Kursrutsch im Dax Euro-Rally lässt Dax taumeln

Der deutsche Leitindex Dax taucht am Donnerstag ab und fällt zeitweise unter die Marke von 13.000 Zählern. Der starke Euro schnürt dem Dax die Luft ab. Der Dow Jones schließt dagegen im Plus. Nachbörslich übertrifft Amazon die Erwartungen, während Apple enttäuscht.

Kursrutsch im Dax: Der deutsche Leitindex Dax  war am Donnerstag zunächst mit Gewinnen in den Handel gestartet, drehte im weiteren Handelsverlauf jedoch klar ins Minus und fiel im späten Handel sogar unter die Marke von 13.000 Zählern. Der starke Euro und die steigende Nervosität der Investoren schlugen auf die europäischen Indizes voll durch. Zum Ende des Xetra-Handel (18.30 Uhr) notierte der Dax  1,4 Prozent schwächer bei 13.003 Punkten.

Im späten Handel baute der deutsche Leitindex Dax 30 seine Verluste aus und notierte zum Handelsschluss in den USA bei nur noch 12.965 Punkten.

Für Unsicherheit unter Investoren sorgte außerdem die Zuspitzung der Russland-Affäre um Präsident Donald Trump. Die Demokraten werfen dem Weißen Haus Veränderungen an einem geheimen FBI-Bericht vor. Trump wolle damit Sonderermittler Robert Mueller diskreditieren, hieß es. Der US-Dollar gab daraufhin wieder nach, der Euro  steuerte wieder die Marke von 1,25 Dollar an und schickte den Dax in die Tiefe.

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Dax charttechnisch angeschlagen

Mit seinem Kursrutsch auf das tiefste Niveau seit Anfang Januar habe der Dax  die 50-Tage-Linie, eine wichtige charttechnische Unterstützung, durchbrochen, sagte Neil Wilson von ETX Capital. Die steigende Nervosität an den Börsen spiele den Skeptikern in die Hände, die auf eine größere Korrektur an den Aktienmärkten setzen.

"Nun öffnet sich langsam ein Fenster für die Bären, das Aussicht auf eine größere Korrektur nicht nur an der Wall Street bietet. Auch dass der Dax ohne Gegenwehr unter die Unterstützung bei 13.133 Punkten fiel, ist Besorgnis erregend", ergänzte Jochen Stanzl von CMC Markets. Ohne ein direktes Zurückerobern dieser Marke rücke eine größere Korrektur im Dax in greifbare Nähe.

Wall Street kaum verändert, Dow Jones dreht ins Plus

Die US-Börsen haben am Donnerstag keine gemeinsame Richtung gefunden. Zinssorgen und steigende Renditen an den Kreditmärkten drückten die Stimmung an der Wall Street. Der Dow Jones  der Standardwerte schloss 0,1 Prozent höher auf 26.186 Punkten. Der breiter gefasste S&P 500 sank um 0,1 Prozent auf 2821 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq Composite  verringerte sich um 0,4 Prozent auf 7385 Punkte.

Zu den Gewinnern zählten Bankenwerte, die im Schnitt ein Prozent zulegten. Sie profitierten von den Spekulationen auf schnellere Zinsanhebungen der US-Notenbank.

Belastend wirkten die Zahlen von Microsoft  . Die Papiere des Softwarekonzerns gaben nach Veröffentlichung der Quartalszahlen 0,8 Prozent nach. Facebook  stiegen dagegen um 3,3 Prozent.

Amazon übertrifft Erwartungen, Apple enttäuscht

Nach Börsenschluss wurden die Zwischenberichte von drei weiteren Schwergewichten erwartet: von Apple  , der Google-Mutter Alphabet und Amazon  .

Amazon meldete nachbörslich einen Umsatz- und Gewinnsprung im vierten Quartal und übertraf damit die Erwartungen der Analysten deutlich. Die Aktie von Amazon, die zuvor um rund 4 Prozent nachgegeben hatte, setzte daraufhin zur Erholung an und stieg mit 1475 Dollar im nachbörslichen Handel auf ein neues Rekordhoch.

Die Aktie von Apple gab dagegen nach Bekanntgabe der Zahlen nach. Apple legte zwar Rekordzahlen bei Umsatz und Gewinn vor, enttäuschte aber vor allem mit dem verhaltenen Ausblick auf das laufende Geschäftsquartal.

Dabei hatte es am Vortag zunächst nach einer Stärkung des Dollar ausgesehen. Die US-Notenbank hält zum Ende der Ära von Fed-Chefin Janet Yellen die Zinsen konstant und die Tür für eine Zinserhöhung im März weit offen.

Fast alle 30 Dax-Werte schlossen im Minus - nur ProSiebenSat.1 , Commerzbank  und Volkswagen  verbuchten gegen den Trend leichte Gewinne. Anleger fürchten eine stärkere Korrektur in den USA, die seit Wochen überfällig ist. Zu den größten Verlierern im Dax zählten die Aktien von Daimler, Fresenius und von Siemens mit Verlusten zwischen 3 und 4 Prozent, wobei Siemens am Donnerstag ex Dividende gehandelt wurde.

Siemens ex Dividende

Die Aktie von Siemens wird heute ex Dividende gehandelt. Die Münchner schütten 3,70 Euro je Anteil an ihre Aktionäre aus - dieser Betrag wird von dem Aktienkurs entsprechend abgezogen. Bereinigt um die ausgeschüttete Dividende fiel das Minus bei Siemens geringer aus.

Daimler mit Rekordgewinn - doch 2018 wird schwieriger

Daimler (Kurswerte anzeigen) traut sich nach dem Gewinnsprung im vergangenen Jahr wegen der steigenden Investitionen 2018 kein neues Ergebnisplus zu - die Aktien verloren zuletzt rund 1 Prozent und waren damit schwächster Dax-Wert. Auch die kräftig erhöhte Dividende konnte die Aktie zunächst nicht stützen: Für das Geschäftsjahr 2017 will das Unternehmen den Anlegern eine deutlich erhöhte Dividende von 3,65 Euro je Aktie zahlen - das entspricht zum aktuellen Aktienkurs einer Dividendenrendite von mehr als 4 Prozent.

Auf der Konjunkturseite stehen die detaillierten Einkaufsmanagerindizes für die deutsche Industrie und für die Euro-Zone im Januar im Terminkalender. Am Nachmittag folgen aus den USA der Wochenbericht vom US-Arbeitsmarkt sowie unter anderem der ISM-Einkaufsmanagerindex für die Industrie. Beide könnten Hinweise auf die am Freitag erwarteten offiziellen Jobdaten geben.

Euro klettert wieder Richtung 1,25 US-Dollar

Der Kurs des Euro (Kurswerte anzeigen) hat am Donnerstag zuletzt wieder zugelegt und Kurs auf die Marke von 1,25 US-Dollar genommen. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs zuletzt am Mittwochnachmittag auf 1,2457 Dollar festgesetzt.

Die US-Notenbank Fed hatte am Vorabend ihre Geldpolitik nicht verändert und den Leitzins wie erwartet in der Spanne von 1,25 Prozent bis 1,50 Prozent belassen. In der Stellungnahme der Fed im Anschluss an die Zinsentscheidung hatte es im Vergleich zur vorangegangenen Mitteilung kaum Veränderungen gegeben. Die amerikanische Zentralbank will demnach die Zinsen weiterhin nur langsam erhöhen.

Ölpreise steigen

Die Ölpreise haben am Donnerstag etwas zugelegt. Ein Barrel (je 159 Liter) der Nordseesorte Brent  zur Lieferung im März kostete im frühen Handel 69,02 US-Dollar. Das waren 13 Cent mehr als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um 10 Cent auf 64,83 Dollar.

Nach Einschätzung von Marktbeobachtern hat der jüngste Höhenflug der Ölpreise, der in der vergangenen Woche zu neuen Drei-Jahreshochs geführt hatte, seine Dynamik ein wenig verloren. Trotz der leichten Zugewinne im frühen Handel sind die Notierungen für Brent-Öl und für US-Öl seit Beginn der Woche gesunken.

Jüngste Daten zu den Ölreserven in den USA sprechen eher für weiter sinkende Ölpreise. In der vergangenen Woche waren die Rohölbestände in der größten Volkswirtschaft der Welt stärker gestiegen als von Experten erwartet. Sie legten laut Daten des US-Energieministeriums vom Vortag um 6,8 Millionen Barrel auf 418,4 Millionen Barrel zu. Analysten hatten im Schnitt lediglich einen Anstieg um 0,3 Millionen Barrel erwartet. Außerdem war die amerikanische Fördermenge auf einen neuen Rekordstand von 9,91 Millionen Barrel pro Tag gestiegen.

mg/dpa-afx/rtr
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