Samstag, 23. November 2019

Börse Brexit-Hoffnung schiebt Dax auf Jahreshoch

Es tut sich offenbar was: Brexit-Hoffnungen haben den Dax am Dienstag auf ein Jahreshoch gedrückt
DPA/Francisco Seco
Es tut sich offenbar was: Brexit-Hoffnungen haben den Dax am Dienstag auf ein Jahreshoch gedrückt

Hoffnungen auf Fortschritte beim Brexit haben den Dax am Dienstag ein Jahreshoch erklimmen lassen. Abgeschlagen am Index-Ende fand sich indes Wirecard wieder - nach einem erneut kritischen Bericht der "Financial Times".

Anleger haben am Dienstag am deutschen Aktienmarkt weiter auf Fortschritte bei den derzeit marktbeherrschenden Konflikten gehofft. Sowohl im US-chinesischen Handelsstreit als auch beim Brexit machte sich weiter Optimismus breit.

Der Dax Börsen-Chart zeigen baute seine Gewinne aus und schaffte es am Nachmittag in der Spitze mit 12.682 Punkten auf den höchsten Stand seit August 2018. Über die Ziellinie ging er schließlich 1,15 Prozent höher bei 12 629,79 Zählern. Der MDax Börsen-Chart zeigen mit den mittelgroßen deutschen Werten stieg um 1,09 Prozent auf 25 917,99 Punkte.

Am Morgen schon waren Anleger optimistisch gewesen, was die Verhandlungen über ein Handelsabkommen zwischen China und den USA angeht. Dabei reichte es laut Marktanalyst Milan Cutkovic von AxiTrader, dass kurzfristig keine weitere Eskalation zu befürchten ist, um "die Anleger in Kauflaune zu halten".

Später kam dann die Spekulation über einen sich anbahnenden Ausweg aus der Brexit-Misere stützend hinzu. "Ein Abkommen scheint mittlerweile in greifbarer Nähe", sagte der Linken-Europaabgeordnete Martin Schirdewan nach einer Unterrichtung durch EU-Unterhändler Michel Barnier.

Wirecard mit massiven Kursverlusten

Die Wirecard-Aktien Börsen-Chart zeigen brachen nach erneuten Vorwürfen der "Financial Times" hinsichtlich der Geschäftspraktiken des Zahlungsabwicklers zeitweise um mehr als ein Fünftel auf den tiefsten Stand seit April ein. Um 17.30 notierten sie mit einem Kursabschlag von etwa 12,8 Prozent. Die "FT" hatte sich in der Vergangenheit bereits mehrfach kritisch geäußert, was den Aktienkurs immer wieder belastet hatte. Wirecard weist die neuen Vorwürfe derweil entschieden zurück.

Der Kochboxenversender Hellofresh wird für das laufende Jahr zuversichtlicher. Sowohl beim Betriebsgewinn als auch beim Umsatz erwartet das Unternehmen jetzt mehr als zuletzt. Grund für den zunehmenden Optimismus ist das dritte Quartal, das besser lief als erwartet. "Eine erneut starke Vorstellung des Unternehmens", kommentierte ein Händler das Zahlenwerk. Analyst Robert Berg von der Privatbank Berenberg schrieb, Hellofresh habe einmal mehr herausragend abgeschnitten. Sein Kollege Marcus Diebel von JPMorgan erhöhte sein Kursziel von 18 auf 20 Euro. Die Aktien schnellten um mehr als 23 Prozent nach oben und erklommen ein Rekordhoch bei 16,90 Euro.

Dagegen enttäuschte der Stahlhändler Klöckner & Co. Börsen-Chart zeigen mit einer erneuten Gewinnwarnung. Klöckner begründete den Pessimismus mit einem schwachen vorläufigen Quartalsergebnis. Nach der dritten Gewinnwarnung des Stahlhändlers in diesem Jahr könnte der Markt die Klöckner-Aktie nun als "hoffnungslosen Fall" ansehen, fürchtete ein Händler am Morgen. Die Klöckner-Papiere sackten zwischenzeitlich um mehr als 16 Prozent ab.


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Ermutigende Firmenbilanzen haben Anleger am Dienstag in US-Aktien gelockt. Der Dow Jones der Standardwerte legte bis zum frühen Nachmittag in New York um ein Prozent auf 27.053 Punkte zu. Der breiter gefasste S&P rückte um 1,1 Prozent auf 2998 Stellen vor. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verbesserte sich um 1,2 Prozent auf 8147 Zähler.

Bei den Unternehmen standen die Großbanken im Rampenlicht, die mit ihren Geschäftszahlen die heiße Phase der Bilanzsaison einläuteten. So steigerte JPMorgan den Quartalsgewinn überraschend stark. Die Titel des Geldhauses stiegen um 4,1 Prozent. Goldman Sachs dagegen sorgte mit seinem Zwischenbericht für Enttäuschung. Die Aktie ließ deshalb 0,2 Prozent Federn. Obwohl Wells Fargo wegen hoher Kosten durch Rechtsstreitigkeiten einen Gewinneinbruch verbuchte, verteuerten sich die Papiere des Instituts um 3,8 Prozent. Die Papiere der Citigroup drehten nach Vorlage der Quartalszahlen 2,1 Prozent ins Plus.

Dank des Erfolgs von Krebsmitteln übertraf der Gewinn von Johnson & Johnson die Markterwartungen. Auf dieser Basis hob der Pharma- und Konsumgüterkonzern die Gesamtjahresziele an. Seine Aktien legten 2,2 Prozent zu.

Auch UnitedHealth äußerte sich nach einem überzeugenden Quartalsergebnis optimistischer zu den Aussichten für das Gesamtjahr. Der Kurs des Krankenversicherers zog 7,1 Prozent an.

Euro und Pfund legen zu

Der Euro und das britische Pfund haben am Dienstag deutlich zugelegt. Spekulationen über Fortschritte bei den Brexit-Verhandlungen stützten beide Währungen. Am späten Nachmittag kostete die europäische Gemeinschaftswährung 1,1041 US-Dollar. Zuvor war der Euro noch unter die Marke von 1,10 Dollar gefallen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1007 (Montag: 1,1031) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,9085 (0,9065) Euro.

Stärker noch als der Euro profitierte das britische Pfund von den Meldungen. Es stieg auf ein Tageshoch von 1,28 US-Dollar. Am Mittag hatte es noch knapp über 1,26 Dollar notiert.

Die Ölpreise haben am Dienstag ihre Kursverluste vom Wochenstart ausgeweitet. Im frühen Handel kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent Oil Spot Börsen-Chart zeigen 58,84 US-Dollar. Das waren 51 Cent weniger als am Montag. Der Preis für ein Barrel der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel um 44 Cent auf 53,15 Dollar.

Am Rohölmarkt ist die Skepsis groß, dass sich die USA und China tatsächlich auf eine umfassende Lösung ihres Handelskonflikts verständigen können. Untermauert werden derartige Zweifel durch Medienberichte, wonach China weitere Gespräche mit den USA wünscht, bevor das von US-Präsident Donald Trump bereits als Durchbruch verkaufte Teilabkommen unterzeichnet werden könne.

Argumentiert wird zudem, dass selbst im Falle einer Einigung die Nachfrage nach Erdöl gedämpft bleiben dürfte. So hatte unlängst die Internationale Energieagentur IEA ihre Prognose für die Erdölnachfrage reduziert. Als ein wichtiger Grund gilt die generelle Verlangsamung der Weltwirtschaft, was nicht ausschließlich auf den US-chinesischen Handelskonflikt zurückzuführen ist.

mit Nachrichtenagenturen

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