Mittwoch, 29. Januar 2020

Börse Wirecard und Infineon im Dax gefragt

Der Dax legt am Nachmittag deutlich zu. Offenbar positionieren sich Anleger vor der Entscheidung der Europäischen Zentralbank und rechnen damit, dass Noch-EZB-Chef Draghi die Geldschleusen wieder weit öffnet. Aktien von Infineon, Wirecard und Lufthansa legen zu.

Der Dax Börsen-Chart zeigen hat sich am Montag nach einem verhaltenen Start nach oben gearbeitet. Zum Handelsschluss notierte der deutsche Leitindex Dax Börsen-Chart zeigen 0,2 Prozent fester bei 12.289 Punkten. Bereits jetzt richteten sich die Hoffnungen der Anleger auf die Europäischen Zentralbank (EZB), die am Donnerstag ihre geldpolitischen Beschlüsse verkünden wird, hieß es unter Händlern.

Börsianer hoffen darauf, dass die Währungshüter um Mario Draghi die Geldschleusen öffnen. Selten sei vor einer Sitzung der Europäischen Zentralbank so unklar gewesen, wo die Zinsen nach der Sitzung stehen würden, sagte Portfolio-Manager Thomas Altmann vom Vermögensberater QC Partners. "Genau so spannend wird die Frage, ob Notenbank-Chef Mario Draghi eine Wiederaufnahme der Anleihekäufe ankündigt oder zumindest in Aussicht stellt." Investoren sehen die Wahrscheinlichkeit einer Senkung des Zinses für Einlagen bei der EZB auf minus 0,5 von minus 0,4 Prozent bei etwa 50 Prozent.

Analyst Rupert Thompson vom Vermögensverwalter Kingswood sagte, er rechne damit, dass die EZB ihr Pulver diesmal noch trocken halte, aber sehr deutlich mache, dass sie im September aktiv werde. "Damit würde Draghi Zeit gewinnen, eine Mehrheit zu finden, wie genau der Geldhahn weiter aufgedreht wird." Während die EZB und die US-Notenbank noch über eine Lockerung redeten, seien andere Notenbanken schon weiter: In den vergangenen Wochen hätten die Zentralbanken in Australien, Indien, Südkorea, Indonesien und Südafrika die Zinsen bereits gekappt.

Nervosität am Ölmarkt

Für Nervosität am Ölmarkt sorgten die wachsenden Spannungen zwischen dem Westen und dem Iran, sagte Analyst Edward Moya vom Brokerhaus Oanda. Die Regierung in London berät über Reaktionen auf die Festsetzung eines britischen Tankers im Persischen Golf. Die Sorte Brent aus der Nordsee verteuerte sich deswegen um 1,3 Prozent auf 63,25 Dollar je Barrel (159 Liter). Sollte Iran die wichtige Tanker-Route durch die Straße von Hormus blockieren, müsse mit weiteren Preisaufschlägen gerechnet werden, sagte Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com. Spekulativ orientierte Anleger hätten sich bereits entsprechend positioniert. Parallel dazu verteuerte sich auch die "Antikrisen-Währung" Gold. Das Edelmetall kostete mit 1429,43 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) zeitweise 0,3 Prozent mehr als am Freitag.

Britisches Pfund schmiert wieder ab

Am Devisenmarkt steuerte das Pfund Sterling wieder auf sein Zweieinhalb-Jahres-Tief aus der Vorwoche zu und verbilligte sich auf 1,2455 Dollar. Die wahrscheinliche Inthronisierung des ehemaligen Außenministers Boris Johnsons als Nachfolger von Premierministerin Theresa May mache Anleger nervös, sagte Commerzbank-Analystin Antje Praefcke. "Die Sorge wächst, 'BoJo' könne im Oktober das Parlament suspendieren, um über das Parlament hinweg einen No-Deal-Brexit durchzuziehen."

Am Aktienmarkt rückte Philips Börsen-Chart zeigen ins Rampenlicht. Dank eines Quartalsergebnisses über den Markterwartungen stiegen die Titel des niederländischen Medizintechnik-Herstellers auf 40,73 Euro, den höchsten Stand seit mehr als 18 Jahren. Analyst Max Yates von der Bank Credit Suisse bemängelte allerdings die schrumpfenden Margen in der Sparte Personal Health und den erneut schwächelnden Auftragseingang im Geschäftsbereich Connected Care.

Wirecard und Infineon im Dax gefragt

Von einer guten Stimmung für die Halbleiterbranche haben am Montag auch die Aktien von Infineon Börsen-Chart zeigen profitiert. Zuletzt lagen die Aktien mit 2,1 Prozent im Plus und zählten damit zu den stärksten Werten im Dax. Für gute Stimmung sorgten vor allem positive Kommentare der Investmentbank Goldman Sachs. Diese stufte mit Micron Technology, Applied Materials , Lam Research und Hynix gleich mehrere Branchengrößen hoch. Ein günstigeres Verhältnis von Angebot und Nachfrage in der Industrie werde sich rascher einstellen als ursprünglich erwartet, argumentierte Analyst Toshiya Hari.

Zudem rechnet der Experte mit höheren Investitionen in Anlagen für die Wafer-Produktion. Statt mit einer Stagnation der Ausgaben im kommenden Jahr kalkuliert Hari nun mit einem Wachstum in diesem Segment von 7 Prozent. Wafer sind das Ausgangsprodukt für Halbleiter. Papiere des Wafer-Produzenten Siltronic verteuerten sich im MDax um 2,2 Prozent.

Gefragt waren ebenso Aktien von Wirecard Börsen-Chart zeigen, die an der Dax-Spitze rund 2,8 Prozent fester notierten. Der Zahlungsdienstleister glaubt einem Bericht zufolge "unwiderlegbare Beweise" für eine angebliche Kooperation zwischen Mitarbeitern der renommierten "Financial Times" und Börsen-Spekulanten zu besitzen. Die Londoner Wirtschaftszeitung dementiert entschieden. Eine Reihe von kritischen Berichten der "FT" seit Anfang des Jahres hatte die Wirecard-Aktie immer wieder abstürzen lassen. Das Unternehmen und die deutsche Finanzaufsicht Bafin hegen den Verdacht, dass sich Leerverkäufer das zunutze gemacht haben.


Hier sehen Sie Dax und Dow in Echtzeit


Mit Blick auf die anstehenden Quartalszahlen machte Analyst Chris-Oliver Schickentanz von der Commerzbank darauf aufmerksam, dass in Europa die Gewinnwarnungen von Unternehmen zuletzt zahlreicher waren als in den USA. Das habe aber für die Aktienkurse auch ein Gutes: "Durch die zuletzt wieder gesunkene Erwartungshaltung rechnen wir nicht mit großem Druck nach unten", sagte der Anlagestratege.

Aktien des Dialyse-Anbieters Fresenius Medical Care (FMC) notierte zuletzt noch rund 1 Prozent fester im Dax. Positive Impulse kamen aus den USA: Der Wettbewerber DaVita hatte sein Gewinnziel für das Gesamtjahr erhöht.

Am Index-Ende verloren die Anteilsscheine der Munich Re rund 1 Prozent. Der Rückversicherer habe zwar dank weniger Naturkatastrophen, der massiven Auflösung von Reserven und erklecklicher Kapitalgewinne ein ideales zweites Quartal hinter sich, schrieb der Experte Philip Kett vom Analysehaus Jefferies. Doch die bescheidenen Verluste aus Großschäden seien ein branchenweites Phänomen, und die Auflösung von Reserven könnten die Ergebnisse in Zukunft belasten.

© manager magazin 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung