Montag, 21. Oktober 2019

Gewinne an der Börse Lagarde macht Anleger locker, Osram-Aktie schießt hoch

IWF-Chefin Christine Lagarde, Noch-EZB-Chef Mario Draghi: Wird Lagarde EZB-Chefin, erwarten Anleger eine weiterhin lockere Geldpolitik der EZB
Charles Platiau / REUTERS
IWF-Chefin Christine Lagarde, Noch-EZB-Chef Mario Draghi: Wird Lagarde EZB-Chefin, erwarten Anleger eine weiterhin lockere Geldpolitik der EZB

Der Dax klettert am Mittwoch auf den höchsten Stand seit 11 Monaten. Anleger begrüßen die Kandidatur von Christine Lagarde als EZB-Chefin, von der sie eine lockere Zinspolitik erwarten. Die Aktie von Osram profitiert von Gerüchten.

Nach einem zögerlichen Start haben Anleger am deutschen Aktienmarkt am Mittwoch angesichts einer Lösung im EU-Personalpoker wieder zugegriffen. Der Leitindex Dax Börsen-Chart zeigen schaffte wieder den Sprung über die Marke von 12 600 Punkten und legte am Vormittag um 0,7 Prozent auf 12 621 Zähler zu. Das ist der höchste Stand seit 11 Monaten.

Am Markt kam die Nominierung Christine Lagardes als Präsidentin der Europäischen Zentralbank gut an. "Frau Lagarde hat die geldpolitische Lockerung im Allgemeinen und Anleihekäufe im Speziellen stets unterstützt", sagte der Chefökonom für Europa vom Analysehaus Capital Economics Andrew Kenningham. Sie werde Deutschland zu einer lockereren Finanzpolitik drängen und wohl auch Frankreichs Präsident Macron in seinem Drängen für "mehr Europa" unterstützen, um systemische Risiken in der Region zu reduzieren. "Lagarde verhindert, dass eine für eine straffere Geldpolitik stehende Person wie Jens Weidmann an die Spitze der EZB gelangt", sagte Analyst Stephen Gallagher von Societe Generale. Somit werde es wohl keinen radikalen Kurswechsel nach dem Abgang von Mario Draghi geben.

Die Aussicht auf eine noch lockerere Geldpolitik der EZB und der US-Notenbank Fed zur Unterstützung der Konjunktur hatte die Börsen in den vergangenen Wochen angetrieben. Hinzu kam der Burgfrieden im Handelsstreit zwischen den USA und China, der die Konjunktursorgen vieler Investoren zumindest ein wenig milderte. Experten mahnen hier aber zugleich, dass eine Lösung immer noch nicht gefunden ist.

Osram Aktie steigt zweistellig: Finanzierung für Übernahme steht offenbar

In die geplante Übernahme von Lichtkonzern Osram Börsen-Chart zeigen durch zwei Private-Equity-Häuser könnte bald Bewegung kommen. Wie die Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen berichtete, haben Bain und Carlyle die Finanzierung für die geplante Übernahme gesichert. Die MDax-Aktie reagiert mit einer Erleichterungsrally und lag zuletzt 11 Prozent im Plus bei 32 Euro.

Das Angebot könnte den Konzern mit rund 35 Euro pro Aktie bewerten, hieß es weiter. Am Donnerstag stehe eine außerordentliche Sitzung des Osram-Aufsichtsrats an, um über das Angebot zu entscheiden. Ein Osram-Sprecher wollte auf Anfrage keinen Kommentar abgeben. Osram hatte im Februar schon Gespräche mit den Finanzinvestoren bestätigt. Zwischenzeitlich waren jedoch Gerüchte aufgekommen, nach denen die Bankenfinanzierung wackele.

Wall Street: S&P 500 erreicht Rekordhoch

Die Stimmung an der Wall Street dürfte auch zur Wochenmitte freundlich bleiben. Der US-Leitindex Dow Jones Börsen-Chart zeigen eröffnete mit Gewinnen, und der marktbreite S&P 500 Index erreichte im frühen Handel sogar ein Rekordhoch.

Weiterhin stützt die jüngste Annäherung im amerikanisch-chinesischen Handelsstreit die Kurse, auch wenn zuletzt die Zolldrohungen von US-Präsident Donald Trump gegen die Europäische Union für etwas Ernüchterung gesorgt hatten.

Aktuell ließ Trump seinem Drängen auf eine lockerere Geldpolitik nun Taten folgen. So sollen die Ökonomen Judy Shelton und Christopher Waller die beiden freien Positionen im Direktorium der amerikanischen Notenbank Federal Reserve besetzen. Die Kandidaten müssen durch den US-Senat bestätigt werden. Beobachter halten es für wahrscheinlich, dass beide Trumps Forderungen nach Zinssenkungen unterstützen werden.

Verkürzter Handel in USA wegen Independence Day

Insgesamt aber dürften sich die Kursbewegungen an der Wall Street in Grenzen halten, da am morgigen Donnerstag wegen des Unabhängigkeitstages die Märkte geschlossen bleiben. An diesem Mittwoch findet deshalb nur ein verkürzter Handel bis 19.00 Uhr statt.

Auf Unternehmensebene steht zum einem Tesla Börsen-Chart zeigen im Blick. Der Elektroautobauer erreichte das Ziel von Firmenchef Elon Musk und stellte im zweiten Quartal einen neuen Auslieferungsrekord auf. Dabei wurden die Erwartungen der Wall-Street-Analysten deutlich übertroffen. Zudem dürften die Auslieferungszahlen Sorgen bezüglich der kurzfristigen Liquidität von Tesla mindern, schrieb der Experte Toni Sacconaghi von Bernstein Research. Im frühen Handel zogen die Aktien um rund 7 Prozent an.

Insider: Broadcom will Symantec schlucken

Zum anderen will der Chiphersteller Broadcom Insidern zufolge in einem Milliarden-Deal den Sicherheitssoftware-Spezialisten Symantec übernehmen. Broadcom wolle mit dem Zukauf sein Engagement in dem rentableren Geschäft mit Software ausweiten, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg und berief sich dabei auf mit der Sache vertraute Personen. Vorbörslich schnellten die Anteilsscheine von Symantec um gut 15 Prozent in die Höhe, während die Papiere von Broadcom gut 4 Prozent verloren.

Vonovia und Bayer im Plus

Eine Kaufempfehlung der Analysten von Kempen verhalf der Vonovia Börsen-Chart zeigen -Aktie zu einem Kurssprung. Mit einem Plus von zuletzt 2,88 Prozent waren die Papiere Dax-Favorit. Im MDax kletterten gleichsam die Immobilienwerte Deutsche Wohnen, TAG Immobilien und Leg Immobilien.

Schlusslicht im Dax Börsen-Chart zeigen waren die Aktien der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen mit einem Abschlag von 1,18 Prozent. Ein Analyst der Societe Generale reduzierte sein Kursziel deutlich und wiederholte seine Verkaufsempfehlung. Der Experte sieht vor allem steigende Risiken für die Kapitalausstattung und die Erträge von Deutschlands größtem Geldhaus.

Bayer startet Erholungsversuch - positive Signale aus den USA

Aktien von Bayer Börsen-Chart zeigen stiegen kurz nach Handelsstart um 0,83 Prozent auf 61,03 Euro. Positiv kam bei den Anlegern an, dass der US-Richter Vince Chhabria ein gegen den von Bayer übernommenen US-Konzern Monsanto verhängtes Schadenersatzurteil wahrscheinlich ändern wird. Der Richter hält die von Geschworenen geforderten rund 80,3 Millionen Dollar (71,2 Millionen Euro) für zu hoch. Bayer hatte den richtungweisenden Fall um Krebsrisiken des glyphosathaltigen Unkrautvernichters Roundup gegen den Kläger Edwin Hardeman im März verloren.

Henkel profitiert von Goldman Sachs Empfehlung

Nach einer Kaufempfehlung durch die US-Investmentbank Goldman Sachs legten Aktien von Henkel Börsen-Chart zeigen 1,14 Prozent auf 90,19 Euro bei zu. Goldman-Sachs-Analyst John Ennis schrieb in einer Studie vom Mittwoch, dass sich die Papiere zuletzt unterdurchschnittlich entwickelt hätten und mit einem 25-prozentigen Abschlag zum Sektor gehandelt würden. Diese Bewertungslücke sollte sie dank einer Beschleunigung des Wachstums aus eigener Kraft im zweiten Halbjahr sowie anziehender operativer Margen (Ebit) schließen können. Eine mögliche Senkung des Ausblicks werde bereits erwartet und könnte im Falle einer negativen Kursreaktion für eine attraktive Einstiegsgelegenheit sorgen.

Getrieben vom Ausgang des G20-Gipfels im japanischen Osaka war der Dax noch am Montag auf den höchsten Stand seit August vergangenen Jahres geklettert. Zwischenzeitlich hatte er sogar die Marke von 12.600 Zählern hinter sich gelassen. "Das lang erwartete Treffen zwischen Donald Trump und Xi Jinping hat den Aktienmärkten zum Wochenauftakt noch Schwung verliehen", erklärte Marktanalyst David Madden vom Broker CMC Markets UK. Nun fehle dem Markt aber etwas das nächste Etappenziel. Den Börsianern werde denn auch zunehmend bewusst, dass bei den Handelsgesprächen derzeit im Grunde noch alles offen ist. Christian Henke vom Broker IG erklärte es so: "Der nächste Tweet von Trump kommt bestimmt."

Der US-Präsident und sein chinesischer Amtskollege hatten sich am Wochenende auf einen vorläufigen Waffenstillstand im Zollstreit geeinigt. Kurz danach richtete Trump seine Aufmerksamkeit jedoch wieder gen Europa und sprach neue Zolldrohungen für EU-Waren aus, als Vergeltung für verbotene Flugzeugsubventionen. Daneben sind auch andere politische Konflikte wie der US-iranische Streit um das Atomabkommen oder die Ausschreitungen in Hongkong noch nicht aus der Welt.


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Mit Blick auf die Konjunkturdaten richten sich die Blicke am frühen Nachmittag auf Arbeitsmarktdaten aus den USA. Die ADP-Daten gelten als Indikator für den offiziellen Arbeitsmarktbericht am Freitag.

Auf Unternehmerseite gibt sich zudem BMW auf seinem Kapitalmarkttag in China die Ehre. Von der zweitägigen Veranstaltung dürften Investoren und Analysten womöglich die eine oder andere interessante Information zum Geschäftsverlauf des Autobauers mit nach Hause nehmen.

Zudem könnte eine positive Analystenstudie zum Konsumgüterkonzern Henkel für weitere Bewegung bei der Aktie sorgen. Die Experten der US-Investmentbank Goldman Sachs verweisen auf eine zuletzt unterdurchschnittliche Kursentwicklung und raten nun zum Kauf. Die Aktien hatten bereits am Dienstag im Laufe des Kapitalmarkttags der wichtigen Klebstoffsparte um rund 3,8 Prozent zugelegt.

An den US-Börsen findet am Mittwoch ein verkürzter Handel statt. Die Aktienmärkte haben bis 19 Uhr.

Euro startet kaum verändert, Ölpreise erholen sich von Kursverlusten

Der Euro ist am Mittwochmorgen kaum verändert in den Handel gegangen. Am frühen Morgen kostete die Gemeinschaftswährung 1,1289 US-Dollar und damit in etwa so viel wie am Vorabend. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Dienstagnachmittag auf 1,1301 Dollar festgesetzt.

Am Morgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 62,52 US-Dollar. Das waren 12 Cent mehr als am Vortag. Der Preis für ein Barrel der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um 14 Cent auf 56,39 Dollar.

Am Dienstag hatten sich das Ölkartell Opec und weitere Staaten (Opec+) auf eine Beibehaltung des Öl-Förderlimits für weitere neun Monate geeinigt. Dies war erwartet worden, nachdem sich Russland und Saudi-Arabien bereits am Wochenende auf dem G20-Gipfel auf eine Fortführung der Kürzungspolitik verständigt hatten. Die 14 Opec-Staaten und die 10 Nicht-Opec-Länder wollen so den Ölpreis stabil halten.

mit Nachrichtenagenturen

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