Sonntag, 8. Dezember 2019

Börse Modekonzern schockt Branche und schürt Konjunkturängste

Der britische Online-Modehändler hat am Montag mit einer Umsatz- und Gewinnwarnung nicht nur die Branche geschockt, sondern auch Sorgen vor ein kräftigen Abkühlung der gesamten Konjunktur geschürt

Eine Gewinnwarnung des britischen Online-Modehändlers Asos versetzt nicht nur die Investoren dieser Branche in Unruhe. Aus Furcht vor einer allgemeinen Abkühlung der Konjunktur flogen Aktien aus den Depots. Besonders drastisch fielen gleichwohl die Kursverluste für Zalando, Adidas, Puma SE und Hugo Boss aus.

Neue Hiobsbotschaften aus der Einzelhandelsbranche haben dem deutschen Aktienmarkt am Montag zugesetzt. Auslöser war eine Umsatz- und Gewinnwarnung des britischen Online-Modehändlers Asos , die die gesamte Branche mit nach unten zog. Die Konjunktursorgen erhielten dadurch neue Nahrung, sagte Analyst Jochen Stanzl von CMC Markets. Andere Marktteilnehmer verwiesen auf eine sinkende Kauflaune der Verbraucher.

Die trübe Stimmung erfasste den gesamten Markt. So verlor der Dax Börsen-Chart zeigen am Ende des Tages 0,86 Prozent auf 10.772,20 Punkte. Das Tagestief lag knapp über 10.700 Punkten. Das Kursminus in diesem Jahr beläuft sich aktuell auf rund 17 Prozent. Es dürfte für den Dax das erste Verlustjahr seit 2011 werden.

Noch schlechter als dem Dax erging es am Montag dem MDax Börsen-Chart zeigen der mittelgroßen Börsentitel mit minus 1,64 Prozent auf 21 915,28 Punkte. Hier sackten die Papiere von Asos-Konkurrent Zalando Börsen-Chart zeigen um 11,63 Prozent ab.

Asos-Gewinnwarnung belastet auch die Aktien von Zalando und Co

Seit Monaten schon hagelt es im Einzelhandelssektor - und hier vor allem in der Modebranche - Gewinn- und Umsatzwarnungen in Serie. Betraf es anfangs vorwiegend Modehändler mit überwiegend stationärem Handel, trifft es nun auch immer mehr Online-Händler. Als Grund der Misere galt bislang vor allem der heiße Sommer. Asos sprach nun auch von einer "deutlichen Verschlechterung" der Geschäftslage im November. Das Unternehmen verlor zum Wochenauftakt rund 38 Prozent seines Börsenwertes. Das ist der größte Tagesverlust der Firmengeschichte.

"Wenn es für Asos schon schwierig ist, hat so ziemlich jeder Einzelhandelswert ein Problem", sagte Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com. Im Asos-Strudel brachen die Titel der Rivalen Boohoo und Zalando Börsen-Chart zeigen um jeweils mehr als zehn Prozent ein. Der europäische Branchenindex für den Einzelhandel fiel zeitweise auf ein Zweieinhalb-Jahres-Tief von 274,99 Punkten.

Im Sog der schlechten Branchennachrichten verloren auch die Aktien von Adidas Börsen-Chart zeigen , die mit minus 4,42 Prozent am Dax-Ende waren. Puma SE Börsen-Chart zeigen und Hugo Boss Börsen-Chart zeigen verbilligten sich um 7 Prozent beziehungsweise 3,52 Prozent. Die Anteile des Kochboxenversenders Hellofresh rauschten um mehr als 10 Prozent in den Keller. Hier hätten einige auf weiter fallende Kurse gewettet, sagten Händler.

Die Aktien des Versorgers Eon Börsen-Chart zeigen gaben im Dax um 2,83 Prozent nach und im MDax verloren die Aktien von Innogy Börsen-Chart zeigen 1,22 Prozent. Nach der Absage des britischen Versorgers SSE an eine Vertriebsfusion mit der Innogy-Sparte Npower kappte Innogy einen Teil seiner Jahresziele. Unter anderem soll auch die Dividende für 2018 nun geringer als 2017 ausfallen. Dass die Eon-Aktien darunter litten, liegt an der vor geraumer Zeit mit RWE beschlossenen Neuaufteilung der Innogy-Geschäftsfelder. Dadurch geht der Vertriebsbereich von Innogy an Eon über.

An der Dax-Spitze verteuerten sich die Aktien von Bayer Börsen-Chart zeigen um rund 1 Prozent. Platz zwei nahmen die Titel der Deutschen Telekom Börsen-Chart zeigen ein mit plus 0,73 Prozent. Hier gab eine Hochstufung des europäischen Telekomsektors durch die britische Bank Barclays Auftrieb.

Ein Minus von 0,94 Prozent auf 3063 Punkte verbuchte der EuroStoxx 50 Börsen-Chart zeigen . Der Pariser Cac 40 und der Londoner FTSE 100 Börsen-Chart zeigenschlossen ebenfalls jeweils gut 1 Prozent tiefer. Der Dow Jones Börsen-Chart zeigen stand zum europäischen Handelsschluss 0,4 Prozent im Minus.

Versicherer-Aktien in den USA brechen nach Obamacare-Urteil ein

In den USA brachen die Aktien der Versicherer Centene und Molina um bis zu 16 Prozent ein, nachdem ein Richter in Texas die Krankenversicherung Obamacare als nicht verfassungskonform eingestuft hatte. Den Experten des Research-Hauses Evercore ISI zufolge sorgt das Urteil zwar für Verunsicherung. Es werde aber sicher in den höheren Instanzen kassiert.

Am Rentenmarkt lag die Umlaufrendite unverändert bei 0,12 Prozent. Der Rentenindex Rex stagnierte bei 141,64 Punkten. Der Bund-Future sank um 0,02 Prozent auf 163,18 Punkte.


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Trump keilt gegen Notenbank, Dollar bröckelt dennoch

Devisenanleger verunsicherte US-Präsident Donald Trump mit einer erneuten Breitseite gegen die US-Notenbank. Er kritisierte die Fed via Twtter, dass sie überhaupt über eine Zinserhöhung nachdenke. Unter Anlegern gelte eine Anhebung des Schlüsselsatzes in dieser Woche um einen Viertel Prozentpunkt auf 2,25 bis 2,5 Prozent als sicher, sagte Hussein Sayed, Chef-Anlagestratege des Brokerhauses FXTM. Der Dollar bröckelte am Montag dennoch ab. Im Gegenzug verteuerte sich der Euro Börsen-Chart zeigenauf 1,1340 Dollar.

Mit größerer Spannung als auf die Zinsentscheidung am Mittwoch warteten Börsianer auf den geldpolitischen Ausblick der US-Notenbank. Sollte sich Fed-Chef Jerome Powell zurückhaltend zu den Konjunkturaussichten äußern und langsamere Zinserhöhungen signalisierten, wäre das der Todesstoß für die Hoffnungen auf eine Weihnachtsrally, sagte Analyst Pierre Veyret vom Brokerhaus ActivTrades.

mit dpa und reuters

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