Börse Inflationssorgen bleiben Risiko für den Dax

Der Dax notiert nur knapp unter Rekordhoch und könnte in der verkürzten Osterwoche ein neues Rekordniveau erreichen. Doch ein Risiko bleiben die steigenden Anleiherenditen sowie die Angst vor Inflation.
Börse: Der Dax notiert nahe Rekordhoch

Börse: Der Dax notiert nahe Rekordhoch

Foto: A3796 Uwe Anspach/ dpa

Vorösterliche Entspannung an der Börse: Der Dax  dürfte Marktbeobachtern zufolge auch in der verkürzten Handelswoche vor Ostern Steherqualitäten beweisen. Verschiedene Misserfolge in der hierzulande laufenden Corona-Impfkampagne haben die Anleger nicht entmutigt, im Gegenteil: Zuletzt sind immer wieder Schnäppchenjäger auf den Plan getreten, die nach Kursrückschlägen bei Aktien zugegriffen haben. Allerdings haben optimistische Investoren den deutschen Leitindex in der Hoffnung auf eine Belebung der Weltwirtschaft bereits in Rekordhöhen getrieben. Fachleute warnen deshalb vor einer Überhitzung.

Was die Anleger aktuell zuversichtlich stimmt, sind die Fortschritte bei der Pandemiebekämpfung in wichtigen Ländern wie etwa den USA. Dort hat Präsident Joe Biden jüngst sein Ziel für die laufende Impfkampagne verdoppelt. Rückschläge in der Überwindung der Pandemie, wie hierzulande etwa wieder deutlich steigende Neuinfektionen und ungewisse Lockerungsperspektiven, hätten hingegen bislang keine negativen Auswirkungen auf die Risikobereitschaft der Anleger, schrieb Analyst Markus Reinwand von der Landesbank Helaba.

Dax

Dax, Dow und Aktien auf einen Blick: Hier geht es zur Börsenseite 

Renditeanstieg bei Anleihen könnte die gute Laune verderben

"Das Vertrauen in die Unterstützung durch eine ultralockere Geldpolitik dies- und jenseits des Atlantiks ist ungebrochen", kommentierte Reinwand. Erst am Donnerstag hat der Vorsitzende der US-Notenbank Fed, Jerome Powell, erneut die Rückendeckung für die amerikanische Wirtschaft durch die Geldpolitik deutlich gemacht. Die Notenbank werde mit der Rücknahme der Hilfen warten, bis sich die Konjunktur vollständig von den Folgen der Corona-Krise erholt habe, versicherte Powell in einem Radio-Interview.

Ein weiterer Grund für den anhaltenden Optimismus der Anleger ist das von der US-Regierung initiierte billionenschwere neue Konjunkturpaket, das die Folgen der Corona-Krise lindern soll. Dadurch allerdings wurden zuletzt auch Inflationsängste geweckt, die seit Jahresbeginn ihren Niederschlag in deutlich steigenden Anleiherenditen gefunden haben. Höhere Zinsen wiederum werden von den Anlegern in der Regel skeptisch beäugt, weil sie Aktien im Vergleich zu festverzinslichen Wertpapieren weniger attraktiv erscheinen lassen.

Aber selbst der jüngste Renditeanstieg hat die Investoren offensichtlich nicht nachhaltig irritiert. Normalerweise würden steigende Zinsen auf die Aktienmärkte drücken, doch bislang sei das nicht der Fall, schrieb der Marktexperte Sascha Sadowski vom Online-Broker LYNX. Die Bewertungen befänden sich weiter auf hohem Niveau. Diese Widerstandskraft der Aktienmärkte zeige deutlich, wie optimistisch die Marktteilnehmer in die Zukunft blickten.

Der Renditeanstieg hat sich zwar jüngst etwas abgeschwächt, doch ob der Aufwärtstrend bei den Zinsen schon vorbei ist, wird unter Experten derzeit kontrovers diskutiert. Die Analysten der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) jedenfalls zogen ein eher negatives Fazit: "Es scheint so, als hätte die Zuversicht der Anleger erste Risse bekommen." Aus Aktionärssicht stünden angesichts der steigenden Zinsen den verbesserten Gewinnperspektiven der Unternehmen nun höhere Refinanzierungskosten und eine geringere Alternativlosigkeit bei der Wertpapieranlage gegenüber.

US-Arbeitsmarktbericht am Karfreitag

Wegen der seit Jahresbeginn stark gesunkenen Anleihekurse könnte zudem so mancher Portfoliomanager zur Schonung seiner Risikobudgets die Aktienquote zurückführen, vermuteten die LBBW-Experten weiter. Ferner lasse die dritte Pandemiewelle in vielen Ländern ein langsameres Wirtschaftswachstum befürchten. Dass die Biden-Regierung zudem Unternehmen und Bürger noch auf Steuererhöhungen einstimme, dämpfe die Wachstumsperspektiven.

In der neuen Woche könnten frische Konjunkturdaten einen Hinweis darauf liefern, wie es um die Erholung der globalen Wirtschaft tatsächlich bestellt ist. Mit Blick auf die USA als der weltgrößten Volkswirtschaft liege der Fokus am Dienstag auf dem Verbrauchervertrauen, am Donnerstag auf dem Einkaufsmanagerindex für die Industrie sowie vor allem am Karfreitag auf dem US-Arbeitsmarktbericht für März, schrieb Robert Greil, der Chefstratege der Privatbank Merck Finck. Am letzten Tag der neuen Woche aber bleibt die Börse in Frankfurt geschlossen und öffnet erst am Dienstag nach Ostern wieder.

Bitcoin startet Erholungsversuch

Die Kryptowährung Bitcoin hat am Wochenende wieder zugelegt. Die älteste und wichtigste Cyber-Devise war am Donnerstag um mehr als 10 Prozent gefallen und hatte sich der Marke von 50.000 US-Dollar genähert. Zuletzt notierte Bitcoin wieder bei rund 56.000 US-Dollar und befindet sich damit weiter in Schlagdistanz zu seinem Rekordhoch.

Bitcoin

US-Börsen: Dow Jones und Nasdaq im Plus

Die New Yorker Aktienbörsen sind am Freitag mit Gewinnen aus dem Handel gegangen. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte gewann am Freitag 1,4 Prozent auf 33.073 Punkte. Der breiter gefasste &P 500 legte 1,7 Prozent auf 3976 Punkte zu. Der Index der Technologiebörse Nasdaq rückte 1,2 Prozent auf 13.139 Punkte vor.

"Anleger haben eine wirtschaftliche Erholung im Jahresverlauf im Kopf und nehmen sich die Zeit, um Kursniveaus, Fundamentaldaten und einige der makroökonomischen Faktoren zu bewerten", sagte Anlageexperte Brian Vendig vom Vermögensverwalter MJP Wealth Advisors. "Es gibt Leute, die versuchen, wieder an die Arbeit zu gehen, die Verbraucher haben Schecks in den Händen und es gibt andere politische Maßnahmen, die die wirtschaftliche Wiedereröffnung unterstützen."

Aktien aus den Sektoren Stahl und Öl gefragt

Investoren favorisierten unter anderem Stahlwerte. Es wird erwartet, dass US-Präsident Joe Biden in den kommenden Tagen Details zu seinen geplanten billionenschweren Investitionen in die amerikanische Infrastruktur liefern wird. Aktien von U.S. Steel kletterten um 11,7 Prozent, ArcelorMittal gewannen 10,1 Prozent und TimkenSteel stiegen um 8,4 Prozent.

Auch bei Finanztiteln griffen die Anleger zum Wochenschluss zu. Aktien der Bank of America stiegen um 2,7 Prozent, JPMorgan Chase und Citigroup legten ebenfalls zu. Die Papiere der Öl-Multis Chevron und Exxon Mobil stiegen dank festerer Ölpreise 2,3 beziehungsweise 2,7 Prozent. Eine drohende längerfristige Blockade des Suezkanals durch das havarierte Containerschiff trieb den Ölpreis in die Höhe. Die Ölsorte Brent aus der Nordsee verteuerte sich um 4,1 Prozent auf 64,50 Dollar je Barrel (159 Liter)

Aktien von L Brands kletterten um 3,7 Prozent, nachdem der Eigentümer der Marke Victoria's Secret seine Gewinnprognose für das laufende Quartal zum zweiten Mal in diesem Monat angehoben hatte.

Brent

Ölpreise legen zu, Stau am Suez Kanal

Die Ölpreise sind zuletzt wieder gestiegen. Ein Barrel (159 Liter) Nordseeöl der Sorte Brent kostete am Morgen 62,71 US-Dollar. Das waren 76 Cent mehr als am Vortag. Der Preis für ein Fass amerikanisches Rohöl der Marke West Texas Intermediate (WTI) stieg um 81 Cent auf 59,37 Dollar. Am Ölmarkt bleibt die Blockade des Suezkanals nach der Havarie eines Container-Frachters weiter das bestimmende Thema. Zahlreiche Schiffe stecken wegen des festgefahrenen Frachters im Stau und warten auf die Weiterfahrt. Am Montag wollen Bergungsteams erneut versuchen, das Schiff freizuschleppen.

Brent

Asiens Börsen erholen sich, Euro kaum verändert

Die Börsen in Asien haben sich am Freitag zunächst von einem Drei-Monate-Tief am Donnerstag erholt. Die späte Rallye an der Wall Street und die wachsende Hoffnung auf eine weltweite wirtschaftliche Erholung beflügelten den Optimismus der Anleger, der jedoch gleichzeitig von den herrschenden Spannungen zwischen China und den westlichen Ländern überschattet wurde. "Die bisher eher symbolischen Sanktionen gegen China sollten keine größeren wirtschaftlichen Auswirkungen haben", sagt Yasutada Suzuki von der Sumitomo Mitsui Bank. "Aber die Spannungen zwischen den USA und China wirken sich auf die Märkte aus."

Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index lag im Verlauf 1,6 Prozent höher bei 29.178 Punkten. Der breiter gefasste Topix-Index stieg um 1,4 Prozent und lag bei 1983 Punkten.

Die Börse in Shanghai lag 1,4 Prozent im Plus. Der Index der wichtigsten Unternehmen in Shanghai und Shenzen gewann 2 Prozent.

Im asiatischen Devisenhandel gewann der Dollar 0,1 Prozent auf 109,27 Yen und gab 0,1 Prozent auf 6,5422 Yuan nach. Zur Schweizer Währung notierte er kaum verändert bei 0,9399 Franken. Parallel dazu stieg der Euro um 0,1 Prozent auf 1,1775 Dollar und zog um 0,1 Prozent auf 1,1070 Franken an. Das Pfund Sterling gewann 0,2 Prozent auf 1,3757 Dollar.

USD/EUR

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,86068 (0,86250) britische Pfund, 128,75 (128,60) japanische Yen und 1,1045 (1,1068) Schweizer Franken fest. Die Feinunze Gold wurde am Nachmittag in London mit 1731 Dollar gehandelt. Das waren drei Dollar weniger als am Vortag.

mit Nachrichtenagenturen