Dienstag, 24. September 2019

Dax-Ausblick - Brexit und Hongkong belasten Anleger hoffen auf die Fed - und auf den Wahlkämpfer Trump

Dax: Anleger hoffen auf Erholung in der neuen Woche
picture alliance / Christoph Schmidt
Dax: Anleger hoffen auf Erholung in der neuen Woche

Dax-Anleger hoffen auf Entspannungsignale im Handelsstreit zwischen USA und China: Eine weitere Eskalation kann US-Präsident Donald Trump im Wahlkampf nicht gebrauchen. Dagegen bereiten der drohende harte Brexit sowie die Proteste in Hongkong den Investoren weiter Sorgen.

Atempause nach dem Kursrutsch: Dax und Dow Jones haben nach ihrer Talfahrt in der vergangenen Woche am Freitag einen Erholungsversuch gestartet. Anleger hoffen, dass die EZB sowie die US-Notenbank Fed die Zinsen weiter senken werden - und dass sich der zuletzt eskalierte Zollstreit zwischen China und den USA wieder etwas entspannt. Doch Anleger bleiben vorsichtig: "Von einem Handelsabkommen sind die beiden größten Volkswirtschaften der Welt noch weit entfernt", sagte ein Händler.

Der drohende Chaos-Brexit und die Regierungskrise in Italien trübten die Aussichten für die Konjunktur zusätzlich ein, warnte Martin Lück, Chef-Anlagestratege für Deutschland, Österreich und Osteuropa beim weltgrößten Vermögensverwalter Blackrock. "De facto versinkt Europa immer mehr in einem Japan-ähnlichen Szenario, also schwachem Wachstum, kaum spürbarer Inflation und niedrigen, weitestgehend negativen Zinsen."

Dax mit Wochenverlust - und eine bedrohliche Zinskurve in den USA

Auch in der neuen Woche dürften diese Risiken die Anleger umtreiben. Eine Serie enttäuschender Konjunkturdaten und das Hickhack im Handelskonflikt brockten dem Dax Börsen-Chart zeigen in der abgelaufenen Woche einen Kursverlust von 1,2 Prozent ein. Parallel dazu werfen am Anleihemarkt zweijährige US-Bonds inzwischen mehr ab als zehnjährige. Diese sogenannte inverse Zinskurve gilt als Vorbote einer Rezession. Denn sie spiegelt in den Renditen wider, dass die Investoren die kurzfristigen Risiken für die Wirtschaft höher einschätzen als die langfristigen. Üblicherweise werden länger laufende Titel höher verzinst.

Weltwirtschaft trübt sich ein

"Unser hauseigenes Konjunkturzyklusmodell signalisiert schon seit Jahresbeginn, dass sich die globale Konjunkturlage deutlich eingetrübt hat und mittlerweile so schlecht ist wie zuletzt in den Jahren 2008/2009", führte Anlagestratege Carsten Klude vom Bankhaus MM Warburg aus. Inzwischen schwinde allerdings der Glaube an die Wirkungsmacht neuer Geldspritzen der großen Notenbanken, der den Aktienmärkten in den vergangenen Monaten Auftrieb gegeben habe. Der Konjunktureintrübung im Rest der Welt würden sich auch die USA langfristig nicht entziehen können.

Trump wird Börsen-Absturz vor der Wahl mit allen Mitteln vermeiden wollen

Thomas Lehr, Anlagestratege beim Vermögensverwalter Flossbach von Storch, hält dagegen nichts von überzogenem Pessimismus. Zwar sei US-Präsident Donald Trump unberechenbar. Ein Absturz der Konjunktur oder ein Börsencrash lägen aber nicht in Trumps Interesse. "Ein solches Szenario gefährdet Trumps Wiederwahl."

Lehrs Kollege Jeff Schulze vom Vermögensverwalter Clearbridge setzt auf die US-Notenbank (Fed). "Erkennt sie früh, dass ein mögliches Rezessionsrisiko besteht, und setzt auf eine entgegenkommendere Politik, erholt sich die Wirtschaft." Investoren rechnen derzeit bis zum Jahresende mit drei weiteren Zinssenkungen der US-Notenbank.

Fed-Protokolle am Mittwoch

Vor diesem Hintergrund warten Börsianer gespannt auf die Veröffentlichung der Fed-Protokolle am Mittwoch. Aus den Mitschriften der jüngsten geldpolitischen Beratungen erhoffen sie sich Hinweise auf Tempo und Zeitpunkt der erwarteten Zinssenkungen.

Am Tag darauf liefern die US-Frühindikatoren Hinweise auf die Wachstumsaussichten der weltgrößten Volkswirtschaft. Parallel dazu werden die deutschen Einkaufsmanager-Indizes veröffentlicht. Commerzbank-Analyst Christoph Weil prognostizierte eine trübere Stimmung vor allem im Dienstleistungssektor. "Dies wäre ein Zeichen dafür, dass dieser Sektor zunehmend von der schwachen Industriekonjunktur in Mitleidenschaft gezogen wird."

US-Börsen schließen klar im Plus

In den USA setzten die Indizes unterdessen ihre Erholung fort. Dow Jones und Nasdaq beendeten den US-Handel am Freitag jeweils nahe Tageshoch. Der Dow legte um 1,3 Prozent zu, während der Technologieindex Nasdaq Stock Market Börsen-Chart zeigen um 1,6 Prozent kletterte. Zu den größten Gewinnern gehörte der Chipspezialist Nvidia Börsen-Chart zeigen mit einem Kursplus von fast 7 Prozent.

Trump rechnet nach eigenen Angaben nicht mit Vergeltungsmaßnahmen Chinas in Reaktion auf die geplante Verschärfung der US-Strafzölle, sondern vielmehr mit einer raschen Einigung. Eine nachhaltige Erholung sei aber nicht zu erwarten, warnte Marktanalyst Milan Cutkovic vom Brokerhaus AxiTrader. "Die Anleger bleiben hin- und hergerissen zwischen den Hoffnungen auf eine Annäherung zwischen den USA und China im Handelsstreit einerseits und der Furcht vor einer Rezession andererseits.


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Am Rentenmarkt fiel die Umlaufrendite auf ein Rekordtief von minus 0,71 Prozent. Am Mittwoch hatte die Rendite noch bei minus 0,64 Prozent gelegen. Der Rentenindex Rex gewann 0,15 Prozent auf 147,19 Punkte. Der Bund-Future verlor am Abend 0,52 Prozent auf 178,73 Punkte. Der Kurs des Euro gab nach und notierte zuletzt bei 1,1098 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs zuvor auf 1,1076 Dollar festgesetzt. Der Dollar hatte damit 0,9029 Euro gekostet.

la/reuters/dpa-afx

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