Börse Dax geht die Puste aus, Dow kaum bewegt, Apple unter Druck

Der Dax wagt sich über die Marke von 11.500 Punkten: US-Präsident Trump fabuliert vor den Midterm-Wahlen schon mal über eine mögliche Einigung im Handelsstreit mit China, doch konkrete Ergebnisse gibt es noch nicht. Dennoch wagen sich einige Schnäppchenjäger vor.
Erholung im Dax: Der Index notiert wieder über 11.500 Punkten

Erholung im Dax: Der Index notiert wieder über 11.500 Punkten

Foto: DPA

Anleger warten ab: Nach der Kurserholung in der vergangenen Woche hat der Dax sich am Montag zunächst weiter stabilisiert. Einen Tag vor den wichtigen Midterm-Wahlen in den USA legte der deutsche Leitindex Dax zwischenzeitig 0,3 Prozent auf 11.555 Punkte zu. Zu den größten Gewinnern im Dax zählte die Aktie von Wirecard  , die nach ihren jüngsten Verlusten zur Erholung ansetzte und mit einem Plus von 1,8 Prozent den Dax anführte. Auch Eon  baute seine Gewinne aus. Zum Handelsschluss dreht der Dax jedoch wieder mit 0,2 Prozent ins Minus.

In der vergangenen Woche hatte der Dax  getragen von der Hoffnung auf eine Lösung im Handelskonflikt zwischen China und den USA bereits um 2,7 Prozent zugelegt. Laut Marktbeobachter Thomas Altmann von QC Partners glauben die Investoren aber noch nicht vollständig daran. "Die Anleger wollen keine Ankündigungen von Donald Trump hören, sie wollen Fakten und Lösungen sehen", sagte der Experte.

Am Dienstag stimmen die US-Amerikaner über den Kongress sowie ein Drittel des Senats ab. Präsident Donald Trump und sein Vorgänger Barack Obama lieferten sich am Wochenende eine Art Fernduell um die Gunst der Wähler, obwohl beide nicht zur Wahl stehen. Umfragen zufolge könnten die Demokraten Trumps Republikanern ihre Mehrheit im Repräsentantenhaus streitig machen. Bleibt alles wie es ist, könnte dies bei einigen Anlegern, die auf weitere Steuersenkungen gesetzt haben, für Erleichterung sorgen.

Zudem wurde am Markt auf schwache Konjunkturdaten aus China verwiesen, die echter Kauflaune der Anleger im Wege stand. Die Stimmung in den Dienstleistungsunternehmen des Landes war im Oktober auf den niedrigsten Wert seit 13 Monaten gefallen und hatte die Erwartungen von Analysten deutlich verfehlt.

Dax Realtime: Hier sehen Sie Dax und Dow Jones in Echtzeit 

Gewinnmitnahmen: Continental und Infineon geben nach

Im Dax zollten Infineon ihrer jüngsten Rally Tribut: Im frühen Handel büßten die Papiere als größter Dax-Verlierer rund 1,7 Prozent ein. In der Vorwoche hatten sie sich auch um etwa 15 Prozent erholte - unter anderem getragen von optimistischen Analystenkommentaren und guten Branchenvorgaben.

Wacker Chemie profitiert von Gerüchten aus China

Auf Unternehmensseite stiegen Wacker Chemie  mit plus 5,4 Prozent an die MDax-Spitze: Marktteilnehmer verwiesen zur Begründung auf chinesische Medienberichte, denen zufolge China die Obergrenze für installierte Solaranlagen erhöhen könnte. Der Spezialchemiekonzern könnte mit seinen Produkten ein Profiteur davon sein. SMA Solar aus dem SDax  rückten um fast 4 Prozent vor.

Siemens Healthineers nach Quartalszahlen gefragt

An zweiter Stelle im Index mittelgroßer Werte lagen Siemens Healthineers mit einem Kursplus von etwa 3 Prozent. Ersten Analysteneinschätzungen zufolge übertraf der Hersteller von Medizintechnik im vierten Geschäftsquartal leicht die Markterwartungen. Dies und auch der Ausblick dürften von den Anlegern positiv aufgenommen werden, kommentierte Analyst Daniel Wendorff von der Commerzbank.

Bankenwerte vom jüngsten Stresstest unbeeindruckt

Gesprächsthema war auch der jüngste Banken-Stresstest, dessen Ergebnisse am Freitagabend veröffentlicht wurden: Dabei zeigten sich Anleger bei einigen Häusern wie der Deutschen Bank aber wenig beeindruckt von deren relativ schlechtem Abschneiden. Immerhin seien die Banken ja stabiler als vor ein paar Jahren, sagte ein Händler. Die Titel der Deutschen Bank  lagen am Nachmittag etwa 0,5 Prozent im Minus. Längere Gesichter gab es dagegen bei Aktionären einiger italienischer Instituten, darunter Intesa SanPaolo. Deren Titel fielen um etwa zwei Prozent - trotz eines guten Abschneidens beim Stresstest. Anleger folgten aber offenbar einer Verkaufsempfehlung von Goldman Sachs.

US-Sanktionen gegen Iran treten in Kraft

Am Ölmarkt wirkten sich die nunmehr in Kraft gesetzten neuen US-Sanktionen gegen den Iran kaum mehr auf die Preise aus. Ein Barrel (159 Liter) der Nordsee-Sorte Brent verbilligte sich in der Spitze um 0,8 Prozent auf 72,26 Dollar. Der Effekt der Sanktionen werde auch durch Ausnahmen abgemildert, sagte ein Analyst.

Im Fokus - vor allem auch am Devisenmarkt - blieb das Auf und Ab bei den Brexit-Verhandlungen. Das Pfund Sterling notierte bei 1,2975 Dollar kaum verändert. Spekulationen auf einen Durchbruch bei den Verhandlungen stützten die britische Währung zeitweise. Gegenteilige Vermutungen drückten es wieder.

Wall Street startet kaum verändert - Apple erneut unter Druck

Nach der turbulenten Vorwoche zeichnet sich an der Wall Street am Montag ein ruhiger Start ab: Der Dow Jones  startete kaum verändert auf 25 264 Zähler in den Handel. In den vergangenen fünf Handelstagen war der US-Leitindex zunächst mit 24 122 Punkten auf das tiefste Niveau seit dem Sommer abgesackt, erholte sich dann aber sogar zwischenzeitlich wieder über die Schwelle von 25 500 Punkten.

Anleger ließen sich in der Hoffnung auf ein Ende des Handelsstreits zwischen den USA und China wieder zu Käufen hinreißen. Mit Blick auf den Disput versprach Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping inzwischen in einer Rede zur Eröffnung der ersten internationalen Importmesse in Shanghai eine weitere Öffnung des chinesischen Marktes.

Unter den Einzelwerten stehen Apple  nach ihrem Rutsch vom Freitag weiter im Fokus. Dem enttäuschenden Ausblick auf das Weihnachtsquartal folgte eine weitere negative Botschaft: So ist das neue günstige iPhone XR laut einem Medienbericht offenbar nicht so gefragt wie erwartet.

Vorbörslich zeichnet sich für die bereits auf das tiefste Niveau seit August abgesackten Papiere ein weiterer Verlust von etwa anderthalb Prozent auf gut 204 Dollar ab. Sie bewegen sich damit auf ihre 200-Tage-Linie bei aktuell 192 Dollar zu, die als Gradmesser für den längerfristigen Trend gilt.

Etwas freuen können sich dagegen die Anleger von Spotify  . Der Musikstreaming-Marktführer gab grünes Licht für weitere Aktienrückkäufe mit einem Volumen von einer Milliarde Dollar. Die Papiere erholten sich vorbörslich um rund anderthalb Prozent. Gute Nachrichten sind aber auch bitter nötig. Denn seit dem Rekordhoch bei 198,99 Dollar Ende Juli haben die Aktien 30 Prozent verloren und sind erst kürzlich sogar auf ein Rekordtief gerutscht.

Euro kaum verändert, Nikkei gibt deutlich nach

Der Euro  notierte am Montag im frühen Handel kaum verändert.

Schwindende Hoffnungen auf eine rasche Einigung im Zollstreit zwischen den USA und China machen den asiatischen Börsen unterdessen erneut zu schaffen. Zudem hielten die anstehenden US-Parlamentswahlen Anleger von Engagements an den Aktienmärkten ab, sagte Hiroyuki Fukunaga, Chef des Vermögensverwalters Investrust.

Der japanische Nikkei  verlor am Montag 1,5 Prozent auf 21.899 Punkte. Die Börse Shanghai büßte 0,5 Prozent auf 2663 Zähler ein. Am Freitag hatte US-Präsident Donald Trumps Wirtschaftsberater Larry Kudlow die Erwartung eines baldigen Endes des Konflikts mit China gedämpft. Die Washingtoner Regierung arbeite bislang nicht an einem konkreten Plan für ein Handelsabkommen, sagte Kudlow in einem TV-Interview. Trump selbst hatte zuvor Hoffnungen auf eine baldige Einigung geschürt. Die japanische Börse wurde darüber hinaus von enttäuschenden Firmenbilanzen belastet.

Die Aktien des Index-Schwergewichts Fast Retailing fielen um 4,8 Prozent. Die Mutter der Modefirmen Uniqlo und Comptoir des Cotonniers hatte wegen schleppender Verkäufe von Winterbekleidung ein Umsatzminus von zehn Prozent im Oktober bekanntgegeben. Die Titel von Hitachi Chemical brachen sogar um sieben Prozent ein. Der Konzern gestand mangelhafte Qualitätstests für weitere Produkte ein, die für etwa ein Zehntel des Gesamtumsatzes stehen. Im Juni war bekanntgeworden, dass Überprüfungsergebnisse für Blei-Batterien für den Industrie-Gebrauch manipuliert worden waren. In Japan wurden in den vergangenen Monaten mehrere ähnliche Skandale, unter anderem bei Kobe Steel, aufgedeckt.

mit dpa und reuters