Mittwoch, 8. April 2020

Börse Dow Jones knickt erneut ein - Ausgangssperren in New York und Kalifornien

Kursrutsch an der Börse

Der Deutsche Aktienindex hat am Freitag zeitweise die Schwelle von 9000 Punkten wieder überschritten. Bis zum Börsenschluss bröckeln die Gewinne jedoch etwas ab. Die Wall Street beendete ihre schlechteste Woche seit 2008.

Der deutsche Aktienmarkt hat sich zum Wochenschluss weiter stabilisiert. Allerdings bröckelten die Gewinne am Freitag im Handelsverlauf wieder ab: War der deutsche Leitindex Dax Börsen-Chart zeigen zur Eröffnung noch um fast 7 Prozent gestiegen, so ging er letztlich mit einem Plus von 3,7 Prozent auf 8928 Punkte ins Wochenende. Für die vergangenen fünf Handelstage ergibt sich immer noch ein Verlust von 3,3 Prozent.

In den USA rutschte der Dow Jones Börsen-Chart zeigen derweil erneut deutlich ins Minus - die Berichte über deutlich steigende Infektionszahlen in den Staaten New York und Kalifornien sowie die drastischen Maßnahmen wie Quarantäne und Ausgangssperren in den beiden Staaten verunsichern Anleger.

Der Dow Jones Industrial schloss mit einem Abschlag von 4,55 Prozent bei 19 173,98 Punkten und damit auf dem tiefsten Stand seit November 2016. Daraus resultierte für den US-Leitindex ein Wochenminus von mehr als 17 Prozent - der höchste Wochenverlust seit dem Jahr 2008. Dabei hatte der und damit auf dem tiefsten Stand seit November 2016. Daraus resultierte für den US-Leitindex ein Wochenminus von mehr als 17 Prozent - der höchste Wochenverlust seit dem Jahr 2008. Dabei hatte der Dow im frühen Handel noch um über 2 Prozent zugelegt.

Der marktbreite S&P 500 ging mit einem Rückschlag von 4,34 Prozent bei 2304,92 Punkten ins Wochenende. Die Wochenbilanz von minus 15 Prozent ist ähnlich verheerend und der höchste Wochenverlust seit 2008. Der technologielastige Nasdaq 100 sackte am Freitag um 4,04 Prozent auf 6994,29 Punkte ab.

Den rapiden Sinkflug der Leitindizes im späten Handelsverlauf begründeten Börsianer mit Spekulationen, wonach das Clearing-Unternehmen Ronin Capital nicht mehr imstande sei, seinen Kapitalanforderungen gerecht zu werden. Zudem belasteten neben den Auswirkungen der Corona-Krise auf das tägliche Leben in den USA auch der erneut fallende Ölpreis und der anziehende US-Dollar.

Die in den vergangenen Tagen mit am stärksten gebeutelten Aktien von Fluggesellschaften setzten am Freitag zu einer Erholung an. American Airlines stiegen um knapp 1 Prozent und United Airlines gar um gut 15 Prozent.

Massive Hilfen der Zentralbanken

Die Zentralbanken fluteten die Finanzmärkte mit billigem Geld, sagte Naeem Aslam, Chef-Marktanalyst des Brokerhauses AvaTrade. "Zusätzlich sehen wir flankierende fiskalpolitische Hilfen der Regierungen." Zur Wiederherstellung der Zuversicht sei dies unabdingbar. Zwar werde sich die Gesundheitskrise in den USA und Europa sicher noch verschärfen, bevor sie sich entspanne. "Für Investoren mit einem größeren Risikoappetit ist die aktuelle Lage aber eine Einstiegschance."

Den Anleihemarkt beflügelte das 750 Milliarden Euro schwere zusätzliche Ankaufprogramm der Europäischen Zentralbank (EZB). Investoren griffen vor allem bei italienischen Papiieren zu, die in den vergangenen Wochen unter die Räder gekommen waren. Italien beklagt mehr Corona-Tote als das bevölkerungsreichere China, dem Ursprung der Pandemie.

Wall Street: Dow Jones knickt ein - Sorgen um New York und Kalifornien

Nach der Stabilisierung am Vortag starteten Dow Jones Börsen-Chart zeigen und Nasdaq Stock Market Börsen-Chart zeigen am Freitag zunächst einen Stabilisierungsversuch. Für Unsicherheit sorgten aber Nachrichten aus Kalifornien und New York: In den beiden Bundesstaaten wird die Bewegungsfreiheit von insgesamt 60 Millionen Bürgern drastisch eingeschränkt.

In der Corona-Krise hat Gouverneur Andrew Cuomo die bislang weitgehendsten Maßnahmen für den Bundesstaat New York erlassen. Alle "nicht-überlebenswichtigen" Firmen dürfen ihre Mitarbeiter nur noch von zu Hause aus arbeiten lassen und die rund 19 Millionen Bewohner des Bundesstaates sollen soweit wie möglich zu Hause bleiben, sagte Cuomo am Freitag bei einer Pressekonferenz. Damit sei der Bundesstaat "in Pause". "Diese Vorgaben werden durchgesetzt. Das sind nicht nur hilfreiche Tipps." Nach deutlich mehr durchgeführten Tests waren zuvor die Fallzahlen im Bundesstaat New York auf rund 7000 in die Höhe geschnellt. Zuvor hatte der Gouverneur von Kalifornien Ausgangssperren erlassen.

Genmark mit Kurssprung von 30 Prozent

Das Aussetzen des geplanten Aktienrückkauf-Programmes brockte dem US-Telekommunikationskonzern AT&T ein Minus von mehr als sieben Prozent ein. Die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie für das Unternehmen seien weiter ungewiss, teilte der Konzern mit. Rasant aufwärts ging es hingegen für Genmark mit einem Kurssprung um 30 Prozent. Die US-Notfallzulassung eines Coronavirus-Tests löste einen Run auf die Titel aus.

Die Aussicht auf den Einsatz eines Malaria-Mittels zur Bekämpfung des Coronavirus bescherte dem Hersteller Mylan ein Plus von mehr als fünf Prozent. Der Pharmafirma zufolge ist das Medikament zwar noch nicht zum Einsatz gegen den Erreger Covid-19 zugelassen, die Weltgesundheitsorganisation WHO betrachte die Arznei als Kandidaten hierfür. Die Produktion des Mittels werde hochgefahren.

Siemens und Allianz im Dax mit Erholungsversuch

Zu den größten Gewinnern im Dax zählten mit einem Plus von 7 Prozent die Aktien von Siemens Börsen-Chart zeigen. Konzernchef Joe Kaeser zeigte sich zuversichtlich, gut und robust durch die Pandemie des neuartigen Coronavirus zu kommen.

In einem erholten Gesamtmarkt setzten sich die Aktien der Allianz am Freitagvormittag an die Spitze des Dax. Sie stiegen um fast 13 Prozent auf 138,00 Euro. Damit beläuft sich der Verlust seit Beginn des Börsen-Crashs jedoch noch immer auf fast 40 Prozent. Munich Re erholten sich um knapp fünf Prozent auf 170,45 Euro.

Für Aufsehen sorgte die Osram-Aktie Börsen-Chart zeigen mit einer Rally von 23,6 Prozent. Der österreichische Sensorhersteller AMS hat trotz des Kursverfalls seiner Aktien die Pläne für den Kauf des deutschen Lichtkonzerns bekräftigt. An der Börse war zuletzt auf ein Scheitern des Deals spekuliert worden, nun machte sich Erleichterung breit.

Kaufempfehlungen der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen und der Societe Generale trieben den Kurs von Rheinmetall Börsen-Chart zeigen um 14,6 Prozent nach oben. Nach einem Kurseinbruch von fast 60 Prozent in vier Wochen erholten sich Airbus-Aktien Börsen-Chart zeigen um 16 Prozent.

Der Solar- und Windparkbetreiber Encavis rechnet nicht mit größeren Auswirkungen des Coronavirus. Der Kurs der Aktie setzte sich mit einem Plus von 17,4 Prozent an die Spitze des SDax der Nebenwerte. Der Werbevermarkter Ströer zeigte sich zuversichtlich für das kommende Jahr, Anleger honorierten dies mit einem Kursaufschlag von 6,5 Prozent.

Die Container-Reederei Hapag-Lloyd wagt trotz der Verwerfungen durch die Corona-Pandemie eine Gewinnprognose für das laufende Jahr. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) soll zwischen einer halben und einer Milliarde Euro liegen, kündigte das Unternehmen am Freitag bei der Bilanzvorlage in Hamburg an. Die Prognose für die Geschäftsentwicklung sei daher mit "erheblich höheren Unsicherheiten" behaftet als üblich. An der Börse wurden die Nachrichten positiv aufgenommen. Am Morgen legte die Hapag-Lloyd-Aktie um 10,8 Prozent auf 72,00 Euro zu.

Der Hamburger Hafenbetreiber HHLA stellt sich wegen der Coronavirus-Pandemie auf einen herben Geschäftsrückgang ein. Eine zuverlässige Prognose sei bisher nicht möglich, teilte das im SDax gelistete Unternehmen am Freitag in Hamburg mit. Der Vorstand erwartet jedoch, dass Umsatz und operatives Ergebnis (Ebit) im laufenden Jahr "stark unter den im Vorjahr erreichten Werten" liegen werden. An der Börse wurden die Nachrichten nach dem Kursrutsch der vorangegangenen Wochen positiv aufgenommen. Die HHLA-Aktie legte am Morgen um 10,1 Prozent auf 11,73 Euro zu.

Aktien von AB Inbev haben mit 11,9 Prozent Kursaufschlag am Vormittag zu den stärksten europäischen Standardwerten gehört. Der Wert hat sich mit über 39 Euro wieder merklich von dem Jahrestief bei rund 29 Euro distanziert. Im Juli vergangenen Jahres hatte sie allerdings noch bei über 90 Euro gelegen.

Ölpreise setzen Erholung fort

Die Ölpreise haben am Freitag ihre Erholung vom Vortag vorerst fortgesetzt. Die Notmaßnahmen führender Notenbanken im Kampf gegen die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise vom Vortag wirkten weiter stützend auf die Kursentwicklung. Am Morgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 29,14 Dollar. Das waren 67 Cent mehr als am Vortag. Der Preis für ein Barrel der amerikanischen Sorte WTI stieg um 82 Cent auf 26,04 Dollar.

Nachdem die Ölpreise in den vergangenen Tagen im Zuge der Coronavirus-Krise und des Preiskriegs führender Ölförderländer auf ein Tief seit 18 Jahren gesackt waren, hat seit der Wochenmitte eine Erholung eingesetzt. Im frühen Freitagshandel konnte der US-Ölpreis zeitweise um bis zu 5,7 Prozent zulegen, nachdem es am Vortag in der Spitze einen Rekordanstieg auf Tagessicht um 21 Prozent gegeben hatte.

Euro erholt sich etwas vom Dreijahrestief

Gestützt durch einen etwas schwächeren Dollar Börsen-Chart zeigen hat sich der Eurokurs in der Nacht auf Freitag leicht erholt. Im frühen Handel legte die Gemeinschaftswährung wieder auf 1,0753 Dollar zu und konnte somit die Talsohle vom Vortag hinter sich lassen: Mit 1,0653 Dollar kostete der Euro zwischenzeitlich so wenig wie zuletzt vor etwa drei Jahren. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Donnerstag auf 1,0801 Dollar festgesetzt.

dpa/dpa-afx/rtr

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