Gewinnmitnahmen bei Tech-Werten Nasdaq-Absturz zieht Dax mit nach unten

Auf die Rekordjagd folgt der Abverkauf: Der Tech-Index Nasdaq 100 stürzt am Donnerstag ab und zieht den Dax mit in die Tiefe. Tech-Anleger bringen Geld in Sicherheit.
US-Börse: Der Dow Jones gerät unter Druck, die Nasdaq stürzt nach dem jüngsten Rekordlauf um mehr als 5 Prozent

US-Börse: Der Dow Jones gerät unter Druck, die Nasdaq stürzt nach dem jüngsten Rekordlauf um mehr als 5 Prozent

Foto: STAN HONDA/ AFP

Erst Rekordjagd - und dann der Kursrutsch: Der Dax  hat am Donnerstag im frühen Handel die Marke von 13.400 Punkten kurzzeitig überschritten und damit den Corona-Einbruch wieder wettgemacht. Am Nachmittag gerieten die Kurse aufgrund des Kursrutsches an der Nasdaq aber auf breiter Front ins Rutschen: Der Dax fiel unter hohen Schwankungen zurück in die Verlustzone und beendete den Handel 1,5 Prozent tiefer. Er schloss auf Xetra knapp über der Marke von 13.000 Zählern.

Der Grund: Anleger bringen Gewinne der vergangenen Wochen in Sicherheit: Der US-Index Nasdaq verlor bis zum frühen Abend mehr als 5 Prozent an Wert. "Möglicherweise platzt jetzt die Tech-Blase, die sich in den vergangenen Monat aufgebaut hat", sagte ein Händler.

Dax, Dow und Aktien auf einen Blick: Hier geht es zur Börsenseite 

Anleger schichten um

Die Abkehr von den Techwerten hat am Donnerstag Anleger von den bisherigen Profiteuren der Corona-Krise weggelockt. Nachdem die Aktien von Unternehmen wie Delivery Hero, Hellofresh, Teamviewer, Sartorius, Stratec oder Shop Apotheke während der Corona-Krise monatelang immer neue Rekorde geschrieben haben, schwindet nun das Interesse an ihnen. Anleger nehmen Gewinne mit, die Aktien notierten im Minus. Laut Händlern schichten die Anleger jetzt vermehrt um in jene Aktien, die in der Krise abgestraft wurden und von einer Erholung der globalen Konjunktur in der Nach-Corona-Zeit profitieren dürften.

Nasdaq klar im Minus, Tesla unter Druck

In den USA gerät die Kursrally am Aktienmarkt ins Stocken. Der Tech-Index Nasdaq 100, der am Mittwoch noch ein Rekordhoch erreicht hatte, gab am Donnerstag in den ersten Handelsstunden um rund 5 Prozent nach. Bei Anlegerlieblingen wie Apple und Tesla fielen die Abschläge deftig aus: Die Aktie des Elektroautobauers fiel um weitere 6 Prozent auf 417 US-Dollar. Der Wertverlust im Vergleich zur Bestmarke, als die Tesla Aktie nach einem Aktiensplit im Verhältnis von 1:5 die Marke von 500 US-Dollar erreichte, beläuft sich damit auf insgesamt knapp 17 Prozent. Seit Jahresbeginn hat sich die Aktie jedoch bereits verfünffacht.

Für Unruhe bei einigen Investoren dürften nun auch Medienberichte gesorgt haben, wonach das Investmentunternehmen Baillie Gifford seine Beteiligung reduziert habe. Damit wurde Tesla gewissermaßen ein Opfer des eigenen Erfolgs. Denn den Berichten zufolge sah sich Baillie Gifford zu dem Schritt gezwungen, da die eigenen Anlagerichtlinien dem Gewicht einer einzelnen Aktie im Portfolio Grenzen setzten. Auch die Aktien von Apple zeigten Zeichen der Ermüdung. Anleger nahmen Kursgewinne mit, die Papiere verloren 2,1 Prozent.

Covestro gegen den Trend im Plus

Im Dax konnten sich nur wenige Werte in der Gewinnzone halten, darunter an der Index-Spitze die Covestro-Aktie mit plus 2,2 Prozent. Sie war in letzter Zeit immer mal wieder als Abstiegskandidat aus dem Dax gehandelten worden, doch Index-Experten sehen dies inzwischen nicht mehr so. Daher dürfte die Deutsche Börse an diesem Donnerstagabend wohl keine Änderungen im deutschen Leitindex bekannt geben. Auftrieb dürfte das Papier des Kunststoffherstellers außerdem durch optimistische Analystenkommentare von Goldman Sachs und Barclays erhalten haben.

Eon konnten sich vor allem dank einer Kaufempfehlung der Schweizer Bank UBS im Plus halten und beendeten den Tag mit einem Aufschlag von 0,5 Prozent. UBS-Analyst Sam Arie sieht Eon als einen der reinsten Player im europäischen Verteilnetzgeschäft, in dem der Bereich Erneuerbare Energien eine zunehmend wichtigere Rolle spielt. Eine Kapitalerhöhung von Siemens Healthineers belastete den Kurs des Medizintechnikkonzerns mit 5,1 Prozent auf 36,38 Euro. Nachdem die Papiere am Mittwoch mit 38,32 Euro geschlossen hatten, waren die neuen Anteile zur Übernahme des US-Unternehmens Varian zu je 36,40 Euro verkauft worden.

Dax, Dow und Aktien auf einen Blick: Hier geht es zur Börsenseite 

Asiens Börsen im Plus - gute Daten aus China

Positive Wirtschaftsdaten aus China ließen am Donnerstag die asiatischen Anleger zugreifen. Chinas Dienstleistungssektor wuchs den vierten Monat in Folge, wie eine Caixin/PMI-Umfrage ergab. Auch der chinesische Arbeitsmarkt konnte die Folgen der Coronavirus-Pandemie abschütteln: Zum ersten Mal seit Januar stellten Unternehmen mehr Mitarbeiter ein. Risiken für die Anleger blieben die Spannungen zwischen den USA und China sowie die bevorstehenden US-Präsidentschaftswahl. Bei einem Sieg der Demokraten sei ein "großer Richtungswechsel in der Politik und ein anderes Regulierungs- und Steuerregime" wahrscheinlich, so Berg.

Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index  lag im Verlauf 1,4 Prozent höher bei 23.561 Punkten. Der breiter gefasste Topix-Index stieg um 0,7 Prozent und lag bei 1635 Punkten. Die Börse in Shanghai lag 0,2 Prozent im Minus. Der Index der wichtigsten Unternehmen in Shanghai und Shenzen verlor 0,2 Prozent. Der MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans stieg um 0,2 Prozent.

Dax-Bremse gelöst: Euro-Kurs fällt wieder unter 1,19 US-Dollar

Im asiatischen Devisenhandel gewann der Dollar 0,1 Prozent auf 106,24 Yen und gab 0,1 Prozent auf 6,8297 Yuan nach. Zur Schweizer Währung notierte er 0,2 Prozent höher bei 0,9121 Franken. Parallel dazu fiel der Euro um 0,3 Prozent auf 1,1822 Dollar und gab 0,1 Prozent auf 1,0784 Franken nach. Das Pfund Sterling verlor 0,2 Prozent auf 1,3327 Dollar. US-Staatsanleihen zeigten sich freundlich, richtungweisende zehnjährige Papiere legten um 5/32 Punkte auf 99 24/32 Punkte zu. Sie rentierten mit 0,65 Prozent.

Ölpreise kaum verändert nach Preisrutsch

Die Ölpreise haben sich am Donnerstag nach ihrem Kursrutsch am Mittwoch kaum verändert gezeigt. Am späten Mittwoch Nachmittag kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 44,54 Dollar. Das waren 1,04 Dollar weniger als am Dienstag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel um 1,15 Dollar auf 41,61 Dollar. Rohstoffexperte Eugen Weinberg von der Commerzbank wies darauf hin, dass die aktuellen Lagerdaten der US-Regierung nur eine geringe Aussagekraft hätten. In der vergangenen Woche waren die US-Ölreserven um 9,4 Millionen auf 498,4 Millionen Barrel gesunken. Analysten hatten nur mit einem Rückgang um 2,0 Millionen Barrel gerechnet. Auch die Reserven für Benzin und Heizöl gingen zurück.

In der Regel sorgen fallende Reserven in den USA für steigende Preise am Ölmarkt. Wegen des Hurrikans "Laura" an der Südküste der USA wurden aber die Produktion und der Transport von Öl und Ölprodukten in der vergangenen Woche stark beeinträchtigt. Die Lagerdaten besitzen daher nicht die gewohnte Aussagekraft und konnten die Ölpreise nicht stützen.

Die Ölpreise haben sich am Donnerstag nach ihrem Kursrutsch am Vortag stabilisiert. Am Morgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 44,27 US-Dollar. Das waren 16 Cent weniger als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel ebenfalls geringfügig auf 41,42 Dollar.

la/dpa-afx, Reuters
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.