Börse Dax schließt im Minus, Anleger bleiben nervös

Der Dax geht erneut mit Verlusten aus dem Handel. An der Wall Street notiert der Dow Jones, der zuvor den größten Wochenverlust seit 2 Jahren erlitten hatte, nur knapp im Minus. Anleger bleiben nervös.
Börse in New York: Nervosität ist gestiegen

Börse in New York: Nervosität ist gestiegen

Foto: SPENCER PLATT/ AFP

Der Dax schwankt weiter stark: Der deutsche Leitindex Dax  hat am Montag weiter nachgegeben und ist unter die Marke von 12.700 Punkten getaucht. Seit Donnerstag hat der deutsche Leitindex bereits rund 600 Punkte verloren. Am Freitag hatte der Dax 1,7 Prozent tiefer geschlossen, der Wochenverlust betrug rund 4 Prozent. Zu den größten Verlierern im Dax zählten am Montag die Aktien von Henkel , Bayer  und Volkswagen  , die jeweils rund 2 Prozent nachgaben.

Der Dax ist auch charttechnisch angeschlagen. Nun kommt es für den Dax darauf an, die wichtige 200-Tage-Linie, der Durchschnitt der vergangenen 200 Handelstage, rasch wieder zurückzuerobern. Sie liegt bei rund 12.750 Punkten. Ob er diese Linie zurückerobert, hängt davon ab, ob sich die Wall Street im späten Handel am Montag wieder fängt, sagte Jochen Stanzl von CMC Markets. Doch danach sieht es zunächst nicht aus.

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Wall Street: Dow Jones im Minus, Nasdaq startet Erholungsversuch

Die Talfahrt an der Wall Street ging auch in der neuen Woche zunächst weiter. Der Dow Jones  gab im frühen Handel um 0,9 Prozent auf 25.286 Punkte nach, konnte sein Minus aber bis zum Handelsschluss in Deutschland auf 0,3 Prozent reduzieren.

Am Freitag hatte der Dow seinen schärfsten Tagesverlust seit Mai 2016 erlitten, auf Wochenbasis war es sogar das größte Minus seit zwei Jahren. Damit hat er seit dem Rekord bei 26 616 Punkten bislang mehr als 4 Prozent an Wert eingebüßt.

Dagegen zeigten sich die US-Technologiewerte an der Techbörse Nasdaq gut behauptet. Der Nasdaq Composite (Kurswerte anzeigen) startete zwar im roten Bereich, drehte zuletzt aber leicht ins Plus. Trotz der weiterhin hohen Bewertungen sind bereits erste spekulative Investoren auf der Jagd nach vermeintlichen Schnäppchen.

"Korrektur statt Crash"

Für Marktanalyst Neil Wilson von ETX Capital sind die jüngsten Kursverluste denn auch kein Alarmzeichen: "Alles sieht noch einigermaßen vernünftig aus", sagte der Experte. Für viele Marktteilnehmer sei es eine längst überfällige Korrektur.

Gegen den Trend stieg der Goldpreis. Anleger, die sich jetzt von Aktien trennen, suchen vielfach vermeintliche Sicherheit in der Krisenwährung Gold .

Broadcom erhöht Angebot für Qualcomm

Für Schlagzeilen sorgten ansonsten einmal mehr Übernahmeaktivitäten. Der Chipkonzern Broadcom legt beim Buhlen um den Konkurrenten Qualcomm wie erwartet noch eine Schippe drauf: Das Gebot je Aktie wurde um 12 Dollar auf 82 Dollar angehoben. Für Investoren ist dies aber offensichtlich kein Grund, jetzt an einen Erfolg zu glauben. Vorbörslich fielen die Qualcomm-Aktien sogar um 2 Prozent auf 64,70 Dollar, während Broadcom-Aktien moderat um 0,65 Prozent zulegten.

Zinsangst übertrieben?

Analyst Stanzl hält die Angst vor einer raschen Zinswende für übertrieben: Zwar steigen die Zinsen, allerdings von einer Zinswende, die tatsächlich Anleihen attraktiver als Aktien machen wird, seien die Märkte noch weit entfernt. Mit steigenden Löhnen in den USA nehme zwar auch die Angst vor einer steigenden Inflation zu. Aber ob die Notenbank daraufhin wirklich mit einer strafferen Geldpolitik reagieren wird, steht auf einem anderen Blatt. "Am Ende dürfte es darauf hinauslaufen, dass die Zinsen nicht so schnell steigen wie Löhne und Preise, denn nur über diese Kaufkraftentwertung können die aufgetürmten Schuldenberge der Staaten abgebaut werden", meint Stanzl.

Deutsche Bank setzt Kurssturz fort

Bei der Deutschen Bank  ging die Talfahrt unterdessen weiter. Die Titel verloren rund ein Prozent, nachdem sie am Freitag in Folge enttäuschender Geschäftszahlen bereits um 6,2 Prozent nach unten gerauscht waren. Zahlreiche Analysten senkten ihre Kursziele für die Aktien der Deutschen Bank. Josef Ackermann, der das Desaster um Deutschlands größtes Geldhaus eingeleitet hat, ist sich jedoch keiner Schuld bewusst: Er habe 2012 eine "gut aufgestellte" Deutsche Bank  übergeben, tönte Ackermann in einem Interview anlässlich seines 70. Geburtstags. Diese Meinung hat der Schweizer wahrscheinlich exklusiv.

Asien-Börsen rutschen ab

Doch bis auf weiteres regiert die Angst an der Börse. In Asien haben die Börsen am Montag auf den Freitag-Kursrutsch an der Wall Street reagiert. Der Dow Jones hatte am Freitag 666 Punkte verloren - in Punkten ist das der vierthöchste Verlust in der Geschichte des Dow Jones. Auch in Japan und China warfen Anleger aus Furcht vor steigenden Zinsen am Montag Aktien aus ihren Depots.

Nikkei mit größtem Tagesverlust seit Wahl von Donald Trump

Der japanische Leitindex Nikkei  rutschte am Montag um 2,5 Prozent auf 22.682 Punkte ab und verzeichnete seinen größten Tagesverlust seit der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten im November 2016. Der breiter gefasste Topix-Index verlor 2,2 Prozent auf 1823 Zähler. Der MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans gab zeitweise 1,9 Prozent nach, das war der stärkste Tagesverlust seit Ende 2016.

Auch in Hongkong ging es deutlich nach unten. Hier büßte der Hang Seng zuletzt rund 1,1 Prozent auf 32 232 Punkte ein. Der Index entfernte sich damit weiter von seinem Rekordhoch von 33 484 Zählern. Trotz der jüngsten Abschläge gewann der Index im Jahresverlauf bisher noch knapp acht Prozent.

Händler begründeten die Verluste vor allem mit dem heftigen Minus in New York am Freitag. Dort hatte die Angst vor weiter steigenden Zinsen die Anleger in Scharen aus dem Aktienmarkt getrieben. Am Ende stand beim Dow Jones  ein Minus von 2,54 Prozent auf 25 520,96 Punkte auf der Kurstafel - das war der höchste Tagesverlust seit Mitte 2016.

Angst vor steigenden Zinsen als Anlass für Gewinnmitnahmen

Bei Aktienanlegern nimmt die Sorge vor steigenden Zinsen zu. Zudem belastet der vergleichsweise hohe Euro die Stimmung an den Börsen. "Höhere Zinsen und ein starker Euro sind ein gefährlicher Cocktail", sagte Portfoliomanager Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners. "Das sind zwei Faktoren, die das Wirtschaftswachstum erheblich bremsen können."

Bitcoin stürzt weiter ab

Auch bei den Kryptowährungen setzte sich der Abverkauf fort. Die Krypto-Leitwährung Bitcoin gab am Montag Vormittag um weitere 8 Prozent nach und fiel deutlich unter die Marke von 8000 US-Dollar. Seit dem Jahreswechsel hat Bitcoin mehr als 50 Prozent an Wert verloren, und auch andere Digitalwährungen wir Ripple oder Ether stehen seit Tagen unter einem erheblichen Verkaufsdruck.

Zwar gab es in den vergangenen Monaten auch immer wieder Nachrichten, die dem Bitcoin Auftrieb verliehen, wie etwa die Entscheidung einiger Terminbörsen in den USA vom Spätherbst 2017, Future-Kontrakte auf die Digitalwährung ins Programm zu nehmen und sie damit ein Stück weiter in Richtung des etablierten Finanzmarktes zu rücken. Doch insgesamt zeigt der Bitcoin-Kurs inzwischen auch unter charttechnischen Gesichtspunkten einen klaren Abwärtstrend.

Euro kaum verändert

Derweil hat sich der Euro  nach Kursverlusten vom Freitag vorerst wieder stabilisiert. Ein vergleichsweise starker US-Arbeitsmarktbericht mit einem überraschend deutlichen Anstieg der Stundenlöhne hatte dem Dollar Auftrieb gegeben und den Euro im Gegenzug belastet.

Der Kurs des Euro ist am Montag wenig verändert in die neue Woche gestartet. Am Morgen wurde die Gemeinschaftswährung bei 1,2453 US-Dollar gehandelt und damit etwa zum gleichen Kurs wie am Freitagabend. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs zuletzt am Freitagnachmittag auf 1,2492 Dollar festgesetzt.

mit Nachrichtenagenturen
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