Dienstag, 17. September 2019

Kurssturz an der Börse Dax taucht ab, Dow und Nasdaq radieren Jahresgewinne aus

Dax mit Verlusten: Der Bär regiert an der Börse

Der Dax notiert auf dem tiefsten Niveau seit 22 Monaten und kämpft um die Marke von 11.000 Zählern. An der Wall Street haben die Indizes durch ihren jüngsten Kurssturz die Kursgewinne seit Januar wieder ausradiert. Brexit-Chaos, die Sorgen um Italien sowie der Zollstreit zwischen USA und China belasten.

Ausverkaufsstimmung an der Börse: Der Dax Börsen-Chart zeigen hat am Dienstag seine Verluste ausgeweitet und ist zeitweise unter die Marke von 11.100 Zählern gestürzt. Angesichts weiterer Verluste in den USA fiel der deutsche Leitindex zeitweise um 1,8 Prozent auf 11.027 Punkte. Das ist das tiefste Niveau seit Dezember 2017. Zum Handelsschluss auf Xetra (17.30 Uhr) schloss der Dax dann minimal höher bei 11.078 Zählern.

Händler befürchten dennoch, dass der Dax in Kürze auch die Marke von 11.000 Punkten nach unten durchbrechen könnte. Damit droht auch an der deutschen Börse ein Bärenmarkt, denn von seinem im Februar erreichten Rekordhoch hat sich der Dax inzwischen um knapp 20 Prozent entfernt.

Der Index der mittelgroßen Unternehmen MDax Börsen-Chart zeigen verlor 1,22 Prozent auf 23.122,48 Punkte. Für den Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 Börsen-Chart zeigen ging es um knapp 1 Prozent nach unten. Die Aktien von Wirecard Börsen-Chart zeigen , BASF Börsen-Chart zeigen, Covestro Börsen-Chart zeigen und Deutsche Bank gerieten besonders stark unter Druck, die Aktie der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen fiel zeitweise auf 8,15 Euro und markierte damit das tiefste Niveau seit mehr als 10 Jahren.

Covestro bricht nach Gewinnwarnung ein und belastet Chemiewerte

Produktionsausfälle und höhere Logistikkosten wegen des niedrigen Wasserstands am Rhein setzen dem Kunststoffhersteller Covestro Börsen-Chart zeigen stärker zu als zuletzt erwartet. Der Vorstand kassierte am Dienstag seine Jahresziele und rechnet nun für 2018 mit einem operativen Gewinn (Ebitda) leicht unter dem Vorjahreswert von 3,44 Milliarden Euro. Bisher hatte der Konzern eine Steigerung des Ergebnisses in Aussicht gestellt. Bei den Anlegern kamen die Nachrichten schlecht an: Die Aktie gab um über sieben Prozent auf 51,88 Euro nach. Ende Oktober hatte die ehemalige Bayer-Tochter bei der Veröffentlichung der Bilanz des dritten Quartals ihr Gewinnziel noch bestätigt. Gleichzeitig kündigte der Vorstand an, bis Ende 2020 rund 900 Stellen zu streichen, rund 400 davon in Deutschland. Bis spätestens 2021 werden Kosteneinsparungen von rund 350 Millionen Euro im Jahr angestrebt.

Wall Street: Dow Jones taucht ab, Nasdaq auf 7-Monats-Tief

Die hohen Kursverluste vom Wochenbeginn haben sich am Dienstag an der Wall Street im frühen Handel noch ausgeweitet. Der Dow Jones Börsen-Chart zeigen baute am Dienstag seine Verluste auf 2,1 Prozent aus und fiel auf 24.468 Punkte. Seine Gewinne seit Jahresbeginn hat der Dow Jones damit komplett abgegeben.

An der Nasdaq fiel das Minus mit 2,5 Prozent sogar noch höher aus. Der Nasdaq Stock Market Börsen-Chart zeigen erreichte mit 6475 Punkten das tiefste Niveau seit 7 Monaten. Bereits am Montag hatten sich Investoren vor allem von Technologie-Aktien getrennt.

Es gebe keine derzeit Signale für eine rasche Erholung, sagte Analyst James Hughes vom Broker Axitrader. Die Märkte befänden sich im Rückwärtsgang. Die Hinweise auf eine schwächere US-Wirtschaft mehrten sich und die von der Regierung verhängten Importzölle dürften das ihre zur Abschwächung beitragen. Händler könnten also vor dem Feiertag Thanksgiving am Donnerstag weitere Aktienpositionen auflösen.

Auch am Dienstag gab es von der Konjunktur wenig Erbauliches. So ist die Zahl der Baubeginne im Oktober weniger stark gestiegen als Volkswirte im Konsens erwartet hatten. Der Immobilienmarkt ist eine wichtige Stütze der US-Konjunktur.

Target und Kohl's brechen ein: Einzelhändler stark unter Druck

Bei den Einzelwerten standen im vorbörslichen Handel die Kurse von Einzelhändlern unter starkem Druck. So büßten die Papiere von Target nach Quartalszahlen knapp 9 Prozent ein. Der zweigrößte Discounter in den USA nach Walmart hat mit Umsatz und Margen die Erwartungen enttäuscht.

Aktien des Einzelhändlers Kohl's brachen vorbörslich um 10 Prozent ein. Auch hier enttäuschte die Gewinnprognose für das Gesamtjahr. Die Ergebnisse in den Monaten August bis Oktober waren zwar besser als erwartet, auch hier ging aber bei Anlegern die Sorge um die Geschäfte zum Jahresende um.

Auch Techriesen wie Amazon, Apple oder Netflix haben zuletzt deutlich nachgegeben. Der Technologiesektor steht seit Wochen unter Druck. Wegen der Furcht vor einer sinkenden Nachfrage gab es zuletzt vor allem in der Halbleiterbranche immer wieder hohe Verluste. "An der Börse kommt bisher keine weihnachtliche Stimmung auf", stellte Thomas Altmann fest, Portfolio-Manager bei QC Partners. Die Blicke der Anleger seien eher auf die Jahrestiefs als nach oben gerichtet.


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Im Dax büßten Infineon Börsen-Chart zeigen rund 4 Prozent ein.

Schlusslicht im deutschen Leitindex waren die Papiere von Wirecard Börsen-Chart zeigen mit einem Minus von rund 6 Prozent. Damit geht den Anteilsscheinen die Luft immer mehr aus. Der Zahlungsabwickler ist allerdings wegen des Booms im Onlinehandel auch für das kommende Jahr optimistisch.

In dem trüben Umfeld sackten ferner die Aktien der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen auf ein Rekordtief ab. Zuletzt standen sie 4,5 Prozent im Minus.

Der Chemiekonzern BASF Börsen-Chart zeigen will in den kommenden Jahren mehr verdienen. Dazu beitragen sollen neben dem Ausbau des China-Geschäfts auch effizientere Anlagen und geringere Kosten. Doch auch diese Nachricht verpuffte: Die Anteilsscheine verloren rund 2,5 Prozent.

Italienische Staatsanleihen belasten Euro

Der Euro Börsen-Chart zeigen ist am Dienstag unter Druck geraten. Am Vormittag fiel die Gemeinschaftswährung auf ein Tagestief von 1,1422 US-Dollar. Zuvor war sie noch bis auf 1,1472 Dollar gestiegen. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Montagnachmittag auf 1,1427 Dollar festgesetzt.

Belastet wurde der Euro durch die deutlichen Kursverluste italienischer Staatsanleihen. Die Rendite zehnjähriger italienischer Staatsanleihen stieg im Gegenzug um 0,10 Prozentpunkte auf 3,713 Prozent. Zum Vergleich: Deutsche Titel mit gleicher Laufzeit rentierten zuletzt mit 0,354 Prozent. Die Differenz (Spread) zu deutschen Bundesanleihen weitete sich damit deutlich aus.

Der italienische Vize-Premierminister und Chef der Fünf-Sterne-Bewegung, Luigi Di Maio, hat die Ablehnung des Haushalts 2019 durch die EU-Kommission für den Anstieg der italienischen Renditen verantwortlich gemacht. Die EU habe sich wie eine Wand gegen Italien gestellt, sagte Di Maio. Allerdings machten Händler auch heftige Spannungen innerhalb der italienischen Regierungskoalition für die Verunsicherung verantwortlich.

Am Nachmittag stehen in den USA noch Zahlen zum Bausektor auf dem Kalender. Zuletzt hatten sich die Anzeichen für eine Abkühlung am Häusermarkt gemehrt. Zudem stehen einige Reden von Notenbanker an. In Deutschland wird sich Bundesbankchef Jens Weidmann äußern. In Großbritannien stehen Notenbankchef Mark Carney und der Chefvolkswirt der Bank of England, Andrew Haldane, dem Parlament Rede und Antwort.

dpa-afx, rtr

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