Mittwoch, 8. April 2020

Börse Massive Fed-Hilfen verpuffen - Dow und Dax tief im Minus

Ermüdung an der Wall Street: Am Montag ging es mit den Indizes zunächst steil bergab, dann wieder deutlich nach oben und nach Börsenschluss in Europa erneut abwärts
Michael Nagle / XinHua / dpa
Ermüdung an der Wall Street: Am Montag ging es mit den Indizes zunächst steil bergab, dann wieder deutlich nach oben und nach Börsenschluss in Europa erneut abwärts

Der Dax schließt am Montag rund 2 Prozent schwächer. An der New Yorker Wall Street schwanken die Kurse stark. Der Dow Jones kann seine Verluste nur vorübergehend reduzieren und stürzt dann wieder deutlich unter die Marke von 19.000 Punkten.

Die Ankündigung weiterer massiver Hilfen der US-Notenbank (Fed) hat Verluste an den Aktienmärkten zum Wochenauftakt nicht verhindern können. Der Dax Börsen-Chart zeigen gab 2,1 Prozent nach auf 8738 Punkte, der EuroStoxx 50 Börsen-Chart zeigen sank um 2,9 Prozent auf 2475 Zähler. Der MDax sank am Montag um 3,50 Prozent auf 18.837 Punkte.

In New York tauchten die Indizes in einem stark schwankenden Handel zuletzt wieder tief ins Minus. Der Leitindex Dow Jones Börsen-Chart zeigen verlor schließlich 3,2 Prozent auf 18.559 Punkte. Er weitete somit die Verluste der bereits sehr schwachen Vorwoche aus und fiel auf den tiefsten Stand seit November 2016.

Nach Zinssenkungen und einem großen Anleihekaufprogramm kündigte die Fed nun an, unbegrenzt Staatsanleihen und bestimmte mit Hypotheken besicherte Wertpapiere zu kaufen. Zudem legt sie mehrere Kreditprogramme auf, mit denen vor allem die Unternehmen und Haushalte gestützt werden sollen.

"Die Fed geht aufs Ganze", sagte Analyst Michael Hewson vom Broker CMC Markets. Mit den Maßnahmen springe die Notenbank aber nicht nur der Wall Street bei, sondern versuche auch den US-Bürgern unmittelbar zu helfen. "Das ist ihr Bazooka-Moment", sagte Russell Price, Chefökonom bei Ameriprise Financial Services in Troy, Michigan. "Aber ganz ehrlich, der Markt wartet jetzt nur noch darauf, dass das Virus seinen Lauf nimmt und einige der Medikamente und anderen Behandlungsmöglichkeiten Ergebnisse zeigen."

Horror-Warnungen zum US-Arbeitsmarkt

Anleger warteten nun auf die erneute Abstimmung im US-Senat über ein billionenschweres Konjunkturpaket. Am Sonntag gab es keine Einigung auf das breit angelegte Hilfspaket, das unter anderem die Unterstützung von besonders hart getroffene Branchen wie der Luftfahrtindustrie vorsieht.

Der Chef der Fed von St. Louis, James Bullard, warnte davor, dass die Arbeitslosigkeit auf 30 Prozent steigen könnte, falls nicht noch mehr steuerliche Maßnahmen ergriffen würden. Goldman Sachs geht mittlerweile für das zweite Quartal von einem Einbruch des realen US-Bruttoinlandsprodukts um knapp ein Viertel aus. Die Morgan-Stanley-Experten rechnen mit dem schwächsten Abschneiden der US-Wirtschaft seit 74 Jahren.

Die angekündigten Maßnahmen der Fed fruchteten jedenfalls bei den Anlegern am Montag vorerst nicht: Der S&P 500 gab 3,6 Prozent nach auf 2222 Zähler, der Technologieindex Nasdaq 100 Börsen-Chart zeigen verlor 1,5 Prozent auf 6778 Punkte.

Energiewerte stark unter Verkaufsdruck

Der Energiesektor litt unter einem Rückgang des Ölpreises, der entsprechende Index gab nach. Mit einem Minus von zehn Prozent gehörten Chevron Börsen-Chart zeigen zu den schwächsten Werten im Dow. Die Aktien des Rivalen Exxon Mobil Börsen-Chart zeigen verloren 5,3 Prozent. Der weltweite wirtschaftliche Stillstand lässt die Nachfrage nach Treibstoffen einbrechen. Die entsprechenden Preise sackten in den USA um ein Fünftel ab. Dem Ölmarkt macht zudem der Preiskrieg zwischen Russland und Saudi-Arabien zu schaffen. Das Überangebot ist so groß, dass die Aufsichtsbehörden in Texas erstmals seit fast 50 Jahren überlegen, die Produktion zu drosseln.

In dem erneut schwachen Aktienmarkt hielten sich die Papiere von Boeing Börsen-Chart zeigen nach dem jüngsten Kurseinbruch mit einem Plus von 13 Prozent sehr gut, sie lagen an der Spitze des Dow. Die Investmentbank Goldman Sachs hat die Aktien zum Kauf empfohlen. Die Furcht vor den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie sei nun substantiell in den Kurs eingearbeitet, schrieb Analyst Noah Poponak. Sollte die Krise erst einmal überwunden sein, würden Flugreisen wieder so populär wie zuvor.

Der Mischkonzern 3M will die Produktion von Atemschutzmasken vom Typ N95 innerhalb eines Jahres auf zwei Milliarden Stück verdoppeln. In den USA werden diese vielerorts knapp. Das half dem Aktienkurs jedoch nicht, der um 6 Prozent abrutschte.


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Krisenwährung Gold einmal mehr gefragt

Viele Anleger suchten ihr Heil in als sicher geltenden Anlagen, Gold Börsen-Chart zeigenverteuerte sich um bis zu 3,6 Prozent auf 1551,05 Dollar je Feinunze (31 Gramm). Die Rendite der US-Staatsanleihen sank auf bis zu 0,692 Prozent.

"Die USA drohen nach Europa nun zum neuen Epizentrum der Corona-Pandemie zu werden", sagte Jochen Stanzl, Chef-Marktanalyst vom Brokerhaus CMC Markets. Im Vergleich zu seinen US-Pendants habe sich der Dax zuletzt besser entwickelt. "Offenbar wird an der Börse die Reaktion auf die wirtschaftlichen Bedrohungen durch das Coronavirus in Deutschland besser bewertet als die Maßnahmen der US-Regierung."

Um die wirtschaftlichen Folgen der Virus-Krise einzugrenzen, beschloss die Bundesregierung am Montag ein riesiges Paket an Wirtschaftshilfen. Wegen der Pandemie steht in großen Teilen Europas das öffentliche und wirtschaftliche Leben still. Das lastet auf den Aktien von Reiseunternehmen, Bergbaufirmen und Industriefirmen.

Ifo: Krise könnte in Deutschland bis zu eine Million Jobs kosten

Das Ifo-Institut erwartet die Kosten der Virus-Krise in Deutschland bei bis zu mehr als einer halben Billion Euro. Zudem könnte die Krise mehr als eine Million Jobs kosten. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) rechnet zugleich mit einem Konjunktureinbruch wie während der Finanz- und Bankenkrise 2009. Damals ging das Bruttoinlandsprodukt um 5,7 Prozent zurück.

Unternehmensseitig sehen sich immer mehr Konzerne gezwungen, ihre Jahresziele wegen der Pandemie zu streichen. Unter ihnen befindet sich auch MTU Aero Engines Börsen-Chart zeigen, dessen Aktien am Dax-Ende erneut sehr stark verloren mit mehr als 15 Prozent. Der Triebwerksbauer setzt nun die Produktion an einigen europäischen Standorten für mehrere Wochen aus.


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Unternehmen streichen ihre Prognosen zusammen

Der Luftfahrt- und Rüstungskonzern Airbus Börsen-Chart zeigennahm seine Jahresziele ebenfalls zurück, stockte zugleich aber seine Finanzmittel mit einem milliardenschweren Kredit auf. Die Aktie schwankte am Montag sehr stark. Nach einem kurzen Ausflug ins Plus verbuchte sie am Ende ein Minus von mehr als 13 Prozent.

Deutliche Gewinne von fast fünfeinhalb Prozent verbuchten die neu in den MDax aufgenommenen Papiere von Hellofresh. Die Aktie des Kochboxenlieferanten sei eine "Bleib-zuhause"-Aktie, wie Barclays-Analyst Julien Roch schrieb.

Im SDax Börsen-Chart zeigenwaren die Aktien des Online-Händlers für Tierbedarf Zooplus mit einem Plus von mehr als 10 Prozent der beste Wert. Die Titel des Baudienstleisters Bilfinger Börsen-Chart zeigenrutschten dagegen um mehr als 10 Prozent ab.

Am Rentenmarkt fiel die Umlaufrendite von minus 0,32 Prozent am Freitag auf minus 0,43 Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,54 Prozent auf 144,55 Punkte. Der Bund-Future gewann 0,38 Prozent auf 171,27 Zähler.

Der Eurokurs kostete zuletzt 1,0753 US-Dollar. In der vergangenen Nacht war er noch zeitweise bis auf 1,0636 Dollar und damit auf den tiefsten Stand seit drei Jahren gefallen. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs am Nachmittag auf 1,0783 (Freitag: 1,0707) US-Dollar fest gesetzt und der Dollar damit 0,9274 (0,9340) Euro gekostet.

mit Nachrichtenagenturen

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