Börse Dax fällt zum Wochenausklang weiter zurück

Der Dax baut seine Verluste am Freitag nach Vorlage der US-Arbeitsmarktdaten aus. Auf den Verkaufslisten im Dax stehen vor allem die Aktien von RWE und HeidelbergCement.

Aus Sorge vor steigenden Zinsen haben Aktionäre in Europa am Freitag die Handbremse gezogen. Der Dax  schwächte sich um 1,1 Prozent auf 12.111 Punkte ab, der MDax (Kurswerte anzeigen) verlor 1,4 Prozent auf 25.276 Zähler. Auch für den TecDax  ging es um 2,1 Prozent nach unten auf 2.745 Zähler (alle Stand 17:30 Uhr) Selbst die mit Spannung erwarteten US-Jobdaten, die schwächer ausfielen als erwartet, stoppten den Abwärtstrend an den Börsen nicht.

"Der Trend zeigt nach unten, daran ändert auch der Arbeitsmarktbericht nichts", sagte ein Händler. Anleger rechnen weiterhin damit, dass die US-Notenbank Fed die Zinsen schneller anhebt als bislang angekündigt. Das macht festverzinsliche Anleihen für sie attraktiver als Aktien. Börsianer erwarteten auch an der Wall Street fallende Kurse.

In den USA entstanden im September 134.000 neue Stellen, deutlich weniger als erwartet. Zugleich wurde aber der Stellenzuwachs für Juli und August insgesamt um 87.000 nach oben revidiert und die Erwerbslosenquote fiel überraschend deutlich auf 3,7 Prozent. "Das Datenmaterial fiel überraschend schwach aus", sagte Volkswirt Thomas Gitzel von der VP Bank. "Allerdings dürften schon im kommenden Monat Nachholeffekte auf dem Programm stehen. Vorerst wird den US-Unternehmen die Puste bei Neueinstellungen nicht auszugehen."

RWE sackt kräftig ab, italienische Banktitel verlieren

Am Aktienmarkt kamen die Aktien von RWE (Kurswerte anzeigen) unter die Räder. Sie sackten bis zum Nachmittag um 6,9 Prozent ab und waren Schlusslicht im Dax. Ein Gericht stoppte die umstrittenen Rodungspläne des Energiekonzerns im Hambacher Forst. RWE rechnet nun ab 2019 jährlich mit einer Ergebnisbelastung in der Sparte Braunkohle & Kernenergie im niedrigen dreistelligen Millionen-Euro-Bereich.

Schlecht verlief der Handelstag auch für HeidelbergCement , dessen Aktien um bis zu 4 Prozent nachgaben. Analyst Rajesh Patki von der Investmentbank JPMorgan hatte die Anleger vor zwei Tagen mit Blick auf den Zwischenbericht zum dritten Quartal auf weiter sinkende Markterwartungen eingestellt. Die Kursentwicklung des laufenden Jahres sei bereits von sinkenden Konsensschätzungen geprägt unterdurchschnittlich gewesen, so Patki. Er rechnet mit einer weiteren Kürzungswelle. Mit rund 8 Prozent Jahresverlust sind HeidelCement viertschwächster Dax-Wert 2018 - hinter Deutsche Bank , Continental und Lufthansa.

Wenig beliebt waren auch die Titel der italienischen Banken. Unicredit (Kurswerte anzeigen), Intesa Sanpaolo (Kurswerte anzeigen) und Banco BPM (Kurswerte anzeigen) verloren jeweils rund drei Prozent. Der Index für die italienische Finanzbranche rutschte um 2,5 Prozent ab.

Investoren sorgen sich davor, dass die Geldhäuser, die auf massiven Schuldenbergen sitzen, ins Straucheln geraten. Wegen des steigenden Renditeabstands zwischen deutschen und italienischen Staatsanleihen haben die Institute im zweiten Quartal im Schnitt 0,4 Prozent ihres Kernkapitals verloren, wie Berechnungen von Analysten ergaben.

An der Londoner Börse sorgte Unilever (Kurswerte anzeigen) für Gesprächsstoff, nachdem der Konsumgüterkonzern den geplanten Umzug der Konzernzentrale von Großbritannien in die Niederlande abgesagt hat. Unilever hatte im März eine neue Struktur und dem Umzug von London nach Rotterdam angekündigt. Die Aktien verloren 0,9 Prozent.

Eurokurs kaum verändert

Der Kurs des Euro  hat sich am Freitag wenig verändert. Am Nachmittag erreichte die Gemeinschaftswährung nach der Veröffentlichung von US-Arbeitsmarktdaten nur zeitweise ein Tageshoch bei 1,1549 US-Dollar und wurde zuletzt wie am Morgen knapp über 1,15 Dollargehandelt. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1506 (Donnerstag: 1,1502) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,8691 (0,8694) Euro.

Ölpreis setzt Höhenflug fort

Dagegen haben Spekulationen auf einen Angebotsengpass den Ölpreis weiter in die Höhe getrieben. Ein Barrel Rohöl (159 Liter) der Nordsee-Sorte Brent  verteuerte sich am Freitag um bis zu 0,6 Prozent auf 85,12 Dollar und blieb damit nur knapp unter seinem Mitte der Woche erreichten Vier-Jahres-Hoch. Auf Wochensicht belief sich der Zuwachs auf drei Prozent. Im Vergleich zu Mitte August ist der Preis um gut ein Fünftel gestiegen.

Grund für die Rally sind Börsianern zufolge die Anfang November wirksam werdenden Sanktionen der USA gegen das wichtige Ölexportland Iran. Anleger sorgten sich, dass es in der Folge zu einer massiven Angebotslücke komme, sagte Rohstoffexpertin Barbara Lambrecht von der Commerzbank. Analysten erwarten, dass dem Weltmarkt dadurch zwei Millionen Barrel pro Tag entzogen werden.

mit Nachrichtenagenturen
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