Turbulenter Tag an der Börse Draghi treibt Dax auf Allzeithoch - und dann ins Minus

Der mit Spannung erwartete Auftritt von EZB-Chef Mario Draghi hat für ein Auf und Ab an der Börse gesorgt. Zunächst sprang der Dax auf ein neues Allzeithoch bei 10.083 Punkten - am Ende des Tages notiert er jedoch deutlich im Minus.
Zick-Zack-Kurs: Die Börse hatte heute keine klare Richtung

Zick-Zack-Kurs: Die Börse hatte heute keine klare Richtung

Foto: Boris Roessler/ dpa

Frankfurt am Main - Einmal Rekord und zurück: Angeheizt von der Hoffnung auf weitere Geldspritzen der Europäischen Zentralbank (EZB) ist der Dax  am Donnerstag auf ein Allzeithoch von 10.083 Punkten gesprungen. Die Anleger bekamen direkt im Anschluss aber Höhenangst - zudem gingen die Aussagen von EZB-Chef Mario Draghi zu künftigen Kaufprogrammen zur Konjunkturstützung vielen Börsianern nicht weit genug. Der Leitindex stürzte binnen Minuten wieder ab und lag beim Handelsschluss 1,2 Prozent tiefer bei 9851 Punkten.

Auch die US-Börsen starteten am Donnerstag schwächer in den Handel. Im Mittelpunkt stand an der Wall Street ebenfalls die EZB. Der Dow Jones  eröffnete 0,1 Prozent leichter bei 17.887 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 verlor 0,2 Prozent auf 2069 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq gab 0,1 Prozent auf 4769 Stellen nach.

"Einige Investoren hatten auf konkretere Aussagen zu Staatsanleihenkäufen gehofft. Da Draghi diese aber nicht geäußert hat, kehrte schnell Ernüchterung ein", sagte Stefan Schilbe von HSBC Trinkaus. Dies stützte den Euro , der auf rund 1,24 Dollar von knapp über 1,23 Dollar zu Beginn der Pressekonferenz Draghis in die Höhe schnellte. Am Rentenmarkt drehte der Bund-Future ins Plus und stieg um 23 Ticks auf 152,52 Punkte.

Anleger hatten auf Paukenschlag gehofft

Mit einem "großen Paukenschlag", zu dem ein breit angelegtes Staatsanleihe-Kaufprogramm gehören könnte, hatten die meisten Beobachter im Vorfeld zwar nicht mehr in diesem Jahr gerechnet. Doch die Hoffnung auf weitere Geldspritzen der großen Notenbanken ist der entscheidende Treibstoff für die jüngste Kursrally. Dass der Dax im Minus landete sei deshalb weniger auf die Aussagen von Draghi als auf markttechnische Faktoren zurückzuführen, sagte ein Händler. "Der Markt ist überhitzt, dann gab es nach dem Rekordsprung ausgelöst allein durch das Wort 'Staatsanleihekäufe' erst einmal Gewinnmitnahmen."

Draghi habe eigentlich nichts wirklich Neues gesagt, sagten viele Volkswirte. Marktstratege Robert Halver von der Baader Bank hält die Aussagen allerdings für klar genug: Die niedrigeren Inflations- und Wachstumsprognosen seien ein sicheres Indiz für ein Handeln im ersten Quartal. Draghi hatte unter anderem seine Zusage bekräftigt, nötigenfalls mit zusätzlichen unkonventionellen Maßnahmen gegen die aus EZB-Sicht zu geringe Inflation vorzugehen. Eine Entscheidung über neue geldpolitische Maßnahmen solle Anfang kommenden Jahres fallen.

Finanzwerte kommen unter die Räder

Zu den größten Verlierern am europäischen Aktienmarkt gehörten die Banken: der Branchenindex gab 1,8 Prozent nach. Größter Dax-Verlierer waren mit einem Minus von mehr als drei Prozent die Papiere der Commerzbank , Deutsche Bank  verloren 2,2 Prozent. Spitzenreiter waren erneut die Papiere von Infineon , die 2,3 Prozent auf 8,34 Euro stiegen. Bereits am Vortag hatten die Titel dank optimistischen Tönen des US-Konkurrenten Microchip mehr als drei Prozent zugelegt.

Airline-Aktien standen im Fokus, nachdem Europas größter Billigflieger Ryanair  seine Gewinnprognose abermals nach oben schraubte. Die Titel stiegen um bis zu 9,9 Prozent auf ein Rekordhoch von 9,58 Euro. Lufthansa  gehörten mit einem Plus von 0,7 Prozent zu den größten Gewinnern im Dax - obwohl die Airline von einem neuen Pilotenstreik betroffen ist. Easyjet  legten rund ein Prozent zu.

Ebenfalls nach oben ging es für die Aktien von Tui Travel, die sich in London um 3 Prozent verteuerten. Der britische Reiseanbieter zieht mit einem überraschend kräftigen Gewinnplus in die Fusion mit der deutschen Mutter TUI. TUI waren mit einem Plus von 1,9 Prozent größter MDax-Gewinner . Bis Ende des Jahres soll die Verschmelzung von Tui Travel mit dem Mutterkonzern aus Hannover vollzogen werden. Dadurch entsteht der größte Reisekonzern der Welt.

Für Enttäuschung sorgte der neue Kuka-Großaktionär Voith, der sich mit einer Beteiligung von 25,1 Prozent zufriedengibt. Im MDax fielen die Titel des Roboterbauers um 4 Prozent.

cr/luk/dpa/reuters/dpa-afx
Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.