Börse Kursrutsch in USA lässt Dax stürzen, Jahrestief nicht mehr weit

Der Dax fällt erneut ins Minus und nähert sich seinem Jahrestief. An der Wall Street geben Dow Jones und Nasdaq deutlich nach. Der Austritt Großbritanniens aus der EU sowie die Verhaftung von Auto-Topmanager Carlos Ghosn sind am Montag die beherrschenden Themen.
Kursrutsch im Dax: Der deutsche Leitindex verzeichnet deutliche Verluste

Kursrutsch im Dax: Der deutsche Leitindex verzeichnet deutliche Verluste

Foto: PAWEL KOPCZYNSKI/ REUTERS

Erneut abwärts: Börsianer in Europa haben sich zum Wochenauftakt erneut von Aktien getrennt. Der Dax  baute am Nachmittag seine Verluste deutlich aus und fiel unter die Marke von 11.300 Zählern. Zum Handelsschluss auf Xetra (17.30 Uhr) notierte der Dax 0,8 Prozent im Minus bei 11.243 Punkten. Damit ist der Dax nur noch knapp 200 Punkte von seinem Jahrestief entfernt. Im Oktober war der Dax kurzzeitig bis auf 11.051 Zähler gefallen: Anleger befürchten, dass der deutsche Leitindex zum Jahresschluss noch einmal diese Marke testen könnte.

Anlass für den erneuten Kursrutsch sind die herben Verluste in den USA. Dow Jones und Nasdaq  tauchten am Montag im frühen Handel ab. Vor allem Technologiewerte gerieten unter Druck, der Nasdaq verlor mehr als 2 Prozent an Wert. Seit Januar hat der Dax  bereits mehr als 12 Prozent an Wert verloren.

Setzt sich der Kursrückgang fort, droht der deutsche Leitindex in einen so genannten Bärenmarkt abzurutschen. "Die Finanzmärkte bekommen im Augenblick gehörig Gegenwind und dieser könnte durchaus an Stärke zu nehmen", sagte Marktexperte Christian Henke vom Brokerhaus IG.

Dow Jones und Nasdaq tauchen ab: Handelsstreit und Apple-Sorgen belasten

Die Wall Street ist am Montag angesichts des amerikanisch-chinesischen Handelsstreits mit deutlichen Verlusten in die verkürzte Thanksgiving-Handelswoche gestartet. Der Leitindex Dow Jones  gab bis zum Handelsschluss in Europa um 1,3 Prozent auf 25.085 Punkte nach. Am breiten Markt stand der S&P 500 ebenfalls mit 1.3 Prozent im Minus.

Noch deutlicher abwärts ging es bei Technologiewerten, wo erneute Spekulationen über eine lahmende iPhone-Nachfrage bei Apple und der Folgewirkung auf die Zulieferbranche auf die Stimmung drückten. Ihr Auswahlindex Nasdaq 100  sackte um 2,5 Prozent auf 6733 Punkte ab. Börsenlieblinge wie Apple , Amazon  und Netflix  verloren jeweils zwischen 3 und 4 Prozent an Wert. Neben Apple  kamen auch die mit dem Technologiegiganten in Verbindung gebrachten Chipwerte unter Druck.

Rückschlag im Handelsstreit zwischen China und USA

Nach zuletzt zwei freundlichen Tagen mit zeitweiser Hoffnung auf eine Lösung des Handelskonflikts hate es am Wochenende beim alljährlichen Asien-Pazifik-Gipfel wieder einen Rückschlag gegeben. Das Treffen auf Papua-Neuguinea endete am Sonntag im Streit und mit gegenseitigen Vorwürfen zwischen den USA und China. Erstmals hatten sich die Staats- und Regierungschefs der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft (Apec) nicht auf eine gemeinsame Erklärung einigen können

Brexit belastet weiterhin

Wie ein Damoklesschwert hingen die Brexit-Sorgen über den Börsen. Für ein Misstrauensvotum gegen Premierministerin Theresa May fehlten einem Zeitungsbericht zufolge zuletzt nur sechs Stimmen. "Deshalb muss man jederzeit damit rechnen, dass es zu einem solchen Schritt kommt", warnte Analyst Jochen Stanzl vom Brokerhaus CMC Markets. Die britische Währung Pfund Sterling blieb daher unter Druck. Sie notierte kaum verändert bei 1,2854 Dollar. "Bis mehr Klarheit beim Brexit herrscht, dürfte die Pfundschwäche anhalten", sagte Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege für Privat- und Firmenkunden bei der Deutschen Bank.

Börsenwert von Renault schmilzt um 2 Milliarden Dollar

Für Furore an der Börse in Paris sorgten die Ermittlungen gegen Renault-Boss Carlos Ghosn in Japan. Der Manager, der auch den Verwaltungsräten der Autobauer Nissan und Mitsubishi vorsitzt, steht im Verdacht, Gelder veruntreut und Finanzmarktregeln missachtet zu haben. Nissan will ihn als Chef des Verwaltungsrats absetzen. Einem japanischen Zeitungsbericht zufolge wurde er inzwischen verhaftet. Renault-Aktien rauschten um zehn Prozent in die Tiefe, innerhalb kurzer Zeit wurde ein Börsenwert von zwei Milliarden Dollar vernichtet. Die in Japan notierten Titel von Nissan brachen auf der Handelsplattform Tradegate in der Spitze um 16 Prozent ein.

Bitcoin auf Jahrestief

Auf dem Rückzug waren dagegen Anleger von Bitcoin. Die Kryptowährung sackte an der Handelsplattform Bitstamp zeitweise um mehr als fünf Prozent auf ein 13-Monats-Tief von 5173 Dollar ab. Hintergrund ist nach Meinung von Experten eine technische Veränderung der Computerwährung. "Es herrscht die absolute Ausverkaufsstimmung am Markt", sagte Kryptodevisen-Experte Timo Emden von Emden Research. "Investoren steht derzeit die Unsicherheit ins Gesicht geschrieben."


Dax Realtime: Hier sehen Sie Dax und Dow Jones in Echtzeit 


Unternehmensseitig steht am Montag der Immobilienkonzern Grand City Properties aus dem MDax (Kurswerte anzeigen) der mittelgroßen Werte mit Geschäftszahlen im Fokus. Der Wohnungsvermieter profitiert weiterhin von der hohen Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum in Großstädten. Dort steigen die Mieten schon seit Jahren und ein Ende ist nicht in Sicht. Auf der Handelsplattform Tradegate notierten die Aktien im Vergleich zum Xetra-Schluss am Freitag gleichwohl unverändert.

Euro legt gegenüber Dollar deutlich zu - schwache US-Häuserdaten

Der Euro (Kurswerte anzeigen) hat am Montag gegenüber dem Dollar weiter zugelegt. Am Nachmittag wurde die europäische Gemeinschaftswährung bei 1,1463 US-Dollar gehandelt, nachdem sie am Morgen noch kurzzeitig unter 1,14 Dollar gestanden hatte. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1427 (Freitag: 1,1346) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,8751 (0,8814) Euro.

Im Verlauf einer Woche hat der Euro damit etwa zwei Prozent an Wert gewonnen. Eine Dollar-Schwäche habe für Auftrieb bei der Gemeinschaftswährung gesorgt, hieß es von Marktbeobachtern. Zuletzt konnten aber auch optimistische Aussagen der Deutschen Bundesbank den Euro etwas stützen. Die deutsche Wirtschaft wird den Experten zufolge nach einem schwachen Sommer wieder an Fahrt gewinnen. "Zum Jahresende dürfte die deutsche Wirtschaft wieder recht kräftig expandieren", hieß es im Monatsbericht.

Zusätzlichen Auftrieb gab es am Nachmittag durch enttäuschende Konjunkturdaten aus den USA. Im November hatte es einen überraschend starken Dämpfer auf dem US-Immobilienmarkt gegeben. Ein Stimmungsindikator für die Branche war deutlich stärker als erwartet gefallen. Dies belastete den Dollar und der Euro erreichte im Gegenzug ein Tageshoch.

Stärkere Kursschwankungen gab es im Handelsverlauf beim britischen Pfund. Marktbeobachter sprachen von einem weiter nervösen Handel. Premierministerin Theresa May muss im Streit um den Entwurf des Brexit-Abkommens um ihr politisches Schicksal fürchten. Am Montag war zunächst noch unklar, ob es zu einem Misstrauensantrag in ihrer Fraktion kommt.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,89083 (0,88350) britische Pfund, 128,89 (128,37) japanische Yen und 1,1391 (1,1431) Schweizer Franken fest. Der Preis für eine Feinunze Gold wurde am Nachmittag in London auf 1221,60 (1222,40) Dollar festgesetzt.

dpa-afx, rtr