Börse Dax fällt, Dow schwankt, Apple steigt

Der Dax fällt unter die Marke von 12.400 Punkten. Der Handelsstreit zwischen USA und China spitzt sich zu. Zudem sorgt Donald Trump mal wieder für Irritationen.
Kursrutsch: Der Dax fällt weiter

Kursrutsch: Der Dax fällt weiter

Foto: PAWEL KOPCZYNSKI/ REUTERS

Kursrutsch zum Wochenschluss: Die drohende Eskalation im Handelsstreit zwischen den USA und China hat dem Dax am Freitag zugesetzt. Der deutsche Leitindex fiel bis zum Nachmittag um 0,9 Prozent auf 12.365 Zähler. Die US-Indizes tendierten dagegen vor dem langen Labor-Day-Wochenende kaum verändert.

Gegenwind für Europa und Asien kommt aus Washington: US-Präsident Donald Trump zeigt sich einem Medienbericht zufolge entschlossen zur Umsetzung seiner Zollpläne gegenüber China. Trump habe Beratern gesagt, er werde die bereits vorgesehenen Abgaben auf weitere chinesische Importe im Volumen von 200 Milliarden Dollar nächste Woche in Kraft setzen lassen, meldete die Agentur Bloomberg. "Donald Trump heizt die Eskalationsspirale weiter an", sagte Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners. "Eine Reaktion Chinas mit Gegenzöllen wird sicherlich nicht lange auf sich warten lassen."

Abschaffung der Autozölle: Trump lehnt Vorschlag der EU ab

Außerdem ist die EU mit ihrem Angebot einer gegenseitigen Abschaffung von Autozöllen abgeblitzt. Die Offerte von EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström sei "nicht gut genug", sagte Trump in einem Interview der US-Nachrichtenagentur Bloomberg, das am Donnerstag veröffentlicht wurde. "Die EU ist fast so schlimm wie China, nur kleiner", sagte Trump und wiederholte damit seine bereits vor Wochen gewählten Worte im Handelsstreit mit Europa.

Autowerte und Zulieferer leiden

Im europaweiten Branchenvergleich wurden Aktien von Autobauern und -zulieferern wegen der drohenden Verschärfung der Zollkonflikte am stärksten verkauft. So verloren die Dax  -Papiere von BMW , Daimler  , Volkswagen  und Continental  zwischen 1,0 und 1,6 Prozent an Wert. Gemeinsam mit der Lufthansa  gehörten sie zu den größten Verlierern im Dax. Im MDax  büßten Schaeffler und Norma zwischen 2,2 und 2,7 Prozent ein. Am Vortag hatte die Hoffnung auf eine mögliche Abschaffung der EU-Zölle auf Autoimporte der Branche noch Auftrieb verliehen.

Wall Street kaum verändert

Der amerikanisch-chinesische Zollstreit hat auch die US-Börsen am Freitag belastet. Der Dow Jones  lag in den ersten Handelsminuten 0,2 Prozent im Minus bei 25.941 Punkten, der breiter gefasste S&P 500 gab 0,1 Prozent auf 2898 Zähler nach. Der Index der Technologiebörse Nasdaq Composite  notierte dagegen 0,3 Prozent im Plus und setzte seine Rekordjagd fort.

"Der drohende Dämpfer für das globale Wirtschaftswachstum durch die ramponierten amerikanisch-chinesischen Beziehungen bleibt im Zentrum der Märkte", sagte Analyst Dean Popplewell vom Handelshaus Oanda.

Anleger hielten sich Händlern zufolge auch wegen des bevorstehenden langen Wochenendes zurück: Am Montag bleibt die Börse wegen des Feiertages Labour Day geschlossen.

Größter Dow-Gewinner waren mit einem Plus von 1,3 Prozent die Aktien von Apple  . Es wird erwartet, dass der US-Technologiekonzern seine neuen iPhones am 12. September vorstellt.

Coca-Cola übernimmt Starbucks-Rivalen

Für Gesprächsstoff sorgte der Einstieg von Coca-Cola  Cola in den heiß umkämpften Kaffeemarkt. Der Getränke-Riese übernimmt Costa Coffee für umgerechnet 4,3 Milliarden Euro einschließlich Schulden von der britischen Restaurant- und Hotelkette Whitbread. Aktien von Coca-Cola notierten 0,4 Prozent schwächer, die Papiere von Costa-Konkurrent Starbucks lagen 0,3 Prozent höher.

Übernahmespekulationen beflügelten die Aktien des US-Chipherstellers Integrated Device Technology, die um mehr als zehn Prozent abhoben. Die japanische Renesas Electronics teilte mit, ein Auge auf die kalifornische Firma geworfen zu haben. Einem Medienbericht zufolge könnte die Übernahme rund sechs Milliarden Dollar schwer sein und eine der größten sein, die ein japanisches Chipunternehmen jemals gestemmt hat.

Gewinnmitnahmen bei Vonovia

Unter den Einzelwerten standen die Aktien von Vonovia nach Halbjahreszahlen mit minus 1,7 Prozent im Anlegerfokus. Ein Händler begründete die Schwäche trotz eines erhöhten Gewinnziels mit dem insgesamt verhaltenen Ausblick des Immobilienkonzerns. Nach dem Rekordhoch am Mittwoch nähmen Anleger nun Gewinne mit, sagte er. Dennoch gehören Vonovia mit einem Plus von rund 8 Prozent zu den stärksten Dax-Titeln im Jahresverlauf. Seit dem Börsengang im Sommer 2013 summiert sich das Kursplus auf 167 Prozent.

Lufthansa unter Druck

Eine Verkaufsempfehlung der Citigroup beförderte die Aktien der Lufthansa am Dax-Ende um 3,6 Prozent ins Minus. Citigroup-Analyst Mark Manduca sieht die Fluggesellschaft wegen des stetigen Ausbaus der Flugkapazitäten unter zunehmendem Preisdruck. Zudem monierte er, dass die Kranich-Linie weitaus weniger anlegerorientiert sei als andere Gesellschaften. Deshalb stufte er die Aktien von "Buy" auf "Sell" ab und senkte das Kursziel von 32,50 auf 19,90 Euro.

Beiersdorf-Aktien fielen um 1,9 Prozent. Die Schweizer Bank Credit Suisse stufte die Titel des Konsumgüterkonzerns von "Outperform" auf "Neutral" ab und senkte das Kursziel von 103 auf 95 Euro. Die Hamburger wiesen zwar eines der attraktivsten Wachstumsprofile in der Konsumgüterbranche auf, von der zunehmenden Liquidität komme bei den Anlegern renditetechnisch aber immer weniger an, schrieb Analyst Pieter Vorster in einer Studie.

Am Rentenmarkt fiel die Umlaufrendite von 0,21 Prozent am Vortag auf 0,18 Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,16 Prozent auf 141,24 Punkte. Der Bund-Future gewann 0,09 Prozent auf 163,09 Punkte.

Der Handelskonflikt bremste auch die US-Börsen aus. Der Dow-Jones-Index gab am Donnerstag 0,5 Prozent nach, der S&P 500 fiel um 0,4 Prozent. Mit Kanada wollen die USA ihre Meinungsverschiedenheiten in Handelsfragen im Tagesverlauf lösen und sich auf einen Ersatz für das Nordamerikanische Freihandelsabkommen Nafta einigen. Am Montag hatten sich die USA mit dem dritten Nafta-Partner Mexiko vorläufig verständigt.

Daneben blickten Börsianer weiter sorgenvoll auf die Währungskrise in Argentinien. Dort konnte selbst eine Not-Zinserhöhung der Zentralbank die Talfahrt der Währung nicht stoppen. Unabhängig davon stehen Zahlen zu den deutschen Einzelhandelsumsätzen sowie die europäischen Inflationsdaten an.

Euro wird teurer, Schwellenland-Währungen unter Druck

Der Euro hat am Freitag im frühen Handel zugelegt. Händler nannten Äußerungen des österreichischen Notenbankchefs Ewald Nowotny als Grund. Am Morgen kostete die Gemeinschaftswährung 1,1680 US-Dollar und damit etwas mehr als am Vorabend. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Donnerstagnachmittag auf 1,1692 Dollar festgesetzt.

Der Euro profitierte am Morgen von Aussagen des österreichischen Notenbankchefs Nowotny, der zugleich Mitglied im geldpolitischen EZB-Rat ist. Er erklärte, dass das verhaltene Wirtschaftswachstum in Italien die Notenbank nicht daran hindern sollte, ihre Geldpolitik wie beabsichtigt zu straffen. Die EZB plant, ihre Anleihekäufe zum Jahresende einzustellen. Zinsanhebungen sollen aber frühestens nach dem Sommer 2019 folgen.

Unter hohem Druck standen am Morgen weiterhin zahlreiche Währungen von Schwellenländern. Die indische Rupie fiel zum US-Dollar auf ein neues Rekordtief, die indonesische Rupiah sank auf den tiefsten Stand seit der Asienkrise 1998. Zu den angeschlagenen Währungen zählen zudem der argentinische Peso, der brasilianische Real und die türkische Lira.

luk/rtr, dpa-afx
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