Comeback an der Börse Dax schließt erstmals seit Februar über 13.000 Punkten

Noch hält die Corona-Krise die Welt in Atem - jedenfalls außerhalb der Börsensäle. Der Aktienmarkt hat den Corona-Crash lange hinter sich gelassen - am heutigen Montag passierte er einen wichtigen Meilenstein.
Aktienhändlerinnen und -händler in Frankfurt

Aktienhändlerinnen und -händler in Frankfurt

Foto: KAI PFAFFENBACH/ REUTERS

Der Dax  hat am Montag erstmals seit Ende Februar wieder über der Marke von 13.000 Punkten geschlossen. Nahe dem Tageshoch brachte er ein Plus von 1 Prozent auf 13.046,9 Zähler über die Ziellinie. Der MDax  der mittelgroßen Werte legte um 0,7 Prozent auf 27.118,4 Punkte zu.

Auch wenn die Corona-Krise weiter schwelt, fehlen dem Dax zum bisherigen Rekord von 13.795 Punkten nur noch knapp 750 Punkte. Weiter gestützt wurde die Rally von der Hoffnung auf einen Schutz gegen das Virus. Ein britischer Impfstoff scheint einer Studie zufolge sicher zu sein. Schon länger glauben die Anleger auch an eine rasche konjunkturelle Erholung, dank Hilfsmaßnahmen von Notenbanken und Regierungen.

Der Sprung über die 13.000er-Marke ist der vorläufige Höhepunkt eines bemerkenswerten Comebacks des Aktienmarktes. Nachdem das deutsche Börsenbarometer Dax Mitte Februar bei 13.795 Punkten ein Rekordhoch erreicht hatte, war es im Zuge der sich zur Pandemie ausweitenden Corona-Viruskrise binnen vier Wochen um gut 40 Prozent bis auf 8255 Punkte abgerutscht. Vom tiefsten Niveau seit 2013 aus gelang dem Index seither eine fulminante Erholung um fast 60 Prozent. Aktuell steht neben der Hoffnung auf einen raschen Impfstoff auch das geplante EU-Hilfspaket im Fokus der Anleger. Zwar erwies sich der EU-Gipfel am Wochenende als zäh, doch das war erwartet worden. Gerechnet wird trotz allem mit einer Einigung, wie Portfolio-Manager Thomas Altmann von QC Partners schrieb und dafür auf die sehr stabile Börsentendenz verwies.

Doch wie immer, wenn es in Europa um gemeinsame Schulden und Steuertransfers gehe, liefen die Gespräche zunächst in eine Sackgasse, kommentierte Marktanalyst Jeffrey Halley vom Broker Oanda. Hauptstreitpunkt der Verhandlungen ist die Frage, wie viele Zuschüsse aus dem geplanten Corona-Krisenplan an EU-Staaten vergeben werden könnten. Und "nicht nur in der EU wird über weitere Finanzhilfen zur Bewältigung der Coronakrise gestritten", konstatierte Commerzbank-Devisenexpertin Thu Lan Nguyen. Auch in den USA zeichne sich keine schnelle Einigung im Disput um die zu Beginn der Corona-Krise beschlossenen Zuschüsse zur Arbeitslosenhilfe ab.

An der Wall Street hat die Ausbreitung des Coronavirus in den USA die Anleger zum Wochenauftakt verunsichert. Der Dow Jones  eröffnete am Montag etwas schwächer bei 26.641 Punkten. Der breiter gefasste S&P 500  lag unverändert bei 3225 Zählern, der Index der Technologiebörse Nasdaq gewann 0,2 Prozent auf 10.528 Punkte. In mindestens 14 US-Bundesstaaten waren im Juli so viele Menschen mit der durch das Coronavirus ausgelösten Krankheit Covid-19 im Krankenhaus wie nie zuvor. Zugleich warnten die Behörden vor einem weiteren Anstieg der Coronafälle im Herbst und Winter.

Ermutigende Zwischenergebnisse aus Impfstoffstudien sowie die Hoffnung auf weitere Hilfsprogramme verhinderten jedoch Verluste. Noch in dieser Woche soll der US-Kongress über ein neues Paket abstimmen.

Autobauer schwächeln, Pharmapapiere gefragt

Unternehmensseitig gaben im Dax die Aktien des insolventen Zahlungsabwicklers Wirecard als Schlusslicht um 16 Prozent nach. Darüber hinaus schwächelten die Papiere der Autobauer BMW, VW und Daimler mit Verlusten zwischen 0,4 und 0,8 Prozent nach ihren jüngsten Erholungsgewinnen.Aktien aus dem Gesundheits- und Pharmasektor zählten zu den Favoriten. Im MDax stachen die Anteilsscheine von Siemens Healthineers mit plus 3,3 Prozent heraus. Im SDax legten die Anteilsscheine der Shop Apotheke um 2,3 Prozent zu und näherten sich damit ihrem Rekordhoch von 134,40 Euro an.

Zudem gewannen auf der Handelsplattform Tradegate die Papiere des an der US-Börse Nasdaq notierten Mainzer Unternehmens Biontech deutlich hinzu. Gemeinsam mit dem US-Pharmakonzern Pfizer wurde mit Großbritannien eine erste Liefervereinbarung über einen möglichen, gerade in der Entwicklung befindlichen Corona-Impfstoff geschlossen. Finanzielle Details wurden nicht genannt. Vorbehaltlich einer behördlichen Genehmigung oder Zulassung sollen 30 Millionen Dosen des Impfstoffkandidaten "BNT 162" geliefert werden, voraussichtlich in den Jahren 2020 und 2021.

Die Aixtron-Aktien zogen zudem angesichts zuversichtlicher Analystenkommentare um 7,8 Prozent an und erreichten den höchsten Stand seit 2018. Zur Vorlage des Quartalsbericht an diesem Donnerstag rechnen Analysten mit starken Auftragseingängen und einer Bekräftigung der Jahresziele des Spezialmaschinenbauers für die Chipindustrie.

In Japan hat der Nikkei  am Montagmorgen (MEZ) 0,1 Prozent fester geschlossen bei 22.717 Punkten. Die Anleger an den asiatischen Börsen haben sich am Montag zunächst pessimistisch gezeigt. Ein Anstieg der weltweiten Coronavirus-Fälle insbesondere in den USA drückte die Kauflaune und der Fokus der Investoren verlagerte sich auf das Gipfeltreffen der Europäischen Union.

Der Euro hat am Montag leicht zugelegt. Am Morgen kostete die Gemeinschaftswährung 1,1440 US-Dollar und damit etwas mehr als im asiatischen Handel. Der Euro liegt weiter in der Nähe seines höchsten Stands seit März. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Freitag auf 1,1428 Dollar festgesetzt. Auch im Devisenbereich blicken Analysten und Anleger gespannt auf das Gipfeltreffen der europäischen Staats- und Regierungschefs. An Konjunkturdaten stehen zum Wochenstart eher Zahlen aus der zweiten Reihe mit geringerer Marktrelevanz auf dem Programm. Es äußern sich jedoch einige hochrangige Notenbanker, darunter EZB-Vizepräsident Luis de Guindos (60).

Ölpreise geben leicht nach

Die Ölpreise sind mit leichten Abschlägen in die neue Handelswoche gestartet. Starke Impulse gab es zunächst nicht. Am Montagmorgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 42,88 US-Dollar. Das waren 26 Cent weniger als am Freitag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel um 23 Cent auf 40,52 Dollar.

Nach wie vor steht der Ölmarkt im Bann gegenläufiger Kräfte. Auf der einen Seite sorgen sich die Anleger über die Entwicklung der Corona-Pandemie in großen Volkswirtschaften wie den USA. Dort ist die Lage in einigen Bundesstaaten nach wie vor sehr angespannt. Zuletzt hatte sich die Situation auch in einigen europäischen Ländern wieder etwas verschlechtert.

Auf der anderen Seite stehen das Ölkartell Opec und verbündete Staaten wie Russland. Sie deckeln nach wie vor ihre Förderung, wenngleich die Produktion ab August etwas steigen soll. Bisher hat der Ölmarkt diese Anhebung jedoch gut weggesteckt. Einige Fachleute geben dennoch zu bedenken, dass der Schritt angesichts der krisenbedingt schwachen Nachfrage zu früh kommen könnte.

luk/Reuters, dpa