Donnerstag, 21. November 2019

Börse Brexit-Hoffnung jazzt Dax auf 14-Monats-Hoch

Handelssaal der Deutschen Börse in Frankfurt
Frank Rumpenhorst/DPA
Handelssaal der Deutschen Börse in Frankfurt

Der Dax hat am Mittwoch den höchsten Stand seit 14 Monaten erklommen. Die Hoffnung auf eine Einigung zwischen der EU und Großbritannien im Brexit-Streit beflügelte die Anleger. Wirecard-Papiere erholten sich nach dem Crash vom Vortag leicht.

Hoffnung auf Einigung im Brexit treibt Dax weiter an=

FRANKFURT (dpa-AFX) - Der Dax stieg am Mittwoch kurz vor Handelsschluss bis knapp unter 12 700 Punkte und erklomm den höchsten Stand seit 14 Monaten. Doch dann verließ die Anleger der Mut. Letztlich beendete der deutsche Leitindex den Tag mit einem Plus von 0,32 Prozent auf 12 670,11 Zähler. Seit Dienstag voriger Woche summiert sich der Dax-Gewinn damit auf knapp 6 Prozent.

Der deutsche Aktienmarkt hat zur Wochenmitte an seinen Höhenflug vom Vortag angeknüpft. Getrieben hat die Kurse die Hoffnung auf eine Einigung zwischen der EU und Großbritannien im Brexit-Streit. Kurz vor Handelsschluss stieg der Dax Börsen-Chart zeigen bis knapp unter 12 700 Punkte und erklomm den höchsten Stand seit 14 Monaten.

Letztlich beendete der deutsche Leitindex den Tag mit einem Plus von 0,32 Prozent auf 12 670,11 Zähler. Seit Dienstag voriger Woche summiert sich der Dax-Gewinn damit auf knapp 6 Prozent.

Der MDax Börsen-Chart zeigen, der die mittelgroßen Werte umfasst, rückte am Mittwoch um 0,13 Prozent auf 25 950,49 Punkte vor, und auch an vielen europäischen Börsen wurden moderate Gewinne verzeichnet.

Im Brexit-Streit versuchen die EU und Großbritannien derzeit, letzte Hindernisse einer Einigung aus dem Weg zu räumen. EU-Unterhändler Michel Barnier nannte die Gespräche konstruktiv, wies aber auf ungelöste Probleme hin. Zuvor hatte eine Meldung aus EU-Kreisen für leichte Einbußen gesorgt, wonach ein Brexit-Deal unmöglich sei, wenn sich die Briten nicht noch auf die EU zubewegten. Ziel ist, noch am Mittwoch einen Vertragsentwurf vorzulegen. Dieser könnte dann beim EU-Gipfel am Donnerstag oder Freitag gebilligt werden.

Wirecard erholt sich leicht

Die Wirecard-Aktien Börsen-Chart zeigen erholten sich im Tagesverlauf um bis zu 2,7 Prozent, lagen zu Handelsschluss aber nur mehr 0,37 Prozent im Plus. Nach neuerlichen Vorwürfen der "Financial Times" waren die Papiere des Zahlungsabwicklers tags zuvor zunächst um 23 Prozent eingebrochen, hatten die Kursverluste letztlich aber etwa halbieren können. Am Morgen wies das Unternehmen erneut "die Anschuldigungen der Financial Times hinsichtlich Fehlverhaltens kategorisch zurück". Der Artikel sei "eine Zusammenstellung von falschen und irreführenden Behauptungen", die "bereits vor einiger Zeit widerlegt wurden".

Eine Gewinnwarnung von Wacker Chemie setzte die Papiere des Spezialchemiekonzerns nur im frühen Handel massiv unter Verkaufsdruck. Ihren Kursrutsch von fast 7 Prozent machten sie anschließend komplett weg und notierten zu Börsenschluss 1,8 Prozent fester. "Dass Wacker wohl die Jahresziele verfehlen wird, war eher ein offenes Geheimnis", kommentierte ein Marktteilnehmer. Die dennoch deutliche Kursreaktion nach unten sei daher von einigen als Einstiegschance gesehen worden.

Aktien von Thyssenkrupp kletterten zu Börsenschluss um 4,6 Prozent nach oben. Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg aus informierten Kreisen berichtete, erwägt der finnische Industriekonzern Kone gemeinsam mit dem Finanzinvestor CVC ein Gebot für die als Juwel im Thyssenkrupp-Portfolio geltende Aufzugssparte. Eine weitere mögliche Offerte werde von den CVC-Konkurrenten Blackstone und Carlyle geprüft.

Die Führungskrise bei Ceconomy führte bei den Aktien des Elektronikhändlers zu einem Verlust von bis zu 4,8 Prozent im Tagesverlauf, zu Börsenschluss waren es noch minus 2,7 Prozent. Der Konzern hatte am Dienstagabend überraschend angekündigt, der Aufsichtsrat werde am Donnerstag über ein mögliches vorzeitiges Ende von Vorstandschef Jörn Werner beraten.


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Die Papiere von Hellofresh setzten ihre Vortagesrally fort und stiegen um bis zu 5,7 Prozent im Tagesverlauf, zu Börsenschluss stand noch ein Plus von 3,8 Prozent auf dem Zettel. Am Montag hatte der Kochboxenversender nach starken Quartalszahlen seine Jahresziele angehoben. Daraufhin waren die Aktien um gut 23 Prozent nach oben geschossen. Barclays-Analystin Alvira Rao betonte, die Aktien seien trotz des jüngsten Rekordhochs noch nicht teuer und deshalb weiter kaufenswert.

Die Aktien des Immobilieninvestors Corestate Capital brachen um 19,3 Prozent zu Börsenschluss ein, nachdem sie am Vortag noch den höchsten Stand seit April 2019 erreicht hatten. Zuvor war bekanntgeworden, dass der Hedgefonds Muddy Waters Capital eine Leerverkaufsposition von 0,5 Prozent des Corestate-Aktienkapital hält und damit auf fallende Kurse spekuliert.

Misstöne im Handelsstreit belasten US-Märkte

An der Wall Street haben sich die Anleger nach der jüngsten Rally wieder zurückgehalten. Die wichtigsten Aktienindizes gaben am Mittwoch leicht nach. Marktbeobachter sehen angesichts neuer Spannungen zwischen den USA und China die Chancen für ein umfassenderes Handelsabkommen beider Länder ein wenig schwinden.

Der Dow Jones Industrial fiel um 0,07 Prozent auf 27 005,24 Punkte, nachdem der US-Leitindex am Dienstag noch die Marke von 27 000 Punkten zeitweise deutlich hinter sich gelassen hatte. Der marktbreite S&P 500 notierte 0,04 Prozent tiefer bei 2994,60 Zählern und der technologielastige Nasdaq 100 verlor 0,14 Prozent auf 7931,61 Punkte.

Die Annahme eines Gesetzentwurfs im US-Abgeordnetenhaus zur Unterstützung der Demokratiebewegung in Hongkong löste schwere Spannungen zwischen China und den USA aus. Die Regierung in Peking äußerte "große Empörung und entschiedenen Widerstand". Der US-Gesetzentwurf schreibt Wirtschaftssanktionen vor, wenn China die Autonomie Hongkongs untergraben sollte. Auch soll jährlich geprüft werden, ob die Volksrepublik die Bürgerrechte und den Rechtsstaat in Hongkong untergräbt. Peking warf den US-Parlamentariern eine "schwere Einmischung in innere Angelegenheiten" vor.

Derweil ging in den USA die Berichtssaison der Unternehmen in eine neue Runde. Bereits vor dem Handelsstart hatte die Bank of America mit ihrem Quartalsbericht für Freude gesorgt. Das Geldhaus hatte zwar wegen der Einstellung eines Gemeinschaftsunternehmens einen Gewinneinbruch verzeichnet, doch im Tagesgeschäft war es gut gelaufen. Die Aktien gewannen rund 2 Prozent. Am Dienstag hatten bereits einige Konkurrenten Geschäftszahlen vorgelegt, die recht unterschiedlich ausgefallen waren.

United Airlines überraschte mit einem Gewinnsprung und hatte auch den Quartalsumsatz gesteigert, da der boomende Flugverkehr und gesunkene Spritpreise schwerer wogen als die Probleme mit Boeings Krisenjet 737 Max. Dazu hob die Fluggesellschaft die Jahresziele deutlich an. Für die Aktie ging es um knapp 1,5 Prozent hoch.

Bei den Arzneimittelgroßhändlern Cardinal Health , AmerisourceBergen und McKesson konnten sich die Anleger über Kursgewinne zwischen gut 5 und mehr als 7 Prozent freuen. Kurz vor einem US-Prozess um süchtig machende Schmerzmittel verhandeln die Unternehmen laut einem Zeitungsbericht mit Klägeranwälten über einen milliardenschweren Vergleich. Sie würden bei dem Deal zusammen 18 Milliarden Dollar (16 Mrd Euro) zahlen, schrieb das "Wall Street Journal" unter Berufung auf Insider. Das Geld solle demnach über einen Zeitraum von 18 Jahren gestreckt fließen.

Klares Schlusslicht im Nasdaq 100 waren die Anteilscheine von Workday , die um mehr als 11 Prozent absackten. Nach einer Kapitalmarktveranstaltung des Anbieters von cloudbasierter Software für Rechnungswesen, Personalverwaltung und Unternehmensplanung äußerten Analysten Sorge bezüglich des Wachstums im Personalmanagement-Geschäft.

Euro legt zu

Die Kurse deutsche Bundesanleihen sind am Mittwoch leicht gesunken und haben damit an die Verluste vom Vortag angeknüpft. Der richtungweisende Terminkontrakt Euro-Bund-Future fiel am späten Nachmittag um 0,08 Prozent auf 171,54 Punkte. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen stieg auf minus 0,39 Prozent.

Spekulationen zum Verlauf der Verhandlungen zu einem Brexit-Abkommen sorgen im Tagesverlauf mehrfach für Bewegung am deutschen Rentenmarkt, wobei sich die Kurse in unterschiedliche Richtungen bewegten. Zuletzt setzte sich wieder die Hoffnung auf eine Einigung durch. Die als sicher geltenden Bundesanleihen gerieten unter Druck.

Der Kurs des Euro hat am Mittwoch zugelegt. Die europäische Gemeinschaftswährung wurde am Nachmittag mit 1,1051 US-Dollar gehandelt. Er notierte damit etwas höher als im frühen Handel. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1025 (Dienstag: 1,1007) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,9070 (0,9085) Euro.

luk / dpa-afx

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