Dax legt zu Haushaltsstreit beigelegt - Anleger erleichtert

EU-Kommission in Brüssel: Anleger reagieren erleichtert auf die Einigung zwischen der EU und Italien

EU-Kommission in Brüssel: Anleger reagieren erleichtert auf die Einigung zwischen der EU und Italien

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Die Einigung zwischen der EU und Italien im Haushaltsstreit sorgt bei Anlegern für Erleichterung: Der Dax legte am Mittag 0,53 Prozent auf 10.8111,40 Punkte zu. Der MDax (Kurswerte anzeigen) schaffte es am Mittwoch nach wechselhaftem Start ebenfalls mit 0,39 Prozent ins Plus auf 22.012,39 Punkte. Der europäische EuroStoxx  notierte in ähnlichem Maße über seinem Vortagsniveau wie seine deutschen Indexkollegen.

Über die weitere Tendenz dürfte später die geldpolitische Sitzung der US-Notenbank Fed entscheiden. Am Markt wird zwar verstärkt mit der nächsten Zinsanhebung gerechnet. Ein gewisses Restrisiko scheint es angesichts der jüngsten Konjunkturerwartungen aber zu geben. Laut Marktanalyst Jochen Stanzl von CMC Markets bekommen diejenigen, die zuletzt auf weiter fallende Kurse gesetzt haben, daher "kalte Füße". Eine weitere Zinserhöhung würde Aktien in der Theorie weniger attraktiv machen. Sollte sie kommen, gilt die Frage nach Signalen für das kommende Jahr als entscheidend.

Ob eine Jahresendrally noch möglich ist, sehen Experten weiter skeptisch. Am Vortag schon war der Dax über weite Strecken gestiegen, bevor ihm letztlich wieder die Luft ausging. Laut dem Anlagestrategen Christoph Geyer von der Commerzbank hat der Leitindex damit eine weitere Chance vertan, eine ordentliche Gegenbewegung zu starten. "Von einer Jahresendrallye oder wenigstens einer Weihnachtsrallye kann offenbar nicht mehr ausgegangen werden", so der Experte.

An der Wall Street waren die US-Indizes nach Börsenschluss in Deutschland abgebröckelt. Der Dow Jones (Kurswerte anzeigen) und der Nasdaq (Kurswerte anzeigen) beendeten die Sitzung jeweils 0,4 Prozent höher. Der S&P500 blieb fast unverändert bei 2546,16 Punkten. In Tokio gab der Nikkei -Index  am Mittwoch 0,6 Prozent auf 20.988 Zähler nach. Der chinesische Shanghai Composite fiel um 0,7 Prozent auf 2559 Punkte.


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Auf Unternehmensseite dominierten eher die schlechten Nachrichten. Allen voran geht die Talfahrt bei den bereits rekordtiefen Aktien von Ceconomy (Kurswerte anzeigen) wegen enttäuschender Zahlen mit rasantem Tempo weiter, zumal die leidgeplagten Aktionäre nun auch auf die Dividende verzichten sollen. Die Aktie des Mutterkonzerns der Media-Markt- und Saturn-Märkte brach nochmals um 14 Prozent ein.

Im Dax sackten die Aktien der Deutschen Post (Kurswerte anzeigen) um 4,5 Prozent ab wegen negativer Vorgaben aus den USA. Der Widersacher Fedex hatte wegen des Gegenwinds durch den schwächeren Welthandel seine Jahresprognose gesenkt, was Anleger auch bei dem deutschen Logistiker als schlechtes Zeichen für die Geschäfte ansehen.

Bergab ging es außerdem für Halbleiterwerte nach schlechten Branchennachrichten aus Übersee, darunter Infineon (Kurswerte anzeigen) mit einem Abschlag von 1,7 Prozent. Der US-Speicherchiphersteller Micron  hatte den Markt mit seinem Umsatzausblick enttäuscht. Auch andere mit der Branche verbundene Werte gaben nach, allen voran der Waferhersteller Siltronic mit einem Kursrutsch um 7 Prozent.

Studiengetrieben gab es im Dax aber auch positive Lichtblicke: Fresenius (Kurswerte anzeigen) kletterten wegen einer Kaufempfehlung von Goldman Sachs um 2,5 Prozent und Deutsche Börse erholten sich um 2 Prozent von ihrer jüngsten Kursflaute, nachdem Analyst Jochen Schmitt vom Bankhaus Metzler seine pessimistische Haltung zur Aktie aufgab. Beim Medizinkonzern Fresenius sprach Goldman-Expertin Veronika Dubajova von einer überzeugenden Einstiegsgelegenheit.

Im MDax dominierten Scout24 mit einem 4,6-prozentigen Lauf die Gewinnerliste. Weiteren Auftrieb gab den Aktien zur Wochenmitte anhaltende Übernahmefantasie: Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf Kreise berichtete, sollen weitere Finanzinvestoren ein Auge auf den Online-Portalbetreiber geworfen haben.

Euro leicht höher

Der Euro (Kurswerte anzeigen) ist am Mittwoch gestiegen. Am Mittag kletterte die Gemeinschaftswährung bis auf 1,1414 US-Dollar und kostete damit einen halben Cent mehr als am Vorabend. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Dienstagnachmittag auf 1,1377 Dollar festgesetzt.

Gestützt wurde der Euro durch positive Nachrichten aus Italien. Die EU-Kommission verzichtet auf ein Defizitverfahren gegen Rom im Haushaltsstreit, wie EU-Vizepräsident Valdis Dombrovskis am Mittag mitteilte. Am Morgen waren bereits dahingehende Berichte öffentlich geworden.

Am Abend richten sich die Blicke auf die Zinsentscheidung der Notenbank Fed in den USA. Unter Analysten gilt eine vierte Zinsanhebung als wahrscheinlich. Es wäre die insgesamt neunte seit Beginn der Zinsstraffung Ende 2015.

Da sich der US-Leitzins dem von der Fed als wachstumsneutral bezeichneten Niveau nähert, gehen Fachleute davon aus, dass die Notenbank ihren Straffungskurs im Laufe des kommenden Jahres beenden dürfte. US-Präsident Donald Trump hatte die Fed zuletzt wiederholt vor einer Zinsanhebung gewarnt. Er befürchtet, dass höhere Zinsen die konjunkturelle Boomphase in den USA unnötig früh abwürgen.

Ölpreise erholen sich von Verlusten

Die Ölpreise haben sich am Mittwoch etwas von ihren starken Einbußen an den vergangenen Tagen erholt. Am Morgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent  56,59 US-Dollar. Das waren 33 Cent mehr als am Dienstag. Der Preis für amerikanisches Rohöl der Sorte (WTI) stieg ebenfalls moderat um 31 Cent auf 46,55 Dollar.

Seit Wochenbeginn haben die Ölpreise ihre Verlustserie trotz der jüngsten Erholung ausgeweitet. Seit Anfang Oktober sind die Weltmarktpreise um etwa 40 Prozent eingebrochen. Daran hat selbst die Ankündigung des Ölkartells Opec, die Förderung im kommenden Jahr spürbar zu reduzieren, nichts ändern können. An der Kürzung wollen sich auch andere große Förderstaaten wie Russland beteiligen.

Gründe für die Talfahrt am Ölmarkt finden Fachleute auf der Nachfrage- wie auf der Angebotsseite. Die künftige Nachfrage wird derzeit durch getrübte Wachstumsaussichten in vielen großen Volkswirtschaften belastet. Das Angebot dagegen dürfte vor allem in den USA weiter steigen. Die Vereinigten Staaten sind dabei, zum größten Ölproduzenten der Welt aufzusteigen. Entscheidend dafür ist die Fracking-Technologie zur Förderung von Schieferöl.

Mit Nachrichtenagenturen
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