Mittwoch, 18. September 2019

Börse Dax nach Gipfel-Absage unter Druck - doch Dow Jones erholt sich

BMW in Los Angeles: Trump droht mit 25 Prozent Zoll auf Importautos

Donald Trump droht mit Strafzöllen auf Auto-Importe und setzt damit VW, BMW und Daimler unter Druck. Zudem muss Trump das Treffen mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un absagen. Auch die Aktie der Deutschen Bank taumelt weiter abwärts. Der Dow Jones grenzt dagegen seine Verluste im späten Handel ein.

Donald Trump verschreckt Anleger: Nach dem Kursrutsch zur Wochenmitte hat der deutsche Aktienmarkt am Donnerstag weiter nachgegeben. Der Dax Börsen-Chart zeigen baute nach Handelsbeginn an den US-Börsen seine Verluste aus und notierte zum Handelsschluss auf Xetra (17.30 Uhr) bei 12.855 Zählern. Binnen drei Tagen hat der Dax damit mehr als 300 Punkte nachgegeben.

Am Mittwoch hatten bereits neu aufgeflammte Befürchtungen im Handelsstreit zwischen den USA und China den Leitindex deutlich ins Minus befördert. Am Donnerstag drohte US-Präsident Trump zudem US-Strafzölle auf deutsche Autos in Höhe von 25 Prozent an und belastete damit deutsche Autowerte.

Zugleich musste Trump am Donnerstag Nachmittag eingestehen, dass das für den 12. Juni geplante und mit großen Erwartungen beladene Gipfeltreffen zwischen Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un nicht stattfinden könne. Trump schrieb in einem am Donnerstag veröffentlichten Brief an Kim, ein solches Treffen sei "gegenwärtig nicht angemessen". Im Wortlaut: "I was very much looking forward to being there with you," schrieb Trump. "Sadly, based on the tremendous anger and open hostility displayed in your most recent statement, I feel it is inappropriate, at this time, to have this long-planned meeting."

Dow Jones grenzt Verluste im späten Handel ein

Sowohl der Dax als auch der Dow Jones Börsen-Chart zeigen rutschten unmittelbar nach Bekanntwerden der Absage deutlich ins Minus. Der Dow konnte seine Verluste im späten Handel jedoch eingrenzen.

Der Dow Jones Börsen-Chart zeigen konnte seine frühen Verluste von mehr als 1 Prozent im Handelsverlauf sichtbar eindämmen und stand zum Börsenschluss nur noch 0,3 Prozent im Minus bei 24 811,76 Punkten. Der marktbreite S&P-500-Index verlor letztlich 0,20 Prozent auf 2727,76 Punkte und der technologielastige Auswahlindex Nasdaq 100 verringerte bei 6949,70 Zählern sein Minus auf 0,1 Prozent.

Trump sagte das im Juni geplante Treffen mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un ab, über das es schon zuletzt Unsicherheiten gegeben hatte. Als Grund für seine Entscheidung nannte er mehrere nicht gehaltene Zusagen seitens Nordkoreas. So sei etwa eine US-Delegation zur Vorbereitung des Gipfels in Singapur von den Nordkoreanern schlicht sitzengelassen worden. Allerdings sei ein Treffen zum eigentlich geplanten oder einem späteren Zeitpunkt immer noch möglich, so Trump weiter.

Weitere negative Nachrichten kamen vom amerikanischen Immobilienmarkt, wo sowohl die Verkaufszahlen bestehender Häuser als auch die Entwicklung der Preise enttäuschten.

Deutsche Bank stürzt weiter ab

Am Dax-Ende notierte die Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen mit einem Kursverlust von rund 4 Prozent. Mit 10,50 Euro notiert sie auf dem tiefsten Niveau seit 18 Monaten. Das Finanzinstitut verschärft mit dem Abbau von 7000 Jobs seinen Sparkurs. Die Bank will vor allem ihr Aktiengeschäft umbauen, wo etwa 25 Prozent der Stellen wegfallen sollen. Am Tag der Hauptversammlung trennten sich jedoch weitere Aktionäre von dem Papier.

"Die Unsicherheit ist an die Börsen zurückgekehrt", schrieb Marktanalyst Milan Cutkovic vom Handelshaus AxiTrader. "Die Entwicklungen in Italien könnten für die Europäische Union zu einem großen Problem werden, das können die Aktienmärkte nicht länger ignorieren." Das Land steht vor einem "historischen Wandel": Nach einer fast drei Monate langen Hängepartie ist der Weg für die erste Regierung aus Fünf-Sterne-Bewegung und rechtspopulistischer Lega endgültig frei.

Trump droht mit Importzöllen auf Autos

Aus Branchensicht standen vor allem Automobilaktien unter Druck, weil US-Präsident Donald Trump Einfuhrzölle auf ausländische Fahrzeuge prüfen lässt. "Importzölle auf Autos wären ein Albtraum für die deutsche Autoindustrie und würden massive Absatzeinbußen bedeuten", kommentierte dies Thomas Altmann, Leiter des Portfoliomanagements von QC Partners. Entsprechend standen die Papiere von Volkswagen Börsen-Chart zeigen, Daimler Börsen-Chart zeigen und BMW Börsen-Chart zeigen mit Verlusten zwischen 1,8 und 2,7 Prozent auf den letzten drei Plätzen im Dax.

Zu den attraktivsten Branchen am deutschen Markt und europaweit zählten Chemiewerte. Händlern zufolge sorgte eine optimistische Studie der Deutschen Bank branchenweit für Rückenwind. Analyst Tom Jones rechnet mit weiter steigenden Gewinnschätzungen und verwies auf den Ölpreisanstieg, sinkende Zollschranken in China sowie weniger negative Währungseffekte als Gewinntreiber für die Branchenwerte.

Für die zum Umtausch eingereichten Aktien von Linde Börsen-Chart zeigen ging es an der Dax-Spitze um 2,3 Prozent nach oben. Die Papiere von BASF Börsen-Chart zeigen verteuerten sich um rund 1,3 Prozent. Analyst Sebastian Satz von der britischen Investmentbank Barclays glaubt an weiteres Wachstum der Ludwigshafener und hält die Markterwartungen für teils zu pessimistisch.

Die Anteilsscheine der Commerzbank Börsen-Chart zeigen zählten mit einem Minus von 1,7 Prozent zu den Dax-Schlusslichtern. Die US-Investmentbank Morgan Stanley hatte zuvor ihre bisher optimistische Haltung aufgegeben und die Aktie wegen schwacher Ertragsaussichten der Bank und deutlich gesenkter Gewinnschätzungen auf "Equal-weight" abgestuft. Analystin Giulia Aurora Miotto verwies dabei auf strukturelle Herausforderungen im Firmenkundengeschäft sowie das nach wie vor niedrige Zinsumfeld.

US-Hedgefonds Elliott steigt bei Thyssenkrupp ein

Der Hedgefonds Elliott bestätigte eine "signifikante" Beteiligung am Industriekonzern Thyssenkrupp. Thyssenkrupp habe einen erheblichen Spielraum für operative Verbesserungen. Die Anleger goutierten die Aussagen mit einem Plus von 1,1 Prozent. Bereits am Dienstag waren die Papiere nach Spekulationen über einen Einstieg des Investors nach oben geschnellt.

Im MDax wurden 3 Werte mit einem Dividendenabschlag gehandelt. Es sind dies der Spezialchemiekonzern Evonik Börsen-Chart zeigen, das Immobilienunternehmen TAG Immobilien Börsen-Chart zeigenund der Immobilienfinanzierer Aareal Bank Börsen-Chart zeigen.

Börsen in Asien mit Verlusten

An den Börsen in China und vor allem Japan ist es auch am Donnerstag abwärts gegangen. Die anhaltende Yen-Erholung wog schwer. Die japanische Landeswährung profitiert insbesondere vom Hin-und-her im internationalen Handelsstreit. Nach der jüngsten Annäherung zwischen den USA und China goss US-Präsident Trump mit dem Auftrag zur Prüfung von Einfuhrzöllen auf ausländische Autos wieder Öl ins Feuer.

Autowerte gerieten besonders unter Druck - allen voran Mazda Motors mit einem Abschlag von mehr als 5 Prozent. In Tokio sackte der japanische Leitindex Nikkei Börsen-Chart zeigen um 1,11 Prozent ab auf 22 437,01 Punkte.

Euro-Kurs trotzt neuer Italien-Regierung

Der Kurs des Euro Börsen-Chart zeigen ist am Donnerstag nach dem Regierungsauftrag populistischer Parteien in Italien vorerst nicht weiter gefallen. Am Morgen wurde die Gemeinschaftswährung bei 1,1710 US-Dollar gehandelt und damit etwa zum gleichen Kurs wie am Vorabend. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs zuletzt am Mittwochnachmittag auf 1,1708 Dollar festgesetzt.

Zuletzt hatte immer wieder die Sorge vor einer Regierung aus Fünf-Sterne-Bewegung und der rechtspopulistischer Lega den Euro belastet, und der Kurs rutschte zur Wochenmitte zeitweise knapp unter 1,17 Dollar. Dies ist der tiefste Stand seit vergangenen November. Auf dem Weg zu einer neuen Regierung in Rom ist die Suche nach den passenden Ministern in vollem Gange. Staatspräsident Sergio Mattarella hatte am Mittwoch dem Juristen Giuseppe Conte den Regierungsauftrag gegeben.

Nach Einschätzung von Marktbeobachtern konnten neue Hinweise zur künftigen Geldpolitik in den USA den Eurokurs etwas stabilisieren. Nach der Veröffentlichung des Protokolls der jüngsten Zinssitzung der US-Notenbank Fed am Vorabend wird am Markt damit gerechnet, dass die amerikanischen Währungshüter die Zinsen weiterhin eher langsam erhöhen werden. Das hat den Dollar belastet und den Euro im Gegenzug gestützt.

mit dpa und Reuters

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