Börse Dax reduziert Verluste, Bayer und BMW gefragt

Starke Kursverluste an der Wall Street setzen den Dax am Mittwoch unter Druck. Der Dow Jones war zuvor um mehr als 3 Prozent eingebrochen. Die Aktie der Deutschen Bank stürzt zweitweise auf das tiefste Niveau seit 35 Jahren. Gegen Mittag bremsen Kursgewinne von Daimler, BMW und VW den Abwärtstrend im Dax.
Kurssturz: Der Dow Jones verlor knapp 800 Punkte, der Dax fällt am Mittwoch unter die Marke von 11.200 Zählern

Kurssturz: Der Dow Jones verlor knapp 800 Punkte, der Dax fällt am Mittwoch unter die Marke von 11.200 Zählern

Foto: Spencer Platt/ Getty Images

Nach kräftigen Kursverlusten an der New Yorker Wall Street ist auch der Dax  am Mittwoch mit Verlusten in den Handel gestartet. Im frühen Handel gab der deutsche Leitindex um weitere 1,2 Prozent nach und fiel auf 11.180 Punkte. Im Anschluss startete der Dax jedoch einen Erholungsversuch und notierte gegen Mittag bei 11.244 Punkten: Vor allem die Autowerte BMW  und Daimler  verbuchten ebenso wie Bayer  und der Versorger RWE  Gewinne.

Der Pharmakonzern Bayer baute seine Gewinne bis zum Nachmittag auf mehr als 2 Prozent aus und setzte sich damit an die Spitze im Dax: Bayer-Chef Werner Baumann umwarb beim Kapitalmarkttag in London die Investoren mit höheren Umsatz- und Dividendenversprechen.

Anlass für die Kursschwäche: Wegen steigender Nervosität am US-Zinsmarkt hatte der US-Leitindex Dow Jones (Kurswerte anzeigen) am Dienstag knapp 800 Punkte verloren und war mit einem Minus von 3,1 Prozent auf 25.027 Punkte aus dem Handel gagangen. Das war der größte Kursrutsch seit dem 10. Oktober. Der breiter aufgestellte S&P 500 sank um 3,24 Prozent auf 2700 Punkte, der Technologieindex Nasdaq Composite (Kurswerte anzeigen) sogar um 3,78 Prozent auf 6795 Punkte. Tech-Aktien stehen massiv unter Druck.

Die Nervosität in den USA belastete in der Folge auch Asiens Börsen. Der japanische Leitindex Nikkei  notierte am Mittwoch rund 1 Prozent schwächer. Der chinesische Hang-Seng-Index verlor rund 1,5 Prozent an Wert.

Deutsche Bank stürzt unter 8 Euro Marke

Anleger glauben nach dem Burgfrieden zwischen USA und China nicht an eine dauerhafte Entspannung im Handelskonflikt. Vor diesem Hintergrund gehörten konjunkturabhängige Werte zu den größten Verlierern.

Im Strudel des fallenden Gesamtmarktes rutschten die Titel der Deutschen Bank (Kurswerte anzeigen) um knapp 3 Prozent ab und waren mit 7,87 Euro so billig wie seit 35 Jahren nicht mehr. Zuletzt pendelte da Papier um die Marke von 8 Euro.

Gegen den Trend stemmten sich die Aktien der Autohersteller: Die Papiere von BMW (Kurswerte anzeigen), Daimler (Kurswerte anzeigen) und Volkswagen (Kurswerte anzeigen) legten zwischen 2,5 und 1,7 Prozent zu, nachdem die Topmanager der Konzerne von "konstruktiven" Gesprächen mit US-Präsident Donald Trump berichtet hatten.

Bayer macht Aktionären Hoffnung auf steigende Dividenden

Geschundene Bayer-Investoren schöpften am Mittwoch wieder etwas Zuversicht. Finanzvorstand Wolfgang Nickl versuchte die Aktionäre mit der Aussicht auf steigende Gewinnbeteiligungen milde zu stimmen. Der Manager stellte beim Kapitalmarkttag in London weitere Dividendenerhöhungen sowie mögliche Aktienrückkäufe in Aussicht. Zudem soll die Nettoverschuldung bis 2022 auf etwa 26 bis 28 Milliarden Euro sinken. Das wären bis zu 10 Milliarden Euro weniger, als für 2019 geplant sind. Die Verschuldung des Dax-Konzerns ist vor allem wegen der Übernahme des US-Saatgutkonzerns Monsanto stark gestiegen. Die Aktie von Bayer kletterte gegen Mittag um 3,7 Prozent auf rund 66,6 Euro.

Dow fällt unter 200-Tage-Linie, Technologie-Aktien im Ausverkauf

Der zuletzt wieder aufstrebende Dow Jones Industrial liegt jetzt wieder unter der als Trendindikator viel beachteten 200-Tage-Linie. Anleger trennten sich insbesondere von Technologieaktien, die als besonders anfällig für wirtschaftliche Schwankungen gelten. Dabei hatten sich US-Präsident Donald Trump und Chinas Staatspräsident Xi Jinping noch am Wochenende geeinigt, den Handelskonflikt zwischen den beiden Nationen vorerst nicht weiter eskalieren zu lassen. Anleger sind jedoch skeptisch, ob dies gelingt.

Dax kämpft um Marke von 11.200 Punkten

Wegen der schwachen Vorgaben aus New York kämpft der Dax nun wieder mit der Marke von 11.200 Punkten. Der Sprung über die Hürde von 11.400 Punkten nach Entspannungssignalen vom G20-Gipfel habe sich als "Bullenfalle" erwiesen - Käufer wurden für ihren Mut also nicht belohnt, sondern durch schnell wieder fallende Kurse auf dem falschen Fuß erwischt. "Cash is King", erklärte Marktstratege Emmanuel Cau von Barclays. Im eigentlich guten Aktien-Monat Dezember scheine niemand wirklich an eine Jahresendrally zu glauben.


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Auch Brexit-Sorgen belasteten

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Dax stürzt ab: Dax mit längster Verlustserie seit Finanzkrise

Foto: Frank Rumpenhorst/ picture alliance / dpa

Ferner schlugen den Anlegern schlechte Nachrichten aus London aufs Gemüt: Nur wenige Stunden vor Beginn der fünftägigen Debatte über das Brexit-Abkommen hatte das britische Parlament der Regierung eine empfindliche Niederlage bereitet. Die Abgeordneten entschieden, dass die Regierung die Rechte des Parlaments missachtet hat. Für Premierministerin Theresa May ist dies ein weiterer Rückschlag. Ohnehin werden ihr nur geringe Chancen zugestanden, eine Mehrheit für ihr Abkommen bei der geplanten Abstimmung am 11. Dezember im Parlament zu erreichen.

Die Anleger blickten zudem nervös auf den Anleihenmarkt.

Erstmals seit rund elf Jahren lagen dort die Renditen von dreijährigen und zweijährigen US-Anleihen höher als die Renditen im fünfjährigen Laufzeitbereich. Eine derartige Struktur mit höheren Kurzfrist- als Langfristzinsen ist ein ungewöhnliches Phänomen und gilt als Rezessionssignal. Warnsignale vom Anleihenmarkt, konjunktursensible Aktien mit Verlusten

Schlusslicht im Dow waren die konjunktursensiblen Aktien des Baumaschinenherstellers Caterpillar  mit einem Minus von rund 7 Prozent. Die Aktien von Apple  fielen um mehr als 4 Prozent. Die britische Investmentbank HSBC hatte die Kaufempfehlung für die Papiere des iPhone-Herstellers gestrichen, da es an kurzfristigen Kurstreibern mangele. Auch alle anderen Dow-Werte schlossen im Minus.

Die Warenhauskette Dollar General hatte ihr Ziel für das Jahresergebnis je Aktie gesenkt und damit die durchschnittliche Analystenschätzung verfehlt, was den Anteilsscheinen ein Minus von fast 7 Prozent einbrockte.

Eine skeptische Analystenstudie schickte die Papiere der Logistikkonzerne Fedex und UPS  auf Talfahrt: Sie verloren gut 6 beziehungsweise mehr als 7 Prozent. Die Anleger unterschätzten die Wettbewerbsrisiken durch den Markteintritt des Online-Händlers Amazon in das Frachtgeschäft, hieß es.

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Tech-Ausverkauf an der Wall Street: Google, Amazon und Co betreten Bärenmarkt-Gebiet

Foto: Drew Angerer/ Getty Images

Wall Street bleibt heute dicht

An diesem Mittwoch werden derweil Wall Street und Nasdaq zum Gedenken an den am 30. November verstorbenen Ex-Präsidenten George H. W. Bush, 41. Präsident der USA, geschlossen bleiben.

Der Kurs des Euro in Dollar  notierte zuletzt bei 1,1342 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs auf 1,1409 (Montag: 1,1332) Dollar festgesetzt. Der Dollar war 0,8765 (0,8825) Euro wert. Richtungweisende zehnjährige US-Staatsanleihen gewannen 16/32 Punkte auf 101 27/32 Punkte und rentierten mit 2,910 Prozent.

mit Nachrichtenagenturen