Nordkorea-Krise bewegt die Börse Dax wankt, Anleger bangen

Der Konflikt zwischen den USA und Nordkorea bewegt die Börsen weltweit. Dow Jones und Dax wagen am Freitag einen Erholungsversuch. Doch auch der Euro zieht wieder an.
US-Präsident Trump droht Nordkorea mit scharfen Worten - das lässt weltweit die Börsenkurse einbrechen

US-Präsident Trump droht Nordkorea mit scharfen Worten - das lässt weltweit die Börsenkurse einbrechen

Foto: AFP

Der "Krieg der Worte" zwischen den USA und Nordkorea hat die Aktienmärkte weltweit auf Talfahrt geschickt. Deren Börsenwert schrumpfte binnen weniger Tage um insgesamt etwa eine Billion Dollar, zeigen Daten des Finanzdienstleisters Reuters. Das entspricht der deutschen Wirtschaftsleistung eines Vierteljahres.

US-Präsident Donald Trump hatte am Dienstag Nordkorea für den Fall weiterer Provokationen mit "Feuer und Zorn" gedroht, wie es die Welt noch nie erlebt habe. Am Freitag legte Trump nach, die Waffen der USA seien "geladen und entsichert". Der dortige Machthaber Kim Jong Un konterte mit dem Verweis auf einen möglichen Präventivschlag auf den US-Militärstützpunkt der Pazifikinsel Guam.

Erholungsversuch: Dax steigt wieder über 12.000 Punkte Marke

Der Dax (Kurswerte anzeigen), der am Freitag Vormittag bereits auf 11.950 Punkte gefallen war, holte im Handelsverlauf seine Verluste wieder auf und schluss zum Handelsschluss auf Xetra (18.30 Uhr) unverändert bei 12.014 Punkten.

Grund für den zarten Erholungsversuch waren die leichten Gewinne im frühen Handel an den US-Börsen. Dow Jones (Kurswerte anzeigen) und Nasdaq Composite (Kurswerte anzeigen) starteten nach ihrem Kursrutsch am Vortag jeweils mit leichten Gewinnen von jeweils 0,2 Prozent in den Handel.

Die US-Börsen wurden auch von frischen Konjunkturdaten gestützt: Der Preisauftrieb in den Vereinigten Staaten war im Juli geringer als erwartet.

Die Aktien von Snap stürzten um knapp 12 Prozent ab, nachdem das Unternehmen hinter der populären Fotoapp Snapchat mit einem verhaltenen Wachstum im vergangenen Quartal erneut enttäuscht hatte. Zudem schwoll der Verlust im Jahresvergleich deutlich an, während der Umsatzanstieg je Nutzer hinter den Erwartungen zurückblieb.

Dax mit deutlichem Verlust seit Ende Juni

Auf Wochensicht steuert der Dax dennoch auf einen Verlust von mehr als 2 Prozent zu. Binnen 6 Wochen hat der deutsche Leitindex damit rund 1000 Punkte (8 Prozent) an Wert verloren.

Die Nervosität ist deutlich gewachsen. "Mehrere große Adressen sprechen mittlerweile Verkaufsempfehlungen für Aktien aus. Sie ehen dafür in Gold und Sachwerten über die nächsten Wochen Potenzial", sagte Jochen Stanzl vom Broker CMC Markets. "Hier machen sich einige Marktteilnehmer offenbar bereit für eine größere Korrektur."

Das Dax-Barometer droht nun unter die 200-Tage-Linie zu sinken, die den gleitenden Durchschnitt der vergangenen 200 Börsentage anzeigt. Fällt diese Unterstützung, könnte es weitere Kursverluste geben.

Deutsche Bank: Rund 15 Prozent Minus binnen vier Wochen

Auch MDax  und TecDax  gaben jeweils 0,6 Prozent nach. Zu den wenigen Gewinnern im Dax zählten am Freitag die defensiven Titel wie Fresenius, FMC und Merck.

Dagegen setzte die Deutsche Bank  ebenso wie die Commerzbank  ihre Talfahrt fort, die Deutsche Bank (Kurswerte anzeigen) verlor zuletzt rund 2,5 Prozent auf 14,06 Euro. Binnen vier Wochen hat die Aktie von Deutschlands größtem Geldhaus damit rund 15 Prozent an Wert verloren.

Im Oktober 2016 war die Deutsche Bank kurzzeitig unter die Marke von 10 Euro gefallen, hatte sich dann aber deutlich erholt und war bis Mai bis auf die Marke von 17 Euro geklettert. Doch mit dem erneuten Kursrutsch steigt bei Aktionären wieder die Nervosität. Auch der europäische Bankensektor notierte am Freitag sehr schwach.

Euro legt nach US-Inflationsdaten wieder zu

Der Kurs des Euro  ist am Donnerstag zuletzt wieder gestiegen. Die gestiegenen Inflationserwartungen in den USA lassen eine Zinserhöhung in den USA erst mit Verzögerung erwarten. Dies belastet den Dollar, der Euro legte entsprechend zu.

"Nordkorea sollte sehr nervös sein"

Nordkoreas Militärführung hat demonstrativ unbeeindruckt auf jüngste Drohungen von US-Präsident Donald Trump reagiert und ihn für seine martialischen Äußerungen verspottet. Trump hatte Nordkorea zuletzt wie noch kein anderer Präsident zuvor gedroht. In der Nacht zum Freitag legte Trump noch einmal nach: Nordkorea haben allen Grund, "sehr, sehr nervös zu sein", sagte der US-Präsident.

Starke Verluste in Asien - auch Chinas Märkte unter Druck

Die verbale Zuspitzung des Nordkorea-Konflikts hat die asiatischen Börsen zum Ende der Woche hin deutlich belastet. Die Kurse von Schanghai bis Sydney fielen noch stärker als zuvor in Europa und den USA. Am kräftigsten ging es am Freitag in Hongkong bergab, wo der Hang-Seng-Index 2 Prozent nachgab. Japans Aktienmarkt konnte indes nicht reagieren wegen eines Feiertags.

Investoren begrenzen Risiken - Kim verspottet Trump

Hauptthema an den Märkten bleibt die Lage in Nordkorea. Aus diesem Grund konnten die meisten Aktien ihre leichten Gewinne aus dem Handel zum Tagesauftakt nicht halten. "Die Situation in Nordkorea sorgt für Verunsicherung. Die Investoren wollen daher ihre Risiken kontrollieren", sagte ein Händler.

Zuvor hatte Nordkoreas Militärführung demonstrativ unbeeindruckt auf jüngste Drohungen von US-Präsident Donald Trump reagiert und ihn sogar für seine martialischen Äußerungen verspottet. "Sachlicher Dialog ist mit so einem Typen bar jeder Vernunft nicht möglich, nur mit absoluter Stärke ist ihm beizukommen", hieß es in einer Stellungnahme der Streitkräfte, aus der die nordkoreanische Staatsagentur KCNA zitiert. Trump erkenne offensichtlich nicht den Ernst der Lage und der jüngsten Stellungnahmen aus Pjöngjang, hieß es weiter. Dem nordkoreanischen Militär gehe das "ziemlich auf die Nerven". Trump hatte Nordkorea offen wie noch kein US-Präsident zuvor militärisch gedroht: "Nordkorea sollte besser keine weiteren Drohungen gegen die USA machen. Ihnen wird mit Feuer und Wut begegnet werden, wie es die Welt niemals zuvor gesehen hat."

Goldpreis steigt weiter, US-Rüstungsaktien auf Rekordhoch

US-Rüstungsaktien auf Rekordhoch

Die scharfe Kriegsrhetorik im Nordkorea-Konflikt hat die Wall Street auch am Mittwoch leicht belastet. Der Dow Jones  gab um 0,17 Prozent auf 22 048,70 Punkte nach. Am Vortag hatte der US-Leitindex zwar auch am zehnten Handelstag in Folge einen Rekord erreicht, Anleger wurden dann aber vom Säbelrasseln zwischen den USA und Nordkorea verunsichert. Letztlich hatte das Börsenbarometer erstmals seit dem 24. Juli wieder mit einem kleinen Minus geschlossen.

Der breiter aufgestellte S&P 500 verlor am Mittwoch 0,04 Prozent auf 2474,02 Punkte. Auch er hatte am Dienstag noch eine Bestmarke erreicht. Der Nasdaq Composite  -Auswahlindex 100 schloss 0,12 Prozent tiefer bei 5919,39 Punkten.

Profiteure des Konflikts zwischen den USA und Nordkorea waren die Aktien von Rüstungsunternehmen. So zogen Raytheon um 2,57 und Lockheed Martin  um 1,71 Prozent an. Beide Papiere erreichten zudem Rekordhochs.

Auf Unternehmensseite zog aber vor allem Walt Disney  die Blicke auf sich. Die Aktien sackten als Schlusslicht im Dow um knapp 4 Prozent ab, was vor allem mit einer enttäuschenden Umsatzentwicklung im dritten Geschäftsquartal begründet wurde. Probleme macht dabei weiter der Sportsender ESPN, aber auch die Filmsparte konnte nicht an die Kinoerfolge aus dem Vorjahr anknüpfen. Lediglich das Geschäft mit Themenparks brummte.

Goldpreis steigt weiter

Der Goldpreis stieg weiter, und auch der Schweizer Franken notierte fester. "Die Weltpolitik hat kaltes Wasser auf die Börsen geschüttet", sagte JJ Kinahan, Chefstratege bei TD Ameritrade. "Investoren beobachten die nächsten politischen Schritte mit Nervosität, Unsicherheit und Vorsicht bestimmt das Börsengeschehen." Dennoch bestehe kein Grund zur Panik. Um einen Ausverkauf auszulösen, sei mehr nötig als nur Rhetorik, sagte Richard Steinberg von HighTower Advisors.

Im Video: Mynd  und manager magazin erklären Short-Attacken

Mynd
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