Kursrally an der Börse Dax schließt klar im Plus - über 200-Tage-Linie

Der Dax steigt über die Marke von 11.700 Punkten. Zeitweise notiert der deutsche Leitindex über der für den weiteren Verlauf wichtigen 200-Tage-Linie. Die Aktie von Wirecard gibt gegen den Trend nach.
Dax-Fieberkurve in Frankfurt: Der Dax setzt seine Aufholjagd fort

Dax-Fieberkurve in Frankfurt: Der Dax setzt seine Aufholjagd fort

Foto: DPA

Die Kursrally setzt sich fort: Nach dem starken Wochenauftakt hat der deutsche Leitindex Dax (Kurswerte anzeigen) am Dienstag seine Gewinne erneut ausgebaut und ist über die Marke von 11.700 Punkten geklettert. Zum Handelsschluss notierte der Index bei 11.755 Zählern und damit oberhalb der charttechnisch wichtigen 200-Tage-Linie, die bei 11.720 Punkten verläuft. Gelingt der Ausbruch über diese Marke, wäre dies ein wichtiges Kaufsignal.

Zu den Gewinnern im Dax gehörten erneut die Autowerte BMW , Daimler , Continental  und Volkswagen Vz. , aber auch Adidas  und Siemens  legten weiter zu. Gegen den Trend gab die Aktie des Zahlungsdienstleisters Wirecard  erneut nach und fiel unter die Marke von 110 Euro.

Wall Street startet kaum verändert

In New York sind Dow Jones  und Nasdaq Stock 100  am Nachmittag kaum verändert in den Handel gestartet. Die Erholung der US-Aktien setzt sich fort, nachdem der marktbreite S&P 500 Index im ersten Quartal des Jahres den stärksten Gewinn seit 21 Jahren verbucht hatte. Auch in Asien haben die meisten Indizes ihre Erholung fortgesetzt, viele Indizes notieren inzwischen auf dem höchsten Niveau seit 7 Monaten.

Der Dow Jones  hatte am Montag bei 26.258 Punkten geschlossen - nicht mehr weit von seinem Allzeithoch von 26.951,81 vom Oktober 2018 entfernt. Seit dem Tief vor Weihnachten 2018 hat der Index damit um mehr als 20 Prozent zugelegt. Es sind vor allem neue Hoffnungen auf eine Lösung im Zollstreit zwischen den USA und China, die die Börsen antreiben.

Nach Abspaltung: Börsendebütant Dow legt deutlich zu

Bei den Unternehmen stand Börsen-Debütant Dow im Rampenlicht. Die Aktien der Abspaltung des Chemie-Konzerns DowDuPont stiegen um 3,7 Prozent auf 55,50 Dollar. DowDuPont, 2017 aus der 130 Milliarden Dollar schweren Fusion von Dow Chemical und DuPont hervorgegangen, will sich in drei Unternehmen - Dow, DuPont und Corteva Agriscience - aufteilen.

Bitcoin-Phantasie beflügelt Riot und DPW

Die Titel von Marathon, Riot und DPW schossen bis zu 45 Prozent in die Höhe. Diese Firmen befassen sich mit der Blockchain-Technologie, auf der Kryptowährungen wie Bitcoin befassen. Sie profitierten Börsianern zufolge vom wieder aufgeflammten Interesse an Cyber-Devisen. Der Bitcoin-Kurs stieg zeitweise um etwa 23 Prozent auf 5079,80 Dollar - so stark wie zuletzt vor einem Jahr.

Brexit-Drama geht weiter

Das Parlament in Großbritannien erteilte am Montag erneut allen Alternativen zu dem von Premierministerin Theresa May mit der EU ausgehandelten Brexit-Vertrag eine Absage. Weder der Verbleib in einer Zollunion mit der EU nach dem Brexit, die weitere Mitgliedschaft im EU-Binnenmarkt noch der Vorschlag für ein zweites Referendum fanden genügend Zustimmung. Ein "No Deal", also ein ungeregelter EU-Ausstieg der Briten, bleibe hinreichend wahrscheinlich und könne womöglich erst in letzter Sekunde vermieden werden, sagte Devisenanalyst Ulrich Leuchtmann von der Commerzbank. "Bis dahin bleibt das Pfund eine Währung, von der alle, die nicht stahlharte Nerven haben, lieber die Finger lassen sollten." Volkswirte warnen davor, ein chaotischer Brexit könne fatale Folgen für die Wirtschaft der Euro-Zone und Großbritanniens haben.

Die Augen auf sich zog die Kryptowährung Bitcoin (Kurswerte anzeigen) mit einem Kursgewinn von bis zu 23 Prozent. Erstmals seit November knackte der Kurs der größten und bekanntesten Cyberdevise an der Börse Bitstamp die Marke von 5000 Dollar, bröckelte danach aber wieder etwas ab. Auch die Kurse anderer Kryptowährungen legten deutlich zu. Ein Grund für die stärkere Nachfrage nach den digitalen Münzen war allerdings nicht erkennbar.

Neuer Schwung in die Kurse könnte am frühen Nachmittag kommen. Dann werden in den USA die Auftragseingänge für langlebige Wirtschaftsgüter veröffentlicht. "Die Erwartungen sollten aber nicht zu hoch gesteckt werden", sagte Volkswirt Ralf Umlauf von der Helaba. Vor allem beim Flugzeughersteller Boeing  seien die Aufträge im Februar schwach gewesen, so dass der gesamte Auftragseingang deutlich zurückgegangen sein könnte.


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Bei den Unternehmen rückt das Stahl-Gemeinschaftsunternehmen von Thyssenkrupp (Kurswerte anzeigen) und Tata Steel wieder in den Fokus. Die EU-Kommission verlängerte die Prüfungsfrist hierfür dem Vernehmen nach bis zum 5. Juni. Thyssenkrupp-Chef sprach am Vormittag von weitreichenden Zugeständnissen, die die Bedenken der EU-Kommission gegen den Deal ausräumen sollten. Die Thyssenkrupp-Aktie gab dennoch leicht nach.

Anleger verkauften Aktien der Deutschen Post (Kurswerte anzeigen), nachdem die Citigroup die Kaufempfehlung gestrichen hatte. Deutsche Post verloren am Dax-Ende gut zwei Prozent.

Im MDax setzten sich Lanxess (Kurswerte anzeigen) mit einem Aufschlag von 4,4 Prozent an die Spitze, angetrieben von einem positiven Kommentar der Commerzbank.

In den hinteren Börsenreihen erfreute der IT-Leasinganbieter Grenke (Kurswerte anzeigen) mit einem starken Neugeschäft im ersten Quartal. Die Aktien legten um 0,6 Prozent zu.

Abseits der großen Indizes waren Aktien des Biotech-Unternehmens Medigene (Kurswerte anzeigen) mit fast fünf Prozent Kursplus gefragt. Das Unternehmen hatte im Vorfeld eines Medizinerkongresses in den USA weitere positive Erkenntnisse für eine neuartige Krebstherapie veröffentlicht.

Papiere der auf Hautkrankheiten spezialisierten Biofrontera verteuerten sich um fast zehn Prozent. Der japanische Pharmakonzern Maruho will den Anteil an Biofrontera von gut 20 auf knapp 30 Prozent aufstocken.

Euro auf tiefstem Stand seit fast vier Wochen

Der Euro (Kurswerte anzeigen) ist am Dienstag gefallen. Am Vormittag pendelte die Gemeinschaftswährung um die Marke von 1,12 US-Dollar und erreichte bei 1,1190 Dollar den tiefsten Stand seit fast vier Wochen. Zuletzt wurde der Euro wieder etwas höher bei 1,1203 Dollar gehandelt. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Montagnachmittag auf 1,1236 Dollar festgesetzt.

Der Euro wird von der Dollar-Stärke belastet. Am Montag hatte der Dollar nach besser als erwartet ausgefallenen Konjunkturdaten deutlich an Wert gewonnen. So hatte sich die Stimmung in der amerikanischen Industrie im März überraschend stark verbessert.

Devisenexperte Ralf Umlauf von der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) macht auch den nach wie vor ungeklärten Austritt Großbritanniens aus der EU für die Euroschwäche verantwortlich. "Das Brexit-Chaos wirkt tendenziell belastend auf die Gemeinschaftswährung und auch vonseiten der Konjunktur- und Preisdaten gibt es keine Unterstützung", erklärte er.

Ölpreise höher - Brent steigt in Richtung 70 Dollar

Die Ölpreise sind am Dienstag weiter gestiegen. Nach deutlichen Kursgewinnen zum Wochenauftakt legten die Preise am Morgen aber nur noch leicht zu. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent  zeigen kostete zuletzt 69,18 US-Dollar. Das waren 17 Cent mehr als am Vortag. Der Preis für ein Barrel der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um 22 Cent auf 61,81 Dollar.

Seit dem Wochenauftakt sorgen überraschend gute Stimmungsdaten aus der Industrie in China und den USA für steigende Ölpreise. In den größten Volkswirtschaften der Welt waren Kennzahlen zur Stimmung der Einkaufsmanager besser als erwartet ausgefallen. Dies dämpfte am Ölmarkt die Sorge vor einem weiteren Abflauen der Weltwirtschaft und einer geringeren Nachfrage nach Rohöl.

Gestützt werden die Ölpreise auch durch die Entwicklung in Venezuela. In dem Opec-Land sind die Ölexporte zuletzt gesunken. Die Ölindustrie des krisengeschüttelten Landes leidet unter immer wiederkehrenden Stromausfällen und unter den US-Sanktionen gegen Venezuela. Im Tagesverlauf dürfte sich der Fokus stärker auf die Entwicklung der US-Ölreserven richten. Am Abend werden Daten des Interessenverbands American Petroleum Institute (API) zu den amerikanischen Lagerbeständen erwartet.

mit Nachrichtenagenturen
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