Donnerstag, 21. November 2019

Vorsichtiger Brexit-Optimismus vor neuer Börsenwoche "Licht am Ende eines sehr dunklen Tunnels"

Großbritanniens Premierminister Boris Johnson
AP / Alastair Grant
Großbritanniens Premierminister Boris Johnson

Das Brexit-Drama dürfte auch in der kommenden Woche die Börsen in Atem halten. Dabei könnten sich im Schlussakt die Geschicke wenden und in ein Happy End münden, sagt Nigel Green, Gründer und Chef des Anlageberaters deVere. "Es wächst das Gefühl, dass Licht am Ende eines sehr dunklen Tunnels ist."

Genährt wurde der Optimismus zunächst von Aussagen des irischen Ministerpräsidenten Leo Varadkar. Dieser bezeichnete nach einem "sehr positiven" Treffen mit seinem britischen Kollegen Boris Johnson einen Kompromiss im Brexit-Streit als in greifbarer Nähe. Aus EU-Kreisen verlautete später, dass Großbritannien seine Position verändert habe. Die EU-Mitgliedsstaaten erteilten daraufhin ihrem Verhandlungsführer Michel Barnier das Mandat für weitere Gespräche.

Johnson wollte sich zu Zugeständnissen nicht konkret äußern. Er will sein Land wie geplant zum 31. Oktober aus der EU führen. Knackpunkt bei den Gesprächen ist das künftige Grenzregime zwischen dem EU-Mitglied Irland und dem britischen Nordirland. Die EU will eine harte Grenze verhindern, auch um ein Wiederaufflammen des Nordirland-Konflikts zu vermeiden.

Am Devisenmarkt lösten die Hoffnungen auf eine Einigung bis zum EU-Gipfel am Donnerstag und Freitag eine Rally beim Pfund Sterling aus. Die britische Währung verteuerte sich seither um jeweils um etwa zwei Prozent auf 1,27 Dollar und gut 1,15 Euro. Anlagestratege Michael Hewson vom Brokerhaus CMC Markets mahnt allerdings zur Besonnenheit. "Jeglicher Deal muss nicht nur von der EU, sondern auch vom Unterhaus verabschiedet werden." Das britische Parlament sei derzeit aber nicht gerade bekannt dafür, sich auf irgendetwas einigen zu können.

Entspannungssignale im Zollstreit

Ermutigende Signale kamen auch im Zollstreit zwischen den USA und China. US-Präsident Donald Trump verkündete eine Teileinigung. Die eigentlich für kommende Woche geplante Erhöhung der Strafzölle auf chinesische Importgüter ist damit vom Tisch. Allerdings seien immer noch nicht alle Fragen ausgeräumt. Trump sagte, es werde bis zu fünf Wochen dauern, bis das Abkommen unterzeichnet sei.

Die Hoffnung auf eine Entschärfung der Dauer-Krisen Zollstreit und Brexit verhalf dem Dax in den vergangenen Tagen zu einem Kursplus von insgesamt gut vier Prozent.

Banken läuten Bilanzreigen ein

Thema am Markt dürfte in der neuen Woche auch die heiße Phase der US-Bilanzsaison sein. Eingeläutet wird sie am Dienstag mit den Quartalsergebnissen der Großbanken Citigroup, Goldman Sachs und JPMorgan. In den Tagen darauf folgen die Bank of America und Morgan Stanley. Außerdem öffnen die Online-Videothek Netflix und der "Marlboro"-Anbieter Philip Morris ihre Bücher.

Bei den Konjunkturdaten steht unter anderem der ZEW-Index am Dienstag auf dem Terminplan, der die Stimmung der deutschen Börsenprofis widerspiegelt. Am Tag darauf wird in den USA der Konjunkturbericht der US-Notenbank Fed veröffentlicht. "Das 'Beige Book' wird ein differenzierteres Bild davon geben, wie sich der Handelskonflikt auswirkt", sagt Philippe Waechter, Chef-Volkswirt des Vermögensverwalters Ostrum. "Diese Analysen bieten auch neue Anhaltspunkte dafür, was die Fed bei ihrer nächsten Sitzung entscheiden könnte." Investoren rechnen bislang mehrheitlich mit einer erneuten Zinssenkung um einen viertel Prozentpunkt.

Reuters

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