Börsenschluss Dax versucht Aufholjagd - und scheitert

Kurserholung gescheitert: Der Dax kletterte am Mittwoch wieder über die Marke von 11.500 Zählern, konnte diesen Stand aber nicht halten.
Kurstafel in der Deutschen Börse

Kurstafel in der Deutschen Börse

Foto: DANIEL ROLAND/ AFP

Erholungsversuch nach dem Kursrutsch: Die Verschärfung des Haushaltsstreits zwischen Italien und der Europäischen Union hatte den Dax  am Mittwoch zeitweise bis auf 11.320 Punkte gedrückt. Nach seinem Kursrutsch startete der Dax  dann jedoch einen Erholungsversuch und legte wieder um mehr als 200 Zähler auf 11.540 Punkte zu. Zum Handelsschluss notierte der deutsche Leitindex allerdings wieder mit 0,5 Prozent im Minus bei 11.412 Punkten.

Vor allem die Hoffnung auf einen sanften Brexit sorgte zeitweise für Unterstützung. Auch die Ölpreise, die in den vergangenen Tagen eingebrochen waren, legten wieder leicht zu. Die Nachricht, dass die deutsche Wirtschaft im dritten Quartal erstmals seit 2015 geschrumpft ist, war dagegen ein Stimmungsdämpfer.

Dow Jones dreht ins Minus

Eine knappe Stunde vor Handelsbeginn in New York zeigten die Futures für den Dow Jones  noch ein Plus von 0,6 Prozent an. Kurz nach Handelsbeginn drehte der US-Markt jedoch erneut ins Minus.

Zur Wochenmitte blicken die Anleger jenseits des Atlantiks auch nach London: Die britische Regierung entscheidet über den umstrittenen Entwurf eines Brexit-Abkommens. Die Chance eines "sanften Brexit" sind nun gestiegen, nachdem viele bereits einen Ausstieg der Briten ohne Abkommen befürchtet hatten.

Unter den Einzelwerten zogen die im Dow Jones  gelisteten Papiere von 3M im vorbörslichen US-Handel um rund 1 Prozent an. Der Mischkonzern kauft für bis zu 10 Milliarden US-Dollar eigene Aktien zurück.

Ölpreise steigen wieder leicht

Zudem stiegen die Papiere der Ölkonzerne Exxon Mobil  und Chevron  um jeweils mehr als 1 Prozent. Die Ölpreise hatten sich nach einer heftigen Talfahrt in den vergangenen Tagen vorerst stabilisiert und legten wieder leicht zu.

Die Anteilsscheine von Canopy Growth hingegen sackten vorbörslich um fast 10 Prozent ab. Die Cannabisfirma weitete im abgelaufenen Quartal ihren Verlust aus und blieb beim Umsatzwachstum hinter den Erwartungen zurück

Italien: Haushaltsstreit mit der EU eskaliert

Italien weigert sich im Haushaltsstreit trotz Protesten der EU und großer Nervosität an den Finanzmärkten von seinen Schuldenplänen abzuweichen. In der Nacht ließ die italienische Regierung die EU-Frist verstreichen. Die Haushaltsziele für das kommende Jahr änderten sich nicht, erklärte der Vize-Premierminister Luigi Di Maio. Die Regierung wolle mit dem Verkauf von staatlichen Immobilien die Kasse aufbessern. Ob das die Kommission überzeugt, ist fraglich. Italien steuert nun auf ein Defizitverfahren zu. In einem nächsten Schritt können finanzielle Sanktionen folgen.

Im Video: Rom bleibt stur

Reuters

Wirecard rechnet mit stärkerem Wachstum

Der Zahlungsabwickler Wirecard  rechnet dank des Online-Shoppingbooms im kommenden Jahr mit deutlich stärkerem Wachstum. Die Ergebnisprognose für das laufende Jahr schraubte der Dax-Aufsteiger wie erwartet nach oben. Vorläufige Zahlen zum dritten Quartal hatte Wirecard bereits vorgelegt. Die Aktien gaben zeitweise mehr als 5 Prozent nach - Anleger nehmen Gewinne mit. Dennoch hat die Aktie seit Jahresbeginn rund 50 Prozent zugelegt.


Dax Realtime: Hier sehen Sie Dax und Dow Jones in Echtzeit 


Merck nach Zahlen gefragt

Beim Pharma- und Spezialchemiekonzern Merck KGaA  lief es im zuletzt kriselnden Geschäft mit Flüssigkristallen wieder besser, doch dem Konzern machen negative Wechselkurseffekte zunehmend zu schaffen. Vor allem wegen der anhaltend starken Abwertung lateinamerikanischer Währungen geht Merck deshalb von einem noch stärkeren Rückgang beim bereinigten operativen Ergebnis aus als bisher, traut sich dagegen aber mehr Umsatz zu. Die Aktie legte zuletzt um knapp 3 Prozent zu.

RWE bekräftigt Ausblick - trotz Gewinneinbruch

Die Versorger-Papiere von RWE  und Eon gehörten mit Gewinnen zwischen 1,3 und 2,5 Prozent ebenfalls zu den Gewinnern im Dax  . Analyst Alberto Gandolfi von der Investmentbank Goldman Sachs wertete beide Zahlenwerke positiv und lobte die Entwicklung der Nettoverschuldung beider Unternehmen.

Im Nebenwerte-Index MDax  waren die Anteilsscheine von Puma  dank einer Kaufempfehlung der Investmentbank Merrill Lynch mit plus 4,7 Prozent Spitzenreiter. Analystin Sophie Park hält Puma für eine "cool cat" - die Marke werde auf Jahre hinaus en vogue bleiben.

Asiens Börsen überwiegend schwächer, Nikkei legt leicht zu

Der erneute Rückgang des Ölpreises macht Asien-Anleger nervös. Die Börse Shanghai verlor am Mittwoch 0,8 Prozent auf 2633 Punkte. In Hongkong und Seoul ging es ebenfalls abwärts. Gegen den Trend legte der japanische Nikkei  0,2 Prozent auf 21.846 Zähler zu. Er profitierte unter anderem von Kursgewinnen der Autobauer Honda, Mazda oder Toyota, deren Aktien bis zu 2,2 Prozent zulegten.

Wegen sinkender Treibstoff-Kosten griffen Investoren aber auch bei Fluggesellschaften zu. Der japanische Branchenindex gewann 2,2 Prozent. Wegen Spekulationen auf eine schwächere Nachfrage bei anhaltend hoher weltweiter Förderung fiel der Preis für die Sorte Brent aus der Nordsee um bis zu 0,7 Prozent auf 65,02 Dollar je Barrel, nachdem er am Dienstag bereits um knapp sieben Prozent eingebrochen war. Dies drückte den chinesischen Index für die Energiebranche 2,1 Prozent ins Minus. Auf die Stimmung drückte außerdem der überraschend starke Rückgang des chinesischen Kreditwachstums im Oktober auf umgerechnet 89 Milliarden Euro.

Euro unter 1,13 US-Dollar

Der Kurs des Euro hat sich am Mittwochmorgen kaum bewegt. Zuletzt wurde die Gemeinschaftswährung bei 1,1296 US-Dollar gehandelt. Anfang der Woche war der Euro bis auf 1,1216 Dollargefallen und damit auf den tiefsten Stand seit Juni 2017.

Der Eurokurs wird neben makroökonomischen Daten aktuell durch zwei große politische Themen bestimmt: der Haushaltsstreit mit Italien und der Brexit. Der Streit zwischen der EU-Kommission und der Regierung in Rom steht vor der Eskalation. Bei den Brexit-Verhandlungen soll es hingegen laut britischen Angaben einen Durchbruch gegeben haben. Von der Europäischen Union gibt es hierzu allerdings noch keine Bestätigung. Heute Nachmittag trifft sich das britische Kabinett, um über den Entwurf des Austrittsabkommens zu entscheiden.

Auf der Terminseite werden vor allem erste Daten aus Deutschland und der Eurozone zum Bruttoinlandsprodukt im dritten Quartal im Fokus stehen. Am frühen Nachmittag könnten außerdem Daten zur Entwicklung der Verbraucherpreise in den USA für Bewegung am Devisenmarkt sorgen

mit dpa und reuters
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.