Sonntag, 7. Juni 2020

Börsenschluss US-Konjunkturpaket stützt Dax und Dow

Das Konjunkturpaket in den USA hebt die Stimmung in Frankfurt nur kurz

Die zahlreichen Konjunkturpakete in aller Welt lassen Anleger kurzzeitig aufatmen. Nach einem Auf und Ab beendet der Dax den Handel knapp unter 10.000 Punkten mit einem Plus. Auch in den USA greifen Anleger wieder zu.

Die US-Börsen haben am Mittwoch an ihre beispiellose Rally vom Vortag angeknüpft. Die erwartete politische Einigung auf ein gigantisches Konjunkturpaket gegen die Corona-Krise stützte die Optimisten unter den Anlegern über weite Strecken. Allerdings bröckelten die kräftigen Tagesgewinne vor Handelsschluss ab, nachdem US-Senator Bernie Sanders über den Kurznachrichtendienst Twitter drohte, das Hilfspaket zu stoppen, falls nicht weitere Regelungen etwa zugunsten von Arbeitern mit aufgenommen würden.

Der Dow Jones Börsen-Chart zeigen, der zuvor noch um bis zu 6 Prozent auf über 22.000 Punkte gestiegen war, ging daraufhin mit einem deutlich geringeren Plus von 2,39 Prozent auf 21.200,55 Punkte aus dem Tag. Am Dienstag hatte der US-Leitindex in einer rasanten Erholung das erwartete Hilfspaket bereits überwiegend vorweg genommen und war um 11,4 Prozent hochgesprungen. Solch einen enormen Tagesgewinn hatte es seit 1933 nicht mehr gegeben.

Der marktbreite S&P 500 legte nach einem Vortagesgewinn von etwas mehr als 9 Prozent am Mittwoch um weitere 1,15 Prozent auf 2475,56 Punkte zu. Der technologielastige Nasdaq Börsen-Chart zeigen indes drehte in die Verlustzone und gab um 1,11 Prozent auf 7469,62 Punkte nach.

US-Airlines sollen mit 33 Milliarden Dollar unterstützt werden

Zu den größten Gewinnern an der Wall Street gehörten erneut Touristik- und Freizeit-Werte, die in den vergangenen Wochen besonders große Kursverluste hinnehmen mussten. So gewannen die Aktien der Hotelketten Marriott und Hilton Börsen-Chart zeigen bis zu 7,7 Prozent. Online-Reisebüros wie Expedia Börsen-Chart zeigen oder Booking.com gewannen zwischen 8 und 11 Prozent. Fluggesellschaften wie American Airlines, Delta Airlines Börsen-Chart zeigen und United legten sogar bis zu 16 Prozent zu. Für sie legt die US-Regierung Insidern zufolge ein bis zu 33 Milliarden Dollar schweres Hilfspaket auf.

Die Titel von Boeing Börsen-Chart zeigen sprangen 24 Prozent in die Höhe. Insidern zufolge will der Airbus-Rivale die Produktion seines Unglücksfliegers 737 MAX im Mai wieder aufnehmen.

Die Papiere von Cytosorbents verbuchten einen Kurssprung von 29 Prozent. Italien und Panama empfehlen die Blutreinigungstherapie CytoSorb der Medizintechnikfirma zur Behandlung von Coronavirus-Patienten. Die Entwicklung eines Corona-Testkits bescherte den US-Aktien der chinesischen Firma Happiness Biotech ein Rekord-Kursplus von rund 40 Prozent.

Gewinne im Dax bröckelten ebenfalls

Der deutsche Aktienmarkt hat nach dem Kursprung am Dienstag weiter zugelegt. Allerdings verlief der Handel am Mittwoch nervös: So war der Leitindex Dax Börsen-Chart zeigen zunächst bis auf knapp 10.138 Punkte in die Höhe geschnellt, bevor er schnell wegen Gewinnmitnahmen unter Druck geriet und ins Minus rutschte. Am Ende jedoch berappelte sich das Börsenbarometer wieder und schaffte ein Plus von 1,79 Prozent auf 9874,26 Punkte. Gleichwohl beläuft sich der Verlust des Dax seit Beginn des Börsen-Crashs auf mehr als ein Viertel. Der MDax Börsen-Chart zeigen der mittelgroßen Werte zog am Mittwoch um 2,87 Prozent auf 20.762,04 Punkte an.


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Eon mit zweistelligen Gewinnen

Die Aktien von Eon Börsen-Chart zeigenkletterten nach der Präsentation von Geschäftszahlen um 6,5 Prozent nach oben und zählten damit zu den Favoriten im Dax. Ein Händler sprach von einem soliden Bericht und Ausblick des Versorgers sowie zuversichtlich stimmenden Aussagen zur Dividende.

An der Dax-Spitze erholten sich die Papiere des Triebwerkherstellers MTU Aero Engines Börsen-Chart zeigenmit einem Plus von knapp 14 Prozent ein wenig von ihren zuletzt herben Verlusten.

Die Anteile des Sportartikelherstellers Adidas Börsen-Chart zeigenreagierten mit einem Aufschlag von rund 8 Prozent auf die jüngsten Zahlen von Nike Börsen-Chart zeigen. Die Puma-Papiere Börsen-Chart zeigengewannen an der MDax-Spitze gut 13 Prozent. Der US-Wettbewerber hatte im vergangenen Geschäftsquartal trotz erster Belastungen durch die Corona-Krise deutlich mehr Umsatz gemacht.

Die Aktien von Lufthansa Börsen-Chart zeigenbüßten am Dax-Ende mehr als 3 Prozent ein. Die US-Bank Citigroup hatte ihr Kursziel von 10,00 auf 0,50 Euro fast komplett zusammengestrichen. Bei den meisten europäischen Airlines seien staatliche Interventionen angesichts der durch die Corona-Pandemie ausgelösten Luftfahrt-Krise kaum zu vermeiden, schrieb Analyst Mark Manduca. Lufthansa brauche trotz ambitionierter Senkung der Fixkosten wohl eine Kapitalspritze entsprechend der Marktkapitalisierung.

Sixt Börsen-Chart zeigenhatte seine jüngste Prognose bekräftigt. Mit Einsparungen und verkleinerter Flotte will der Autovermieter die Corona-Folgen eindämmen. Die Aktien schnellten an der Spitze des Nebenwerte-Index SDax Börsen-Chart zeigenum mehr als ein Viertel nach oben.

Die Anteile des auf Tierbedarf spezialisierten Onlinehändlers Zooplus brachen nach Zahlenvorlage und einer vorsichtigen Prognose am Index-Ende um rund 17 Prozent ein.

Europaweit waren die Anleger noch etwas optimistischer als in Deutschland: Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 Börsen-Chart zeigenzog um 3,13 Prozent auf 2800,14 Punkte an. Ein wenig kräftiger stiegen der Pariser Cac 40 und der Londoner FTSE 100 Börsen-Chart zeigen.

Am Anleihemarkt stieg die Umlaufrendite von minus 0,40 Prozent am Vortag auf minus 0,33 Prozent. Der Rentenindex Rex fiel um 0,34 Prozent auf 143,98 Punkte. Der Bund-Future verlor 0,56 Prozent auf 169,50 Zähler.


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Euro kaum verändert

Der Euro-Kurs Börsen-Chart zeigen hat sich am Mittwoch wenig verändert. Am Nachmittag wurde die Gemeinschaftswährung mit 1,0802 US-Dollar gehandelt. Sie notierte damit etwas höher als im frühen Handel. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,0827 (Dienstag: 1,0843) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,9236 (0,9223) Euro.

Nach dem Beschluss des billionenschweren Konjunkturpaket in den USA geriet der Dollar zum Euro etwas unter Druck. Zeitweise stieg der Euro-Kurs bis auf 1,0850 Dollar.

Im Tagesverlauf gab der Euro seine zeitweisen Gewinne wieder ab. Ein Dämpfer war auch der Rekordeinbruch beim Ifo-Geschäftsklima. Das wichtigste deutsche Konjunkturbarometer verzeichnete den stärksten Rückgang seit der deutschen Wiedervereinigung und den niedrigsten Wert seit Juli 2009. "Die deutsche Wirtschaft steht unter Schock", erklärte Ifo-Präsident Clemens Fuest.

Und es könnte noch schlimmer kommen. "Die volle Wucht der staatlichen Schutz- und Abwehrmaßnahmen, im Zuge derer es mittlerweile zu einem weitgehenden Stillstand des öffentlichen Lebens gekommen ist, dürfte beim Geschäftsklima erst im April-Ergebnis enthalten sein", erwartet Chefvolkswirt Alexander Krüger vom Bankhaus Lampe. "Das vom Geschäftsklima bereits heute ausgehende klare Rezessionssignal ertönt dann noch lauter."

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,91503 (0,92100) britische Pfund, 120,67 (119,99) japanische Yen und 1,0602 (1,0572) Schweizer Franken fest. Die Feinunze Gold (31,1 Gramm) wurde am Nachmittag in London mit 1609 Dollar gehandelt. Das waren rund 23 Dollar weniger als am Vortag.

mit Nachrichtenagenturen

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