Börse Dax startet durch - trotz Trump

Der Dax legt am Dienstag deutlich zu - trotz des sich zuspitzenden Handels- und Zollstreits zwischen den USA und China. Auch in Asien lassen sich Anleger von Trumps Drohungen kaum noch beeindrucken. Die Aktien von Volkswagen und von Bayer setzen ihre Erholung fort.

Erholung trotz Trump: Am deutschen Aktienmarkt hat der Dax  trotz des sich zuspitzenden Handelsstreits zwischen USA und China deutlich zugelegt. Der Index arbeitete sich bis zum Xetra Schluss um 0,5 Prozent vor und baute im späten Handel dank Unterstützung der US-Börsen seine Gewinne weiter aus. Zuletzt notierte er nur noch knapp unter der Marke von 12.200 Zählern.

Charttechnisch orientierte Marktexperten sehen den jetzigen Zuwachs im Dax bereits als positives Signal: Mit der Marke von 12.100 Punkten habe das Börsenbarometer seine ehemalige Unterstützung zurückerobert, schrieb Jochen Stanzl von CMC Markets. "Nun dürfte es zu einer starken Erholungsrally am deutschen Aktienmarkt kommen", vermutet der Marktanalyst.

Rückenwind kam am Morgen auch von den Börsen in Asien, dort hatten die Marktplätze in China und und Japan in ihrer jüngsten Sitzung ebenfalls dem Zollzwist getrotzt und Gewinne verbucht.

Volkswagen und Bayer mit Gewinnen

Zu den größten Gewinnern im Dax  gehörten Volkswagen und Bayer mit Gewinnen zwischen 2 und 4,5 Prozent. Die Erholungsrally der Volkswagen Vorzüge hat am Dienstag nochmals neuen Schwung bekommen: In den sieben Handelstagen seit dem Zwölfmonatstief von 134,20 Euro kletterten sie inzwischen um rund 12 Prozent.

Weiteren Auftrieb gab eine Branchenstudie des Investmenthauses Redburn. Für den Analysten Ashlee Ramanathan sind VW-Papiere darin klarer Favorit unter den europäischen Markenherstellern. Das Fahrzeugangebot beim Thema E-Mobilität hebe sich von der Konkurrenz ab, so der Experte. Er lobte zudem das Optimierungspotenzial des Konzerns.

Trump kündigt neue Zölle gegen China an

An der Wall Street griffen Anleger wieder zu: Der Dow Jones  baute seine Gewinne am Abend auf 0,5 Prozent aus, während der Nasdaq Stock Market  sogar um 1,1 Prozent zulegte. Schwergewichte wie Amazon  und Netflix  waren wieder gefragt.

US-Präsident Donald Trump macht unterdessen seine Drohungen wahr und hat neue Sonderzölle in Höhe von 10 Prozent auf chinesische Importe im Wert von 200 Milliarden Dollar angekündigt. Dies ist Trumps bisher größter Schlag gegen Peking. Die neuen Zölle sollen zum 24. September wirksam werden und ab Beginn des kommenden Jahres auf 25 Prozent steigen. Die Tür für Gespräche bleibe weiterhin offen, hieß aus dem Weißen Haus. Falls China aber mit Gegenmaßnahmen gegen die US-Landwirtschaft oder andere Industriezweige antworten würde, würde die US-Regierung eine weitere Phase - die dann dritte - einläuten, sagte Trump. China kündigte bereits Gegenmaßnahmen an.

Der Index der mittelgroßen Werte MDax (Kurswerte anzeigen) dämmte am Morgen seine Verluste ein, er trat zuletzt noch mit minus 0,09 Prozent bei 26.256,11 Zählern nahezu auf der Stelle. Der Technologiewerte-Index TecDax (Kurswerte anzeigen) gab um 0,18 Prozent auf 2898,98 Punkte nach. Auch in Europa kamen die Anleger aus ihrer Deckung: Der Leitindex der Eurozone EuroStoxx 50 (Kurswerte anzeigen) legte zuletzt um 0,59 Prozent auf 3365,90 Punkte zu.


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Zalando bremst MDax

In der Dax-Familie landeten in der Frühe alle Augen auf den Zalando -Papieren . Nach der Gewinn- und Umsatzwarnung des Online-Modehändlers ging der Kurs der im MDax notierten Aktie um gut ein Fünftel in die Knie und fiel auf das Niveau des Sommers 2016 zurück. Die diesjährige Hitzewelle hatte dem Unternehmen zu schaffen gemacht und ihn nun zu einer Anpassung seiner Prognosen gezwungen. Zalando habe ein anhaltendes Profitabilitätsproblem, kritisierte ein Händler. Auch einige Analysten senkten bereits den Daumen, die Experten der Commerzbank etwa strichen ihre Kaufempfehlung.

Im Dax katapultierten schwache Zahlen ihrer Mitbewerber die Papiere des Softwarekonzerns SAP (Kurswerte anzeigen) und die Deutsche Post (Kurswerte anzeigen) mit jeweils rund einem Prozent Kursverlust ans Dax-Ende. SAP-Konkurrent Oracle  enttäuschte mit schwachem Umsatzwachstum. Der US-Paketdienst Fedex blieb beim Gewinn hinter den Erwartungen zurück.

Die noch zu Wochenbeginn vom Zollstreit belasteten Autobauer setzten europaweit zur Gegenbewegung an. Im Dax zogen Volkswagen (Kurswerte anzeigen) an den Wettbewerbern vorbei, die Papiere setzten sich mit einem Gewinn von gut 3 Prozent an die Index-Spitze. BMW (Kurswerte anzeigen) und Daimler (Kurswerte anzeigen) legten jeweils mehr als ein Prozent zu.

Die Auto- und Lkw-Bauer stehen auch wegen der beginnenden IAA-Nutzfahrzeugmesse in Hannover im Blick. Die VW-Nutzfahrzeugsparte Traton gab bekannt, dass im Zuge der geplanten Partnerschaft mit dem japanischen Nutzfahrzeughersteller Hino die Unternehmen ihre Kräfte im Bereich Elektromobilität bündeln wollen. Wie manager magazin zudem aus informierten Kreisen erfuhr, steht der verhaftete Audi-Chef Rupert Stadler kurz vor seiner Ablösung.

Euro bei knapp 1,17 Dollar

Der Euro  hat am Dienstag knapp unter der Marke von 1,17 US-Dollar gehandelt. Am Morgen kostete die Gemeinschaftswährung 1,1690 Dollar und damit in etwa so viel wie am späten Vorabend. Nur kurzzeitig war der Euro im frühen Handel über 1,17 Dollar gestiegen. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Montagnachmittag auf 1,1671 Dollar festgesetzt.

Die in der Nacht auf Dienstag angekündigten US-Strafzölle auf chinesische Waren im Wert von 200 Milliarden Dollar bewegten die Devisenmärkte nur kurzzeitig.

Die Ölpreise dagegen reagierten am Dienstag mit moderaten Verlusten auf die neuen Strafzölle der USA gegen China. Am Morgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im November 77,59 US-Dollar. Das waren 46 Cent weniger als am Montag. Der Preis für amerikanisches Rohöl der Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur Oktober-Lieferung fiel um 32 Cent auf 68,59 Dollar. Am Markt hieß es, die zusätzlichen Zölle seien bereits erwartet worden und damit keine große Überraschung.

mit Nachrichtenagenturen
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