellt. Auch andere Länder reißen sich um solche Apparate, die zur Behandlung von Coronavirus-Patienten benötigt werden.

Glyphosat: Bayer kommt Vergleich in den USA näher

Bayer Börsen-Chart zeigen steuert im US-Rechtsstreit um angebliche Krebsrisiken von Glyphosat-Unkrautvernichtern laut einem US-Zeitungsbericht auf eine Lösung zu. Das Unternehmen habe sich mit sechs Anwaltskanzleien, die im Auftrag Zehntausender Kläger verhandelten, auf einen Vergleichsentwurf geeinigt, schrieb das "Wall Street Journal" am Freitag (Ortszeit) unter Berufung auf Insider. Der Kompromiss sehe eine Zahlung in der Größenordnung von zehn Milliarden Dollar vor. Die Dimension entspräche in etwa den Markterwartungen.

Bayer-Aktien schlugen sich daraufhin besser als der Gesamtmarkt. Die Aktien schlossen am Montag mit 4 Prozent leichter. "An normalen Tagen würde dies gefeiert, aber nicht heute", ergänzte ein Börsianer mit Blick auf den neuerlichen Dax-Einbruch.

mit Nachrichtenagenturen

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