Börse Euro hebt ab, Dax taucht ab, Dow klettert weiter

Der Dax dreht klar in die Verlustzone. Der Höhenflug des Euro vertreibt Anleger. In den USA legen die Indizes dagegen zu - der schwache Dollar stützt den Dow.

Der weiter gestiegene Euro in Dollar  hat am Donnerstagnachmittag den Dax  wieder unter Druck gesetzt. Zuletzt verlor der deutsche Leitindex 0,8 Prozent und fiel klar unter die Marke von 13.400 Punkte zurück. Auch MDax  und TecDax  gaben nach und schlossen in der Verlustzone.

Die jüngste Aufwertung des Euro machtEuropas Währungshütern Sorge. "Die derzeitige Wechselkursvolatilität stellt eine Unsicherheitsquelle dar, die eine genaue Beobachtung erfordert", sagte der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, nach dem Zinsentscheid. Der Euro  rückte am Nachmittag über die Marke von 1,25 US-Dollar vor und erreichte das höchsten Niveau seit 3 Jahren.

Die EZB hatte den Leitzins im Euroraum auf dem Rekordtief von null Prozent belassen. Die Notenbank gab zunächst auch keinen Hinweis auf eine Straffung ihrer ultralockeren Geldpolitik. Wie die EZB weiter mitteilte, wird sie ihr auf 2,3 Billionen angewachsenes Wertpapierkaufprogramm noch bis mindestens September fortsetzen.

US-Börsen profitieren vom schwachen US-Dollar

Solide Konzernbilanzen und ein schwacher Dollar haben unterdessen am Donnerstag den US-Börsen frischen Schub gegeben. Der Dow Jones (Kurswerte anzeigen) stieg um je 0,4 Prozent auf 26.346 Punkte, der Nasdaq Composite  legte 0,6 Prozent auf 7458 Zähler zu.

In Frankfurt gelang es EZB-Chef Mario Draghi zunächst nicht, den Anstieg des Euro zu bremsen. Vielmehr zog die Gemeinschaftswährung zeitweise auf über 1,25 Dollar an und notierte damit auf einem frischen Drei-Jahres-Hoch. Der niedrige Dollarkurs kommt dem US-Handel zugute.

Im Dow standen Caterpillar  ganz oben. Sie stiegen um gut zwei Prozent. Die weltweite Nachfrage nach Baumaschinen hat den Umsatz des US-Konzerns im vierten Quartal um 35 Prozent auf 12,9 Milliarden Dollar in die Höhe getrieben. Zudem übertraf der weltgrößte Baumaschinenkonzern zum siebten Mal in Folge in einem Quartal die Gewinnerwartungen der Analysten.

Dax Realtime: Sehen Sie Dax, Dow und andere Indizes in Echtzeit 

Linde mit Kurssprung an der Dax-Spitze

Die Aktien von Linde (Kurswerte anzeigen) legten im Dax zuletzt mehr als 2 Prozent zu. Der US-Gasekonzern Praxair zeigt sich vor der anstehenden Fusion mit dem deutschen Rivalen Linde gut in Schuss. Nach einem Rückgang 2016 konnten die Amerikaner im vergangenen Jahr ihren Umsatz und das Ergebnis wieder steigern, wie Praxair am Donnerstag mitteilte. Für den Jahresauftakt stellt der Konzern nun einen bereinigten Gewinn je Aktie (EPS) von 1,53 bis 1,58 Dollar in Aussicht. Im Gesamtjahr konnte Praxair damit seine - zum dritten Quartal angehobene Prognose - noch toppen: Der bereinigte Gewinn je Aktie kam bei 5,85 Dollar heraus. Der Konzern mache derweil enorme Fortschritt in Richtung der beabsichtigten Fusion mit Linde  , betonte Praxair-Chef Steve Angel. Er stellte klar, dass er weiterhin mit dem Zusammenschluss mit dem deutschen Rivalen in der zweiten Hälfte des Jahres rechnet

Software AG nach Zahlen schwach, Goldpreis steigt

Bei den Unternehmen kamen Software AG  mit ihrem Ausblick nicht gut an. Die Papiere fielen um 4,6 Prozent und waren schwächster Wert im TecDax  . Im Nebenwerteindex MDax  gerieten Aktien des Leuchtenherstellers Osram nach einer Gewinnwarnung von Konkurrent Zumtobel aus Österreich unter Druck. Osram-Papiere gaben 1,6 Prozent ab, Zumtobel-Titel brachen um zwölf Prozent ein.

Der wegen der Dollar-Schwäche auf den höchsten Stand seit 2016 gekletterte Goldpreis ist ein weiteres Warnsignal für Aktienanleger, wird dadurch doch die Nachfrage nach vermeintlich sicheren Anlagen dokumentiert. Der Preis der "Antikrisen-Währung" stieg um bis zu 0,6 Prozent auf 1349,56 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm).

Euro über 1,25 US-Dollar

Der Euro  hat am Donnerstag seinen Höhenflug fortgesetzt. Der Kurs der europäischen Gemeinschaftswährung kletterte bis auf 1,254 US-Dollar und damit auf den höchsten Stand seit Dezember 2014. Bereits in den vergangenen Tagen hatte sich der Euro deutlich verteuert - alleine in dieser Woche stieg der Kurs um rund 2 Cent.

Vor einem Jahr hatte der Euro mit 1,07 Dollar nur knapp über der Parität gestanden. Doch er gewann 2017 nach seinem Jahrestief von 1,05 Dollar nach und nach an Wert, wobei sich der Anstieg in der zweiten Hälfte beschleunigte.

Jüngster Kurstreiber waren Maßnahmen der US-Regierung unter Präsident Donald Trump. Die größte Volkswirtschaft der Welt will künftig importierte Waschmaschinen und Solarmodule mit hohen Strafzöllen belegen.

Die protektionistische Politik von Trump schürte am Devisenmarkt die Furcht vor einem Handelskrieg. "Trump trampelt auf dem Dollar herum", fasste Devisenexpertin Antje Praefcke von der Commerzbank die Marktentwicklung zusammen.