Sonntag, 25. August 2019

Ausländische Aktionäre bauen Anteile an Dax-Unternehmen weiter aus Der Dax gehört vor allem ausländischen Investoren

Adidas: Der Dax Konzern ist zu 70 Prozent in ausländischer Hand
Daniel Karmann/DPA
Adidas: Der Dax Konzern ist zu 70 Prozent in ausländischer Hand

Die 30 Dax-Unternehmen haben in diesem Jahr eine Rekorddividende von 36,5 Milliarden Euro ausgeschüttet. Davon wird nur ein Drittel an deutsche Investoren überwiesen, während ausländische Investoren ihren Anteil an Dax-Aktien ausgebaut haben. Vor allem Anleger aus den USA steigern ihr Dax-Engagement.

Deutsche Sparer tun sich weiterhin schwer mit Aktien: Obwohl es wegen der Nullzinspolitik der EZB kaum noch renditestarke Alternativen gibt und Tagesgeldkonten Zinsen nur noch im Promillebereich abwerfen, ist die Aktienquote in Deutschland deutlich niedriger als etwa in England oder den USA. Zu riskant, zu schwankungsreich, wird die deutsche Aktien-Zurückhaltung begründet. Doch während die Deutschen sich zurückhalten, greifen ausländische Aktionäre bei Dax-Unternehmen beherzt zu - und steigern ihren Anteil weiter. Der deutsche Aktienindex Dax ist inzwischen überwiegend in Besitz ausländischer Investoren: Bei fünf Dax-Unternehmen halten ausländische Investoren inzwischen eine Mehrheit von mehr als 70 Prozent.

Das zeigt sich auch bei den Dividendenzahlungen: Von den 36,5 Milliarden Euro, die die Dax-Konzerne in diesem Jahr ausschütten, fließen gerade einmal 12,5 Milliarden Euro an deutsche Anteilseigner - ein Rückgang um 0,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. An ausländische Investoren überweisen die Dax-Konzerne hingegen 19,8 Milliarden Euro - 4,8 Prozent mehr als im Vorjahr. Bei den übrigen 4,2 Milliarden Euro lässt sich die Nationalität der Investoren nicht ermitteln. Das sind Ergebnisse einer Analyse der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY zur Aktionärsstruktur der im Deutschen Aktienindex (Dax) gelisteten Unternehmen. Stichtag ist jeweils das Ende des vergangenen Geschäftsjahres.

55 Prozent: Mehr als die Hälfte aller Dax-Aktien in ausländischen Depots

Der Grund für die steigenden Dividendenzahlungen an ausländische Anleger: Ausländische Investoren haben ihr Engagement im DAX im vergangenen Jahr weiter erhöht. Derzeit befindet sich mehr als jede zweite Aktie eines DAX-Unternehmens in ausländischen Depots: 55 Prozent der Aktien lassen sich ausländischen Investoren zuordnen, vor einem Jahr lag der Anteil bei 54,5 Prozent.

Investoren aus Deutschland hielten dagegen im Schnitt 33,2 Prozent der Anteile - ein Rückgang um 1,1 Prozentpunkte. Nicht zuordnen lassen sich derzeit 11,8 Prozent der Dax-Anteile.

Aktuell liegen bei den Unternehmen, die entsprechende Angaben machen, durchschnittlich 26,2 Prozent der Aktien in den Depots von Investoren aus dem europäischen Ausland - das sind 1,4 Prozentpunkte weniger als im Vorjahr - und 22,3 Prozent bei nordamerikanischen Investoren, was einem Zuwachs um 0,2 Prozentpunkten entspricht.

Autoindustrie: Gewinne der Dax-Konzerne sinken, doch ausländische Investoren greifen zu

"Die meisten DAX-Konzerne sind inzwischen globale Unternehmen mit Hauptsitz in Deutschland - nur noch etwa ein Viertel des Umsatzes wird in Deutschland erwirtschaftet. Angesichts dieser weltweiten Aufstellung und der wichtigen Rolle, die deutsche Top-Unternehmen auf bedeutenden ausländischen Märkten spielen, liegt es nahe, dass ausländische Investoren inzwischen sehr stark im DAX engagiert sind", sagt Hubert Barth, Vorsitzender der Geschäftsführung von EY.

Dass das Engagement ausländischer Investoren trotz der zuletzt teils enttäuschenden Geschäftsentwicklung gestiegen ist, wertet Mathieu Meyer, Mitglied der Geschäftsführung von EY, als Vertrauensbeweis in die Zukunftsfähigkeit der Unternehmen: "Im vergangenen Jahr lief es nicht rund für viele Dax-Unternehmen: Der Gesamtumsatz stieg nur noch um ein Prozent, der operative Gewinn sank um sieben Prozent. Gerade die Industrie - der Maschinenbau, die Autoindustrie - befinden sich in einem tiefgreifenden Umbauprozess, der mit steigenden Investitionen, sinkenden Margen und rückläufigen Dividendenzahlungen einhergeht. Dennoch erhöhten ausländische Anleger ihr Engagement bei allen vier Automobil- bzw. Zulieferunternehmen im Dax."

Adidas, Börse, Linde, Infineon, Bayer: Fest in ausländischer Hand

Bei fünf DAX-Unternehmen sind gemäß den aktuellen Geschäftsberichten mehr als 70 Prozent der ausgegebenen Aktien in ausländischer Hand (Adidas, Deutsche Börse, Linde, Infineon und Bayer), insgesamt 19 Unternehmen sind zu mindestens 50 Prozent im Besitz ausländischer Aktionäre.

Den geringsten Anteil ausländischer Aktionäre weisen Henkel Börsen-Chart zeigen und Lufthansa Börsen-Chart zeigen auf, mit nur 26 bzw. 30 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr stieg der Anteil ausländischer Investoren bei sechzehn DAX-Konzernen, bei zehn Unternehmen ist er hingegen gesunken - zu den übrigen Unternehmen liegen keine entsprechenden Informationen vor.

Besonders stark zugelegt hat der Anteil ausländischer Anteilseigner bei Merck Börsen-Chart zeigen (plus sieben Prozentpunkte) und Adidas Börsen-Chart zeigen (plus sechs Prozentpunkte), während die Deutsche Börse den stärksten Rückgang (um sechs Prozentpunkte) verzeichnete.

Langfristig gestiegenes Engagement

Vor allem der Mehrjahresvergleich zeigt das erheblich gestiegene Engagement ausländischer Anleger im DAX-Segment: Bei den 22 Unternehmen, von denen vergleichbare Angaben für das Jahr 2005 vorliegen, stieg der Anteil ausländischer Anteilseigner von durchschnittlich 48 Prozent im Jahr 2005 auf 58 Prozent im Geschäftsjahr 2018.

Die zunehmende Bedeutung ausländischer Aktionäre spiegele sich derzeit noch nicht vollständig in den Aufsichtsgremien der meisten DAX-Konzerne wieder, beobachtet Meyer. "Obwohl die Mehrzahl der DAX-Aktien in ausländischem Besitz ist, waren im vergangenen Jahr nur 29 Prozent der DAX-Aufsichtsratsmitglieder auf der Kapitalseite Ausländer." Gerade angesichts der wirtschaftlichen, rechtlichen und politischen Risiken, mit denen deutsche Unternehmen auf ausländischen Märkten zunehmend konfrontiert sind, wirbt Meyer für eine stärkere Internationalisierung der Aufsichtsratsgremien.

la/mmo

© manager magazin 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung