Börsenschluss Draghi macht Dax-Anleger skeptisch

Der Dax schließt am Montag unter der Marke von 12.400 Punkten. Anleger schienen Aussagen von EZB-Chef Mario Draghi als Zeichen dafür zu interpretieren, dass die Zinsen schneller steigen könnten als erwartet. Im Dax gaben Autowerte nach. Deutliche Abschläge verzeichneten auch die Papiere von Fielmann. Aktien von Gerry Weber fielen quasi ins Bodenlose.
EZB-Chef Mario Draghi

EZB-Chef Mario Draghi

Foto: ARIS OIKONOMOU/ AFP

Die Anleger im Dax  sind am Montag nach der jüngsten Erholung etwas zurückgerudert. Aussagen von EZB-Präsident Mario Draghi am Nachmittag setzten den deutschen Leitindex zusätzlich unter Druck. Nach zwei starken Börsenwochen schloss das Barometer 0,64 Prozent tiefer auf 12.350 Punkten. Ein robust ausgefallener Ifo-Geschäftsklimaindex hinterließ kaum Spuren.

Der MDax  der mittelgroßen deutschen Unternehmen verlor am ersten Tag seiner neuen Zusammensetzung 0,90 Prozent auf 26.106 Punkte.

Draghi beobachtet in der Eurozone Preisauftrieb durch höhere Löhne. Anleger wiederum sehen für gewöhnlich in einer anziehenden Inflation die Gefahr steigender Leitzinsen - für die Aktienmärkte ist dies tendenziell eine Belastung. Die Währungshüter der Eurozone hatten es mit Zinsanhebungen bislang nicht eilig. In den USA ist das anders: Dort dürfte die Notenbank Fed an diesem Mittwoch den Leitzins zum achten Mal in Folge erhöhen.

Anleger in Europa befürchten offenbar steigende Zinsen

Zu den Verlierern im Dax zählten die Papiere der Automobilbranche. Sie waren zuletzt kräftig gestiegen, weil die Strafzölle in der jüngsten Eskalation im amerikanisch-chinesischen Handelskrieg nicht so hoch ausgefallen waren wie befürchtet. Die Aktien von BMW  und Daimler  waren mit Abschlägen von 2,65 beziehungsweise 2,57 Prozent die schwächsten im Leitindex. Zu BMW hatten sich zudem die Analysten von Evercore skeptisch geäußert.

Bei Fielmann  sahen die Anleger zum Wochenauftakt schwarz. Nach einem negativen Kommentar von Hauck & Aufhäuser verloren die Anteile der Optikerkette als Schlusslicht im MDax 5,93 Prozent. Die Jahresprognosen wackelten, hieß es von der Privatbank.

Gerry Weber im freien Fall

Bei den kleinen Titeln sackten Gerry Weber  mit einem Abschlag von zeitweise mehr als 27 Prozent auf ein Fünfzehnjahres-Tief. Der Modekonzern schlittert offenbar immer tiefer in die Krise und gab nun ein Sanierungsgutachten in Auftrag. Analysten wiesen darauf hin, dass die Schulden für Gerry Weber zum Problem werden könnten. Zum Handelsschluss waren die Papiere 25,24 Prozent weniger Wert als am Freitag.


Dax Realtime: Hier sehen Sie Dax und Dow Jones in Echtzeit 


Am deutschen Aktienmarkt traten zu Wochenbeginn grundlegende Änderungen in den Indizes der Deutschen Börse in Kraft. Im Dax ersetzten die Aktien des Zahlungsdienstleisters Wirecard  die der Commerzbank  , die in den MDax abstiegen. Während Wirecard mit plus 2,33 Prozent gleich die Dax-Spitze eroberten, gaben Commerzbank um 1,36 Prozent nach.

Technologieaktien aus dem TecDax  erhalten von nun an auch Zugang zum MDax oder zu dessen kleinem Pendant, dem SDax . Daher wurde der MDax von 50 auf 60 Werte aufgestockt und der SDax von 50 auf 70 Werte. Der TecDax enthält weiterhin 30 Werte.

Tec-Dax-Mitglieder finden nun auch im MDax

Insgesamt 13 der bisherigen TecDax-Mitglieder sind nun auch im MDax zu finden, darunter Qiagen  , Siemens Healthineers  , United Internet  , Morphosys  und Freenet  . Im TecDax wiederum sind mit SAP , Infineon und Deutsche Telekom auch drei Dax-Schwergewichte vertreten.

Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50  sank am Montag um 0,59 Prozent auf 3410 Punkte. Auch die Leitindizes in Paris und London gaben moderat nach. Der New Yorker Dow Jones Industrial verzeichnete zum europäischen Handelsende ein Minus von etwas mehr als einem halben Prozent.

Am Rentenmarkt stieg die Umlaufrendite von 0,29 Prozent am Freitag auf 0,30 Prozent. Der Rentenindex Rex gab um 0,05 Prozent auf 140,47 Punkte nach. Der Bund-Future verlor 0,47 Prozent auf 158,32 Punkte.

Der Euro kletterte nach den Draghi-Aussagen mit 1,1815 US-Dollar auf den höchsten Stand seit Mitte Juni. Dann gab die Gemeinschaftswährung einen Großteil der Gewinne wieder ab. Zuletzt wurde sie mit 1,1773 Dollar gehandelt. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs auf 1,1773 (Freitag: 1,1759) US-Dollar festgesetzt. Der Dollar hatte damit 0,8494 (0,8504) Euro gekostet.

mit dpa und reuters