Kursrutsch an den Börsen Dax und Dow Jones tauchen ab, China spricht von "Erpressung"

US-Präsident Donald Trump setzt im Handelskonflikt mit China weiter auf Eskalation. Anleger bringen Geld in Sicherheit. Dax und Dow Jones geben am Dienstag weiter nach.
Abwärts: Der Dax beschleunigt seinen Kursrutsch. Auch der Dow Jones wankt

Abwärts: Der Dax beschleunigt seinen Kursrutsch. Auch der Dow Jones wankt

Foto: PAWEL KOPCZYNSKI/ REUTERS

Der eskalierende Handelsstreit zwischen den USA und China hat den Dax  am Dienstag weiter unter Druck gesetzt. Der Konflikt belastet die Börsen weltweit. In Asien gingen die Indizes auf Talfahrt, und auch an der Wall Street sind Dow Jones  und Nasdaq Composite  am Dienstag mit deutlichen Verlusten in den Handel gestartet.

Der US-Leitindex Dow Jones Industrial  startete 1,3 Prozent tiefer und baute zeitweise seine Verluste auf mehr als 400 Punkte aus. Zuletzt notierte er bei 24.580 Punkten. Das ist der niedrigste Stand seit Anfang des Monats. Der Nasdaq Stock Market  gab zuletzt um 0,9 Prozent nach. Die Technologiebörse war zuletzt unbeirrt von einem Rekord zum nächsten geeilt, doch nun nehmen Anleger Gewinne mit.

US-Präsident Donald Trump hatte China zuvor mit weiteren Strafzöllen auf Waren im Wert von 200 Milliarden US-Dollar gedroht. Peking kündigte daraufhin am Dienstag Vergeltung an, ein Sprecher des Pekinger Handelsministeriums nannte das Vorgehen der USA "Erpressung".

"Die Eskalation in den vergangenen Tagen hat die Investoren aufgerüttelt", sagte Analyst Craig Erlam vom Broker Oanda. Der Zwist scheine den guten Lauf der US-Aktien seit Ende Mai nun abzuwürgen. Auch die Unternehmen in den USA seien nicht immun gegen einen Handelskrieg. Der Druck auf die Kurse könne noch zunehmen, sollten sich beide Seiten nicht wieder einander annähern.

Dax verliert 500 Punkte binnen drei Tagen

Der deutsche Leitindex Dax  ist bereits seit Tagen unter Druck. Der Index unterbot zeitweise die Marke von 12 600 Punkten und verlor letztlich bis zum Handelsschluss auf Xetra (17.30 Uhr) 1,2 Prozent auf 12 677 Punkte.

Der MDax , der die Aktien mittelgroßer deutscher Unternehmen repräsentiert, fiel am Dienstag um 1,12 Prozent auf 26 446,55 Punkte. Der Technologie-Index TecDax  sackte um 1,70 Prozent auf 2801 Zähler ab.

Auch an den Börsen Europas ging es deutlich nach unten. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 büßte 0,90 Prozent auf 3435,30 Punkte ein. Der Pariser CAC 40 fiel um gut 1 Prozent, während der Londoner FTSE 100 lediglich um 0,4 Prozent sank.

Noch am vergangenen Freitag hatte der Dax in der Spitze bei 13.170 Punkten notiert. Binnen drei Handelstagen hat der Dax zeitweise mehr als 500 Punkte verloren.

"Es bekriegen sich hier die beiden Lokomotiven der Weltwirtschaft", schrieb Experte Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners in einem Marktkommentar. Er befürchtet gar eine Rezession für die Weltwirtschaft. Investoren verkauften risikoreiche Aktien und kauften sichere Staatsanleihen und krisenfeste Währungen, so Altmann.

Rohstoff- und Industriegüter stark unter Druck

Im europäischen Stoxx-600-Branchentableau litten die konjunkturabhängigen Sektoren der Rohstoff- , Technologie- , Industriegüter- und Automobilwerte besonders unter dem allmählich eskalierenden Handelskonflikt. Im Dax verloren die Anteile von Thyssenkrupp  als schwächster Wert 2,7 Prozent. Volkswagen  büßten 2,6 Prozent ein. Infineon  fielen um 2,3 Prozent.

Bester Dax-Wert und einziger im Plus mit etwa 1 Prozent waren die Aktien von Beiersdorf . Ihnen kam eine Hochstufung durch die US-Bank JPMorgan zugute.

MDax: Ceconomy bricht zweistellig ein

Im MDax  brachen die Papiere von Ceconomy angesichts einer drohenden Kapitalerhöhung um fast 10 Prozent ein. Der Elektronikhändler will sich für die Neuordnung des verlustreichen Russland-Geschäfts offenbar frisches Kapital besorgen, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtete.

Unter Druck mit einem Minus von mehr als 2 Prozent gerieten auch die K+S-Anteile . Hier sorgten Produktionsprobleme im kanadischen Kaliwerk Bethune für Ungemach.


Dax Realtime: Hier sehen Sie Dax und Dow in Echtzeit 


Asiens Börsen tauchen ab, Börse in Hongkong auf Viermonatstief

Die Gefahr einer weiteren Eskalation im Handelsstreit zwischen den USA und China hat die Börsen in Asien am Dienstag in die Knie gezwungen. Die jüngste Zolldrohung von US-Präsident Donald Trump rüttele am Nervenkostüm der Anleger, sagte Shintaro Ikeshima, Chef-Analyst beim Broker Mitsubishi UFJ.

Der Nikkei  in Tokio schloss 1,8 Prozent schwächer bei 22.278 Punkten und damit auf dem tiefsten Stand seit zweieinhalb Wochen. Die Börse in Shanghai sackte um 3,5 Prozent ab. Der chinesische Index der wichtigsten Unternehmen in Shanghai und Shenzen verlor ebenfalls rund drei Prozent.

Der MSCI-Index für asiatisch-pazifische Aktien außerhalb Japans rutschte um 1,8 Prozent ab auf den tiefsten Stand seit mehr als einem halben Jahr. Trump hatte kurz vor Handelsbeginn in Japan neue Zölle auf chinesische Waren mit einem Volumen von 200 Milliarden Dollar angedroht, sollte die Regierung in Peking ihre geplanten Vergeltungszölle für US-Zöllee umsetzen. Die Regierung in Peking sprach von Erpressung und kündigte Gegenmaßnahmen an, wenn die USA die Ankündigung wahr machen.

Euro gibt zum Dollar wieder nach

Die europäische Gemeinschaftswährung Euro  hat am Dienstag Vormittag zum Dollar wieder nachgegeben und ist erneut unter die Marke von 1,16 US-Dollar gerutscht. Am Vorabend hatte der Euro noch etwas niedriger notiert. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Montag auf 1,1613 (Freitag: 1,1596) Dollar festgesetzt.

Gegenüber allen wichtigen Währungen zugelegt hat der japanische Yen. Nach neuen Drohungen von US-Präsident Donald Trump bewegen sich China und die USA auf einen handfesten Handelskrieg zu. Dies treibt die Anleger in den als sicher geltenden Yen. Peking kündigte am Dienstag Vergeltung an, kurz nachdem das Weiße Haus die Prüfung von weiteren Zöllen in Höhe von zehn Prozent auf chinesische Waren im Wert von 200 Milliarden US-Dollar (172,3 Milliarden Euro) in Auftrag gab.

Weitere Zuspitzung im Handelskonflikt belastet Ölpreise

Die Ölpreise sind am Dienstag im frühen Handel gefallen. Am Morgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im August 74,87 US-Dollar. Das waren 47 Cent weniger als am Vortag. Der Preis für ein Barrel der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur Lieferung im Juli fiel um 42 Cent auf 65,43 Dollar.

Belastet wurden die Ölpreise durch die Zuspitzung im Handelskonflikt zwischen China und den USA. Nach neuen Drohungen von US-Präsident Donald Trump bewegen sich China und die USA auf einen Handelskrieg zu. Peking kündigte am Dienstag Vergeltung an, kurz nachdem das Weiße Haus die Prüfung von weiteren Zöllen in Höhe von zehn Prozent auf chinesische Waren im Wert von 200 Milliarden US-Dollar in Auftrag gab. Sollte die Konjunktur durch den Konflikt belastet werden, dann würde auch die Öl-Nachfrage gedämpft werden.

Am Montag hatten die Ölpreise noch zugelegt. Medienberichten laut denen die Organisation erdölexportierender Länder (Opec) und andere Förderländer wie Russland auf ihrem Treffen an diesem Freitag nur über eine Förderanhebung von 300.000 bis 600.000 Barrel diskutieren werden, hatten die Preise gestützt. Dies wäre deutlich weniger als die von Russlands Energieminister Alexander Nowak ins Spiel gebrachte Größenordnung von 1,5 Millionen Barrel.

mit Nachrichtenagenturen