Mittwoch, 27. Mai 2020

Börse Dax schließt über 10.000 Punkten, Wall Street im Plus

Ein kleiner Plastikbulle im Handelssaal der Börse in Frankfurt am Main
picture alliance / Frank Rumpenhorst
Ein kleiner Plastikbulle im Handelssaal der Börse in Frankfurt am Main

Der Dax setzt seinen Erholungskurs fort und beendet den Handel am Montag oberhalb von 10.000 Punkten. Abnehmende Corona-Todeszahlen in manchen Ländern lassen Anleger auch an der Wall Street Hoffnung schöpfen.

Angesichts rückläufiger Infektionszahlen in mehreren Ländern wagen sich Anleger an Europas Aktienmärkten wieder aus der Deckung. Der Dax Börsen-Chart zeigen hat am Nachmittag die psychologisch wichtige Marke von 10.000 Punkten übersprungen und liegt zum Handelsschluss mit 5,8 Prozent deutlich im Plus. Der MDax Börsen-Chart zeigen gewinnt ebenfalls satte 3,7 Prozent dazu.

"Die Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus scheinen endlich angekommen zu sein und ihre Wirkung zu entfalten", sagte Marktanalyst Timo Emden von Emden Research. "Die Anleger sehen einen Silberstreif an einem äußerst dunklen Börsenhimmel." Der EuroStoxx 50 Börsen-Chart zeigen erholte sich ebenfalls um rund 3,9 Prozent.

In Erwartung einer raschen Eindämmung des Coronavirus kehren Anleger auch an die Wall Street zurück. Die US-Leitindizes Dow Jones Börsen-Chart zeigen, Nasdaq und S&P 500 stiegen zur Eröffnung am Montag um jeweils etwa 4 Prozent, nachdem der von der Pandemie besonders hart getroffenen Bundesstaat New York am Wochenende rückläufige Todeszahlen bekanntgegeben hatte. Später weiteten die US-Indizes ihre Gewinne noch aus.

"Das ist eine große Erleichterung für den Markt", sagte Thomas Hayes, Manager beim Vermögensverwalter Great Hill. Schließlich lebe eine Vielzahl von Bankern und Fondsmanagern in der Region. "Es bedeutet aber nicht, dass wir über den Berg sind." Es sei mit ein, zwei weiteren harten Wochen zu rechnen.

Allerdings nehmen gleichzeitig die Infektionszahlen etwa in der japanischen Hauptstadt Tokio zu und in den USA bleibt die Lage äußert angespannt. Die weltweiten wirtschaftlichen Folgen der Virus-Pandemie bleiben schwer abschätzbar. Auch daher dürften viele weitere Unternehmen ihre Jahresprognosen zurückziehen. Unklar ist auch, wann sich das öffentliche Leben zumindest schrittweise wieder normalisiert.

Wie nachhaltig eine Erholung der Aktienmärkte ist, bleibt vor diesem Hintergrund offen. Experten hatten zuletzt bereits vor einer Bärenmarktrally gewarnt - also einem kurzen, deutlichen Anstieg innerhalb eines größeren Abwärtstrends. So hat sich der Dax seit seinem Virus-Crash um fast 40 Prozent auf 8255 Punkte bereits - per Schlussstand Freitag - um rund 15 Prozent erholt.

Für Unsicherheit sorgt auch die Lage am Ölmarkt. So wurde eine eigentlich für Montag geplante Videoschalte der Opec+-Länder um drei Tage verschoben. Zudem drohte US-Präsident Donald Trump mit Zöllen auf Rohölimporte. Die Preiskrieg am Ölmarkt setzt viele ölproduzierende Staaten sowie die Schieferölwirtschaft der USA schwer unter Druck.


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Auch Metro zieht seine Jahresziele zurück

Angetrieben wird der Dax durch die Kursgewinne von Adidas Börsen-Chart zeigen (8,2), Allianz Börsen-Chart zeigen (7,9), Münchener Rück (8,55), und Volkswagen Börsen-Chart zeigen (9 Prozent) im Plus. Die MTU Aero Engines Börsen-Chart zeigen gewann 7,1 Prozent an, der Kurs hatte sich im Ausverkauf fast gedrittelt.

Im MDax Börsen-Chart zeigen waren zunächst die Verlierer der Crash-Phase gesucht: Papiere von Thyssenkrupp Börsen-Chart zeigen und Airbus Börsen-Chart zeigen stiegen bis zu späten Vormittag jeweils um knapp 11 Prozent. ThyssenKrupp verlor allerdings dann wieder einen Großteil seines Zugewinns, Airbus steht derzeit bei 2,4 Prozent im Plus. Aktien des Batterieherstellers Varta Börsen-Chart zeigen verteuerten sich zuletzt noch um rund 4,5 Prozent. Hier machte die Berenberg Bank mehr als 60 Prozent Erholungspotenzial a Börsen-Chart zeigenus mit einem Kursziel von 100 Euro.

Mit dem Handelskonzern Metro , dem Ticketvermarkter CTS Eventim Börsen-Chart zeigen und der Immobiliengruppe Dic Asset haben weitere Unternehmen wegen des Coronavirus die Jahresziele zurückgezogen oder gekürzt. DIC Asset hält aber am Dividendenvorschlag für 2019 fest. Alle drei Titel legten zu: Metro gewannen 3 Prozent, CTS Eventim 6,5 Prozent und DIC Asset sogar 9,3 Prozent.

Auch weitere europäische Werte stiegen im Wert stark an. So sorgte die Sicherung neuer Kreditlinien beim britischen Triebwerkshersteller Rolls-Royce Börsen-Chart zeigen sowie dem französischen Autokonzern PSA Peugeot Citroën Börsen-Chart zeigen für Auftrieb. Rolls-Royce-Aktien schossen um bis zu 21,2 Prozent nach oben, nachdem sich der Zulieferer von Airbus und Boeing eine weitere Kreditlinie über 1,5 Milliarden Pfund gesichert hat. Das Traditionsunternehmen hat in diesem Jahr allerdings mehr als die Hälfte des Börsenwerts eingebüßt und streicht erstmals seit über 30 Jahren seine Dividende. Die Peugeot-Mutter PSA sicherte sich ebenfalls weitere Kredite in Höhe von drei Milliarden Euro, um sich gegen die finanziellen Auswirkungen der Corona-Krise besser in Stellung zu bringen. PSA-Aktien legten in Folge bis zu 12,4 Prozent zu.

Am Freitag war der deutsche Leitindex mit einem überschaubaren Minus von 0,5 Prozent auf 9525 Punkte aus dem Handel gegangen. Im Wochenverlauf hatte er damit um rund 1 Prozent nachgegeben. Da in den USA die wichtigsten Indizes ebenfalls im Minus schlossen, kann von Entspannung am Aktienmarkt noch keine Rede sein.

An den US-Börsen hatte nach Arbeitsmarktdaten der US-Leitindex Dow Jones Börsen-Chart zeigen1,7 Prozent tiefer geschlossen auf 21.052 Punkte. Der technologielastige Nasdaq gab 1,5 Prozent auf 7373 Punkte nach und der breit gefasste S&P 500 büßte ebenfalls 1,5 Prozent auf 2488 Punkte ein.

Die US-Jobdaten für März waren wie erwartet schwach. Im März ging die Beschäftigung in den USA um rund 700.000 Stellen zurück. Allerdings sind darin nur Daten von Anfang März berücksichtigt - die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe hatten Mitte der Woche bereits überdeutliche Hinweise auf einen noch stärkeren Einbruch am US-Arbeitsmarkt gegeben. Für April rechnen Beobachter mit einer Arbeitslosenquote von mehr als 10 Prozent.

Arbeitsmarkt: "Ein Tsunami baut sich auf"

Am Jobmarkt der USA sprach die BayernLB von einem "sich aufbauenden Tsunami". Bernd Krampen von der NordLB sieht darin in der Viruskrise nur "die erste Welle eine Kahlschlags". Das wahre Ausmaß werde wohl erst im nächsten Jobbericht zu sehen sein.

mit Nachrichtenagenturen

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