Börse Dax im Minus, Amazon hebt ab

Der Dax schließt im Minus, obwohl es Bewegung im Zollstreit zwischen EU und USA gibt. Die Währungskrisen in Argentinien und der Türkei belasten weiterhin die Börsen. An der Nasdaq überwindet die Aktie von Amazon erstmals die Marke von 2000 US-Dollar.

Kursverluste im Dax trotz Rekordjagd an der Wall Street: Der Dax  gab am Donnerstag bis zum Handelsschluss auf Xetra um 0,7 Prozent nach und schloss knapp unter der Marke von 12.500 Punkten. Auch MDax  und TecDax  schlossen im roten Bereich.

Nur für eine kurzzeitige Entlastung sorgte ein Bericht des US-Online-Magazins "Politico", dem zufolge die Europäische Union bei einem Handelspakt mit den USA bereit ist, Zölle auf Autoimporte abzuschaffen. Dies könnte ein weiteres Signal dafür sein, die Handelskonflikte zu schlichten, nachdem zuletzt bereits in die schwierigen Nafta-Verhandlungen Bewegung gekommen sei.

Dow Jones startet im Minus, Amazon knackt 2000-Dollar-Marke

Die Anleger an der Wall Street gönnen sich nach der jüngsten Rekordrally erst einmal eine Verschnaufpause. Der US-Leitindex Dow Jones  notierte im frühen Handel 0,4 Prozent tiefer auf 26 014 Punkten.

Der Tech-Index Nasdaq Composite (Kurswerte anzeigen) legte dagegen leicht zu und setzte seine Rekordjagd in gebremstem Tempo fort. Das Index-Schwergewicht Amazon  legte im frühen Handel nach seiner Vortages-Kursrally um weitere 1,1 Prozent zu und kletterte über die Marke von 2000 US-Dollar ja Aktie. Der Börsenwert der Bezos-Company ist inzwischen nur noch knapp unter der Billionen-Dollar-Marke. Zuletzt notierte Amazon bei 2018 US-Dollar je Aktie, was einem Marktwert von 955 Milliarden Dollar entspricht.

Unter den Einzelwerten steht außerdem der Softwarehersteller Salesforce  im Fokus. Der SAP-Rivale lieferte zwar einen überzeugenden Umsatzausblick, blieb bei den Gewinnprognosen für das laufende Quartal aber hinter den Erwartungen zurück. Das liege an hohen Investitionen in Forschung, Entwicklung und den Vertrieb, hieß es. Die Salesforce-Aktien büßten im vorbörslichen Handel rund 2 Prozent ein. Zudem senkte der Computerspielhersteller Electronic Arts seine Prognose für die Nettobuchungen im kommenden Jahr.

Um 9 Prozent knickten vorbörslich die Anteilsscheine von Abercrombie & Fitch ein. Der Umsatz der Textilhandelskette war auf vergleichbarer Fläche nicht so stark gestiegen wie von Analysten erhofft.

Handelsstreit: USA und China weit von Lösung entfernt

Anders sieht es im Konflikt der USA mit den Chinesen aus. "Eine Lösung für den im Vergleich deutlich größeren Handelsstreit mit China zeichnet sich augenscheinlich derzeit nicht ab", sagte Marktanalyst Christian Schmidt von der Landesbank Helaba. Es überrasche daher nicht, dass sich Anleger hierzulande nicht allzu weit aus dem Fenster lehnen wollen. Auch in China gaben die Börsen nach.

Metro im Plus - chinesischer Mischkonzern Fosun angeblich interessiert

Am deutschen Aktienmarkt rückte erneut die Metro ins Rampenlicht. Der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge hat der chinesische Mischkonzern Fosun ein Auge auf den Handelskonzern geworfen, an dem auch der tschechische Milliardär Daniel Kretinsky Interesse hat. Die Titel von Metro und des Großaktionärs Ceconomy drehten daraufhin ins Plus und gewannen bis zu 3,8 Prozent.


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Türkische Lira fällt, argentinischer Peso und indische Rupie auf Rekordtief

Am Devisenmarkt blickten Anleger besorgt an den Bosporus. Die türkische Lira schwächte sich weiter ab, ein Dollar verteuerte sich um gut zwei Prozent auf 6,58 Lira. "Die Stimmung in der Türkei trübt sich weiter ein - es droht eine Rezession", sagte Ulrich Stephan, Anlagestratege bei der Deutschen Bank. Der Kurssturz der türkischen Währung hatte vor ein paar Wochen Börsianer weltweit verunsichert. Die Lira verlor seit Anfang des Jahres fast 40 Prozent an Wert.

Marktteilnehmer befürchten, dass sich Investoren generell aus aufstrebenden Volkswirtschaften in Asien und Südamerika zurückziehen werden. "Die Gefahr, dass diese Krise zu einer globalen Schwellenländer-Krise wird, wird immer größer", warnte Marktexperte Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners. So spitzte sich im hoch verschuldeten Argentinien die Lage zu. Nach einer Bitte der dortigen Regierung prüft der Internationale Währungsfonds eine vorzeitige Auszahlung milliardenschwerer Finanzhilfen für das Land.

Trotz Notfallmaßnahmen der lokalen Notenbank war der Peso am Mittwoch so wenig wert wie noch nie. Auch die indische Rupie fiel am Donnerstag auf ein Rekordtief zum Dollar.

Salesforce-Prognose zieht SAP nach unten

Unter den Verlierern im Dax  waren Aktien des Softwareriesen SAP  mit einem Kursminus von 1,2 Prozent. Der US-Rivale Salesforce rechnet wegen höherer Investitionen in Forschung, Entwicklung und Vertrieb mit einem geringeren Gewinn als von Analysten erwartet.

Chef von Scout24 geht

Aus den Aktiendepots der Anleger flogen die Titel von Scout24. Sie rutschten um 4,7 Prozent ab, nachdem Firmenchef Gregory Ellis überraschend bekanntgegeben hatte, aus persönlichen Gründen zurücktreten zu wollen. Analysten von Kepler Cheuvreux schrieben in einem Kurzkommentar, der Zeitpunkt des Rücktrittsgesuchs komme unerwartet. Der Vertrag von Ellis laufe noch ein Jahr.

Am Donnerstag stehen zahlreiche Konjunkturdaten auf dem Terminplan. Hierzu gehören die deutschen Inflationszahlen sowie das Barometer für das europäische Wirtschaftsklima. Von den US-Konsumausgaben erhoffen sich Börsianer Hinweise auf Zeitpunkt und Tempo der erwarteten Zinserhöhungen durch die Notenbank (Fed). Der private Konsum gilt als Hauptstütze der weltgrößten Volkswirtschaft. Im Blick werden Investoren auch die Turbulenzen rund um die türkische Lirabehalten, die andere Schwellenländer-Währungen wie die indische Rupie oder den argentinischen Pesoin Mitleidenschaft ziehen.

Walll Street auf Rekordjagd, Amazon nahe 2000 Dollar je Aktie

An der Wall Street markierten der S&P-500-Index und der Nasdaq-Index am Mittwoch neue Allzeithochs. An der Nasdaq wirkte vor allem die Kursrally von Amazon  als Kurstreiber.

Der Dow-Jones -Index der Standardwerte schloss 0,2 Prozent höher bei 26.126 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 gewann 0,6 Prozent auf 2914 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq (Kurswerte anzeigen)stieg um ein Prozent auf 8109 Stellen. In Tokio lag der Nikkei -Index am Donnerstag 0,1 Prozent höher.

Unter den Einzelwerten fielen die Aktien von Fresenius Medical Care (Kurswerte anzeigen) (FMC) als Dax-Schlusslicht mit einem Minus von mehr als 3 Prozent negativ auf. Ein Analyst verwies auf steigende Risiken bei der Rückerstattungspraxis für Dialyse-Dienstleistungen in Kalifornien. Ein Händler sprach zudem von Gewinnmitnahmen nach den klaren Kurssteigerungen der vergangenen beiden Handelstage.

Die Sorgen über ein eventuell etwas trägeres Geschäft belastete die Aktien des Spezialchemiekonzerns Covestro (Kurswerte anzeigen) weiter. Im frühen Handel fielen sie als einer der größten Dax-Verlierer um 1,8 Prozent - nach Verlusten von 3 Prozent beziehungsweise 2 Prozent an den vergangenen beiden Tagen. Seit ihrem Rekordhoch im Januar haben die Covestro-Papiere nun rund 22 Prozent eingebüßt. Auf einer Branchenkonferenz habe der Kunststoffspezialist einen gewissen, leichten Sommer-Abschwung im Europa-Geschäft vor dem saisonal stärksten Monat September signalisiert, erklärte Analyst Michael Schäfer von der Commerzbank.

Nach den endgültigen Fielmann -Zahlen  verbilligten sich die Aktien der Optikerkette um 3 Prozent. Die finalen Kennziffern der Hanseaten hätten den vorläufigen Eckdaten entsprochen, sagte ein Händler am Morgen. In den ersten sechs Monaten des Jahres hatten Wetterkapriolen, höhere Personalkosten und Wechselkursschwankungen dem Unternehmen zu schaffen gemacht.

Der mögliche Rücktritt von Unternehmenschef Gregory Ellis ließ die Aktien des Internetportalbetreibers Scout24 am MDax-Ende um 4 Prozent absacken. Ellis will aus persönlichen Gründe aus dem Amt ausscheiden. Die Unsicherheit infolge eines solchen Schrittes komme bei Investoren nie gut an, sagte ein Händler. Allerdings müssten zunächst Details zum möglichen Wechsel an der Konzernspitze abgewartet werden.

Euro bei 1,17 US-Dollar

Der Euro (Kurswerte anzeigen) hat sich am Donnerstag weiter um die Marke von 1,17 US-Dollar herum bewegt. Am Morgen kostete die Gemeinschaftswährung 1,1698 US-Dollar und damit in etwa so viel wie am Vorabend. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Mittwochnachmittag noch etwas tiefer auf 1,1660 Dollar festgesetzt.

Am Donnerstag stehen einige Konjunkturdaten auf dem Plan, die für Interesse sorgen dürften. In Europa werden Inflationsdaten aus Deutschland erwartet. Die Zahlen sind nicht zuletzt für den geldpolitischen Kurs der EZB von Belang. In den USA werden ebenfalls Preisdaten veröffentlicht. Es handelt sich um den alternativen Preisindex PCE, der von der amerikanischen Notenbank als bevorzugtes Inflationsmaß betrachtet wird.

mg/dpa-afx, rtr
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