Börse Dow beendet nervösen Handel sichtlich erholt

Der Dax dreht in einem nervösen Marktumfeld zum späten Nachmittag wieder ins Plus. Wirecard führt den Dax an, MTU dagegen liegt auf dem letzten Platz. Auch die US-Börsen gewinnen - dank Trump-Aussagen zur Öl-Förderung.
Dax-Kurve an der Frankfurter Börse

Dax-Kurve an der Frankfurter Börse

Foto: Frank Rumpenhorst/ dpa

In einem nervösen Handel hat der Dax  am Donnerstag wieder um die Rückeroberung der Marke von 9600 Punkten gekämpft. Letztlich gelang dies aber nicht. Mit einem kleinen Plus von 0,27 Prozent auf 9570,82 Punkte ging der Leitindex schließlich aus dem Tag.

Nach einem angesichts der Coronavirus-Krise moderaten Auf und Ab hatten am Nachmittag verheerende Daten vom US-Arbeitsmarkt einen Absturz des Dax bis auf 9337 Punkte ausgelöst. Die Zahl der Erstanträge auf US-Arbeitslosenhilfe lag in der vergangenen Woche mit 6,6 Millionen doppelt so hochwie der bisherige Rekordwert aus der Vorwoche. Analysten hatten mit 3,5 Millionen Anträgen gerechnet.

Aussagen von US-Präsident Trump, er erwarte und hoffe, dass Russland und Saudi-Arabien ihre Ölförderung kürzen werden, ließen die Ölpreise nach oben schießen und auch die Aktienkurse steigen. Doch rasch bröckelten die Gewinne wieder ab, da Kremlsprecher Dmitri Peskow Trump umgehend widersprach.

Die Rohöl-Sorte Brent verteuerte sich daraufhin zeitweise um fast die Hälfte auf 36,29 Dollar je Fass, das US-Öl WTI um 35 Prozent auf 27,39 Dollar. Damit steuerten beide auf den größten Tagesgewinn ihrer Geschichte zu.

Dies verhalf europäischen Ölkonzernen wie BP, Total oder Shell zu Kursgewinnen von bis zu 9 Prozent. Der Branchen-Index verbuchte mit einem Plus von etwa 5,5 Prozent einen der größten Tagesgewinne seiner Geschichte. An der Wall Street schossen die Papiere von US-Schieferölförderern wie Marathon, Occidental oder Apache sogar bis zu 30 Prozent hoch. Diese Firmen leiden besonders stark unter dem niedrigen Ölpreis, weil sie Experten zufolge wegen des aufwendigen Fracking-Verfahrens erst ab einem Preis von etwa 50 Dollar profitabel arbeiten. Mit Whiting musste ein erster großer Schieferölförderer bereits Gläubigerschutz beantragen.

Die düsteren Signale vom US-Arbeitsmarkt und die Rally an den Ölmärkten und in der Folge auch bei Ölwerten ebnete dem Dow Jones Industrial  nach schwankendem Verlauf den Weg zu einer Erholung von seinen deutlichen Vortagsverlusten. Ins Ziel ging der Leitindex 2,24 Prozent höher bei 21 413,44 Punkten. Er stand damit unweit seines früh erreichten Tageshochs.

Seine New Yorker Indexkollegen folgten ihm nach oben: Der marktbreite S&P 500  stieg um 2,28 Prozent auf 2526,90 Zähler, während der technologielastige Auswahlindex Nasdaq 100  2 Prozent auf 7635,66 Punkte gewann.

Der MDax (Kurswerte anzeigen) rückte am Donnerstag um 0,27 Prozent auf 20 488,22 Punkte vor. Europaweit waren die Vorzeichen bis zum Handelsschluss ebenfalls wieder überwiegend positiv. Der EuroStoxx 50 (Kurswerte anzeigen) rückte um 0,31 Prozent auf 2688,49 Punkte vor und auch in Paris und London wurden Gewinne verzeichnet.

Schwächster Wert im Dax war wieder einmal der Triebwerksbauer MTU Aero Engines (Kurswerte anzeigen) mit einem Minus von 5,8 Prozent.

Unter den Gewinnern waren die Aktien von Henkel (Kurswerte anzeigen) und Siemens (Kurswerte anzeigen) mit jeweils plus 3,2 Prozent vorn.

Lufthansa-Aktien (Kurswerte anzeigen) verloren angesichts von Berichten über einen bevorstehenden Staatseinstieg nur leicht um 0,4 Prozent.

Im MDax stand Compugroup Medical mit einem Kursgewinn von 14,5 Prozent an der Spitze. Der Softwareanbieter für Arztpraxen hatte bereits am Vortag erheblich zugelegt.

Der Medizintechnikkonzern Carl Zeiss Meditec (Kurswerte anzeigen) hingegen verlor 4,2 Prozent. Das Thüringer Unternehmen muss wegen der Corona-Krise wie so viele andere Unternehmen seine Prognose für das laufende Geschäftsjahr 2019/2020 zurücknehmen. Es werde wegen der sich weltweit ausbreitenden Lungenkrankheit Covid-19 eine "signifikante Beeinträchtigung" der Geschäftsentwicklung im zweiten Geschäftshalbjahr erwartet, schon im abgelaufenen Quartal sei das Wachstum deutlich schwächer ausgefallen.

Der Baustoffkonzern HeidelbergCement  hat angesichts der Corona-Krise am Anleihemarkt 650 Millionen Euro neue Schulden aufgenommen. Im Späthandel konnten die Papiere leicht zulegen.

Beiersdorf  meldet, dass das Unternehmen wegen der Corona-Krise seine Prognose für 2020 zurückziehe. Die noch Anfang März veröffentlichten Ziele würden "voraussichtlich nicht erreicht und daher nicht länger aufrechterhalten", erklärte der Hersteller von Tesa-Klebeprodukten und Nivea-Kosmetik. Das Analysehaus Jefferies hat die Einstufung für Beiersdorf nach veröffentlichen Eckdaten zum ersten Quartal auf "Hold" mit einem Kursziel von 90 Euro belassen. Die vorläufigen Zahlen hätten den Erwartungen entsprochen, schrieb Analystin Molly Wylenzek. Im Späthandel legten die Papiere leicht zu.

Auch der Fernsehkonzern RTL  zieht seine Prognose für das laufende Jahr wegen der Coronakrise zurück. Das erste Quartal sei noch weitgehend im Rahmen der Erwartungen verlaufen, erklärte die Bertelsmann-Tochter.


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Talfahrt führt den Eurokurs deutlich unter 1,09 US-Dollar

Am Devisenmarkt trieben diese desaströsen Zahlen Anleger in die Weltleitwährung. Der Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währung widerspiegelt, stieg um 0,4 Prozent auf 100,08 Punkte. Im Gegenzug verbilligte sich der Euro  um 1 Prozent auf 1,0848 Dollar. Die "Antikrisen-Währung" Gold (Kurswerte anzeigen) gewann 1,1 Prozent auf 1608 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm).

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