Börse Dax schließt mit Verlusten, Qiagen auf höchstem Stand seit 20 Jahren

Der Dax verharrt am Donnerstag in der Verlustzone. Konjunkturdaten aus China belasten und auch in den USA startet der Dow Jones im Minus. Im MDax steigen die Aktien von Knorr-Bremse auf ein Rekordhoch.
Deutsche Börse in Frankfurt

Deutsche Börse in Frankfurt

Foto: Frank Rumpenhorst/ dpa

Nach den hohen Kursgewinnen vom Vortag haben es Anleger am Donnerstag am deutschen Aktienmarkt ruhiger angehen lassen. Der Dax  ging mit einem Minus von 0,43 Prozent auf 12.874,97 Punkte aus dem Handel. Am Mittwoch war der Dax noch kräftig gestiegen auf den höchsten Stand seit dem Beginn des weltweiten Ausverkaufs an den Börsen wegen des Coronavirus. Am Sprung über die Marke von 13.000 Zählern war der deutsche Leitindex aber denkbar knapp gescheitert. Der MDax  der 60 mittelgroßen Börsentitel schloss 0,05 Prozent niedriger auf 27.065,66 Punkten.

Die Sitzung der Europäischen Zentralbank fiel wie von vielen Beobachtern erwartet als Impulsgeber aus. Nach der jüngsten Ausweitung der beispiellosen Anti-Krisen-Maßnahmen in der Corona-Pandemie legen Europas Währungshüter eine Pause ein. Den Leitzins im Euroraum beließ der Rat der Euro-Notenbank am Donnerstag auf dem Rekordtief von null Prozent.

"Wichtiger als die Geldpolitik ist derzeit ein Konsens der EU-Mitgliedstaaten bei der künftigen Gestaltung Europas", sagte Analyst Konstantin Oldenburger vom Handelshaus CMC Markets. Der EU-Sondergipfel zum mehrjährigen Finanzrahmen und zum Milliarden-Programm zur Bewältigung der Corona-Wirtschaftskrise beginnt am Freitag. Dort müsse Deutschland mit der EU-Ratspräsidentschaft Führungsstärke zeigen, sagte Oldenburger.

Ceconomy mit Kurssprung

Unter den Schwergewichten im Dax wurden konjunkturabhängige Aktien gemieden. So verloren MTU  3 Prozent und Infineon  2,7 Prozent. Nachrichtlich spielte die Musik aber bei den Nebenwerten im MDax  und SDax .

Aktien von Sartorius  zogen um fast 9 Prozent an auf ein Rekordhoch und lagen an der MDax-Spitze. Am Vorabend hatte der Laborzulieferer mehr Umsatz, eine höhere Profitabilität und damit mehr Gewinn in Aussicht gestellt.

Auch der Internetmodehändler Zalando  hat nach einem erfolgreichen zweiten Quartal die Jahresprognose angehoben. Hier ging es mit dem Kurs um 2,1 Prozent nach oben.

Beim Elektronikhändler Ceconomy  sei es nach herben Einbußen wegen der Corona-Krise im Mai und Juni besser gelaufen als erwartet, teilte der Betreiber von Media Markt und Saturn mit. Der Kurs sprang um 12,7 Prozent nach oben.

Aktien von Knorr-Bremse  legten um 3,4 Prozent zu. Dem Bremsenhersteller zufolge lief es im zweiten Quartal besser als Analysten im Durchschnitt befürchtet hatten.

Auch der Baumaschinen-Hersteller Wacker Neuson  kam besser durch die Corona-Krise als von Experten befürchtet. Die Aktie stieg um fast 9 Prozent.

Qiagen-Aktien  rückten um 2,5 Prozent auf rund 42 Euro vor auf den höchsten Stand seit 20 Jahren. Der US-Technologiekonzern Thermo Fisher erhöht das Kaufangebot für Qiagen-Aktien von 39 auf 43 Euro und will sich zugleich mit einem geringeren Anteil zufriedengeben als zuvor.

Die Kurse deutscher Bundesanleihen fielen am Donnerstag überwiegend. Der Rentenindex Rex fiel um 0,06 Prozent auf 145,10 Punkte. Die Umlaufrendite stieg im Gegenzug leicht von minus 0,48 Prozent am Vortag auf minus 0,47 Prozent. Der Bund Future stieg am Abend um 0,28 Prozent auf 176,55 Punkte zu.

Konjunkturdaten trüben die Stimmung in den USA

Der US-Leitindex Dow Jones  hat nach den jüngsten Gewinnen am Donnerstag nachgegeben. Börsianer verwiesen als Belastung unter anderem auf durchwachsene chinesische Konjunkturdaten. Sorgen bereitete Analysten die zuletzt schwache Entwicklung des Einzelhandels. Zudem bleibt in den USA der Arbeitsmarkt wegen der Corona-Pandemie stark unter Druck.

Der Dow fiel um 0,22 Prozent auf 26.811,51 Punkte. Zur Wochenmitte hatte das Börsenbarometer nach Fortschritten bei einem Sars-CoV-2-Impfstoff erstmals wieder seit fünf Wochen zeitweise die Marke von 27.000 Punkten getestet.

Der breiter gefasste S&P 500 büßte 0,55 Prozent auf 3208,81 Zähler ein. Der konjunktursensible Technologiewerte-Index Nasdaq 100  sackte um 1,35 Prozent auf 10 557,58 Punkte ab. Er hatte am Montag ein Rekordhoch erreicht.

Euro gibt nach

Der Kurs des Euro  ist am Donnerstag gefallen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1414 (Mittwoch: 1,1444) US-Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,8761 (0,8738) Euro.

Nachdem der Euro am Mittwoch auf ein Viermonatshoch gestiegen war, wurde er am Donnerstag durch einen festeren US-Dollar unter Druck gesetzt. Die amerikanische Währung profitierte als globale Reservewährung von der trüben Stimmung an den Aktienmärkten. Unter Druck standen auch andere Währungen gegenüber dem Dollar, etwa das britische Pfund und der australische Dollar.

Ölpreise sinken

Nach zuletzt deutlichen Gewinnen sind die Ölpreise  am Donnerstag gesunken. Marktbeobachtern verwiesen auf die Ankündigung des Verbunds Opec+, die Tagesförderung ab August um etwa zwei Millionen Barrel anzuheben. Im Mittagshandel kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 43,47 US-Dollar. Das waren 32 Cent weniger als am Vortag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel um 47 Cent auf 40,73 Dollar.

Am Mittwoch war bekannt geworden, dass die in der Opec+ zusammengefassten Staaten der Opec und anderer Förderländer wie Russland eine zuvor beschlossene Drosselung der Fördermenge ein Stück weit zurücknehmen. Nach Einschätzung des Rohstoffexperten Eugen Weinberg von der Commerzbank scheint die Opec+ den Ölmarkt unter Kontrolle zu haben. Allerdings bleibe die Frage, ob die Förderdisziplin der beteiligten Staaten auch in den kommenden Wochen hoch bleiben werde.

Zuletzt waren Experten davon ausgegangen, dass die beteiligten Förderstaaten die Förderkürzung vergleichsweise konsequent umsetzen. In der Corona-Krise hatten die Staaten der Opec+ ihre Produktion stärker heruntergefahren, weil die Ölnachfrage erheblich zurückgegangen war.

luk/dpa-afx/Reuters
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.