Sonntag, 31. Mai 2020

Börsen im Rausch der EZB Billiggeld-Rally geht weiter - Dax über 10.800 Punkte

Super Mario Draghis erste Halbzeit in Zitaten: Noch eben kurz den Euro retten - "whatever it takes"
DPA

EZB-Chef Mario Draghi verleiht dem Dax auch am Freitag Auftrieb: Der deutsche Leitindex knackt die Marke von 10.800 Punkten. Der Euro verliert spürbar.

Die Aussicht auf weiteres billiges Geld der Europäischen Zentralbank (EZB) hat die Anleger am deutschen Aktienmarkt auch am Freitag bei Laune gehalten. Eine chinesische Zinssenkung beschleunigte den Aufwärtstrend dabei noch: Der Dax Börsen-Chart zeigen stieg bis zum späten Nachmittag um gut 3 Prozent auf 10.802 Punkte. Auf Wochensicht zeichnet sich damit ein Plus von mehr als 4 Prozent ab.

Der Index der mittelgroßen Werte MDax Börsen-Chart zeigen rückte um 2 Prozent auf 20.927 Zähler vor. Der Technologiewerte-Index TecDax Börsen-Chart zeigen stieg um 1,4 Prozent auf 1823 Punkte. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 Börsen-Chart zeigen legte um 1,8 Prozent zu.

"Möglicher Beginn einer Jahresendrally"

Der Countdown für eine Jahresendrally scheint Börsianern zufolge nun zu laufen. "Die Hoffnung auf noch mehr billiges Geld wird nun wieder einmal zur treibenden Kraft an den Aktienmärkten", prognostizierte Andreas Paciorek vom Brokerhaus CMC Markets. Schon am Donnerstag waren die Indizes nach oben geschnellt, nachdem EZB-Chef Mario Draghi eine mögliche Ausweitung der lockeren Geldpolitik im Euro-Raum ins Spiel gebracht hatte. Bislang haben Dax und EuroStoxx50 seit Jahresbeginn 7 und 6,6 Prozent zugelegt. Im Sommer war ein Großteil der bis dahin deutlichen Kursgewinne den Marktturbulenzen in China zum Opfer gefallen.

Das dortige Wirtschaftswachstum war zuletzt unter die magische Grenze von 7 Prozent gerutscht - das ist das niedrigste Quartalswachstum seit den Zeiten der globalen Finanzkrise Anfang 2009. Die Währungshüter in Peking hielten am Freitag erneut dagegen und senkten den Leitzins mit einjähriger Laufzeit um einen Viertel Prozentpunkt auf 4,35 Prozent. Das nährte die Hoffnung der Anleger auf eine Belebung der Konjunktur, was auch am Rohstoffmarkt für steigende Kurse sorgte.

An der Wall Street rückte der Dow Jones Börsen-Chart zeigen um 0,8 Prozent vor auf 17.624 Punkte.

Euro gibt weiter nach

Rückenwind bekamen die Leitindizes zum Wochenschluss zudem vom kräftigen Kursrückgang beim Euro. Seit Draghis Ankündigung, die bisherigen geldpolitischen Maßnahmen im Dezember auf den Prüfstand zu stellen, hat die Gemeinschaftswährung bis zu knapp zweieinhalb US-Cent verloren. Für viele Anleger scheint damit klar, dass die Notenbank bei ihrem bisherigen Anleihenkaufprogramm zur Ankurbelung der Konjunktur noch einmal nachlegen wird. Der Euro Börsen-Chart zeigen gab am Freitag bis auf 1,1028 Dollar nach und war damit so billig wie seit Mitte August nicht mehr. Fällt der Euro-Kurs, macht dies europäische Waren im Ausland billiger.

Für Erleichterung sorgte auch, dass die Konjunktur in der Euro-Zone im Oktober einer Umfrage zufolge überraschend angezogen ist. Der Einkaufsmanagerindex für die Privatwirtschaft stieg um 0,4 auf 54,0 Punkte. Das Barometer lag damit deutlich über der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Experten hatten mit einem Rückgang auf 53,4 Punkte gerechnet.

K+S einziger Verlierer im Dax

Zu den größten Gewinnern im Dax zählten konjunkturabhängige Werte wie HeidelbergCement Börsen-Chart zeigen mit plus 4,4 Prozent oder Siemens Börsen-Chart zeigen, die 3,7 Prozent zulegten.

Die Furcht der Anleger vor geringeren Einnahmen der Kalidünger-Produzenten belastete die Aktien von K+S. Die Papiere fielen um bis zu 4,8 Prozent auf 23,55 Euro und waren alleiniger Verlierer im Dax. Börsianer begründeten die schlechte Stimmung mit Aussagen des Konkurrenten ICL Israel Chemicals zu Preisverhandlungen mit Kunden.

Im MDax rückten Bilfinger Börsen-Chart zeigen nach einer Hochstufung durch Kepler Cheuvreux um fast sieben Prozent vor. Die Analysten hatten die Titel auf "Hold" von "Reduce" gesetzt.

Vor allem Exportwerte können vom EZB-Kurs und den damit tendenziell niedrigen Eurokursen profitieren, wie unsere Übersicht zeigt:

Welche Aktien von der EZB-Geldflut profitieren können

Zu den Exportwerten im Dax, die von einem niedrigen Euro und damit von der EZB-Geldflut profitieren können, zählen zum Beispiel Autohersteller wie BMW oder ...

... Daimler. Diese Aktien haben zuletzt zum Teil arg gelitten und besitzen möglicherweise Aufholpotenzial.

Ein exportstarker Autowert ist grundsätzlich auch Volkswagen. Aufgrund des laufenden Abgasskandals ist die Aktie allerdings wohl nur mit Vorsicht zu genießen.

Ebenfalls groß im Auslandsgeschäft ist die deutsche Chemiebranche, allen voran etwa die Dax-Konzerne Bayer ...

... und BASF.

Aktien des Sektors Maschinenbau, der traditionell einen Großteil seines Geschäfts außerhalb Deutschlands macht, finden sich vor allem im MDax. Beispiele sind ...

... der Abfüll- und Verpackungsanlagenbauer Krones, ...

... der Gabelstaplerhersteller Kion sowie ...

... der Roboterbauer Kuka mit Sitz in Augsburg.

Nicht zu vergessen: Auch Konsumgüterproduzenten wie der Sportartikelanbieter Adidas oder ...

... der Düsseldorfer Henkel-Konzern verkaufen einen Großteil ihrer Produkte im Ausland.

Realtime-Kurse: Hier sehen Sie Dax und Dow in Echtzeit

luk/reuters/dpa-afx

© manager magazin 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung