Börse Dax-Gewinne bröckeln, Dow Jones wankt

Nach dem Kurssturz am Vortag startet der Dax einen Erholungsversuch. Im späten Handel bröckeln die Gewinne zum Teil jedoch wieder ab. Doch die Nervosität der Anleger bleibt hoch - auch an der Wall Street.
Schwankungen an der Börse: Der Dax ist im Bärenmarkt-Terrain

Schwankungen an der Börse: Der Dax ist im Bärenmarkt-Terrain

Foto: PAWEL KOPCZYNSKI/ REUTERS

Nach fünf Verlusttagen in Folge hat der Dax am Dienstag die erste Gegenreaktion vollzogen: Einzelne Käufer haben wieder den Einstieg bei deutschen Aktien gewagt. Der Dax  baute bis Dienstag zum Handelsschluss auf Xetra (17.30 Uhr) seine Gewinne auf 1,5 Prozent aus und schloss bei 10.780 Punkten, nachdem er am Vortag zeitweise unter die Marke von 10.600 Zählern gestürzt war. Allerdings büßte der Leitindex ein gehöriges Stück seiner Gewinne im späten Handel wieder ein. Auch die Kursgewinne im MDax  bröckelten im Schlussgeschäft merklich ab - Anleger bleiben vorsichtig.

In den Handelskonflikt zwischen China und den USA scheint unterdessen Bewegung zu kommen. US-Präsident Donald Trump sprach am Dienstag auf Twitter von "sehr produktiven Gesprächen mit China". Die Nachrichtenagentur Bloomberg hatte zuvor gemeldet, China bewege sich in Richtung einer Senkung der Zölle auf importierte US-Autos.

Im späten Handel sorgte jedoch eine Meldung für einen erheblichen Dämpfer, wonach ein ehemaliger kanadischer Diplomat in China verhaftet worden sei. Dies löste Spekulationen über eine mögliche chinesische Vergeltungsaktion für die Festnahme der Huawei-Finanzchefin Meng Wanzhou in Kanada aus.

So bleiben Anleger zurückhaltend: Der Dax ist seit seinem Hoch im Sommer um mehr als 20 Prozent gefallen und befindet sich nun im Bärenmarkt-Terrain. Weitere Rückschläge sind durchaus möglich.

Spekulationen um China-Zölle: BMW und Daimler profitieren

Spekulationen über eine baldige Kürzung der chinesischen Strafzölle auf in den USA produzierte Autos haben die Aktien der europäischen Fahrzeughersteller am Dienstag beflügelt. Der Branchenindex verdoppelte innerhalb kurzer Zeit seine Kursgewinne auf 3,1 Prozent. Die Titel von BMW  und Daimler  , die in den USA Geländewagen herstellen und nach China exportieren, legten je 2,4 Prozent zu. VW-Anteilsscheine zogen um 3,7 Prozent an. Die Papiere von Peugeot, Renault und Fiat Chrysler sowie Aktien von Zulieferern wie Continental und Faurecia verzeichneten ebenfalls Kurszuwächse. Die Nachrichtenagentur Bloomberg hatte unter Berufung auf Insider berichtet, China sei bereit, die Zölle für Autos aus den USA auf 15 Prozent von derzeit 40 Prozent zu senken. Dieser Vorschlag sei dem Kabinett in der Volksrepublik vorgelegt worden und werde in den kommenden Tagen überprüft.

Wall Street: Dow Jones erholt sich von Sturz auf Halbjahrestief

Die Stabilisierung aus dem späten Handel zu Wochenbeginn könnte sich an der Wall Street am Dienstag zur Erholung mausern: Der Dow Jones  legte im frühen Handel am Dienstag um weitere 1,1 Prozent auf 24 700 Punkte zu. Tags zuvor war der US-Leitindex mit 23 881 Punkten zunächst auf das tiefste Niveau seit Mai abgesackt. Sorgen um den Handelskonflikt zwischen den USA und China, gerade nach der jüngsten Festnahme der Finanzchefin des chinesischen Technologie-Konzerns Huawei in Kanada, hatten den Markt fest im Griff.

"Schnäppchenjäger werden wach" - so bewerten die Marktbeobachter von Index-Radar die kurzfristige Trendwende. "Immerhin zeichnet sich nun eine kleine Atempause im Abwärtstrend ab."

Verizon unter Druck

Dem etwas freundlicheren Markttrend können sich Verizon-Papiere vorbörslich nicht anschließen. Der größte US-Mobilfunkanbieter baut zahlreiche Stellen ab. Rund 10 400 Mitarbeiter hätten freiwillige Abfindungsangebote angenommen und würden das Unternehmen bis Mitte nächsten Jahres verlassen, hieß es. Insgesamt hatte der Konzern Ende September laut eigenen Angaben 152 300 Angestellte. Zudem fallen Abschreibungen in Milliardenhöhe an.

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Bayer, Wirecard und Linde mit Kursgewinnen

Zu den Gewinnern im Dax gehörten die Aktien von Wirecard , Linde  und Infineon , die mit Gewinnen zwischen 2 und 3 Prozent jeweils einen Erholungsversuch starteten. Am Montag hatte der Dax weiter 1,5 Prozent auf 10.622 Zähler verloren. Damit summierte sich das Minus der vergangenen Tage auf 7,4 Prozent. "Der Markt ist überverkauft. Dennoch sind einzelne Gegenreaktionen wie heute mit Vorsicht zu genießen", sagte ein Börsianer. Die jüngsten Erholungsversuche hätten sich in der Vergangenheit regelmäßig als Bullenfallen erwiesen.

Großbritannien wird wohl erst im Januar über Brexit abstimmen

Gesprächsthema an den Märkten wird erneut der bevorstehende Ausstieg Großbritanniens aus der Europäischen Union (EU) sein. Nach der Absage der Abstimmung über den von May und der EU ausgehandelten Brexit-Vertrag im britischen Parlament ist offen, wie es weitergeht. Wahrscheinlich wird das Unterhaus erste im Januar über den Brexit-Deal mit der EU abstimmen. Das Pfund Sterling notierte mit 1,2568 Dollar in der Nähe seines Eineinhalb-Jahres-Tief von 1,2505 Dollar.

Nordex mit Kurssprung, Hornbach bricht zweistellig ein

Besonders ins Auge sprangen nach einer Kaufempfehlung der Investmentbank Goldman Sachs die Papiere von Nordex mit einem Satz von 10 Prozent. Analyst Manuel Losa sprach von einer "verlockenden Einstiegschance" bei den Anteilsscheinen des Herstellers von Windkraftanlagen. Nordex könne in Kürze wieder als Übernahmeobjekt interessant werden, so der Experte, denn im April 2019 laufe die Sperrfrist für einen Aktienverkauf seitens des Großinvestors Acciona aus.

Nach einer Gewinnwarnung brachen dagegen die Papiere der Hornbach Holding um 15 Prozent ein. Wegen eines unerwartet deutlichen Ergebnisrückgangs bei der Handelstochter Hornbach Baumarkt im dritten Geschäftsquartal rechnet die Holding damit, dass das bereinigte Betriebsergebnis den Vorjahreswert um mehr als 10 Prozent unterschreitet. Bisher war mit einem operativen Ergebnis auf Vorjahresniveau gerechnet worden.

Abwärts ging es mit negativen Kommentaren von Merrill Lynch auch für Norma und Hella mit Abschlägen von bis zu 4,5 Prozent. Angesichts der erwarteten Abschwächung in Schlüsselmärkten wie US LKW oder dem weltweiten Automarkt rechne er mit einem deutlichen Rückgang beim organischen Wachstum in den Jahren 2019/20, schrieb Analyst Kai Müller zum Spezialisten für Verbindungstechnik Norma. Auch für den Beleuchtungsausrüster Hella sieht er ein herausforderndes Umfeld

Wall Street dreht im späten Handel ins Plus

An der Wall Street fassten Anleger nach einem überwiegend pessimistischen Handelstag gegen Ende doch wieder Mut, die US-Börsen schlossen am Montag im Plus. Vor allem Technologiewerte waren gefragt. Der Standardwerteindex Dow Jones  schloss bei 24.423 Punkten 0,1 Prozent fester, die Futures des Index zeigten am Morgen (MEZ) nach oben. Der S&P 500 ging mit 2637 Zählern 0,2 Prozent höher aus dem Handel. An der Technologiebörse hatte der Nasdaq Composite  0,74 Prozent fester geschlossen bei 7020 Punkten. In Tokio beendete der Nikkei  am Dienstagmorgen 0,3 Prozent schwächer.


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Chinas Börsen leicht im Plus

Positive Signale im Handelskonflikt mit den USA hat an Chinas Börsen am Dienstag für eine erste Stabilisierung gesorgt. Der CSI-300-Indexmit den 300 wichtigsten Werten der chinesischen Festlandbörsen legte um 0,48 Prozent auf 3159,82 Punkte zu. Auch der Hongkonger Hang-Seng-Index stieg um 0,15 Prozent auf 25 792,14 Punkte.

Der zuständige chinesische Vize-Ministerpräsident, Politbüromitglied Liu He, telefonierte am Dienstag mit dem amerikanischen Finanzminister Steven Mnuchin und dem Handelsbeauftragten Robert Lightizer, wie das Handelsministerium in Peking mitteilte. Beide Seiten hätten darüber gesprochen, wie der Konsens bei dem Treffen zwischen Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping und US-Präsident Donald Trump nach Abschluss des G20-Gipfels der großen Wirtschaftsmächte in Buenos Aires vor eineinhalb Wochen umgesetzt werden könne. Es sei um den Fahrplan für die geplanten weiteren Handelsgespräche gegangen. Nun wird erwartet, dass Liu He bald zu Gesprächen in die USA reist.

mit dpa und reuters